Redbreast 12 Cask Strength

Vom lieblichen ’normalen‘ 12 jährigen Rotkehlchen aus Irland hatte ich ja hier im Blog bereits etwas gezwitschert.

Das doppelbrüstige Brüderchen (Schwesterchen gerade deswegen nicht, damit man nichts hineinlese und mir gar Sexismus vorwürfe :-p ) mit satten 57,7% Alkohol gammelte bei mir auch eine ganze Zeit herum, bis ich mich bequemte und es aufbrach.
Erstanden habe ich den Redbreast 12 Cask Strenght (CS) Ende 2011 auf einer Whiskymesse um die Ecke, es handelte sich um das Batch 1 aus eben diesem Jahr.
Soweit ich das bei den Händlern überblicken kann, ist augenblicklich Batch 1 aus dem Jahr 2012 im Verkauf.
Ich bezahlte vor knapp 3 Jahren irgendwas um die 53-55 Euro, inzwischen kostet er zwischen 60 und 70 Euro bei den üblichen Onlinehändlern.
Dass die Iren für Whiskey mit einem Alter preislich immer so heftig abgehen müssen ist unschön.
Und, dass die Schotten -inzwischen mit den endemisch auftauchenden NAS- das Preisgefüge auch deutlich nach oben schieben ebenso.
Die Eindrücke zwischen den (beiden) Batches können sicherlich variieren, wenn man dem Whiskyschreiberling Jim Murray folgt, dann ist aber das Batch aus 2012 noch einen Tick besser(2011 gibt bei ihm 96/100, 2012 97/100 aus Whisky Bible 2014 S.267).
Redbreast 12 'Cask Strenght' Flasche
Die Verpackung besteht, wie auch die des ’normalen‘ 40% Redbreast aus stabiler Kartonage und trägt all die verdammungswürdigen babylonischen Schriftverwirrungen, die ich dort bereits kritisierte.
Der Redbreast 12 CS stammt ebenso, wie der alkoholschwächere Bruder, aus den Destillationsanlagen der Midleton Brennerei im County Cork die zum Pernod Ricard ‚Imperium‘ gehört.

Ich bin ja ein Freund des kleinen Redbreast, sein Aroma mag ich sehr – der ist für mich der Inbegriff, den ich mit irischem ‚Pot Still‘ verbinde und der für mich ‚den irischen‘ Whiskey ausmacht.
Ob das von der ungemälzten Gerste kommt ich weiß nicht, das geht immer so ein wenig in die Richtung die ich auch mit ‚grain‘ assoziiere.
Und hier lag meine erste Enttäuschung beim CS, der roch so gar nicht wie ich es erwartete.

Sein Aroma, das sich in der Nase beinahe verklebte, war und ist dick und schwer – das leichte, potstillige Element ist leider fast gar nicht vorhanden.
Mit viel Schnuffeln und erst nach einem guten Moment im Glas klopft dann die alte Bekannte -die liebe Frau Vanille- auch an und bleibt auf einen Moment.
Und, da ich 57% nicht unbedingt immer ohne Wasser trinke, erfreut mich -nach dessen Zugabe- das fassstarke Rotkehlchen auch noch mit ein wenig Aprikosenaromen. Brav!

Aber genug den Zinken ins Glas gesteckt, denn meine Zunge will natürlich auch benetzt werden, und: „Wumms!“, trifft diese zuerst ein wuchtiger und trockener Hieb. Ein Muhammad Ali in Tropfenform, kleiner liquider rumble in the jungle mouth.
Holla, sehr überraschend. Doch fast unverzüglich schmeichelt sich Mutter Vanille ein und, es wird endlich ein wenig mehr potstillig.
Aber das kräftige Element ist dominant, holzige Würze und schokoladiger Geschmack spielen miteinander, werden zu Kakao und sind fast cremig.
Hinter allem liegt die ganze Zeit ein wunderbares Honigaroma.

Nachdem ich es dem Redbreast CS erlaubt habe sich auf den Weg aus meinen Mund den Rachen runter zu machen, sind die Vanille und der Pot Still Charakter das prägende Erlebnis, leicht fettige Lippen bleiben an der Oberfläche zurück.
Es wird dabei bis in die Tiefe warm, der ganze Weg ist spürbar. Im Mund verbleibt ein schwaches Trockenheitsgefühl und die Zunge erscheint etwas staubig.

Ich gestehe, nach dem Öffnen dieser Flasche war ich erst einmal enttäuscht, hatte ich doch den geliebten Redbreast nur eben in deutlich stärkerer Gangart erwartet.
Doch was ich bekam war ein ganz anderer Whiskey, einen, der selbst mit Verdünnung nicht so schmeckt wie der 40%ige Namensgleiche.
Nachdem sich allerdings die erste Ernüchterung gelegt hatte, wurde ich mit dem CS immer wärmer, inniger und eine Liebe war geboren.
Heute erfreut mich bereits die Vorstellung mir davon einen auf die Lampe zu gießen ins Glas fließen zu lassen sehr.
Der schwächere Bruder, den ich auch noch -gute Vorratshaltung ist alles!- in einer verschlossenen Flasche im Regal stehen habe, wird es erstmal schwer haben, wenn ich mich ihm mal wieder widmen sollte.

Wertung Single Pot Still
Redbreast 12 ‚Cask Strenght‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Redbreast 12 CS ist, bei einem durchaus garstigen Preis, ein wunderbarer und sehr überzeugender Whiskey den man mal im Glas gehabt haben sollte. Wenn man das Geld dafür entbehren kann, ist er definitiv seinen Kauf wert. Falls man jedoch sparen muss, sollte man – so man den ‚kleinen‘ Redbreast 12 noch nicht kennt- sein Geld halt dort investieren.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Ein Gedanke zu “Redbreast 12 Cask Strength

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