Neues Jahr in alten Schläuchen

Hirnlos vorher und hirnlos nachher – ein deutsches Dilemma?
Ich dachte mir im neuen Jahr lehne ich mich mal zurück und beobachte was meine Mitmenschen so treiben.
Zuerst machten sie sich die im Gleichklang marschierende Ruine des deutschen Pressewesens lauthals Gedanken über einen weiteren Steuerflüchtling, einen der beim Wintersport mit dem Kopf gegen einen Stein gefahren ist.
Und zwar fand dieses nicht nur im Sportteil der Sudelblättern unserer Republik statt, sondern auch in solchen Zeitungen, denen man eine gewisse Seriosität durchaus zusprechen kann; selbst diese konnten nicht an sich halten und machten damit die Titelseite voll.
Da ich ja -Widerling der ich nun mal bin- sowieso die Meinung vertrete, man müsse bereits einen Hirnschaden haben -quasi als Kernkompetenz-, um seinen Lebensinhalt beim Im-Kreis-fahren zu suchen, hielt sich mein Mitleid mal wieder deutlich in Grenzen.
Erstaunt konnte ich aber beobachten wie sich Menschen, deren Leben offenbar so arm ist, das sie einer solchen Gestalt wie Herrn Schuhmacher benötigen, sich nicht entblödeten etwas Aufmunterndes zu sagen.
Natürlich auch die Kanzlerin, selbst ein Opfer des sibirischen(?) Winters, die zwar beim Ende der Privatheit für ihre Bürger keinen Handlungsbedarf sah und sieht, aber ihren Lautsprecher Präkondolenzen losseibern ließ.
Prioritätensetzung, so sah man, kann man auch an geschenkter Aufmerksamkeit erkennen.
In der gleichen Zeit starb unter anderem ein Mann und deutscher Steuerzahler bei der Arbeit, als sein Bagger eine Weltkriegsmine erwischte und zur Detonation brachte.
Hier kam Herr Seibert nicht zum Einsatz, aber der Mann fuhr ja auch nicht Sinn frei im Kreis mit einem Auto herum und verkehrte bei den sogenannten Eliten dieser Republik, sondern machte nur seine nützliche Arbeit.

Schule? Wer braucht Schule wenn er Gott gesehen hat?
Unsere Gerichte werden ja immer mit den sonderbarsten Fällen konfrontiert, und seit einigen Jahren auch von offenkundig Schwachsinnigen für ihre Ziele benutzt.
Im Januar erfreute man mal wieder beim Thema „Schulverweigerung“ aus ‚religiösen‘ Gründen die Gerichte.
Menschen die -vermutlich wie der ganze kreationistische Abschaum- davon ausgehen, die Erde sei 6000 Jahre alt und die Dinosaurier zogen gemeinsam mit den Menschen durch die Lande (Warum? Und entgegen aller Beweislage? Weil es so in einem bronzezeitlichen Traktat steht. Also nicht das mit den Dinosauriern, das habe zumindest ich -der dieses Pamphlet in seinem Leben bisher dreimal gelesen hat- nicht dort gefunden, aber der Rest halt) standen vor einem weltlichen Gericht.
Da dort, in der Bibel nicht in einem deutschen Gericht, allerdings auch steht, man solle seine ungehorsamen Söhne(5. Mose 21,18-21) oder (vergewaltigte) Jungfrauen steinigen(5. Mose 22,23-24), Homosexuelle umbringen (3.Mose 20,13), Genozide vollbringen(5. Mose 7,16) und ähnliches mehr, sollte man zumindest sein Handeln auf Basis dieses Buches einer kritischen Selbstreflexion unterwerfen.
Das oben sind nur kurze Hinweise darauf, was von solch einem Buch als realer Handlungsanweisung in heutigen Zeiten zu halten sein sollte. Zumindest wenn man noch alle Murmeln im Sack hat.
Da aber, qua definition, die Murmeln bei den besonders Gläubischen als Voraussetzung nie im Sack sein durften, kommt es regelmäßig dazu, dass diese meinen ,sich an kein ‚weltliches‘ Gesetz halten zu müssen.
Und da sind unsere religiösen Freunde unterschiedlichster Geschmacksrichtung dann auch alle wieder beieinander, der Muslim, der Christ und der Jude.
Ich erinnere mich noch gut an die Gesetzesbeugung zugunsten der rituellen Beschneidung Verstümmelung kleiner Kinder verursacht durch den ‚Glauben‘ ihrer Eltern letztes Jahr.
Kinder haben keine Religion, bis sie alt genug sind, sich selbst dazu entscheiden zu wollen.
Alles vorher ist das Ergebnis elterlicher Indoktrination und schlicht Missbrauchs Schutzbefohlener.
Aber zurück zu denen, die erkannt haben das ihr Hirngespinstgebilde mit großer Wahrscheinlichkeit einstürzen wird, wenn die Kinder nicht von Ihnen zuhause indoktriniert, sondern in einer öffentlichen Schule mit solchem (erhellenden und erleuchtenden)Teufelswerk wie der Evolution oder dem Alter der Erde und ihren Entwicklungsstufen konfrontiert werden.
Das ist ein ähnliches Vorgehen, wie man es auch bei den anderen Nutzern und Nutznießern der demokratischen Toleranz findet, beispielsweise den Jammerern der Nazis oder den ewig beleidigten Muslimen.
Alle gesetzlichen Rechte nutzen die man bekommt um die Grundlage der Rechte selbst zu attackieren, die man aus ganzem Herzen ablehnt.
Wenn das dann nicht zieht, weil die Gerichte anders entscheiden, den anderen Intoleranz vorwerfen.
Ja, bürgerliches Gesetz ist nicht gerecht, aber es ist das, was einem idealisierten Gerechtigkeitsbegriffs am nächsten kommt.
Es basiert oder besser, sollte basieren: auf greifbaren, für einen normalen Verstand nachvollziehbaren Regeln in denen kein bronzezeitliches Buch als oberste Steintafel der Republik dient.
Das nun die Juristerei natürlich ein Amalgam aus überkommenen, alten Regelwerken und sich erneuernden, aktualisierten Teilen ist und daraus besteht, sie also einem (gesellschaftlichen) Wandel unterliegt, macht sie einem starren Gesetzes-Kanon deutlich überlegen.
Denn zivilisatorischer Fortschritt, Humanität, Menschenrecht und gesellschaftliche Entwicklung sind tatsächlich positiv zu bewerten und fließen kontinuierlich (häufig zu langsam, aber dennoch stetig) in die Gesetzgebung ein.
Sich außerhalb diese Norm und all dessen zu stellen ist natürlich möglich, sollte aber eben nur die eigene Person betreffen und nicht, wie schon im Fall der rituellen Kindesverstümmlung die Kinder.

Deutsche, der Jude will eure Kinder fressen bolschewistische Unmensch in seiner Gestalt der rot-grünen Landesregierung will eure Kinder schwul machen
Wohin es führt wenn sich die ‚Religiösen‘ zu Wort melden, kann man beim Angriff auf die Pläne der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, dem Thema Homosexualität einen größeren Stellenwert in den Schulen zu geben, sehen.
Dort lebt die Bigotterie so auf, wie man sie immer öfter zu sehen bekommt.
So lautsprechen die Kirchen in Baden-Würtemberg: Schule sei kein Platz für Indoktrination, wobei sie dabei natürlich die Indoktrination der anderen meinen.
Sie meinen nicht jenen Teil, der sich mit religiöser Indoktrination vermittels Religionsunterricht an öffentlichen und neutralen Schulen beschäftigt, sondern den der sündigen und schmutzigen Homos die die Kinder verführen wollen.
Das -wie es auch Putin in Permanenz macht- Homosexualität immer im Gleichschritt mit Pädophilie gedacht wird, entgegen jeglicher (auch und gerade wissenschaftlicher) Erkenntnis, zeigt ungefähr an, welches Menschenbild vorherrscht.
Eines das Homosexualität als bewusste (verdorbene!) Willensentscheidung sieht, oder als eine zu heilende Krankheit.
Beides ist es nicht.
Niemand wird schwul, weil er schwul sein möchte, Schwulsein ist keine Frage eines gewählten Lifestyles für den man sich morgens nach dem Aufstehen entscheidet wie für einen neuen IPod oder eine Gebetskette.
Und man kann Schwulsein auch nicht heilen, wie eine offenkundige Gotteswahnvorstellung, oder den Glauben an unbefleckte Mariengeburten.
Denn dort reicht meistens schon die Injektion von etwas Verstand, Bildung und unvoreingenommenem Blick auf die Welt, den übrigens die Schule vermitteln sollte.
Und so komme ich zurück zum Ausgangspunkt. Es mag für einen Sportler sicherlich ein großer Schritt gewesen sein, in der Öffentlichkeit sein Schwulsein zu bekennen, ein viel schwererer Weg ist es für einen pubertierenden Schüler mit seinem Gefühlschaos zurecht zu kommen. (Auch hier -beim ‚Privat’outing des Herren Hitzlsperger über seine Sexualität- fand es die Kanzlerin wichtig sich einzubringen, nicht ,und hier sei nochmal daran erinnert ,jedoch beim Ende der Privatheit aller Bürger dieses Landes!)
Was er, der Schüler, da sicher nicht braucht sind mobbende Mitschüler, die aus christlicher, oder verschärfter muslimischer Moralsicht der Welt den Weg zum Suizid asphaltieren.
Hier zu lehren und die Schüler lernen zu lassen, das es ok ist so zu sein wie man ist, das es viele Wege zum Glück geben kann, jenseits von heuchlerischer religiöser Intoleranz, ist imho ein richtiger Schritt. Über die Ausgestaltung kann man reden, allerdings bitte nicht mit den Vorsitzenden der Stiftung Kindesmissbrauch im Namen des Herrn.
Das Menschen, deren Weltbild nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern auf eingebildeten Entitäten und der real geerbten Macht fußt, in einem Ethikrat sitzen und entscheiden dürfen oder, auch im Kleinen, im Rundfunkrat ist schon absurd genug.
Gebt denen nicht noch mehr Zugriff auf die Psyche der Heranwachsenden, sondern erweitert deren Spektrum hin zu mehr Akzeptanz und Toleranz – das, und nur das, ist das Lebensmittel für einen gesunden zukünftigen Staat.

Der Hohepriester der Freiheit predigte Wein und trank ihn auch
Beim Thema Toleranz darf natürlich auch unser Bundesgläubiger der Jockel Gauck nicht fehlen.
Sein Unverständnis warum der Deutsche nicht auf den Knien rutschend seinem Wirtschaftssystem und den es repräsentierenden Charaktermasken dankt kleidet er in seine bescheidenen Worte:
Und doch halten viele Deutsche die marktwirtschaftliche Ordnung zwar für effizient, nicht aber für gerecht.
Mit Marktwirtschaft assoziieren sie zwar – laut einer aktuellen Umfrage – „gute Güterversorgung“ und „Wohlstand“, aber auch „Gier“ und „Rücksichtslosigkeit“.

Und nun fragt er sich nicht etwas, warum die Deutschen in ihrer Einfältigkeit nicht jenen ungerechten Teil am Kapitalismus so wie er ausklammern, sondern, was man machen sollte um ihnen zu erklären das alles wunderbar ist. Also mehr Propaganda, mehr von derselben Tünche um den Scheißhaufen besser darzustellen, statt in zu entsorgen. Oder um den Bundespfarrer in seiner Predigt nochmal zu Wort kommen zu lassen:
Aber es gibt durchaus Grund zu fragen, woran so viele so konstant zweifeln – nicht, um den Zweifeln zu folgen, sondern um ihnen zu begegnen!
Also, alles wunderbar, noch gehts zwei Dritteln der Gesellschaft gut, zumindest im europäischen Vergleich und für die abgehängten Looser gibts dann halt neue Tafeln und mehr charity damit sich die Profiteure und deren Gattinen (Ja, ich weiß, altes Rollencliché, aber hier passt es vermutlich zu deutlich über 90%) moralisch auch noch überlegen fühlen können. Suppenküchenabsolution!
Dann kommt das unvermeidliche Loblied des Wettbewerbs, das den der Konkurrenz beim Verschleiern des Ziels scheinbar inzwischen völlig abgelöst hat. Ebenso wie er auch der Chancengerechtigkeit und nicht einer Chancengleichheit den Vorzug gibt, nicht überraschend bei seinen Adressaten den Sängern des Hohelieds des Neoliberalismus.
Ich wies in einem anderen Text schon mal darauf hin, wenn man keine gleiche Voraussetzung hat -und wir sind inzwischen weiter als in der Vergangenheit davon entfernt- dann wird das nichts mit einem fairen Wettbewerb, von dem unser präsidialer Grinsebär schwadroniert.
Wie gestalte ich einen Rahmen gerecht, wenn die Einen mit dem goldenen IPod im Ohr groß werden, während bei den Anderen nicht mal eine warme Mahlzeit auf dem Tisch steht?
Wie gerecht ist der Rahmen, wenn die Gewinner in eigenen (Elite-) Schulen unter sich bleiben und während der Grundschule schon die Netze für ihre spätere Karriere knüpfen, derweil der Rest sich die selbst zu finanzierenden Schulbücher vom Munde abspart? Sinngemäß.
Gerechtigkeit ist unmöglich in einer Wirtschaftsordnung, die darauf abzielt auf Kosten der Umwelt und der Schwachen zu wachsen. Aus gutem Grund werden immer mehr Bereiche des täglichen Lebens durchkapitalisiert und der kapitalistischen Logik unterworfen, die letztlich zum Debakel führen. Gesundheit bspw. den Kriterien von Controller zu unterwerfen ist ungefähr so sinnvoll wie klinische Studien zum Nachweis der Richtigkeit für Homöopathie.
Ach so, dann erklärt er -ganz dem neoliberalen Credo folgend- noch das der Klassenkampf von Oben in Griechenland etc. gefehlt hat, in seinen Worten:
Staaten geraten in Abhängigkeit, weil sie Reformen nicht rechtzeitig durchgeführt haben, zu viele Ansprüche bedient haben und ihre Schulden zu groß geworden sind. Auch hier: das Gegenteil von Freiheit. Nun wird an vielen Stellen reformiert. Oft geht es dabei um mustergültige ordnungspolitische Anliegen, darum, Machtstrukturen aufzubrechen, Privilegien zu schleifen und darum, dass für Verluste haftet, wer sie verursacht: also um Wettbewerb, Freiheit und Verantwortung.
Klingt vertraut nach Merkels Lüge von: Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt nun wird es Zeit dafür gerade zu stehen. Und am Beispiel Griechenland kann man gerade sehen das nicht die haften die Nutznießer waren, sondern die, die heute zur Armutsmigration getrieben werden oder sich schlicht umbringen. Die Rettungspakete haben die privaten Gläubiger in enormen Maße gerettet und das Gläubigerverhältnis in dramatischem Maße zuungunsten der staatliche Haftung verschoben.
Mich erinnert die Freiheit des Herrn Gauck immer an zweierlei: die doppelt freie Lohnarbeit der nach Marx der Arbeiter unterworfen ist und an den Klassiker aus den Zeiten der französichen Revolution, der es allen Bürgern der Republik gleichermaßen verbot unter den Brücken von Paris zu schlafen.
Das Jockel Gauck die rauchenden Reste der sozialen Marktwirtschaft noch preist, zeigt wo er aufwuchs, nicht in der BRD die mal stolz sein konnte auf dieses Modell.
Das, was noch in Resten da ist und auch nicht dank des Neoliberalismus, sondern vielmehr noch trotz dessen, ist nur noch der letzte kariöse Zahn im Mund eines Zahnlosen.
Aber, wer wie der Bundespräsident sein Heil an den Trögen der Macht im Diesseits zu sichern wusste, der an ein Jenseits glaubt, der kann leicht von Freiheit reden, die doch letztlich nur die Freiheit von wenigen ist.
Alles andere ist apologetische Ideologie, aber da war wenigstens der Ort der Rede passend gewählt.

Findet Ihnen Ihr Blödbabbler

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