Gebt euer Geld der Kirche…

… denn sie hat nicht genug eigenes.

Man kommt in dieser Republik aus dem Staunen einfach nicht raus.

Absurde Gesetzesschnellschüsse zum Thema Pädophilie verbunden mit einer schnelleren Kriminalisierung, die vermutlich Kindern wenig helfen werden, aber dafür angetan ist, das Klima im Land weiter vergiften zu können.
Spionierende Nachbarn, die gucken ob bei den Fotos der kleinen Nacktbader im Garten nebenan nur ja nicht ohne vorher zu fragen geknipst wurde. Und was, wenn doch? Denunzieren, anzeigen oder was?
Pseudosicherheitsgehampel das vermutlich nicht einen echten Missbrauchsfall verhindern hilft, aber dafür Unsicherheit im ’normalen‘ Miteinander pflanzt.

Aber eigentlich geht es mir gerade mehr um den folgenden Unsinn.

Der kommende Katholikentag in Leipzig 2016 erregt (Achtung, der Link geht zu SpOn – ich habe leider auf die Schnelle keine seriöse Zeitung gefunden) die Gemüter.
Nicht, weil sich dort Katholiken im öffentlichen Raum breitmachen und Religiosität zelebrieren und missionieren werden, sondern, man ahnt es schon, wegen der Kosten.
Die -und hier setzt dann mein Verständnis aus- von öffentlicher Hand gesponsert werden.

Richtig, eine der Organisationen die es ihren Mitmenschen verbietet am „Karfreitag“ fröhlich zu sein, zu singen und zu tanzen, macht ein Fest und mag dafür Geld von allen Steuerzahlern haben.

Wie man auf der Webseite zum diesjährigen KT in Regensburg lesen kann bekommt man ungefähr zu einem Drittel Geld durch öffentliche Zuschüsse dazu.
Das bedeutet für den Katholikentag in Regensburg bezahlte der Steuerzahler ungefähr 3 Millionen Euro dazu.
Wait, what?
Genau, der Staat (hier das Land Bayern, der Landkreis und die Stadt Regensburg finanzierten eine Missionierungsveranstaltung (denn letztlich ist es nicht anderes) der katholischen Kirche mit.
Dies-nebenbei bemerkt- während die meisten Kreise und Städte nicht wissen wie sie KiTa-Stellen, Schwimmbäder oder Stadtbüchereien finanzieren sollen.

Nun regt sich offenbar gegen dieses Gebaren in Leipzig Widerstand, so gibt es eine Protestseite namens „Das 11 Gebot“ mit dem schönen Ansatz: „Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“
Und man schaudert, wenn man die Zahlen sieht, die dort für diese Veranstaltung von öffentlicher Hand veranschlagt, bzw. beantragt worden sind.
Der Hinweis auf die lediglich 4% Leipziger, die dort im katholischen Glaubensverein seien, führt meiner Meinung nach in die Irre, so richtig eine Relativierung auch sein mag.

Es könnten dort auch keine oder 100% der Bürger sonntäglich auf den Knien rutschend um Vergebung bitten, die Crux und der berechtigte Kritikpunkt ist jedoch, dass dort eine Werbeveranstaltung für eine private Sache – wie es der Glauben ist – durch die Allgemeinheit subventioniert werden soll und wohl auch schon immer wird.
Was haben steuerzahlenden Moslems oder Atheisten damit zu schaffen, dass sich die römische Kirche selbst feiert?
Reichen der Kirche ihre sowieso permanent erhaltenen Steuervergünstigungen, offen gezahlten Subventionen und die Zwangsgelder, welche das Finanzamt für diesen Verein eintreibt, nicht aus um das eigene Fest zu bezahlen?

Aber das geht vermutlich auch im Grundrauschen unter, wie die schleichenden Übernahmen ehemals öffentlicher Kindergärten und Schulen in die Hand von kirchlichen Trägern.

Wenn ich ein Freund von Verschwörungstheorien wäre, lautet die dazu passende: Die schleichende Re- Christianisierung ist eine von den konservativen Kräften in unserem Land gewollte Handlung. Durch politische Entscheidungen wird ein bewusstes, finanzielles Ausbluten der Kommunen ermöglicht und exekutiert, durch höhere Subvention für kirchliche Kindergärten im Vergleich zu staatlichen wird dem Staat langsam das Bildungsmonopol abgenommen. Schulen werden so -über den Religionsunterricht hinaus- zum Verbreiter voraufklärerischem Denken, der Schritt hin zu Kreationismus und ähnlichem Unfug ist kein weiter.

Aber zuerst einmal sollte man die Unverfrorenheit der Finanzierung beim nächsten Katholikentag in Leipzig klar benennen.
Mein Vorschlag – so historisch gesehen – wäre es den Katholikentag lieber in Magdeburg abzuhalten.
Warum?
Nun, dort haben die katholischen Horden ja schon mal gewütet und alles dem Erdboden gleich gemacht, ähnlich- bei aktueller Finanzlage- ginge es wohl Leipzig auch, nur weniger blutig.
Für die Kinder unter uns, die zwar die Bluthochzeit(Red wedding, Achtung, spoiler!) aus Game of thrones kennen, aber denen die Magdeburger Hochzeit nichts sagt, sei hier ein Verweis auf Tante wikipedia erlaubt.
Und mein kurzer Hinweis: In Magdeburg war es nicht so zivilisiert wie bei Game of thrones. 😉

Hofft noch- in Anlehnung an Wiglaf Droste- auf Nero und seine Löwen.

Ihnen Ihr Blödbabbler

32 Gedanken zu “Gebt euer Geld der Kirche…

  1. Da ist es ja gerecht, dass unsere muslimischen Mitbürger Weihnachtsgeld erhalten.
    Leider aber nicht von diesem kruden Glaubensverein, deren hauptberuflichen Märchenerzähler sich freiwillig dazu entschlossen haben, sich lebenslang dem Pimpern zu entsagen – und wenn es dann doch nicht ein- oder auszuhalten ist, zur Ventillösung (Kinder, Mitbruder oder Haushälterin) greifen.

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    1. Wobei Muslime… … ,soweit mir bekannt, aber kein Weihnachtsgeld vom Staat erhalten, oder? 😉
      MIr würde die Vorstellung gefallen, dass die katholische Kirche Weihnachtsgeld an -aus ihrer Sicht- Un-oder Andersgläubige bezahlt. 🙂
      Blödbabbler stellt sich schon mal an; ist ja schon fast soweit, denn die ersten Weihnachtsmänner sind bereits gesichtet worden wie man bei Frau schlafmuetze sehen kann.

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  2. Danke, dass Sie in bewährter Deutlichkeit den Finger in die Wunde legen.

    Es ist immer wieder erstaunlich wie die Medien ohne jeden Hinweis auf die Hintergründe, euphorisch über die „Massen“ von Gläubigen berichten – wo es doch im Vergleich zu den ‚offiziellen‘ Mitgliederzahlen nur ein Bruchteil ist der tatsächlich noch glaubt ….

    Aber ich habe einen Trost, mindestens einen der mich ‚aufrecht erhält‘:
    Alleine schon durch die weitere Entwicklung der Altersstruktur wird sich das im Laufe der Zeit von selbst erledigen.

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    1. Immer gerne. 🙂 Ich bin mir nur mit der Altersstruktur und dem automatischen Erledigen nicht so sicher.

      Denn scheinbar reproduziert sich ‚Glauben‘ eben nicht nur durch eine Spiegelung oder Projektion der realen Verhältnisse, wenn ich Marx mal so platt einbringen darf, sondern eben auch durch eine biologische Komponente.
      Dawkings rätselt hierbei ja -in Analogie zu den Motten und dem Licht- ob es sich um eine fehlgeleitete, ursprünglich nützliche Funktion handeln könnte, welche für das lange Bestehen innerhalb der Menscheit dafür verantwortlich sein könnte.
      Wenn es denn eine genetische Komponente sein sollte, dann wird es sicher deutlich länger dauern bis sich das herausmendelt. 😀
      Fürchtet Ihnen Ihr Blödbabbler

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    2. Keine Erledigung? Kann es sich beim Glauben möglicherweise um eine Vorstufe der Demenz handeln? Nicht mehr wissen, sondern glauben? Das wäre der Durchbruch in der Demenzforschung! Früherkennung Sonntags Morgens durch glockengeläutete glockengeleitete Patientenansammlungen! (Wobei ich Ihnen mein Kopfkino bezüglich glockengeleitet leider vorenthalten muss)

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    3. @ bloedbabbler

      ‚genetisch‘ halte ich aus fachlicher Sicht für möglich – siehe Lemminge!
      Da fehlt mir wohl das entsprechende Gen.

      Womit wir wieder bei der alten Frage wären:
      Sind die Verrückten verrückt oder die Normalen gestört?

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    4. @pathologe Danke, das Kopfkino das ich jetzt bei ‚Glockengeleitet‘ habe ist auch so schon eine Wucht. 😀
      Und um auf andere Geanken zu kommen frage ich mich: Lassen denn die ‚Batman Weibchen‘ um sie herum auch die Glocken schwingen im Takt? Oder ists doch wieder nur der Müzzin glockenhell krakelend auf seinem Phallussymbol?

      Nebenbei, ist denn die demente Vorstufe nur den wahren Christenmenschen zugedacht?

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    5. @wvs Ein interessanter Aspekt von religiöser Permanenz könnten auch höhere Fruchtfolgen 😀 bei religiösen Menschen sein. Ein netter kurzer Artikel zu diesem Ansatz gibts bei spektrum.
      Machts unterm Strich auch weider eher unwahrscheinlich das sich dieses Phänomen in absehbarer Zeit von alleine löst.

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    6. Diese demente Vorstufe ist meines Erachtens jeder Religion zugedacht. Was man nicht wissen will, glaubt man einfach. Nur gut, dass Flugzeuge, Fahrzeuge und Eisenbahnen von Ingenieuren entworfen wurden, ich vertraue in solchen Dingen eher auf Wissen als auf „Ich glaube, dass das schon irgendwie gut geht“.

      Was die Batmanweibchen betrifft (der anwesende Schotte nennt eine Ansammlung jener Damen übrigens „a box of Guinness“), das Geläut ist da weniger ersichtlich. Schwarz macht eben schlank. Aber mit der Zeit entwickelt man da einen Blick dafür, wer (speziell von den abgestandenen älteren Guinness) sich Unterstützung zulegt, oder wer frei klatschen lässt. Auf den Bauch.

      Bauchklatscher, so wie ich ihn von früher® aus dem Schwimmbad kannte, erhält dadurch eine andere Bedeutung, die nicht weniger schmerzhaft daherkommt.

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    7. Wobei… … von den Ingenieuren sicher ein nicht geringer Teil eben auch ‚glaubt‘, bspw. an Einhörner, Jungfrauengeburten oder fliegende Pferde mit Propheten. Ich wundere mich immer, wie man sein Denken einerseits den Naturgesetzen unterwerfen kann, denn sonst ist Essig mit Flugzeug etc., und direkt nebenan mit der Nachbarhirnzelle an redende & brennende Dornbüsche geglaubt wird. Man blendet dabei offenbar den grotesken Widerspruch aus oder -schlimmer- ist sich dessen gar nicht gewahr.

      Sauber, jetzt habe ich keinen Bock mehr auf Guinness und gnädigerweise einen Filmriss beim Kopfkino bezüglich „Bauchklatscher“. 😀

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    8. Ich glaube ja auch an Jungfrauengeburten und fliegende Pferde mit Prothesen. Anders ginge es bei Letzteren ja kaum, lediglich der Prothes muss aus dem Hause Boeing oder EADS sein.

      Und die Jungfrauengeburten: das soll sogar bis zum ersten Freund anhalten, das mit der Jungfrau. Also idealerweise etwa 16 Jahre.

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    9. Da haben sie … … mal eben aus dem Propheten einen Proteus Prothes gemacht, clever. 😉
      Wobei sie das vermutlich in ihrer augenblicklichen Umgebung besser nicht tun sollten, sonst klatscht ihnen ein Sixpack älteres Guinness sicherlich was um deren coupierte Ohren.

      ZumThema „Jungfrau und 16“ wollte ich jetzt was ablästern, aber sie haben die genaue Durchschnittszahl erwischt, Hut ab! Aber das Schöne am Internet, man muss nur kurz suchen um eine Statistik zu finden, die es bei 17 anlegt. 😀

      Wobei es nicht darum ging, das das Kind bei seiner Geburt bis zum 16 17 Lebensjahr eine solche,also Jungfrau, war, sondern … hach jetzt hätten sie mich beinahe reingelegt, sie Schlawiner.

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    1. … das sie konvertieren könnten… … wenn die klerikale roadshow durch Magdeburg führe? 😀
      Ok. Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen.
      Nebenbei finde ich ja auch das keine Stadt so etwas erleiden sollte, egal ob im Osten oder Westen dieser Republik.

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    1. Hallo steppenhund… …meinen sie die Vorgehensweise der Kirche im Bezug auf „Sich-von-den-Steuerzahlern-sponsorn-lassen“? Oder die allgemeine Art der Kirche sich -quasi heimlich- die Schaltstellen für kindliche Manipulation zu scihern bzw. zurückzuholen?
      In beiden Fällen gebe ich Ihnen recht, abartig ist eins der netteren Umschreibungen die mir dazu einfallen würden.

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    2. Bei uns ist es das Streitthema des Konkordates, das hier sehr stark hinein spielt. Allerdings wird bei uns der Kirchenbeitrag direkt mit der Kirche geregelt und nicht in Form von 8 oder 9% direkt vom Gehalt abgezogen.
      Ich war total baff, als ich davon erfuhr. Ich hätte ja einmals fast eine Anstellung in Deutschland, Hamburg, angenommen. Das Gehalt war ohne die 8% lange nicht mehr so attraktiv wie die vergleichbaren Gehälter in Österreich, bzw. was ich selbst verdient hätte.
      Aber dass ein Verein von der Allgemeinheit gesponsert wird, für den ich eh schon zahle, halte ich für eine nahezu verbrecherische Begebenheit. Allerdings ist da nicht die Kirche verantwortlich sondern die Politiker, die das fördern.

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    3. Imerhin ist es knapp … … unter dem Zehnt. 😀
      Von mir aus könnten es auch 50% oder mehr sein, die die Mitglieder an ihren Verein bezahlen. Der sollte das aber gerne selbst regeln, kein Einziehen über den Staat, sondern direkt von denen, die sich dazu bekennen. Nicht mehr und nicht weniger als bei jedem anderen Verein in Deutschland. Warum diese Sonderstellung?
      Aber dass ein Verein von der Allgemeinheit gesponsert wird, für den ich eh schon zahle, halte ich für eine nahezu verbrecherische Begebenheit.
      So ist es. Und das sind ja diverse Einnahmen die durch Steuergelder finanziert werden, selbst jene die -unter kirchlicher Trägerschaft- Dienst für die Allgemeinheit machen, unterwerfen bspw. die Arbeitsverhältnisse unter das Diktat ihrer Religion(szugehörigkeit), haben kirchliche Tarife die sich zum Teil deutlich von denen abheben die allgemein gültig sind. Oder-wie im Fall von Krankenhäusern- machen ihre abstruse Moral zum Maßstab ärztlichen Handelns (Hier bspw.der Ablehnung der Pille danach für eine vergewaltigte Frau.
      Allerdings ist da nicht die Kirche verantwortlich sondern die Politiker, die das fördern.

      Richtig. Solange sich an dieser Stelle nichts ändert, schmarotzt sich der religiöse Parasit weiter durch das staatliche Geld.

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  3. Hier auf dem Dorf begegne ich der Einstellung: Es sei zu begrüßen und zu unterstützen, dass die Kirchen die Kleinkinderziehung übernehmen, da die Eltern eine religiöse Erziehung ja immer weniger gewährleisten könnten. Ernsthaft vertreten vom Vertreter der SPD angesichts der Tatsache, dass es einen katholischen und einen evangelischen, aber keinen staatlichen Kindergarten gibt.

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    1. Hallo IGing,… … die spannende Frage dich sich daraus ergäbe wäre doch: „Können oder wollen die Eltern diese Form der Erziehung nicht mehr selber an ihren Kindern ausüben?“
      Wenn sie es nicht können, weil sie mit der Bibel & den sonntäglichen Ritualen überfordert sind, was ich mir eigentlich nicht denken kann(das Ganze ist ja eher auf Begeisterung von schlichten Gemütern ausgelegt), bliebe noch Desinteresse – also eher das Nichtwollen. Warum man dann aber die Kinder via religiösem Kindergarten bzw. Schule wieder damit indoktrinieren sollte und sich das nebenbei noch mit 80% bis 100% staatlich finanzieren lässt ist ein Frechheit. Religion hält sich, von genetischen Möglichkeiten abgesehen, eben auch dadurch, dass Kinder in der Phase damit weichgemacht werden, wenn sie besonders anfällig für Autoritätspersonen sind; das kann man innerhalb der Familie ja noch schönreden mit elterlichem Erziehungsauftrag, aber im öffentlichen Raum ist es schlichtes missionieren, staatlich unterstützt. Das nun die SPD da kein offensichtlich kein Problem mit hat, liegt an der SPD, die hat nie ein Problem mit reaktionärem Getue, außer es trifft sie direkt und dann ist es meistens zu spät, Aber für sozialdemokratische Legendenbildung reicht es dann meist noch: „Wir haben nie dem Ermächtigungsgesetzt zugestimmt“ u.ä.

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    2. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass ich es nicht weniger beängstigend finde, die Kleinen im „autoritätsanfälligen“ Alter staatlicher Indoktrination und Manipulation auszusetzen. Deshalb sehe ich eigentlich nur eine akzeptable Möglichkeit: Eltern erziehen ihre Kinder im Wesentlichen selbst. Gemeint ist: Im Vorschulalter – also keine Kita-Kultur … Und auch keine Ganztagsschulen als Standard! Obwohl das die althergebrachte Familienvariante ist, kommt es mir vor, als wäre dies mittlerweile eine revolutionäre Einstellung. Man muss sich schon rechtfertigen, wenn man auch tagsüber Zeit mit seinen Kindern verbringen will, damit die Kinder ihr Zuhause nicht nur als ‚Hotel garni‘ wahrnehmen.

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    3. Wie sähe denn… …solch eine staatliche Manipulation aus? Von diktatorischen Staaten abgesehen, und auch wenn ich viel über die BRD schimpfe, so weit ist es hier definitiv nicht, würde mir da keine ernsthafte Gefahr einfallen. Man organisiert ein didaktisches Konzept mit objektiv kontrollierbaren Zielen, gerne auch sehr ‚Meta‘ wie „Soziales Miteinander, Kommunikationsstrukturen und (kritisches) Verständnis fördern“ oder ähnlichem.
      Was man dagegen nicht tut ist, Kindern was vom Weihnachtsmann oder seinen Brüdern dem Osterhasen oder Gott zu erzählen, oder wenn, dann eben nicht als: „Das gibt es! Du musst glauben, etc.“.
      Keine Bibelgeschichten und ähnlichen Krempel, sondern bspw. Geschichten mit ‚moralischem‘ Anspruch der für die Moral keine Drohkulissen & Strafgerichten göttlichen Ausmaßes benötigt. Aber das ist ein inhaltlicher Teil. Prinzipiell gilt, wenn man Kinder mit Religion gehirnwaschen will – und Eltern ist das ja erlaubt- indem man sie in einen kirchlichen Kindergarten steckt, dann sollte der auch zum großen Teil von der Glaubensgemeinschaft finanziert werden. Siehe bspw. die Sektenschulen der Waldorfanhänger oder anderer ‚alternativer‘ Konzepte.
      Ich bin kein Freud des -einstmals feministisch-emanzipatorischen- Ansatzes Frauen unbedingt auf Teufel komm heraus in die Erwerbsarbeit zu hinein zu befreien. 😉
      Das Konzept möglichst beide Eltern in Lohnarbeit zu dingen und für die Erziehung der Blagen dann wieder jemanden anzuheuern (Tagesmutter, KiTa) ist mir durchaus suspekt.
      Allerdings scheint es Kleinkindern auch nicht schlecht zu bekommen, wenn die -quasi über den Tellerrand- Kontakt mit anderen bekommen und ‚das soziale‘ Element des Menschseins erlernen (können), gerne auch in kleinen bis mittelgroßen Gruppen.

      Was aber mein eigentliches Anliegen und im Sinne der obigen Kommentare und Beiträge kein guter Ansatz ist, ist es sich alles doppelt & dreifach von Menschen außerhalb dieses Vereins bezahlen zu lassen und dennoch unter der eigenen Flagge in den Einrichtungen zu missionieren.

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    4. Nun ja, ich habe schon noch als schlimm warnendes Beispiel die deutsche Vergangenheit vor Augen, in der staatlicherseits Ideologien in die Köpfe gepflanzt wurden, die einen das Grausen lehren, auch wenn wir zurzeit nicht gerade einer solchen Gefahr direkt ausgesetzt sind. Gegen einen Halbtagskindergarten von 4-6 Jahren – am besten einen privaten – habe ich auch gar nichts einzuwenden.
      Dass in kirchlichen Kindergärten und Schulen Gehirnwäsche stattfinde, kann ich so nicht bestätigen. Meine Kinder wurden nie gezwungen, irgendwas zu glauben – dabei gingen sie [wo doch ihre Mutter selbst aus der Kirche ausgetreten ist!] in einen evangelischen Kindergarten und – ich traue mich kaum es zu sagen – ein katholisches Gymnasium. In der Schule ging es weniger katholisch zu als auf twoday.net. Das Schulgeld, das hier fällig gewesen wäre, musste ich nicht bezahlen, vermutlich auch wegen der staatlichen Zuschüsse.

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    5. @ iGing & bloedbabbler

      Unsere Kinder waren beide – freiwillig und ohne dass wir gezwungen waren – in Kindergärten.

      Aus den vorgenannten Gründen:
      – Erleben sozialer Interaktion,
      – Einüben zwischenmenschlicher Kontaktaufnahme und
      – Entwicklung der Selbständigkeit.

      Ein Problem ist der Kindergarten aus meiner Sicht nur dann wenn man gezwungen ist seine Kinder dorthin zu bringen – ohne Alternative, weil der Broterwerb es unabwendbar macht. Oder, weil heutzutage ein Arbeitnehmer alleine nicht mehr genug verdienen kann um die Familie zu ernähren.

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    6. Hallo IGing Dass in kirchlichen Kindergärten und Schulen Gehirnwäsche stattfinde, kann ich so nicht bestätigen
      Eventuell differieren hier unsere Vorstellungen von „Gehirnwäsche“; ich vermute mal auch in ihrem evangelischen Kindergarten wurden Geschichten aus der Bibel vorgelesen, hing irgendwo ein Kreuz oder wurden religiöse Feste gefeiert. Ich habe auf die Schnelle nur ein kleines Zitat aus dem ‚Selbstverständnis eines katholischen Kindergartens aus dem ich zitiere:
      Die Kinder sollen
      • die christliche Kultur kennen lernen,
      • zwischen wirklich wichtigen und verzichtbaren Dingen unterscheiden
      können,
      • erfahren, dass Fehler und Schwächen zum Leben gehören, dass man
      aber immer wieder verzeihen und neu beginnen kann,
      • ein Gefühl für die Schöpfung und das Leben entwickeln.
      Wir fördern das, indem die Kinder
      • ein Gefühl für sich und die anderen entwickeln,
      • durch das Hören biblischer Geschichten und Erzählungen sowie das
      Feiern der christlichen Feste mehr über das Leben Jesu erfahren,
      • erleben, dass ein christlicher Lebensstil den gesamten Alltag prägt,
      • Kontakt zu den Seelsorgern und zur Kirche erleben.

      Menschen die von Schöpfung reden und christliches Glaubensgut an Kinder vermitteln, sind eben nicht neutral, sondern vermitteln ein Weltbild, bei dem es einen Schöpfer gibt, untermalt wird das dann mit den ‚lustigen‘ Geschichten aus der Bibel. Das sich das dann -quasi erst mal alternativlos- in den Hirnen der Kinder festsetzt, sorgt eben neben anderem auch für ein weiterbestehen von Religion. Kinder werden hier in eine Richtung beeinflusst -und zwar bevor sie selbst die Thematik kritisch hinterfragen können. Das nenne ich Gehirnwäsche.

      @wvs
      Ich fand den (staatlichen) Kindergarten auch klasse. Meine Mutter war während meiner Kinder & Jugendzeit teilzeitbeschäftigt, knechtete von 7.00 Uhr morgens bis um 12.15 täglich, aber zur Mittagessenszeit war sie präsent, ebenso für Hausaufgaben. Nachmittags ging es dann nach draußen zum Spielen. Ich fand auch das die Interaktion mit anderen Kindern ein wichtiger Teil meiner ‚Menschwerdung‘ war; gewöhnlich freute ich mich auf den Kindergarten oder später die (Grund-)Schule.
      Mir ging es nicht prinzipiell gegen die Möglichkeit eines Kindergartens, sondern gegen den -von Frau IGing erwähnten sozialen Druck- Kinder in selbigen schicken zu müssen um nicht als reaktionäres Pack dazustehen. Desweiteren bezog sich meine Kritik im gesamten Artikel primär gegen das Sozialisieren von religiösen Kosten, den Teil mit der Gehirnwäsche habe ich nur aus plumper Opportunität mit einfließen lassen, immer in der Hoffnung Mitlesende zur Selbstreflexion zu nötigen. 😉

      Ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis.
      Beide wurden vor knapp einem Jahr Eltern, beide sehr gut verdienende, verbeamtete Menschen im höheren Dienst.
      Die Mutter bastelt jetzt an ihrer Karriere weiter, nachdem das Mutterschaftsjahr abgelaufen ist, zwar nur in Teilzeit mit etwas über 30 Stunden, aber die eben auf 4 Tage, also ganztags, verteilt.
      Das Kind wird bei der Tagesmutter ganztägig ‚geparkt‘.
      Beide sind nicht religiös, aber in der Kirche, beide lassen das Kind -trotz meiner gestreuten Bedenken- natürlich taufen.
      So setzt sich, aus Denkfaulheit oder weil man seine Umwelt nicht enttäuschen will auch an dieser Stelle der religiöse Einfluss früher oder später durch. Wenn man hohle Rituale vollzieht, an die man selbst nicht glaubt, weil es erwartet wird, stabilisiert man ganzen Kram auch die nächsten zweitausend Jahre. Logischerweise waren die irritiert, das die Ms. Inzwischen aus der Kirche ausgetreten ist, soll sie doch als Patin fungieren. 😀

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    7. Ich kann mich an kein Kreuz im evangelischen Kindergarten erinnern. Aber an ein Kreuz vorne neben der Tafel in jedem Klassenzimmer der STAATLICHEN Grundschule! Dagegen habe ich mich vehement gewehrt.
      Manchmal bin ich überrascht, wie wenig meine Kinder die Inhalte des christlichen Glaubens kennen, so dass ich fast glaube, der evangelische Kindergarten und das katholische Gymnasium haben ihren religiösen Erziehungsauftrag, den Sie so ausführlich zitieren, nicht ernst genug genommen.
      Meiner Ansicht nach sollte jede Erziehung die Voraussetzung dafür schaffen, dass ein Mensch sich frei fühlen und zu dem stehen kann, wofür er sich entscheidet. Werden ihm kulturell vorgegebene Möglichkeiten vorenthalten, ist das genauso ungut wie ihn von vornherein auf eine bestimmte Art des Verständnisses festzulegen.

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    8. Und rauchen ist gesund… … denn Helmut Schmidt lebt immer noch. 😉

      Ein Kreuz im Klassenzimmer einer öffentlichen Schule ist eine Frechheit und kann -zumindest in Deutschland seit 1995- unterbunden werden. In anderen Ländern, wie Italien, leider nicht unbedingt, seit dem Schandurteil des Europäische Gerichtshof für Menschenrechte von 2011.
      Meiner Ansicht nach sollte jede Erziehung die Voraussetzung dafür schaffen, dass ein Mensch sich frei fühlen und zu dem stehen kann, wofür er sich entscheidet.
      Da bin ich ganz bei Ihnen. Nur ist das eben nicht der Fall. Kinder entscheiden sich nicht für „Gott“ und Religion, das tun ihre Eltern. Es gibt-wie es Dawkins richtig sagt- keine christlichen Kinder, es gibt Kinder christlicher Eltern. Oder kennen sie christdemokratische Kinder oder sozialdemokratische Kinder?
      Kinder bekommen eine Erklärung angeboten die auf einem Weltbild fußt, bei dem es einen allmächtigen Schöpfer gibt, der alles in 7 Tagen erschaffen hat. Der hatte dann einen Sohn, der aber eigentlich auch er selbst war und um seinen Zorn zu lindern quälte er sich selbst und ließ sich in Gestalt seines Sohnes (also sich selbst) hinrichten. Danach war er dann wieder zufrieden und die Menschheit gerettet. Dann gibt es ein Buch dazu, das berichtet davon das man Frauen gering schätzen soll, Schwule steinigen und welches Genozide für richtig hält, wenn sie denn nur vom richtigen ausgeführt werden (also Gott selbst, oder halt denen die gerade bevorzugt).
      Ehrlich, das ist das Grundgerüst des christlichen Glaubens. Und das soll dann der (einzige)Weg zu einem Moralverständnis sein, eben ein Glauben der auf Angst, und Furcht vor einem Gott fußt. Moralisches Handeln einzig aus Furcht vor „Ewiger Verdammnis“.
      Und dieser Kram wird eben in frühen Jahren gelernt & gelehrt, auch wenn es Religionslehrer und Kindergärtnerinnen geben wird, die das nicht tun. Das religiöse Fundament ermöglicht es eben zuerst einmal nicht „frei“ mit Wissen umzugehen und steht in Gegensatz zu den Aufgaben einer pluralistischen Gesellschaft. Deswegen sollte ja Religion auch nicht Bestandteil von (staatlicher) Erziehung sein, denn die Werte die für alle gelten sollen (in einer pluralistischen & demokratischen) Gesellschaft müssen auch für alle einsichtig sein, sonst verstärken sie lediglich die Trennung, sind Sand im Getriebe eines reibungslosen gesellschaftlichen Ablaufes. Das mag vor 200 Jahren weniger offensichtlich gewesen sein, als die Gesellschaft zu nahezu 100% christlichen Menschen bestand, heute ist das ein Anachronismus wie Sklaverei oder feudale Überbleibsel.
      Werden ihm kulturell vorgegebene Möglichkeiten vorenthalten, ist das genauso ungut wie ihn von vornherein auf eine bestimmte Art des Verständnisses festzulegen.<
      Da stimme ich ihnen zu, solange es sich um Wissen oder die Möglichkeit zur Wissenserlangung handelt; bei Glauben der dem Wissen und der Erkenntnis vorgelagert ist und gleichzeitig diametral dazu steht, sehe ich das nicht ein.

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  4. Hallo Bloedbabbler 🙂 Du warst noch nie auf einem Kirchentag, oder? Natürlich kann dort auch jeder „auf den Knien rutschend um Vergebung bitten“, aber ein Kirchentag ist etwas ganz anderes.
    „Die römische Kirche“ in dem Sinne ist gar nicht dort. Kirchentage sind Laienveranstaltungen. Viele Vereine und Gruppen stellen sich vor, die auf viele wichtige Anliegen in unserer Welt aufmerksam machen: Es geht um ganz vielfältige Themen wie Frieden, Umwelt, dritte Welt. Es geht um Menschlichkeit, Mensch sein und und und. Man kann Vorträgen lauschen, an Podiumsdiskussionen teilhaben, mit Menschen in Kontakt treten, die man sonst nie treffen würde.
    Es treten Musikgruppen auf, man kann an Projekten teilnehmen bei Themen die einen interessieren und es ist dort wirklich so gut wie jedem egal, ob du einer Kirche angehörst oder nicht. Danach fragt niemand. Natürlich kommt auch Religion vor 🙂 aber eher mal nebenbei.
    Solange jeder Steuerzahler – auch der Nichtfußballfan – mit hohen Summen die ständige Polizeibereitschaft bei Fußballspielen finanzieren muß (ohne das sich auch nur ein Verein finanziell daran beteiligt, obwohl die satte Gewinne einstreichen), solange dürfen auch kirchliche Veranstaltungen mit Zuschuß der Steuerzahler stattfinden.

    Es ist übrigens schon Jahrzehntelang bekannt, dass wir auf zu großem Fuß leben, unser Schuldenberg wächst und wächst; das will aber keiner wissen! Und sparen soll immer nur der Andere.

    Zu den Schulen eine kl. Anmerkung. Deutschland hat laut Wikipedia mit ca 6 % einen relativ niedrigen Anteil an Privatschulen. http://de.wikipedia.org/wiki/Privatschule#Sch.C3.BCleranteil
    Da liegst du wohl mit deiner Vermutung einer schleichenden Übernahme nicht ganz richtig 😉
    Ich wohne in Niedersachsen und kann zumindestens von hier sagen, dass der Anteil von öffentlichen Schulen nicht sinkt und die Zahl der öffentlichen Krippen und Kindergärten eher steigt (in Orten, wo noch genug Kinder geboren werden).
    Meine 3 Kinder besuchten alle katholische Kindergärten und Schulen (Tochter war sogar Messdienerin). Sie sind längst erwachsen, gehen nicht zur Kirche, interessieren sie sich nicht für Religion und glauben nicht an Gott. Sooo schlimm kann es ja dann mit dem indoktrinieren nicht sein.
    Was die Finanzierung von Schulen betrifft. Das ist ja nun mal die Aufgabe des Staates. Und auch die privaten Schulen müssen sich an die Unterrichtsvorgaben des Staates halten. Das bisschen Religionsunterricht macht da nichts aus. Den gab es zumindestens bei uns auch an der öffentlichen Schule für beide Konfessionen. Ob das jetzt noch so ist, kann ich nicht sagen.
    Grüßli 🙂

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    1. Hallo schlafmuetze,… … nein ich war noch nicht auf einem Kirchentag, denn mit Religion habe ich es nicht so. 😉

      Mein Zitat mit dem „knienschrutschend“ bezog sich, wie im Kontext zu erkennen, auf den Anteil von 4% der katholischen Leipziger, nicht auf die Teilnehmer eines Kirchentages per se.
      Die Thematik bei einem in diesem speziellen Fall Katholikentag ist natürlich immer die (katholische) Religion, auch wenn sie nicht immer mit dem Dampfhammer daherkommen mag.
      Ich zitiere mal aus dem Ziel? des diesjährigen KT:Mit Christus Brücken bauen ist das Leitwort des Katholikentags. „Für engagierte Christinnen und Christen versinnbildlicht dieses Leitwort die Berufung, in der Nachfolge Jesu Christi und in seinem Geiste in unserer Zeit mit ihren Spannungen und Konflikten in der Welt und in der Kirche Brücken zu bauen“, erklärt Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK). Wenn wir aufeinander zugehen und miteinander Glauben leben, dann wird der Glaube lebendig und hat Ausstrahlung für andere.

      Der Katholikentag soll ein Zeichen setzten, dass sich Christinnen und Christen sowohl an der Erneuerung ihrer Kirche als auch der Gesellschaft beteiligen wollen. Wir freuen uns, wenn Sie Teil davon sind!
      Das bedeutet, der Teil der wichtig ist, dass sich eben eine katholische Lobbyveranstaltung, denn das ist es letztlich, wenn ich glaubensbasiert auf die Gesellschaft einwirke, zu mindestens einem Drittel von allen finanzieren lässt. Das ist nicht in Ordnung.
      Solange jeder Steuerzahler – auch der Nichtfußballfan – mit hohen Summen die ständige Polizeibereitschaft bei Fußballspielen finanzieren muss (ohne das sich auch nur ein Verein finanziell daran beteiligt, obwohl die satte Gewinne einstreichen), solange dürfen auch kirchliche Veranstaltungen mit Zuschuß der Steuerzahler stattfinden.
      Dein Verweis mit dem Fußball hinkt natürlich deutlich, denn -auch wenn ich das ebenso kritisch sehe wie du- geht es hier nicht um direkt Zuschüsse, sondern um die Ausübung des Hoheitsrechts des Staates, die Exekutierung der Sicherheitsverantwortung. Und selbstverständlich bindet auch ein KT natürlich Polizei, Hilfs- und Sanitätskräfte in großem Ausmaß. Meinst du das bezahlt die katholische Kirche?
      Es geht um Menschlichkeit, Mensch sein und und und. Man kann Vorträgen lauschen, an Podiumsdiskussionen teilhaben, mit Menschen in Kontakt treten, die man sonst nie treffen würde. Das geht es bei den meisten Open-Air Festivals auch und die werden nicht zu einem Drittel vom Staat finanziert.
      Es ist übrigens schon Jahrzehntelang bekannt, dass wir auf zu großem Fuß leben, unser Schuldenberg wächst und wächst; das will aber keiner wissen! Und sparen soll immer nur der Andere.
      Ganz ehrlich, ich kenne niemanden der auf zu großem Fuß lebt oder gelebt hat in den letzten 30 Jahren. Was ich kenne sind Menschen, die inzwischen zum Teil von ihrer Arbeit kaum noch leben können, Menschen die sich überlegen ob sie die Heizung anstellen oder lieber noch eine Woche warten, um Kosten zu sparen. Ein staatlicher Schuldenberg, um deine Nomenklatur mal zu übernehmen, ist nicht per se schlecht, böse oder verwerflich. Oft und häufig, wenn denn in guten Zeiten Schulden sinnvoll beglichen werden, ist es die einzige Rettung für schwächelnde Konjunktur und mangelnden privaten Investitionswillen, wenn der Staat sich verschuldet und damit die Konjunktur stützt bzw. anschiebt.
      Staaten sind eben keine schwäbische Hausfrau, auch wenn dieser Blödsinn sich in den einfacheren Köpfen dieser Republik oft festgefressen hat und unkritisch in Permanenz wiedergekäut wird.
      Unsere Staatsverschuldung nahm übrigens richtig Fahrt auf, als mit unseren Geldern Banken und private Gläubiger hier und anderswo von ihren Spekulationsgeschäften gerettet wurden.
      Tante wikipedia bringt das Problem auf den Punkt: Den öffentlichen Schulden steht in Deutschland ein weitaus größeres privates Nettovermögen gegenüber, so dass die Staatsverschuldung aus makroökonomischer Sicht durchaus entspannt ist, allerdings besitzen die reichsten 10 % der Bevölkerung fast zwei Drittel dieses Vermögens.
      Als Ergebnis einer fast beispiellosen Umverteilung von Unten nach Oben wird der Staat immer weiter ausgeblutet, die Einnahmeseite wurde vernachlässigt bei jenen, die deutlich haben und stattdessen wurde der unter(st)e Teil geschröpft, staatlich drangsaliert und sanktioniert; und dieser hat nun gar nichts mehr auf der Habenseite und die Mittelschicht trägt die Hauptlast.
      Als Eckpfeiler der deutschen Staatsverschuldung kann man ein paar Punkte nennen: In (West)Deutschland war im Gefolge der Ölkrise, Weltwirtschaftabschwächung und Massenarbeitslosigkeit der erste deutliche Anstieg der Staatsverschuldung zu beobachten, da die Regierung antizyklisch die Staatsausgaben schuldenfinanziert hochfuhr.
      Dank der „Einsicht“ der Kohl Ära, bevor die Großkonzerne und Unternehmen steuerflüchtig werden, senken wir lieber die Steuer dramatisch, brach ein deutlicher Teil der Einnahmeseite weg.
      Die Wiedervereinigung forderte „den Staat“ als Geldgeber massiv, so stiegen die Staatsausgaben um 657 Mrd. Euro von 1990 bis 1997.
      In neuerer Zeit brach der rot-grüne Steuersenkungssegen 2001 dem Staat auf Einnahmeseite das Genick, dank der Senkung des Eingangs- und Spitzensteuersatzes in der Einkommensteuer, Erhöhung des Grundfreibetrags sowie die Entlastung von Unternehmen in Deutschland wurde hier auf Einnahmen verzichtet, die öffentlichen Haushalte massiv geschwächt. Das ist einer der Gründe wieso es in den Kommunen heute so aussieht, wie es aussieht – Verschuldung bis über die Unterlippe, kaputte Infrastruktur, mangelnde KiTa-Plätze und bröckelnde Schulen. Das Ganze angereichert mit Unterbietungswettbewerben bei den verbliebenen Steuern zwischen den einzelnen Kommunen um Wirtschaftsansiedelungen, was auf die Kohlsche Zeit zurückgeht.
      Als letzten Block auf dem sich der Staat sein Haupt betten kann um selbiges abgeschlagen zubekommen, kam die Rettung des Bankensektors und der privaten Gläubiger dazu, bisher ein Fass ohne Boden.
      Das es sicherlich bei der Ausgabenseite kritisch zu schauen bedarf ist klar, aber man sollte nicht vergessen, was hier letztlich geschah auf der Einnahmeseite: Der Staat verschuldete sich um die Konjunktur anzuschieben, Sozialaufgaben und Infrastruktur zu bedienen und bekam gleichzeitig die Einnahmeseite dramatisch zugunsten (weniger) privater und/oder institutioneller beschnitten.
      Diese liehen nun dem Staat eben das Geld, was er vorher von ihnen als Abgaben oder Steuern bekommen hatte.
      Große Teile dieses Geldes vagabundierten ebenfalls -auf der Suche nach der Traumrendite- in den Casinos dieser Welt, die man euphemistisch als Börsen bezeichnet und wurden so zu einem der Gründe für die spätere Rettung des Bankensektors durch genau die, die nichts von den Steuergeschenken der Regierungen hatten. Diese waren stattdessen mit einer erhöhten Mehrwertsteuer im Gefolge der Wahl 2008 beglückt worden um der prekären Finanzsituation Herr zu werden.

      Zu den Schulen eine kl. Anmerkung. Deutschland hat laut Wikipedia mit ca 6 % einen relativ niedrigen Anteil an Privatschulen. http://de.wikipedia.org/wiki/Privatschule#Sch.C3.BCleranteil
      Da liegst du wohl mit deiner Vermutung einer schleichenden Übernahme nicht ganz richtig 😉

      Dir ist aber schon klar, wieso eine absolute Prozentzahl so aussehen muss, oder?
      Interessant ist die Tendenz und da steht im selben Artikel:
      Auch die Zahl der Privatschulen hat zugenommen: Im Schuljahr 2005/06 gab es 4.637 private allgemeinbildende und berufliche Schulen und damit 43,5 % mehr als 1992.

      Oder um einen Artikel aus der von mir nicht gemochten taz zu zitieren:
      Vor zehn Jahren gab es deutschlandweit noch 40.000 allgemeinbildende Schulen, heutzutage sind es knapp 35.000. Im Osten sank die Zahl von rund 9.000 auf 6.888. Nur die Zahl der Konfessionsschulen wächst: 875 katholische Schulen gab es vor zehn Jahren, jetzt sind es 908. Die Zahl der evangelischen Schulen stieg von 975 auf 1.099, vor allem im Osten nahmen die Angebote zu.

      Meine 3 Kinder besuchten alle katholische Kindergärten und Schulen (Tochter war sogar Messdienerin). Sie sind längst erwachsen, gehen nicht zur Kirche, interessieren sie sich nicht für Religion und glauben nicht an Gott. Sooo schlimm kann es ja dann mit dem indoktrinieren nicht sein.
      Auch hier gilt, wie in meiner Antwort an Frau IGing, nur, weil Helmut Schmidt als Raucher ein hohes Alter erreicht, oder Jopi Heesters selig auch, ist Rauchen dennoch nicht gesund.
      Weil einige nicht davon betroffen sind, sich davon frei machen oder es ignorieren können, ist das individuelle trotzdem nicht unbedingt allgemeingültig.

      Was die Finanzierung von Schulen betrifft. Das ist ja nun mal die Aufgabe des Staates. Und auch die privaten Schulen müssen sich an die Unterrichtsvorgaben des Staates halten.
      Es gelten aber z.B. unterschiedliche Voraussetzungen, staatliche Schulen müssen eine Mindestanmeldezahl haben um neue Klassen aufmachen zu können, für kirchliche gilt das so nicht.
      Das bedeutet, dort wo eine staatliche Schule zumachen muss, kann ein kirchlicher Träger sofort in die Bresche springen.
      Wenn man in NRW lebt kann man seine Kinder in öffentliche Bekenntnisschulen schicken, die zu 100% vom Staat finanziert werden, aber ihr eigenes Süppchen zu kochen scheinen.
      Und ob das bisschen Religionsunterricht was ausmacht, tja, da gehen unsere Meinungen auseinander. Ein Teil der Problematik hatte ich auf meine Antwort bei Frau IGing bereits geschrieben.
      Kurz nochmal meine Kritikpunkte neben dem offensichtlichsten, nämlich der postulierten Trennung von Staat und Kirche.
      Religionsunterricht fördert nicht den Blick über den Rand, sondern verwagenburgt sich letztlich auf die eigene Konfession, aller interdisziplinären Arbeitskreise zum Trotz.
      Er lehrt -im Gegensatz zum Rest des Unterrichts- nicht (wissenschaftliche) Erkenntnisse, sondern fordert Bekenntnisse und nutzt zur Illustration höchst unwahrscheinliche, hahnebüchene Geschichten.
      Da in den dargebotenen Religionen immer ein Schöpfer am Anfang steht, folgt der restliche Erkenntnisgewinn dem einfachen Muster, Der Mensch denkt, Gott lenkt“, nicht gerade eine sinnvolle Voraussetzung zur Bewältigung eines Miteinanders im 21. Jahrhundert.
      Wenn ich aber von einem allesbeherrschenden Schöpfer ausgehe, dann lande ich folgerichtig immer bei einem Wertemuster, bei dem es ein menschliche Ordnungssystem (Demokratie bsp.) gibt, das aber letztlich dem „Göttlichen“ untergeordnet ist. Schön zu sehen bei den Spinnern die mit dem Koran rumrennen und nur diesen als Rechtsgrundlage anerkennen wollen; gilt natürlich gleichermaßen für die christlichen Irren mit der Bibel.
      Partikularer Glauben – als gesellschaftliche Norm- ist der Todfeind einer offenen Gesellschaft, Religionsfreiheit gibt es eben nur deswegen, weil eine Religion nicht das Sagen hat, sondern das Religiöse, als Glaubenssache und nicht als allgemeingültige Erkenntnis ins Private verlotet wurde.
      Nur weil wir die Knute einer religiös dominierten Gesellschaftsordnung nicht mehr individuell erfahren haben, sollte man die Lehren aus der Aufklärung und dem Zurückdrängen des Religiösen aus dem öffentlichen Leben nicht vergessen.
      Und letztlich habe ich oben bereits auf das -von Dawkins ins Spiel gebrachte Argument verwiesen, es gibt keine christlichen Kinder, sondern nur Kinder von christlichen Eltern.
      Hier findet bereits eine Manipulation statt, die schön mit dem Aprilscherz bei kurzebeinekurzerweg gespiegelt wird(hier gibts dann die Auflösung dazu).
      Schönen Sonntag. 🙂

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