Georg Dickel 'Cascade Hollow'

Hin und wieder kommt es vor, das mir nur eine kleine Probe eines Whiskys vorliegt, dann schränke ich meine Einschätzung gerne ein, denn in der Vergangenheit zeigte sich: Whiskys können ihr Erscheinungsbild im Laufe einer (längeren) Zeit durchaus ändern.
Sei es, weil der eigene Geschmack just am Verkostungstag anders als gewöhnlich war, sei es, weil der Kontakt mit Luft sie ein wenig verändert, oder, oder, oder …
Deshalb ist mein üblicher -über eine Flasche- gemittelter Eindruck, nach meiner Einschätzung, eine Spur verlässlicher, als es ein Kurzeindruck bei einem Sample, auch -wie in diesem Fall ein großes, 10cl Fläschchen -sein kann.
Das nur vorweg.

Der folgende Whisky ist eine Ausnahme der berühmten Regel, wonach ein Whisky, wenn er denn aus Irland oder den USA stammt mit einem kleinen e geadelt wird.
Obwohl es sich um einen Bourbon, genauer um einen Tennessee Whiskey handelt, schreibt sich der George Dickel Cascade Hollow Tennessee Sour Mash Whisky ohne jenes e.

Und, wer wissen möchte, was ich vom anderen Vertreter der Gattung „Tennessee Whiskey“, dem Jack Daniels, bisher gehalten habe, der kann meine Tastingnotes zum Gentleman Jack und zum Single Barrel nachlesen, wem das zuviel Mühe macht, dem sei es verraten: nicht wirklich viel.

Dank der netten Spende der werten Frau IausF und des Herrn AausF gelangte ich in den Besitz besagter Probe, der Einfachheit halber bilde ich aber das Foto der Originalflasche ab, die mir Frau IausF selbstlos ablichtete.
Auch dafür mein Dank!

Georg Dickel 'Cascade Hollow' Flasche
Es handelt sich beim George Dickel Cascade Hollow um einen Bourbon, der ’nur‘ das Mindestalter gereift ist(wobei ich das auf dem Foto nicht erkennen kann, gewöhnlich steht es auf der Seite des Etiketts. Ich gehe jedoch davon aus, das er nur die 3 Jahre gereift ist, auf Flaschen bei Onlineversendern, die gleich ausschauen, sieht man das aged 3 years besser.)
Mithin ist der George Dickel Cascade Hollow der Einsteiger aus besagter Destillerie, auf der Webseite von Georg Dickel sind hingegen nur der Classic No. 8, der Superior No. 12, der Rye und der Barrel Select gelistet.

Wenn man ihn bei den üblichen Versendern findet, so kostet er für die 1 Liter Flasche zwischen 37 und 48 Euro, es gilt also: Augen auf, beim Bourbonkauf!. 😉

In der Nase findet sich unverkennbar Vanille und eine schöne Fruchtnote.
Leckerer süßer Mais ist deutlich präsent.
Verächter einer klassischen Klebstoffnote kommen voll auf ihre Kosten; wer es lieber hat, wenn es aus dem Glas riecht wie Muttis Nagellackentferner, der muss woanders suchen gehen, denn damit kann der Cascade Hollow nicht dienen.
Insgesamt eine süffig-feine Nase die mir spontan Lust auf mehr davon macht.

Im Mund ist er deutlich trocken, warm mit mächtig süßer Vanille.
Dazu kommt eine kräftige Würze, aber er bleibt insgesamt deutlich weich und mild, selbst die Ms. hatte beim Probenippen nix zu maulen, was, bei Bourbon :-D, schon eine echte Ausnahme für sie ist.

Im Abgang bleibt er lecker süßlich, Vanille und Mais gehen eine schöne Verbindung ein. Als Nebeneffekt spart der Cascade Hollow einen Lippenpflegestift, denn er macht selbige leicht fettig. Ich ertappte mich dabei, öfters mit der Zunge über die Lippen zu fahren.

Was bleibt?

Das mir vorliegende Sample wurde an zwei unterschiedlichen Tagen verkostet und schmeckt mir sehr gut.
Ich mochte die schöne Süße im Kontrast zur Würzigkeit bei gleichzeitiger guter mild & mellow Attitüde.
Davon hätte ich gerne mal einen 100+ proof, denn -auch wenn die 40% durchaus ausreichten- würde ich gerne mal wissen, wieviel mild & mellow aus dem Alkohol und wieviel aus der Zusammensetzung stammen, und würde natürlich gerne auch selber ein wenig mit Wasserbeigaben spielen wollen.

Wertung Tennessee Whiskey
Georg Dickel ‚Cascade Hollow‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Endlich kommt mal was wirklich Schönes und gut trinkbares aus Tennessee. Der Georg Dickel Cascade Hollow ist ein milder, wunderbar nach Mais und Vanille schmeckender, würziger Whisky der -wenn man ihn für 37 Euro pro Liter kauft- ein interessanter und sicher nicht überteuerter Whisky ist. Auch, wenn man sein junges Alter durchaus in die Berechnung miteinbeziehen muss. Preislich liegt er ungefähr somit beim ebenfalls sehr leckeren Buffalo Trace.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

5 Gedanken zu “Georg Dickel 'Cascade Hollow'

  1. Da dieser Dickel eine Empfehlung an IausF von meiner besseren Haelfte, nennen wir ihn mal MausL war freut es mich das er dir geschmeckt hat. Wie trinken gerade den Rye Dickel und finden den auch sehr lecker. Lieben Gruss aus London,
    Sabine

    Liken

    1. :-)) Ahoi Sabine,
      das ist ja eine nette Überraschung, jo den Teil der Geschichte in B habe ich mal unterschlagen. 😉

      Der Rye vom Dickel Schorsch wäre, wenn er nicht -wie leider viele Boubons amerikanische Whiskeys, die den Weg nach Deutschland finden- unangenehm teuer wäre, sicherlich auch mal einen Testkauf wert.
      Aber, wenn der in den USA um die 35$ kostet, finde ich knapp 60 Euro schon eine stolze Ansage, die ich nicht bereit bin zu zahlen.

      Als Rye habe ich momentan den Bulleit Rye offen, der endlich auch für ’normales‘ Geld in Deutschland zu haben ist. Auch da gabs ja das Ärgernis, der kostete in den Staaten 17 $ und sollte dann hier über 60 Euro kosten.
      Manchmal ist also der merkelsche Tatendrang, -Abwarten und (anderen) Whisky trinken- durchaus ein gangbarer Weg 😉

      Lieben Gruß nach London.

      Liken

  2. Preis Ich dumme Nuss hab den Dickel in Frankfuer gekauft, als Geschenk an den Gatten. Der waere hier deutlich preiswerter gewesen. Ich denke die hohen deutschen Preise erklaeren sich mit geringerem Volumen und dementsprechend hoeheren Distributionskosten…aber dennoch, manchmal schuettelt man den Kopf. Die Loesung, zumindest fuer den Whiskey Kauf, ist halt ein Besuch in London 🙂

    Liken

    1. Oder,… … es gibt analog 5 eyes ein 5 glasses Abkommen, bei dem die deutschen auch wieder nicht mitmischen und das dann den Schnaps in den Teilnehmerländern billiger macht. 😀
      Wobei die Preise für Whisky auf der Insel doch eigentlich deutlich über den deutschen liegen sollten, der werte Herr AausB, der augenblicklich auf Skye weilt, erwähnte vor kurzem so etwas. Auch wenn ich dem immer wieder bezaubernden ralfy bei seinen Videos lausche, liegen die Einkaufspreise immer(satt) über dem, was hier in Deutschland aufgerufen wird, der Schnapsbesteuerung sei Dank. :-/
      Ich denke, ich gucke mal -wenn ich mit Frau IausF und Herrn AausF in Trier bin- was es an der Tanke im Nachbarort leckeres gibt. …. nachguck…
      Ha, schon was entdeckt 🙂 –>KNOB CREEK 9y SINGLE BARREL 60% zwar kein Rye aber dafür mal wieder anständige Umdrehung und der normale Knob Creek schmeckt mir auch. Hjam. 🙂

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.