Talisker "Storm"

Von der Isle of Skye, der Heimat des Whiskys mit dem pfeffrigen Abgang, stammt der Whisky des Tages.
Talisker hat einen neuen Single Malt ohne Altersangabe herausgebracht, der den schönen Namen „Storm“ trägt.
Mit gischtumwühlter See und düster wolkigem Himmel bedruckt kommt die billiger wirkende Pappschachtel daher und umschließt eine mit 45,8% Alkohol gefüllte Standardflasche.

Allerdings muss man den Schriftauswahlmenschen bei Talisker gratulieren, denn sie haben erstmalig eine lesbare Schrift gewählt; auf den drei Flaschen aus der blauen Reihe die ich noch hier stehen habe (10, 57 North, 18) sind so viele Schnörkel, dass man Angst bekommt man verlöre sich in den Minuskeln.
Talisker
Wie es die Art bei Talisker zu sein scheint, wurde der Farbgebung mit einer Schippe E150 a nachgeholfen, und da kein Hinweis auf un-chillfiltered zu finden ist, wurde vermutlich auch kühlgefiltert.
Aber genug gemeckert.

Viele schwören ja auf den Talisker 10 Jahre als Standardwhisky, ebenso wie auch auf einen Highland Park 12. Beides konnte ich nie völlig nachvollziehen; die Highland Parks der letzten drei Jahre, die ich probiert habe, wurden von Flasche zu Flasche schwächer, da gibt’s imho deutlich besseres für ähnliche Preise.
Der Talisker 10 ist ein durchaus guter trinkbarer Whisky, sein pfeffriges Alleinstellungsmerkmal rettet ihn noch, aber im Vergleich zu seinem neuesten Brüderlein, fällt er deutlich ab.

Der Sturm der sich im Glencairn Glas zusammenbraut ist ein eher steifes Lüftchen, aber das hat es im positiven Sinne in sich.

Lustigerweise erinnerte mich die erste Einheit Nasenschnuffel an den Teacher’s Highland Cream oder genauer an den Ardmore Traditional Cask.
Sehr ähnliches Raucherlebnis, nicht die islayeske Form eines schmierigen vereiterten Jodverband der neben einem brennenden Autoreifen verglimmt, sondern sanfter, schwacher, hintergründiger und wesentlich speichelflussanregender.
Um den wirklich feinen Geruch noch maulwässriger zu machen ist noch etwas zitrusartiges, imho Orangenaroma dabei.
Hach, so muss ein rauchiger Whisky riechen, den man guten Gewissens auch zur wärmeren Jahreszeit mal ins Glas entfleuchen lassen möchte.
Er braucht nicht die grimmige Umgebungskälte die ich gerne bei Laphroaig assoziiere, er wirkt rundum frisch und fruchtig – ein all-year-dram.

Im Mund bleibt der Teachers-Rauch-Style erhalten, er ist überraschenderweise sanft, weich und mild. Eine Öligkeit, weit enfernt von der Art wie sie Caol Ila zu eigen ist, würzige Eiche und süßer Honig spielen mit der Talisker eigenen Schärfe und Pfefferigkeit.
Überraschend ist auch ein Hauch Menthol mit am Start, der dem ganzen auch im Mund eine wirklich feine Frische verleiht.

Beim ersten Tasting des Talisker Storm hat sich eine bittere Note breitgemacht, auch der Herr AausB schmeckt eine solche, ebenso die beste aller Ms..
Aber diese fand sowohl der Herr AausB, als auch ich nicht mehr bei allen bisherigen Nachtastings. Ich wollte es nur erwähnen, denn das brachte den ganzen fein ausbalancierten Geschmack in unangenehme Schräglage. Keine Ahnung woher das kam, oder ob das meiner ledierten Zunge und einer Massenhysterie bei den beiden anderen geschuldet war, aber wie gesagt inzwischen ist es absent und somit obsolet.

Der Abgang ist taliskerspezifisch betont pfeffrig- um das Marketingsprech vom chilicatch nicht zu sehr zu adaptieren -und erwärmt den Rachen deutlich.
Allerdings hinterlässt der Sturm auch noch eine leckere Süße und hält sich durchaus einen guten Moment.

Wow, der neue hat sich sofort einen Platz in meinem Herzen erobert, deutlich geiler, als der bisherige Einsteigerschnaps von Talisker, der zehnjährige.

Es macht sich bezahlt, wenn man nicht nur auf Reifungsdauer achtet, sondern den Geschmack stärker in den Fokus rückt.
Dazu ist der Storm zwar etwas teurer als der Talisker 10, ungefähr 5 Euro, aber die sind imho gut investiert.
Man findet den Talisker Storm bei den üblichen Verdächtigen ab 34.50 bis hin zu 39 Euro; also alles wie immer: Preise vergleichen und nicht dem erstbesten Händler das sauer verdiente Geld überweisen. 😉

Wertung Single Malt
Talisker ‚Storm‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Wer einen gepfefferten Whisky mit sehr schönen Rauchnoten und einem ausgesprochenen mild&mellow Zungenflow sucht, der wird hier fündig. Ein sehr guter neuer Whisky von der Isle of Skye. Klare Kaufempfehlung!

#Update 20130601 Das bittere Element ist wieder (immernoch?) da und schränkt mein obiges Urteil ein. Ich gebe nun lediglich 4 Fässer, denn die oben erwähnte Schräglage tritt dadurch ein. Zwar halten sich Rauch und Süße ganz wacker gegen diese bittere Note, aber hin und wieder kippt es auch. Definitiv keine (süße) Schokolade vorher essen! Dennoch halte ich den Storm für einen leckeren Whisky und bleibe bei der Kaufemfehlung, nur ist sie nicht mehr so klar. 😀 Wer Probleme mit einer bitteren Note im Whisky hat, klarer Tip, Finger weg. Sorry für diesen Nachklapp, es gibt eben gute Gründe, wieso ich sonst immer eine Buddel leermache, bevor ich darüber schreibe. Hier wollte ich mal aktuell sein und das kommt dann dabei raus. *schäm*#

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

5 Gedanken zu “Talisker "Storm"

  1. Talisker Storm mir gefallen Deine Notes zum Storm sehr gut
    ich habe ganz ähnliche Wahrnehmungen
    die Bitterkeit solltest Du noch einmal nach tasten
    ich hatte auch bitter im Abgang
    habe aber festgestellt die Bitterkeit ist nur in der Mitte des Abgangs

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    1. Hallo ASWhisky,… da die Buddel schon länger leer ist und ich inzwischen knapp über 100 weitere Flaschen hier stehen habe, welche noch aufs leergesüffelt verkostet werden harren, komme ich vermutlich nicht mehr so schnell dazu.
      Nehme aber deine Information gerne ins sensorische Hinterstübchen auf, für den Fall, dass mir nochmal ein dram vom Talisker Storm über den Weg läuft.
      Gruß von Ihnen Ihrm Blödbabbler

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    2. Ahoi ASWhisky,… … immer gerne. Ich versuche immer -und bei dem Andrang hier im Blog auch gut machbar 😉 -jeden Kommentar zu beantworten. Manchmal dauert es leider ’ne Weile, da ich nicht jeden Tag hier im Blog nachgucke.
      Es geht leider -nach OP im Mundraum- noch nicht so gut, dass ich sinnvoll wieder Whisky probieren kann.
      Böse Zungen behaupten, dies konnte ich vorher zwar auch nicht, jetzt hätte ich aber wenigstens einen Grund warum es so ist, wie es ist. 😀
      Zum Talisker Storm hat der gute Jim Murray in seiner aktuellen Whisky Bible 2014 ja auch über das miese Fass geschimpft, dass das Finish versaut. Ich denke mal, das ist genau das Element mit dem wir beide auch konfrontiert waren.

      Danke für die Blumen zu meinen Notes. 🙂

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