Tullamore Dew 12

Heute mal wieder ein Whiskey aus dem schönen Irland, der etwas über der Standardrange von Paddy, Tullamore Dew oder Jameson steht, zumindest seines Alters wegen.
Ich bin ja ein Freund der leichten irischen Einsteiger, eine Flasche Paddy steht, auch weil die Ms. den gerne trinkt, immer im Regal und auch ein Jameson wird so mindestens eine Flasche pro Jahr mal nachgekauft.
Den gewöhnlichen Supermarkt Blend Tullamore Dew, den man, wenn es der Angebotsgott gut meint, durchaus mal für 9,99 bekommen kann – wichtige Grundlage für einen Irish Coffee und auch als Solodrink durchaus nicht schlecht- finde ich etwas schwächer als die beiden oben genannten, eine Spur aggressiver.
Dennoch gut trinkbar mit einem schönen Preis-Leistungsverhältnis.
Tullamore Dew 12 Flasche
Sein großer Bruder, der im Gegensatz dazu in der 1 Liter Flasche mit 3% mehr, mithin 43% Alkohol dargeboten wird, kostet schon einen guten Happen mehr.
Besonders dann, wenn man ihn nicht- wie ich im befreundeten Ausland- für schlappe 25 Euro, sondern für 35,90 oder gar knappe 43 ersteht, den Preisen der hiesigen Versender.
Und, ich verrate sicher nicht zu viel an dieser Stelle, wenn ich gestehe, diese Preise nicht angemessen zu finden – aber die Iren gehen meist ziemlich irre ab, preislich betrachtet, sobald ein Alter auf der Buddel angegeben wird.
Nun ziehen allgemein die Preise für Einsteigerflaschen inzwischen ja immer mehr an und wir finden immer mehr NAS Abfüllungen zu immer ambitionierteren Preisen, wie Oliver Klimke auf http://dramming.com gerade schön dargestellt hat.(1,2,3).
Aber heute soll es ja um den Geist in der Flasche gehen und nicht um Preisbildung und Marketing.

Der 12 jährige Tullamore Dew ist in der Nase leicht alkoholisch, süß mit einem Sherryeinschlag, dabei durchaus angenehm „potstillig“ – insgesamt nicht unangenehm, aber auch nichts was mich vom Hocker gehauen hätte.

Im Mund spürt man zuerst eine intensive Trockenheit, Holzeinfluss und Vanille. Er brennt ein wenig, an der Lippe klebt Süße und eine leichte Fettigkeit legt sich schützend darauf.
Überraschend stark ist hier das würzige Element, wenn man es so nennen mag, das holzige und trockene, das so vordergründig den Ersteindruck abliefert und was danach sanft abgelöst wird von vanilliger Süße.

Der Abgang ist deutlich warm, immer noch vanillig und bittert dabei leicht auf.

Gaaanz ehrlich, ich finde den ganz billigen Tullamore Dew einen Deut besser und angenehmer zu trinken, wobei dort die Geschmacksrange allerdings meiner Erfahrung nach leider deutlich schwanken kann.
Eventuell tut sie das ja auch beim 12 jährigen, so dass es davon weichere und weniger intensiv-holzige Fassungen gibt. Wer weiß und who cares?
Meiner schmeckte stark danach, was zwar auf eine irgendwie pathologische Weise durchaus seinen Reiz hat, aber ihn eben nicht als easy-going dram qualifiziert, zumindest im Vergleich zu seinen jüngeren Brüdern und Halbgeschwistern.
Oder um es positiver zu formulieren, man merkt dem großen Bruder des NAS Tullamore Dew an, das er deutlich länger im Fass ruhen durfte.
Wer das gerne mag, der ist hier sicher besser aufgehoben als bei den sanft und süffig süßen, ob man dafür allerdings die oben genannten Preise zahlen will, muss jeder mit sich selbst abmachen.
Ich würde ihn mir dafür eher, nein, definitiv nicht holen, da ist die Konkurrenz einfach zu groß.
Für ähnliches Geld bekommt man einen 12 jährigen Redbreast mit 46%, einen Potstill Whiskey der deutlich mehr Spaß macht, zumindest mir.
Auch ein 12 jähriger Jameson, wenn man ihn denn noch findet, liegt mir deutlich näher.
Für die 25 Euro, für die ich ihn mir geholt habe, ungefähr die Kosten eines Jameson Crested Ten -der mir auch mehr behagte- geht es allerdings gerade noch.
Aber bitte nicht falsch verstehen, der Tullamore Dew 12 ist kein schlechter Whiskey, nur finde ich nichts, was seinen Preis in Deutschland rechtfertigt.
Kein Alleinstellungsmerkmal welches ihn mir besonders ans Herz legen würde um mich als sein Fürsprecher generieren zu können.
Sorry, ich habs‘ probiert, fast einen ganzen Liter lang, aber ich habe einfach nichts gefunden.

Wertung Blended Whiskey
Tullamore Dew 12

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit:Wer den ‚Supermarkt‘ Tullamore Dew ohne Altersangabe kennt und wem der schmeckt, der kann -wenn er bereit ist das entsprechend schlechtere Preisleistungsverhältnis zu akzeptieren- hier eine holzigere und würzigere Form probieren. Mein Fall ist es aufgrund des Anschaffungspreises nicht, ich lege mein Geld lieber in einen der oben genannten irischen Blends oder gar Potstills an.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Ein Gedanke zu “Tullamore Dew 12

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.