Black Bottle

Ein Blended Whisky der mich ziemlich überrascht hat, leider meistens unangenehm und nachhaltig irritierend.

Die Black Bottle wird von nahezu jedem gelobt, egal ob es sich dabei um den Bibelschreiber Jim Murray, der diesem Whisky -auch in seiner 2011 Ausgabe- noch 91 Punkt (Brilliant) gab oder Ian Buxton der ihn in seinem Buch „101 Whiskies to Try Before You Die“ als einen „good everyday standby“ Whisky aufführt, handelt.

Beworben vom Händler damit, das er sich aus Flüssigkeiten aller klassischen Islay Destillen plus (dem unvermeidlichen) Grain Whisky zusammensetzt und dadurch ein stark rauchiger und junger Racker sein soll, legte ich mir eine der erlesen hässlichen, aber dabei hoch funktionalen Flaschen in der 1 Liter Größe zu.
Meine Erwartungshaltung war groß als ich die Flasche öffnete und den Islay Saft ins Blenders Malt Glas rinnen ließ.
So wurde dem Blend ein bisschen Zeit zur Entfaltung gegönnt und dann -voller Vorfreude- sachte an seinen Ausdünstungen geschnuffelt.
Arrgghh!
Die Nase trifft wuchtig ein mächtiger Schwung Alkoholdunst erst dann lässt sich ganz sachte dahinter etwas Rauch erahnen.
Definitely not quite what I expected, Holmes.
Selbst ein billiger Blended Whisky wie Teacher’s Highland Cream hat da -gezeugt in den Trögen von Ardmore- mehr Rauchigkeit in seiner Schnuffelwolke zu bieten.

Schade! Aber meine eigene Schuld, denn der Hersteller schreibt inzwischen auch nichts mehr von „starkem Rauch“, wie es noch in den meisten Beschreibungen zu finden ist, sondern „Fresh and fruity with hints of peat“, wobei er leider nicht zu viel versprochen hat.
Anbieter wie http://whisky.de sollten ihre Beschreibungen adäquat umschreiben und der Realität anpassen oder die Kommentare ihrer Kunden auch veröffentlichen.
Egal.
Wir sind ja nicht hauptsächlich zum Gesichtsgurken benetzen mit diesem Whisky in Kommunikation getreten, sondern um zu erschmecken, was in der Hexenküche von Burn Stewart Distillers zusammen gemischt wurde.

Die Black Bottle mit ihren 40% entfaltet ein (honig-)süßes, warmes Aroma auf der Zunge, ist dabei leicht rauchig und leider unangenehm aggressiv sprittig dominant.
Der Rauchgeschmack geht meiner Meinung nach in die Richtung eines leichten geräucherten Schinkens, bleibt aber immer hinter den anderen Eindrücken zurück.
Sein Abgang ist trocken, grasig mit ein wenig Nelke und einer leicht bitteren Hinterlassenschaft.
Er macht, wie es der werte Mittrinker Herr AausB treffend sagte:“Eine pelzige Zunge„, definitiv nicht das, was man haben möchte, wenn man einen dram verköstigt.

Was mich allerdings an diesem Whisky am meisten irritiert hat, war seine Eigenschaft, das er bei geraden Verköstigungssitzungen (2, 4, 6 tes probieren) durchaus trinkbar war, fast ein feiner Begleiter des Abends.
Dann entpuppte er sich als ein Whisky, dem die meisten der oben genannten Unarten abgingen oder bei dem sie nicht so dominant waren.
Ein gar merkwürdiges Phänomen.
Ich habe immer noch keine Ahnung was das war oder ist noch woran das gelegen haben könnte.
Anfänglich hatte ich die Blenders Malt Gläser -im Vergleich- zu den normalen Nosing-Gläsern in Verdacht, diese These erwies sich allerdings als nicht haltbar.
Nach dem zweiten Aufeinandertreffen, vermutete ich das sich durch das Öffnen der Flasche die unangenehm hohe Sprittigkeit und der Alkohol ein wenig verflüchtigt hätten – doch beim dritten Mal war es wieder wie beim ersten Mal.
Der arme Herr AausB war mitleidender Zeuge und Opfer zugleich.
So wiederholte sich das guter-Whisky-böser-Whisky-Spiel, bis ich vor wenigen Tagen die leere Flasche dem Glascontainer meines Vertrauens anvertraute.
Zurück bleibt ein Rätsel dessen Lösung sich mir nicht erschließt.
Help wanted.
Das Whiskys -je nach Stimmung, vorheriger Nahrungsaufnahme und vielen andern Umständen nie ganz gleich schmecken ist mir klar, aber solch eine Diskrepanz wie beim Verzehr der Black Bottle ist mir bisher noch noch nicht untergekommen.

Die Black Bottle ist -wenn man ein wenig schaut- für um die 26 Euro den Liter zu haben, sie kommt nackelisch ohne Umverpackung in einer ulkig-grünen Flasche mit einem Schraubverschluss daher.

Wertung Blended Whisky
Black Bottle

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein sicherlich überschätzter Blend, wenn man etwas rauchiges erwartet, der riech- und schmeckbare Anteil davon ist leider viel zu gering. Die Islay Begrifflichkeit eher irreführend. Es kann ein brauchbarer bis guter Whisky sein, wenn man einen geraden Tastingtag erwischt. 😀 Denn dann kann er fast schon süffig sein, ist mir aber letztlich im Vergleich zu den Standard-Einstiegs-Blends Teacher’s oder auch Ballantine’s Finest definitiv zu teuer -man erhält bei selbigen die doppelte Menge Schnaps und auch mehr Spaß beim Trinken.

Es kann aber auch sein, das sich die Black Bottle einfach in den letzten Jahren verändert hat, im Tasting Video von ralfy aus dem Jahre 2009 hat die Flasche ein anderes Etikett und der Whisky wird noch als peaty bezeichnet.
Klingt wie die Versprechung und nicht wie das was es wirklich gab. 😉

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

6 Gedanken zu “Black Bottle

    1. Leider ist die Flasche ja inzwischen zu ihren Ahnen geritten; ihr Inhalt rann bereits die Kehle(n) runter – das macht ein erneutes Testen leider unmöglich.
      Oder zumindest schwierig und widerlich 😀
      Das mit den ungraden Tagen schlug auch der werte Herr AausB vor, allerdings funktionierte das so leider nicht.
      Es ging um die Tage an denen ich die Flasche aufgemacht, eingeschenkt und getrunken habe. Beim ersten Öffnen der Flasche fies, beim zweiten Mal dann gut, beim dritten mal dann wieder fies und so weiter.
      Es ging weder um die Anzahl der abendlichen drams noch um den entsprechenden ungeraden Kalendertag 😉 .

      Zur Überwindung des Black-Bottle-Traumas werde ich ich in Kürze andere billige rauchige Blends testen: Black Grouse und Nikka All Malt – beide in ähnlicher Preisklasse und rauchig.
      Wobei auch der Nikka auch nur wenig rauchig sein soll, aber der kommt ja auch aus Japan und nicht von Islay, da verzeihe ich das eher.
      Mal schauen wie sich die schlagen werden.

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    1. Kleine Flaschen sind doof, die wirft man auf Deng Xiaoping, aber kauft sie -wenn es eine alternativ große davon gibt- nicht.
      Dann halt irgendwann einmal eine neue „Black Bottle“ und fleißiges Testen der üblichen Verdächtigen.
      Oder wir kaufen uns eine Flasche Cameron Brig Single Grain und blenden was das Zeug hält, wie es Buxton launig vorschlug, für den Fall des Mißgefallens.

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