Modetrend: Reziproke Talibanisierung der Intimzone

Es wundert das der deutsche Hygienewahn erst so spät auf den Zug der klinischen Septiker aus dem Land der unbegrenzten Dummheit aufhüpft.
Während die brainwashed people mit großen Töpfen voller plörriger Kaffeederivate durch die Straßen schlappen und sich überlegen in welche ihrer Körperteile sie sich ein weiteres Stück Metall verankern können, scheuern sie sich die Muschilippen oder ihren Ei-pod wund, wenn es in dieser Region nicht sowieso bereits aussieht, wie eine Akne gesegnete Fratze eines pupertierenden Computer-Nerds.
Vom ästhetischen Standpunkt gesehen, mag es Gründe geben sich der Wolle zu entledigen – hier schweben immer die Worte des weisen Wiglaf Droste durch den Raum der anlässlich eines Konzertes von Neil Young über einen Teil der Zuschauer folgendes feststellte:“ … Beine so wollig behaart wie Hobbitfüße, und Achseln aus den Akkopatz-artiges nass hervor wuchert …„.

Das es bereits eine lange Tradition der Intimrasur gibt, die sich wohl aus größtenteils hygienischen Gründen – Sackratten und mangelnde Waschgelegenheiten- ergeben hat ist natürlich unbestritten.
Ebendo, das Menschen die sich das eigene Denken gerne durch den Glauben an eine transzendentalen Existenz ersetzen lassen, selbstverständlich auch, wenn es denn als der göttliche Willen niedergeschrieben stehen sollte, das Ansetzen des Messers an die unteren Regionen vorschreiben und fremdbestimmen lassen erscheint nur konsequent.

Hinter der säkularisierten westlichen Rasiererei steckt aber imho eben eher der Drang sich von seiner- so empfundenen- eigenen Unvollkommenheit distanzieren zu wollen, indem man einem – meistens künstlich erzeugten- Trend folgt für den es vordergründig keinen Grund gibt.

Nachdem inzwischen ein wichtiger Teil der sexualisierten Sozialisation durch das Anschauen von rasierten Pornsternchen im Inet und trendigen Modells in den Printmedien oder dem Fernsehen stattfindet, folgen eben viele, den, als quasi Norm vorgegebenen und empfundenen, Abbildern des Lebens anstatt sich eine eigene Entwicklung mit all ihren Irrungen und Wirrungen angedeihen zu lassen.

Die alte Angst nicht der Norm zu entsprechend scheint in diesem Zusammenhang neue Blüten zu treiben.
Zweifel an der Normalität am eigenen Körper gab es, nicht nur bei pubertierenden Teenagern,wie ich vermute, immer schon.
Relativ neu ist jedoch das sich vermehrt Menschen freiwillig einer Operation unterziehen (wollen) um der Norm zu entsprechen.
Zu klein, zu groß, zu schief,zu schrumpelig igittigitt – da lassen wir doch besser mal den Chirurgen eine Umgestaltung machen, damit das auch dem Ideal, einer wie auch immer gearteten Nachfrage, entspricht.
Männer bevor ihr euch euren Schnippel bearbeiten lasst, denkt daran wie der von Ken aussieht!
Na, immer noch willig unter das Messer zu schlüpfen? 😀

Die ganze Industrie, die sich, wie Sackratten von der Intimregion der Ausgeschabten, ernährt, ist letztlich der Ausdruck einer Durchkapitalisierung jener letzten Regionen des Menschen, welche bisher davon verschont geblieben waren.

Gerüche werden durch Sprays bekämpft und die, durch intensive Enthaarungsstrategien bedingten, Haarbalgentzündungen mit zusätzlichen Mengen an desinifizierendem Agens.
Wie wäre eine Entlaubung des Busches mit Agent Orange?

Ich möchte nicht, wenn mein Kopf zwischen den Beinen des erwählten Wesens ruht, das es beliebig nach einem in einer Firma zusammengerühertem massenkompatiblen Mittel muffelt, sondern ich will IHREN eigenen Duft atmen und schmecken.

Sex ist eben nicht nur die Akrobatik des Aktes, sondern eben auch der Austausch von Körperflüssigkeiten und Düften welcher das ganze erst sinnlich abrundet.
Und wer sich, statt von seiner eigenen Fantasie angeregt oder den Begebenheiten vorgegeben, hauptsächlich in den Stellungen paart die dort gesehen wurden, wo die Intimrasuren tatsächlich die Norm sind, der sollte auch bitte weiter dieses Kaffederivat trinken und seine Intimzone mit Kampfstoffen entsinnlichen.

Denn das passt wie die Faust aufs Auge: Keinen Geschmack und stolz darauf!

Bei Georg Christoph Lichtenberg finde ich das Zitat des Tages:
Ich habe bemerkt, daß Personen, in deren Gesichtern ein gewisser Mangel von Symmetrie war, oft die feinsten Köpfe waren.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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