Amrut Fusion

Einer der ersten Whiskys, die ich mir kaufte, war der Amrut Fusion.

Dessen Batch 1 wurde in der Whisky-Bible 2010 von Jim Murray als ‚third finest Whisky in the world‘ gerated.

Meines war wohl eher das Batch 10, denn ich erstand es irgendwann Mitte 2011 und es war bereits mit dem Werbeslogan aus der Vorjahres-Bible beklebt.
Amrut 'Fusion' Flasche

Ich muss gestehen, es war nicht wirklich weise, sich als blutiger Anfänger mit einem einigermaßen komplexen Whisky auseinanderzusetzen.

Er schmeckt mir nicht schlecht, aber war um Längen von dem entfernt, wie ich mir den dritten Platz weltweit vorstellte.

So ließ ich mir also Zeit und es lag mehr als ein gutes Jahr zwischen aufmachen und leermachen.

Ein Zeitraum in dem tatsächlich in der offenen Flasche noch was geschehen kann, ob zum guten oder schlechten sei mal dahingestellt.

Ich vergleiche gerade meine Eindrücke -der erste stammt aus der Zeit Mitte 2011, der andere aus dem Ende 2012- und sie haben wenig miteinander gemein, man könnte meinen es seien zwei unterschiedliche Whiskys und gewissermaßen sind sie es auch.

Einerseits hat sich durch Oxydation vermutlich ein wenig der ‚Intensität‘ abgebaut und andererseits habe ich in diesem Zeitraum viele Whiskys probiert, geschnuffelt und geliebkost und mich -so habe ich das Gefühl- meine Zunge und den Riechkolben eben auch ein wenig besser trainiert.

Beim ersten Eindruck auf meinen jungfräulichen Notizen stellte ich verwundert fest, dass ich für das Aroma damals keinen Eindruck festgehalten habe; vermutlich wusste ich damals nicht, was ich da rieche, oder es war mir egal.

Ich stelle mal meine beiden Einschätzungen nebeneinander, mir durchaus bewusst das es sich unter Umständen auch widersprechen kann.
Aber Schnaps verkosten ist eben durchaus von einem stark subjektiven Element durchzogen und bei allen Versuchen einer Objektivierung von Geschmackseindrücken und ähnlichem, stellt man dennoch immer wieder fest, dass das Erlebte und Erlernte allzu oft differieren.
Deshalb mag ich Verkostungen mit Freunden auch gerne, wenn unterschiedliche Tester – nachdem sie verkostet und notiert haben- ihre Eindrücke austauschen, das gibt einem oft ein Gefühl von stärkerer Objektivierung.

Der Amrut Fusion ist ein in Indien gereifter ‚junger‘ Whisky aus ungetorftem indischen und getorftem schottischen Malz.
Durch das wärmere Klima reift er deutlich schneller als in Schottland und macht somit das junge Alter mehr als wett.

In der Nase hatte ich Ende 2012 eine malzige Note, er wirkte frisch und fruchtig, ich assoziierte damit ein Mirabellenaroma. Der sanfte Rauch, der angeblich dort zu finden ist, war -eventuell der langen Öffnungszeit wegen- nicht mehr feststellbar. Schade.
In der Rückschau kann ich mich auch nicht daran erinnern diesen Whisky mit Rauch in Verbindung gebracht zu haben, das kann aber eben der noch stärker undifferenzierten Wahrnehmung geschuldet gewesen sein.

Auf der Zunge empfand ich ihn Mitte 2011 in der Zeit nach der Öffnung ölig, starker Holzeinfluss, dabei leicht bitter und trocken mit vollem Malzgeschmack und angenehm süß.
Ende 2012 war ich vom ‚runden‘ Eindruck begeistert, er zeigte eine formidable Würze bei leichter Öligkeit und für seine 50% eine überraschende Milde. Im Geschmack fand sich etwas das mich an den ‚New Make‘ von Glenglassaugh erinnerte, Hefe, Gerste da bin ich mir nicht ganz sicher, tendiere aber eher zum Hefegeschmack.
Wenn man durch die Nase ausatmet nachdem man einen guten Schluck im Mund behalten hat, geht es in Richtung Sandelholz. Sehr geil.

2011 empfand ich den Abgang des indischen Rackers als lang, warm und trocken.
2012 war es eher die sehr leckere Würze mit leichten Karamelleinschlägen bei gleichzeitiger Wärme.

Tjo, was soll man zu diesem Whisky sagen?

Als ich ihn mir damals geholt habe, kostete er knapp unter 35 Euro für die 0,7 Liter Buddel, inzwischen kostet er bei den üblichen Verdächtigen zwischen ca. 37 bis 40 Euro.
Ist er das wert?

Durchaus, wenn man nicht stur auf ein bestimmtes Whiskyalter fixiert ist und dumpf der Meinung anhängt, ein anständiger und guter Whisky kann nur aus Schottland kommen, ist der sicherlich einen Kauf wert.

Wenn man bisher allerdings erst einen oder zwei Whiskys verkostet hat, würde ich ihn meiden, denn er offenbart imho zumindest erst mit etwas geübterer Zunge seine wahren Freuden.

Hier gibt es ein passendes Video von ralfy zum Amrut Fusion.

Wertung Single Malt
Amrut ‚Fusion‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein klasse indischer Whisky von Amrut für geübtere Zungen zu einem akzeptablen Preis. Kann man kaufen.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

4 Gedanken zu “Amrut Fusion

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