Benromach Traditional

Nach längerer Tastingnotes-ins-Internet-stell-Abstinenz geht es heute mal wieder weiter.
Auch, wenn ich deutlich zu faul war etwas zu schreiben, so habe ich natürlich in der Zwischenzeit fleißig weiter meine Lager angegriffen und maßlosvoll verköstigt.

Den Anfang macht heute der Benromach Traditional von der gleichnamigen Destillerie aus der schönen Speyside.
Benromach, im Besitz des unabhängigen Abfüllers Gordon and MacPhail produziert unter anderem auch den „Bio“ Whisky Organic, der in jungfräulichen Fässern reifen darf.
Leider wird der Benromach Traditional nicht mehr hergestellt(zumindest wenn ich nach der Range auf der Benromach Webseite gehe), denn dort befindet sich im Einstiegsbereich nur noch der 10 jährige und ein cask strenght und bei den meisten Händlern befindet er sich bereits im Abverkauf.
Dennoch oder gerade deswegen hier meine Eindrücke zum Benromach Traditional.
Benromach 'Traditional' Flasche
Er kommt in einer stabilen, weißen Metalldose daher, deren Informationsgehalt sich auf das Minimum beschränkt. Keine Angaben zum Alter, keine zur Art der Fässer. Lediglich der Hinweis auf handverlesene Holzfässer findet sich darauf. Ach nee, in was lagert denn (schottischer) Whisky sonst? In Schuhkartons?
Ex-Bourbon, Sherry oder gar Refill-Virgin-Oak vom Organic?
Darüber schweigt man sich lieber aus.
Bei ein paar Whiskydealern habe ich was zur Zusammensetzung gefunden, man behauptet dort, dass die benutzten Fässer first fill im Verhältnis 80% Bourbon und 20% Sherry wären.
Obs stimmt?

Meine Flasche habe ich im Frühjahr 2013 gekauft, die 0.7 Liter kosteten damals 25,50 Euro, aktuell -wenn noch verfügbar- kostet er (einer hat ihn gerade im Angebot! 25,70) um die 28 Euro.
Der Benromach Traditional wurde mit old fashioned 40% Alkohol abgefüllt.

Was hat nun der Benromach Traditional zu bieten?

In der Nase verfängt sich ein komisches Aroma, das sich bei mir mit Hefe, sanft kokeliges Holz(Rauch!) und Honig im Hirn assoziiert. Eine leichte Zitrusnote stellt sich auch noch ein.

Im Mund ist sofort süßer Honig, eine nur ganz leichte, bittere und schwach würzige Holznote, sowie deutlich Tabak und Schinkenrauch.
Das Ganze ist seidig im Mundgefühl, hat aber irgendwie eine staubige Note dabei die sich um die Zunge legt.

Nachdem ich den Whisky aus meiner Mundhöhle in tiefere Regionen und den Schlund hinunter entlasse, zeigt sich ein fast pfeffriger, deutlich warmer Zug. Der Rauch bleibt kurz stehen, eine leicht bittere Note ebenfalls jedoch etwas länger, während das süße Element leider sehr schnell verschwindet.

Tjo, für den Preis ein guter Tropfen. Ein nach Schinken(rauch) schmeckender Speysider, der so nicht dem Geschmacksprofil des klassischen Speysiders entspricht.
Wenn ich allerdings wählen sollte oder müsste, dann würde ich den Ardmore Traditional Cask sicherlich knapp vorziehen. Lecker sind sie aber beide. Und wer etwas abseits der islayesken Pfade was Rauchiges probieren mag, der kann sicher blind zuschlagen.

Wertung Single Malt
Benromach ‚Traditional‘

Geschmack: bis

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein schöner rauchiger Einsteigerspeysider mit ungewöhnlicher Schinkennote, dessen Produktion aber leider eingestellt wurde; wer aus dem Hause Benromach nun noch was rauchiges will, der muss schon zum (ebenfalls?) 8 jährigen Peat Smoke greifen, deutlich mehr Rauch und deutlich mehr Kosten. Oder er greift gleich zum Ardmore TC, solange es diesen noch gibt.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

12 Gedanken zu “Benromach Traditional

  1. Ich wollte mich ja eben noch aufgeblasen fürchterlich beschweren, ob Sie denn keine Liste der getesteten Lebenswasser, sortiert nach Geschmack oder/und Preis ins Netz stellen wollten, als ich in den Kommentaren einen Hinweis auf eine upgedatete Liste fand. Man sollte halt auch mal das Kleingedruckte lesen.

    „Locke’s“ von der Kartoffelinsel hatten Sie aber noch nicht, oder? Ist bislang der einzige, der mir schmeckte. Aber ich bin da ja noch fast jungfräulich unbeleckt, so wie Jesus Mama. Angeblich.

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    1. Tja, die Übersicht übers… … Lebenswasser habe ich gut versteckt, denn wie gilt es ja so schön:“Wer suchet der findet“. 😉
      Sie meinen den hier
      ?

      Der steht noch verschlossen im Barfach, denn ich habe momentan noch einen Bushmills 10 aus Nordirland, einen Redbreast in Fassstärke, einen Clontarf sowie einen Tyrconnell aus Irland offen; mehr wäre der Gesundheit abträglich. *grins*
      Das der Locke’s aber ein feines Stöffchen sein soll, freue ich mich auf den Tag der Eröffnung dieser Buddel. 🙂
      Ist der Locke’s der einzige Whiskey aus Irland der Ihnen mundete oder der einzige Whisk(e)y überhaupt?
      Ich dachte jungfräulich bleibts nur gerade dann, wenns beleckt wird – oder habe ich das wieder falsch verstanden. *eg*

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    2. Wahrscheinlich ist Ihnen der Locke’s zu flach im Geschmack. Ich hatte ihn dereinst nach dem Museumsrundgang in der Locke’s Distillery kredenzt bekommen, und er war sogar ohne Wasser sehr gut. Einen Vergleich hatte ich lediglich mit Paddy’s. Oder war es Jamieson?

      Ich sehe gerade in der englischen Wikipedia, dass die Kilbeggan Distillery wieder in Betrieb ist. Ich war damals 1997 da, 10 Jahre vor Wiedereröffnung, da hieß sie noch Locke’s.

      Was das Belecken betrifft, da kommt es natürlich ganz darauf an, woran man leckt.

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    3. Da bin ich mal gespannt. Der 8 jährige den ich oben abgebildet habe ist ja ein Single Malt, auch wenn irritierender Weise dort noch was von Pure Pot Still steht. (Pure) Pot Still wäre die irische Spezialität einen Teil gemälzte & ungemälzte Gerste herzunehmen, dann wäre es aber kein Single Malt zumindest soweit ich die Definition sehe. Es scheint als wenn damit lediglich gemeint ist, das der in Pot Stills destilliert wurde und nicht wie viele andere Whiskeys auch auf Kolonnen. Seis drum.
      Ich bin deswegen gespannt, weil mir irische Single Malts in der Regel nicht so dolle schmecken, zumindest die wenigen die ich bisher probiert habe (Clontarf, Tyrconnell), während ich die echten Pure Pot Stills, Redbreast 12, Redbreast 12cask strenght,Green Spot oder Powers John’s Lane oder die Blends, wie Paddy, Jameson, Tullamore Dew und Writers Tears eher gut bis sehr gut mundeten.

      Der Locke’s 8 stammt auch nicht mehr aus den Hallen von Locke’s (Kilbeggan) sondern von Cooley. Während einer der wenigen Blends die mich nicht wirklich überzeigen konnten der Kilbeggan Blend ist, der aber wohl auch aus den Trögen von Cooley kommt. 😀 In den Hallen der alten Kilbeggan Destillerie wird momentan, soweit ich das Überblicke, nur der The Kilbeggan Distillery Reserve Malt seit 2010 vertrieben.

      Ich bin ein Freund von Wasserzugaben bei den meisten hochprozentigen Whiskys, so ab 50+ %. Bei einem 40% bin ich eher vorsichtig, meist teste ich das einmal, zum Trinken finde ich das dann meisten zu flach. Bin eben doch kein Schotte, die verdünnen ja fast alles – wahrscheinlich aber auch nur um es zu strecken, damit es länger vorhält – die alten Knauserhälse. 😀

      Tjo, das mit dem Lecken, da fällt mir spontan der alte Kinderruf zum Thema „Versteckspiel“ ein, den man nett variieren kann:
      „Leckstein, Leckstein, alles muss versteckt sein. 1 – 2 – 3 ich komme!“

      Wobei das „[…]ich komme!“ bei einigen Menschen sicherlich im Zusammenhang mit „lecken“ durchaus einen Schmunzler oder Kopfschütteln auslösen kann. Bei mir ist es ein Schmunzeln. 😉

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    4. Wenn ich nicht so weit fahren müsste (und nein, ich meine damit nicht meinen aktuelle Aufenthaltsort, das wären 57 Stunden am Stück. Eher meinen Heimatort), würde ich ja gerne mal in Ihre Sammlung reinriechen.

      Ich müsste noch nicht mal lecken.

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    5. Falls sie mal … … in der Gegend seien sollten, sind sie gerne auf einen dram, oder auch zwei 😉 eingeladen.
      Das Zeug muss ja mal langsam weg und wenn ich alles alleine trinken soll, dann bin ich -ohne mir dabei einen Leberschaden zu holen – mit den aktuellen Flaschen zirka 4 Jahre beschäftigt. 😀
      Und wenn ich weiterhin mehr hinstelle ohne das genug im Gegenzug davon wegkommt, müssen wir bald drauf sitzen. *grins*

      Geleckt werden sich hier nur die (eigenen) Lippen, gerochen werden kann , getrunken werden sollte. 😉

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    6. Hihi… … nun das wäre ja noch deutlich unter 100 km.
      Eventuell sind sie ja mal in der Nähe von 50.132639, 8.713476, dann würde ich per Mail sogar den genauen Ort preisgeben. 😉
      Im Blog bin ich mit sowas vorsichtig, lesen ja unter Umständen die falschen Menschen mit, solche die meinen ganzen Schnaps haben wollen. 😀

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    1. Ich empfehle… … den RSS Feed nicht nur als index(der in der rechten Seitenleiste) zu abonnieren, sondern auch diesen hier –> http://bloedbabbler.twoday.net/comments.rdf , dann bekommt man auch mit, falls tatsächlich mal jemand was kommentiert.
      In der Vergangenheit hat sich der (eigentlich komplette) leider hin und wieder verschluckt, dafür kann man ihn heute zwar im Admin-Menü aktivieren, angezeigt wird er(RSS Feed (Kommentare und Beiträge)) deswegen aber nicht. 😀
      Ich habe nun mal den ‚Zeige letzte Kommentare‘ rechts in die Seotenleiste dazugehängt. 😉

      Hoffe alles ist gut bei Dir, wir sollten mal wieder ein paar Leute zum Trinken Verkosten zusammentrommeln, wird ja lagsam wieder kälter draussen.

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