BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus'

Die Destillerie BenRiach ist -wie ich gerade feststelle- eben jene, von der ich am meisten Original-Abfüllungen hier herum stehen habe.
Neben dem heute vorzustellenden zwölfjährigen BenRiach mit dem schönen Beinamen ‚Arumaticus Fumosus‘, sind das noch der Einsteiger-Single Malt ‚Heart of the speyside‘, der ebenfalls zwölfjährige ‚Importanticus Fumosus‘, der fünfzehnjährige ‚Dark Rum‘ sowie der normale sechzehnjährige BenRiach.

Ich mag die Destillerie, denn sie gehört zu den wenigen schottischen Destillerien, die nicht (mehr) zu einem der großen Industriekonglomerate wie Diageo, Moët Hennessy Louis Vuitton oder Pernod Ricard gehört, sondern von einer kleinen Gruppe geführt wird.
Zu dieser Gruppe, der BenRiach Distillery Company Ltd. gehören inzwischen auch die Glendronach Destillerie (da warten im Regal noch der achtjährige ‚Octarine‘ und der fünfzehnjährige ‚Revival‘ ihrer Verkostung), sowie die wieder angefahrene und den ersten Whisky abliefernde Brennerei Glenglassaugh(da haben der Herr AausB und ich seinerzeit sowohl den „The Spirit Drink that blushes to speak its name„, als auch seinen blassen Bruder im alkoholischen Geiste, den „The Spirit Drink that dare not speak its name“ verkostet).

BenRiach hat, neben wenigen anderen Destillerien, seit 2012 wieder ein eigenes ‚floor-malting‚, mälzt also wieder selbst – und zwar sowohl ‚peated‘, als auch ‚unpeated‘.
BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus' Flasche
Was mir jedoch bei den Single Malts zuerst ins Auge stach, war die ein wenig an „Schwanzus Longus„- Latein erinnernde Namensgebung bei einigen ihrer Erzeugnisse.
Hin und wieder kann mich ein Marketingkniff also doch erwischen, damned.

Der ‚Arumaticus Fumosus‘ kommt in einer 0,7 Liter Flasche mit einer stabilen, grauen Pappdose daher und kostet -wenn man ihn bekommt- so um die 36-38 Euro.
Er wird mit 46% Alkohol, nicht kühlgefiltert und bei naturbelassener Farbe abgefüllt, sehr schön.
Nachdem der Whisky in amerikanischer Eiche (Ex-Bourbon) reifen durfte wurde er in einem Darkroom … äh… in einem Dark Rum Fass gefinisht.
Ich bin ja kein so doller Freund vom finishen in anderen Fässer, denn meist habe ich das Gefühl, damit wird lediglich versucht einem eher (unter)durchschnittlichen Whisky durch (flüssige) Beigabe aus den Fasswänden noch etwas abzugewinnen. Oft schmeckt das dann auch so, als habe man ein paar Buddeln Sherry zur Aufheiterung ins Fass gekippt.
Aber das sind bloß meine Vorurteile, vermute ich mal, wenn man sieht, wie sehr sich die in Portwein, Weißwein, Sherry und Heringsfässern nachgereiften Whiskys auf dem Markt behaupten. Es scheint also eine Menge Abnehmer und folglich Liebhaber davon zu geben.

Aber zurück zum BenRiach 12 ‚Arumaticus Fumosus‘.

In der Nase riecht er ein wenig modrig, irgendwie nach feuchtem, nassem Moos mit einer darüber liegenden süßlichen Note. Gewöhnungsbedürftig, aber -da ich den Geruch von feuchtem Waldboden mag- ein sehr willkommenes Aroma.
So etwas riecht man nicht oft bei einem Whisky, nicht die garstige Rauchigkeit Islays, nicht das kalte Lagerfeuer oder die glimmenden Kohlestücke und doch ist er irgendwie als rauchig zu bezeichnen.
In meinen Augen ein schöner Geruch für die Herbst- oder Winterzeit zum sanften Träumen an den wunderbaren Geruch eines moosigen Waldbodens nach einem Sommerregen. Seufz.

Im Mund schmeckt er harzig, nicht ganz so heftig wie die alten Retsina(bevor uns die EU die extrme Harzigkeit kaputt gemacht hat) aber dennoch deutlich in diese Richtung. Und da ist dann auch endlich eine rauchige Geschmacksnote, eingebunden in schöne Süße, durchaus auch ein wenig pfeffrig. Dann wird er sehr schnell trocken.
Ich hatte lange keinen Whisky im Glas, der so ein schönes Mundgefühl macht. Manche Whiskys, die man als mild und weich empfindet, haben oft eine etwas wässrige Note, dieser hier ist voll und weich und wunderbar. Hjam.

Im Abgang ist er nicht unangenehm warm, dabei deutlich trocken mit einer holzig-harzig-süßen Note, die lange anhält.

Wertung Single Malt
BenRiach 12 ‚Arumaticus Fumosus‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der BenRiach ist ein wunderbares Beispiel, für einen Whiskygeschmack jenseits der ausgetretenen Pfade von brachialem Rauch oder seidigem Speysider. Ein ganz eigener Geschmack, der, sofern man auf den erdig-moosigen und wäldlichen Charakter steht, eine klare Kaufempfehlung ist. Mir hat er die Vorfreude auf die nächsten latinisierten Produkte aus dem Hause BenRiach gemacht. Wunderbarus Schmeckus.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

5 Gedanken zu “BenRiach 12 'Arumaticus Fumosus'

  1. Sehr schön – schick das mal den Jungs und Mädels von BR und sag das Du Destillenschreiber werden möchtest. 🙂
    Hmm, jetzt hab ich auch Lust auf sowas …

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    1. Destillenschreiber,… … klingt nach einer sinnvollen Lebensbeschäftigung, also nichts für mich. 😀
      Und, was taten sie werter Herr AausB gegen die aufkommende Lust?
      Ein wenig finnischen Lakritzschnaps?

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    2. Da Lakritze… … bei mir nicht unbedingt zu den „will-ich-unbedingt-haben- Leckereien gehört finde ich die Vorstellung mir das flüssig einzuverleiben- trotz des alkoholischen Botenstoffes- nicht unbedingt verlockend. Aber ein wönnziges Schlöckchen werde ich bestimmt mal davon probieren, sobald mein Körper wieder ohne Antibiose glücklich ist. 😉

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