Tage der Freude

Sehr schön, die zweite Whisky-Messe in der letzten Zeit stand gestern in Aschaffenburg an und hat eindeutig wieder Spaß gemacht und den trinkerischen Horizont angenehm erweitert.
Wie inzwischen beim Blödbabbler schon üblich, wurde allerdings auch der Platzmangel im Wohnzimmer deutlich erhöht durch den Hinzukauf von „Will-ich-haben“ Lieblingen in Flaschenform.

Whisky & Tobacco Days 2011
Am 30.10 fielen wir zu fünft, die ersten Brückenköpfe und -köpfinnen waren bereits vor Ort etabliert worden, auf den Whisky & Tobacco Days 2011 in Hofheim ein.
20 Aussteller boten ihre Leckereien in flüssiger Form, aber auch als Schokoladen, Marmeladen und ähnlicher Form dar.
Wenn man allerdings sein eigenes begrenztes Budget und die Leber-Darreichungsmengen kennt, ist das große Angebot leider eine veritable Form von Verschwendung.
Es ist wahrlich Himmel und Hölle zugleich an einem solchen Ort zu sein!
Nun, da aber der Blödbabbler nicht alleine dazu verdammt war breite Schneisen in die Batterien von schottischen und irischen Lebenswassern zu schlagen, ergab sich zumindest eine beachtliche Menge an zu schnuffelnden und auch mal zu probierenden Elixieren.
So nutze die Ms. die Möglichkeit noch einmal einen Redbreast 12 gegen einen Redbreast 15 in den Vergleich zu schicken; ihr gefiel der 12 definitiv besser, weicher und weniger brennig (ich vermute mal 40% vs. 46%) war ihr wichtigstes Kriterium – allerdings meinte auch der Händler der 15 sei erst langsam wieder auf der Spur und hinke dem 12 noch etwas hinterher, außerdem kostet der halt auch gleich mal 20 Euro mehr – keine Pflichtausgabe findet der Blödbabbler.

Danach gönnte sich die Blödbabblerin noch einen 21 Jahre alten von Gordon & MacPhail abgefüllten Glen Grant – ein richtig leckeres Tröpfchen für 70-80 Euro die Buddel- mild mit schönen Karamelltönen, soweit ich das von dem Tropfen der sich in meinen Mund verirrte sagen kann.

Was habe ich selbst gesüffelt?

Ich startete mit einem Glengoyne 17, der -wie es Art der Destillerie Glengoyne ist- komplett ohne Rauch daher kommt, durchaus trinkbar, allerdings halte ich den Standard 10 jährigen für zwar etwas brenniger und weniger intensiv bei den Aromen, aber sicherlich der ist konkurrenzfähig. Preislich kostet der 17 jährige den doppelten Preis und dafür ist er mir im Vergleich nicht gut genug.
Danach war die Zunge angewärmt, das Herzelein geöffnet und die Pforten des Portemonnaies geöffnet.

Ich nutzte die Möglichkeit das sich der neue Ardbeg Alligator vorstellen durfte.
Ein feiner Stoff aus den Trögen von Ardbeg, der seinen Namen von der reliefartigen Struktur -wie Krokodilhaut- der frisch ausgebrannten Ex-Bourbonfässer bekommen hat. Hängen geblieben ist mir -ich war ja zum Trinken und testen und nicht zum Notizen machen dort – Eiche und Vanille, Rauch in einer klasse Abstimmung. Die 0,7 Flasche kostet irgendwas um die 65-70 Euro stolzer Preis aber ich denke hier bei mal „See you later, alligator!“.

Um den Tag nicht ungenutzt vor sich hin welken zu lassen, ergriff ich die Gelegenheit und stellt mich dem Smokehead 18 vor, dem großen Bruder des Smokehead vor und bat ihn es sich im Glas gemütlich zu machen. Wie der kleine, so überzeugt auch der erwachsene Rauchkopp mit Aromen die seinem Namen alle Ehre machen, allerdings war alles eine Spur feiner, detailreicher und stimmiger, als beim Jungspund ohne Altersangabe. Ein feiner Whisky, allerdings wie auch schon beim Redbreast, der große Smokehead kostet über dreimal so viel wie die Standardbuddel – und das ist er mir definitiv nicht wert.
Falls ich jedoch innerhalb der nächsten Jahre zum Plutokraten aufsteigen sollte, werde ich diese Flasche noch mal nachfragen, sonst vergnüge ich mich mit dem kleinen (schwarzen) Smokehead oder seinem (noch von mir zu öffnenden Elite-Bruder dem (silber-grauen)Smokehead rare.

Als krönenden Abschluss hatte ich mir den aktuell rauchigsten Whisky, den diesjährigen Bruichladdich Octomore 4/167 aufgehoben.
Erschreckende Rahmenbedingungen:

  • stylische schwarze schlanke Flasche
  • 5 Jahre alter(also junger!) Whisky
  • 167 parts per billion Rauchanteil klingt nach hüstel
  • Ich mag die Marketingclownereien der Destillerie nicht
  • Die Flasche kostet 100 Euro

Ich schnuffele und wundere mich, oben besagter Smokehead riecht intensiver rauchiger als dieser Meister des Rauchs.
Angenehme Nase mit merklichem aber nicht zu dominanten Rauch, stattdessen eher karamellige Ausdünstungen. Riecht wirklich lecker, hat starke 62,5% – das schreit nach Wasserbeimischung -allerdings erst, nachdem man schon ein wenig mit dem Octomore gespielt hat. Sein Antritt ist mehr als wuchtig, trocken, süß, rauchig ein Wunderwerk an Geschmack, komplett anders, als ich befürchtet hatte. Dieser Whisky ist nicht nur trinkbar, der ist eine Offenbarung. Wahnsinn! Durch Wasser angereichert verliert sich der Rauch in der Nase fast ganz, die anderen Aromen werden eine Spur weicher, aber dadurch eher noch feiner akzentuiert. Richtig geiler Stoff, aber leider definitiv über meinem gewählten Budget.

Was gab es noch?

Der Herr PausD nahm sich noch eines Tomatin Decades an, klasse Nase, leckerer sanfter Geschmack – auch ein Whisky zum gern haben, allerdings eben auch wieder in der 80+ Kategorie.

Whisk(e)y Pur Festival
Gestern, am 12.11 schauten wir mal im Schloss in Aschaffenburg vorbei, denn in den dortigen Räumlichkeiten hatte das Whisk(e)y Pur Festival seine Zelte aufgeschlagen und die Flaschen für uns geöffnet.

Da der werte Herr AausB, tapferer Mitstreiter beim letzten creative drinking retasted, leider durch Schmerzen im Gulliver seine Lust am Trinken nicht ausleben wollte und konnte, bot er sich als Fahrer an, was uns eindeutig recht war.
So zogen die Ms., Herr EausH, der zwangsnüchterne Herr AausB und der Blödbabbler himself ins Schloss ein.
Herr AausB machte -die Luft war nicht wirklich fein, wenn einem die Rübe schmerzt und der kalte Schweiß auf der Stirn steht- den Raum zügig von sich frei und erfreute seinen geschundenen Leib mit der frischen Luft und einer Lesung in der dortigen Bibliothek. Armer Kerl! Gute Besserung nochmal.

Wir anderen tauchten ein und machten fleißiges Standhopping um uns einen ersten Überblick zu verschaffen, trinken ohne Strategie ist wenig zielführend.
Ein falscher, weil zu rauchiger Whisky und die nächsten sanften Kameraden gehen einfach unter.
Ich hatte mir deshalb zuvor eine kleine Trinkauswahl zu Recht gelegt, aber wie immer dann, wenn man einen Plan macht, summt man schon automatisch Bert BrechtsJa, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Geh‘ n tun sie beide nicht.
vor sich hin.

Meine Idee den Old Pulteney 21 – den World Whisky of the Year 2012 aus der aktuellen Whisky Bibel von Jim Murray- als netten Starter des Abends einzusetzen, endete durch völlige Absenz desselbigen. Schade, aber der rennt mir nicht weg, hoffe ich. Also musste ich umdisponieren und grübelte noch, ob ich mich der Blauen Maus einem deutschen Whisky nähern sollte, als die Ms. bereits mit einer Kinderportion derselben ankam. Für einen Whisky aus deutschen Landen durchaus ein angenehmes Erlebnis – leicht rauchig trocken, konnte ich von den homöopathischen Nippversuch erahnen; da gibts sicherlich in Zukunft mal ne Flasche von.
Support your local destillers, wenn das Zeuch halt was taugt, sonst können die ihren Käse alleine saufen, gelle 😀

Während ich noch rätselte, mit was ich nun den Mittag anfangen könnte, kam der Herr EausH bereits mit einem Bruichladdich 12 Second Edition – ich habe seinen pubertierenden Bruder Bruichladdich 15 Second Edition hier schon mal vorgestellt – der ihm schmeckte, derweil ich immer noch mit meinem jungfräulichen Glas dööflich in der Gegend rum stand.

Nachdem mich das Nirvana wieder freigegeben hatte, ließ ich mir – der Ardbeg Corryvreckan war nicht vor Ort und der Supernova2010 aus – einen Rollercoaster einschenken; gute Wahl wuchtig schöner Rauch und er ändert tatsächlich durch Wasserbeigaben sein Auftreten fleißig. Frau A hatte mir den Ardbeg in Hofheim bereits empfohlen, allerdings passte er damals nicht so ganz zum Ablauf. Guter bis sehr guter Whisky – aber nicht mehr wirklich auf dem Markt.
War schön den mal probiert zu haben, wie er nach ein paar Tropfen den Rauch verliert und die Süße hervor tritt, und beim nächsten Moment der Rauch wieder dominiert. Tasted, done!

Da ich gerade vom Caol Ila 12 sehr angetan bin, und die Destillerie mir gut gefällt, wagte ich mich an zwei 27 jährige Single Cask Abfüllungen desselben.
Die erste stammt aus einem vom Händler ausgewählten Fass, und überraschte mich sehr angenehm. Feiner Rauch, starker Antritt , leicht ölig und trocken bei guter Stärke von 54,x%. Da der Flaschenpreis von 85 Euro allerdings gestern mein Budget dramatisch gekillt hätte und ich meine persönliche Schmerzgrenze doch deutlich darunter ansiedele, ließ ich die Finger weg.
CaolIla1983 Flasche
Als ich dann allerdings einen 1983 er Caol Ila von cask alive! (whisky n more) der sein finish noch einmal in einem Eichenfass erhalten hat probieren durfte, der Herr EausH hatte den Vortester gemacht, konnte ich nicht umhin mir eine kleine 0,2 Liter Flasche abfüllen zu lassen.
Stolzer Preis, aber eben auch ein sehr geiles Stöffchen.
Einzig, bei Caol Ila scheint die Nase nach einiger Zeit in den Gläsern immer den Geruch einer Bilgenmelange anzunehmen, da gibt es tatsächlich schönere Orte die ich erschnuffeln möchte. Dennoch, der Geschmack ist richtig, richtig gut. Und wenn wir jetzt die nächsten zwei Wochen hungern, weil ich die Wochenration Haushaltsgeld in diese kleine Flasche angelegt habe, kein Problem, Essen wird sowieso überschätzt. 😀

Weil der Herr EausH es auch gerne rauchig mag und, weil ich von Hofheim angefixt war, empfahl ich noch eine Runde Octomore 4/167 zum krönenden Abschluss.
Gesägt tun getan.
Wir süffelten glücklich vor uns hin und er schmeckte genauso lecker, wie ich es in Erinnerung hatte.
Dem Herren EausH sogar so gut, dass er nochmal einen haben wollte.
Er verschwand und kehrte kurz darauf mit einem neuen dram und einer Flasche Octomore zurück.
Lucky bastard! Sogar den dram -immerhin 6 Euro für 2cl- hatte er der Frau noch umsonst dazu abgeschwätzt. Ich ziehe den Hut!

Was bleibt?

Ich kaufte noch-man sollte so etwas ja immer gleich mal im Haus haben- den neuen Bruichaddich The Laddie ten und freue mich schon, zu schauen, wie die Standardabfüllung geworden ist.
Hoffentlich kommt dadurch etwas mehr klare Linie in die Politik des Hauses Bruichladdich.
Auf jeder Messe gibts Gläser dazu, bei der Hofheimer waren es kurze Nosinggläser, in Aschaffenburg die mir eher liegenden GlenCairns.
Langsam haben wir genug Gläser um nicht jedes Mal abspülen zu müssen, so alle zwei Wochen. 😀

Mein Fazit: Whisky Messen machen Spaß, aber warum die immer schon um 11 Uhr anfangen und um 19 Uhr zumachen, ist irgendwie blöde. Besser um 15 Uhr anfangen und dann bis 22 harmoniert vermutlich eher mit dem alkoholischen Biorhythmus.

Ihnen Ihr Blödbabbler

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