Drei Fragezeichen aufgeklärt

Beim creative drinking retasted Urlaub gab es ein paar Whiskys, die ich noch nicht besprochen und vorher noch nicht geschnuffelt, getastet und genossen hatte.
Einige der Flaschen stammten vom ehrenwerten Herren AausB und sind danach auch wieder mit ihm nach B. gereist; mithin erst einmal meinem Mundwerk entkommen.
Da ich diese Whiskys lediglich mit mehreren drams verkostet habe und nicht wie bei meinen Eigenbedarfsbesitz Flaschen, stelle ich sie mal zusammen hier vor.
Eben unter dem Vorbehalt das sie …

  • in kurzem Zeitabstand verköstigt wurden
  • mit anderen Whiskys hintereinander verköstigt wurden
  • nicht das heimische Interieur und nicht die gängige Stimmungslage vorherrschten
  • eben nicht in der Menge retasted wurden wie gewöhnlich


mithin, die Parameter waren andere als sonst.

Da ich diese Whiskys nicht gekauft habe, könnte ich deren Preise zwar recherchieren bzw. aus dem Kopf daher sagen 😀 aber auch dieser Bereich entzieht sich meiner Wertung.
Deshalb sind meine Wertungen bezüglich Preis-Leistungsverhältnis und Geschmack unter Vorbehalt zu betrachten.
Positiv kommt allerdings hinzu, dass ich die Ergebnisse unabhängig mit dem Herren AausB abgeglichen, also quasi verifiziert habe.
Eine angenehme Bestätigung bzw. Erweiterung des eigenen Horizonts.

Glenglassaugh „The Spirit Drink that blushes to speak its name“
Glenglassaugh
Der erste Whisky ist allerdings mal wieder gar keiner, sondern ein sogenannter Spirit Drink.
Die Destillerie Glenglassaugh war längere Zeit eingemottet und wurde erst 2008 wieder hochgefahren; mithin können wir nach dem schottischen Gesetz eben erst Ende 2011 oder Anfang 2012 mit dem ersten echten Whisky rechnen.
Um bis dahin ein wenig Schotter in die Kassen zu bekommen und um auch schon mal ein wenig die Werbetrommel zu rühren, füllt man deshalb sogenannte Spirits und Blushes ab, neuerdings auch als Peaty und als 12 monatigen im Eichenfass gereiften Fledgling XB.
Wir hatten bei unserem creative drinking Urlaub im Juli das klare, direkt nach der Destillation abgefüllte Destillat dabei, dessen Geschmack ging ein wenig in die Richtung Grappa; schmeckte scharf und war nett, aber nichts was man unbedingt zweimal oder öfter trinken muss. Eben die Ursuppe aus der später einmal, wenn man ganz lieb zu ihm ist und ihm ein feines Fass gönnt, ein leckerer Whisky heranreifen kann.
Der diesmal getestet Glenglassaugh „The Spirit Drink that blushes to speak its name“ ist ein rosé farbenes Destillat, das es sich im Gegensatz zu seinem klaren Bruder ein halbes Jahr in einem kalifornischen Rotweinfass gemütlich machen durfte.
Anders als das sehr grappaeske Erlebnis mit dem klaren Destillat empfängt uns dieser Blush mit der No. 1723 mit einer Nase die hefig und nach Brottrunk riecht. Interessant, aber wenn man Whisky gewohnt ist nicht unbedingt das was man gerne aus dem Glas emporgestiegen riecht.
Hefe haben wir auch im Geschmack, bei einem sehr starken Antritt, der auf der Zunge und im Mund brennt und dessen Ausdünstungen an der Nase aus der Mundhöhle heraus ziehen. Der Abgang brennt primär und ist nichts was man auf Dauer unbedingt haben möchte. Dennoch ein interessantes Erlebnis, welcher Wandel sich bereits nach 6 Monaten vom kleinen klaren Prä-Whisky-Baby hin zum roséfarbenen Blush entwickelt. Spannend wären die nächsten Zwischenschritte im Kontrast, man könnte quasi bei der Whiskywerdung des Destillats Zeuge sein. Eigentlich ein klares Muss für Whiskyfreunde. Außerdem könnte man sich ein kleines Fass bauen (lassen) und die Vorstufen selber weiter reifen lassen, ein Hobby würdig eines Philosophen. Hach!

Wertung entfällt, das Erlebnis zählt mehr, als der Geschmack.

Green Spot (alte Abfüllung)
Green Spot Flasche
Als ersten echten Whisky haben wir dann einen Whiskey getrunken, genauer einen Pot Still Whiskey, den Green Spot (alte Abfüllung).
Zum Thema Pot Still hatte ich bereits etwas hier über den Redbreast 12 geschrieben, das gilt auch für den Green Spot.
Der alte Green Spot war eine Mischung aus 4-7 jährigen Whiskeys, während der neue, den ich noch im Laufe der nächsten Monate aufmachen und tasten werde, 8-9 jährige Teile enthält.
Aber zurück zum Green Spot der uns die letzten Tage begleitete.
Die Nase ist frisch, leicht und hat definitiv etwas Karamell.
Der Geschmack den uns der Green Spot anbietet ist sehr süß honigartig und mild, bei einer gut ausgewogenen leichten holzgeschuldeten Bitterkeit.
Leider ist der Abgang definitiv als kurz zu bezeichnen, die angenehm leicht Süße verflüchtigt sich noch, ehe man Molly Mallone gesagt hat. Schade.
Mir ist der Redbreast 12 im direkten Vergleich etwas lieber, aber der Green Spot ist ein veritabel feines Stöffchen.
Wertung Single Pot Still
Green Spot (alte Abfüllung)

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Bowmore Surf
Bowmore Surf Flasche
Der dritte Mann Whisky im Bunde ist von der Insel Islay und stammt aus den Trögen von Bowmore.
Der Bowmore Surf ist -wenn ich das richtig in Erinnerung habe- eigentlich hauptsächlich für den Travel Value Handel abgefüllt worden und ist der preiswerteste billigste Whisky aus dieser Destille.
Er konkurriert -wobei er ihn preislich noch unterbietet- mit dem kürzlich von mir vorgestellten Finlaggan Original Peaty, dem man unter der Hand nachsagt, er sei ebenfalls von Bowmore.
Die Nase ist frisch, mit zitrus und karamelligen Anteilen, Rauch scheint nicht anzuliegen.
Nachdem der Bowmore sich seinen Weg in den Mundraum gebahnt hat, wird es trocken, rauchig und leicht warm. Die Eiche wird durch süßen Honig und leichtes Zitrusaroma abgemildert.
Ich finde den für sein vermutlich junges Alter – im Gegensatz zum Finlaggan relativ komplex – allerdings macht mir der Finlaggan deutlich mehr Spaß.
Seinen Abgang gestaltet der Bowmore-Surfer mittellang, warm und immer noch süß.
Ich bin ein wenig gespalten was ich davon halten soll. Für den Preis durchaus ein trinkbarer Zeitgenosse, allerdings soll der Legend (hier verlasse ich mich mal auf die Aussagen des Herren AausB) besser sein, ich finde selbst den Enigma aus dem Hause Bowmore besser, obwohl ich den für unsynchronisiert halte (Rauch und Süße stehen nebeneinander und gehen keinerlei sinnvolle Verbindung ein).
Dennoch, wer einen billigen Single Malt von Islay probieren möchte kann sich durchaus mit dem Surf eindecken. Ich würde allerdings ein paar Euro mehr anlegen und mir dann eher einen Lapa 10 oder auch einen Finlaggan Original Peaty holen.
Wertung Single Malt
Bowmore Surf

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

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