Port Charlotte 10 'Heavily Peated'

In der Winterzeit gibt es für mich – auf Whisky bezogen – kaum viel Schöneres, als eine gute, kräftige Schippe voll des rauchigen Whiskys.
Leider war dieser Winter ja eher deutlich zu warm , in Anlehnung an den Fernsehspielklassiker, er war „Der Winter, der ein Sommer war“. Fast, naja, beinahe.
Wenn es draußen richtig knackig kalt ist, an den Scheiben der Frost nagt und die umliegenden Dächer und Straßen weiß glitzern, dann ist für mich die Zeit gekommen, solch einen Whisky aufzumachen.
Diese Sorte wärmt herrlich das Gemüt und lässt einen träumen von rauchiger Holzfeuerluft, knackiger Kälte und Schnee, also Kinder-und Jugendjahren des Blödbabblers.
Aber, in Ermangelung eines echten Winters geht es natürlich auch so, und- ich verspreche sicher nicht zu viel- Spaß macht es allemal.

Der Port Charlotte 10 Heavily Peated (PC 10 HP) fand sich im Frühsommer 2013 zu einem Preis von 34,50 für die 0,7 Liter Buddel bei mir ein und harrte dann brav im Regal, neben ein paar seiner Kumpels im Geiste, der Öffnung.
Inzwischen scheint er bei den meisten Händlern leider vergriffen zu sein, die, die ihn noch führen, wollen dafür inzwischen um die 42-44 Euro haben.

Port Charlotte 10 'Heavily Peated' Flasche
Port Charlotte war und ist(?) jene Marke in der Range von Bruichladdich, die sich mit den rauchigeren Whiskys dieser Destillerie befasste.
Ich vermute und hoffe mal, nach dem Verkauf an Rémy Cointreau wird es so bleiben, obwohl mir bei der Ausdünnung des Bruichladdich Sortiments noch nicht ganz klar ist, wohin die Reise gehen soll.

Der PC10 HP steckte in einer der üblichen, stabilen Bruichladdich Flaschen – umgeben von einer Blechrüstung – aus der Tube muffelte es, wenn auch weniger fies als normal bei Bruichladdich, deutlich nach Farbe. Für mich immer wieder ein echtes Ärgernis. :-/
Für die Frei- und Feingeister unter uns, hat die Marketingabteilung noch ein englischsprachiges(!) Hegelzitat aufgedruckt, das ich so -in prägnanter Kürze- in §318 der Philosophie des Rechts auf Deutsch nicht zuordnen kann.
To be independent of public opinion is the first formal condition of achieving anything great or rational whether in life or in science
Letztlich geht es dabei aber vermutlich mal wieder nur um die Bruichladdich Variante von „Auf dicke Hose machen“ und der Hegelsche Zusatz in §318, genauer, jener Teil des Zusatzes, welcher lautet:Wer, was seine Zeit will und ausspricht, ihr sagt und vollbringt, ist der große Mann der Zeit. Er tut, was das Innere und Wesen der Zeit ist, verwirklicht sie,[..] schmückt das Selbstbild von Jim McEwan und seiner Rasselbande von ach so dollen Nonkonformisten. 😉

Aber, es soll ja hier eher um den flüchtigen Geist in Form eines guten Tropfens gehen und weniger um Klein-Weltgeists Ausflüge in die Welt oder gar noch den Flügen der Eule der Minerva bei einbrechender Dämmerung gehen, deshalb lasse ich mal diesen Teil ruhen.
Und auch, wenn ich über den Marketingklimbim und das ehemalige stark ausufernde unübersichtliche Sortiment gerne und ausgiebig schimpfe, so machen sie doch fast durch die Bank guten Stoff in ihrer Destille, soviel ist sicher.

Der Port Charlotte ist ohne Farbpulver E150a, nicht kühlgefiltert und mit guten 46% Alkohol abgefüllt worden.

Der PC 10 HP macht im Glas eine gute Figur, er beglückt die Nase mit Vanille, Rauch und deutlichem Sherryeinfluss, sowie einer Spur Eukalyptus, wie ich finde (kann auch Menthol sein, da lasse ich gerne mit mir handeln. :-D).
Klasse Nase, aber der Rauch ist nicht von der kalten Art, wie ich sie gerne im Winter gehabt hätte, durch den Sherry ist es eher warmtönig zu nennen.

Im Mund macht sich sofort und zuerst der Sherryfasseinfluss bemerkbar, aber nicht so intensiv, das ich es nicht mögen würde. Nicht zuviel von faulen, matschigen und dunklen Früchte, dem rosafarbenen, unsichtbaren Einhorn sei Dank!
Etwas trocken und süß, dazu kommt ein deutlicher Rauchgeschmack, einer der Sorte „glimmender Holzspan“, sowie um mein Glück noch abzurunden, auch noch teerartige Noten.
Wow, das schmeckt lecker, der Sherry ist nicht zu dominant, das wäre dann nicht mein Fall, sondern harmoniert sehr schön mit den rauchigen, hölzernen Geschmäckern.

Der Abgang ist dann einer der langen Art.
Dabei bleibt er trocken, holzig süß und teerig. Klasse.

Tjo, die Buddel war dann doch schneller leer, als ich das eingeplant hatte. Aber wenn es halt mal schmeckt, warum sollte man sich dann was anderes gönnen? Na? Eben!

Wertung Single Malt
Port Charlotte 10 ‚Heavily Peated‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein sehr leckerer, süßer und rauchiger Whisky von Bruichladdich, der leider -wie es den Anschein hat- in der neuen Vermarktungsstrategie nicht mehr seinen Platz hat. Das Los scheint er mit dem Laddie Ten zu teilen, einem ebenfalls überdurchschnittlich guten Tropfen dieser Destille, der zu einem guten Preis im Handel erhältlich war. Schade. Wer auf rauchigen Stoff steht und sich nicht von über 40 Euro für einen zehnjährigen Whisky abschrecken lässt, der sollte zugreifen bevor er ganz weg ist.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Ein Gedanke zu “Port Charlotte 10 'Heavily Peated'

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