Deanston 'Virgin Oak'

Nachdem ich längere Zeit keine Tastingnotes ins Netz gestellt habe – Krankheit, Faulheit und Dummheit waren Gründe-, probiert und aufgeschrieben habe ich natürlich dennoch, kommt heute mal wieder ein sogenannter Einsteigerwhisky ins blog.

Aus einer Destillerie, über die Ian Buxton in seinem Buch 101 Whiskys to try before you die zum 12 jährigen Single Malt anmerkte:It makes it into this list as one of the most improved whiskies I can call to mind, coming from a distillery as interesting as it is obscure. kommt mein heutiger Testkandidat.
Das interessierte mich durchaus. Wobei seine Einschätzung zum bisherigen Whisky aus besagter Destillerie, Deanston was first released as single malt in 1974 and, by stages, was developed to a 12 Years Old product. But, to be blunt, it wasn’t terribly good. Not bad; neither interesting nor memorable. nun auch nicht so klang, als wäre es schwer das Level anzuheben.
Meine Flasche erstand ich Anfang 2014 und sie kostete 25.90 für die 0,7 Liter.
Wenn man heute bei den richtigen Onlinehändler nachschaut, gibts ihn sogar für 24.50 – in aktuellen Whiskyzeiten ein durchaus überraschender Trend.
Warum der Virgin Oak und nicht der verbesserte, 12 Jahre gereifte seinen Weg in mein Regal fand?
Ich gucke meist, bevor ich mir einen Whisky kaufe, an den einschlägigen Orten nach wie der von meinen obsessiven Leidensgenossen aufgenommen wurde.
Nun, das Rating für beide in der whiskybase ist mit 79.X eher deutlich unter dem dortigen Durchschnitt, Serge bewertet den 12 jährigen mit 81 den VO mit 79.
Da allerdings Gottkönig Jim Murray für den VO satte 90 Punkte raushaut und den 12 jährigen eher bei 74/75 Punkten dümpeln lässt, gab das für mich den Ausschlag.
Ist der Virgin Oak also ein 90 Punkte Whisky? Im Ranking des Whiskypapstes also „brilliant“?

Was merken die erleuchteten Knospen des blödbabblerischen Geschmacks dazu an?
Sollte der VO tatsächlich ein 5-6 Fass-Bekommer sein?

Der Deanston Virgin Oak kommt in einer schlichten, eher dünnen Pappschachtel daher, was mir gut gefällt.
Geld lieber in anständigen Whisky als in die Verpackung zu stecken ist ein angenehmer Zug, einer der leider immer mehr in Vergessenheit gerät.
Deanston 'Virgin Oak' Flasche
Die Flasche mit ihrem old-style erinnert mich eher an eine Brandyflasche, aber ist eben auch eine Abwechslung zu schlank und hoch.
Auf der Rückseite der Verpackung finden sich dann sinnvolle Informationen und sinnfreies Marketingblabla in trauter Einigkeit.
So erfahren wir das junge Deanston Malts in neuen frisch ausgebrannten Holzfässern aus amerikanischer Weißeiche ‚gevatted‘ wurden eben in Fässer wie sie sonst für Bourbon benutzt werden.
Natürlich sind die Fässer alle von einem kleinen Küfer-Familienbetrieb -und nur aus der erlesensten Qualität des Holzes- des Nachts unter tätiger Mithilfe von Zwergen bei Vollmond mundgeklöppelt worden.
Was allerdings wirklich gut ist, auch das erfahren wir, wir haben es mit einem Whisky mit 46,3% zu tun, der nicht kühlgefiltert ist.
Mir gefiel der Hinweis:un-chill filtered(exactly as it should be) auf der Verpackung gut.
Da von den frischen Eichenfässern massig Farbe abgegeben wurde benötigt man auch zur Farbanpassung für die Doofen keine Schippe voller Zuckerkulör. Brav!
Ich hatte ja bereits mit dem Benromach „Organic“ einen Whisky der in jungfräulichen, neuen Fässern (nach)reifen durfte; den fand ich durchaus ansprechend.
Also, nach langer Vorrede kommen jetzt meine Eindrücke des Deanston Virgin Oak.

Gewöhnlich schreibe ich ja nix zur Farbe, aber die hier war schöner Bourbonton und erfreute mich.
In der Nase ist der Deanston eher ein Leichtgewicht, wenig aber merkbar süß. Mandarine mit Crème brûlée irgendwas in dieser Richtung. Ich weiß nicht was der gute Cicero da gerochen hat für seine Notizen in der base- von muffigem Keller keine Spur. Leicht und lecker kommt mir eher in den Sinn.

Im Mund ist er süß und fruchtig, leichte Zitrusnote und deutlich frisches Holz.
Er ist schön samtig, etwas fettig und dabei immer lecker. Der Mund wird allerdings etwas trocken, aber ein guter Malzgeschmack balanciert souverän dagegen an.

Im Verschwinden ist er deutlich warm und wird einen Tacken bitter(er). Was mich einzig an diesem Whisky stört, ist das er meine Zunge leicht aufpelzt- das habe ich nicht so gerne.

Also definitv kein 90 Punkte Überflieger, aber ein Whisky der mir so wie er ist Spaß gemacht hat und lecker zu trinken war. Für den Preis sicherlich ein guter Kauf, wenn man mal einen etwas anderen Whisky probieren mag und imho deutlich besser, als es die 79 Punkte die meine Mittrinker im Netz gerne vergeben suggeriert. 😉

Wertung Single Malt
Deanston ‚Virgin Oak‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein altersloser Whisky wiedergeboren aus jungfäulicher, amerikanischer Weißeiche und zu einem wahrlich guten Einsteigerpreis. Was will man mehr? In dieser Preisklasse erfreut mich dann ein NAS-Whisky durchaus – wenn die Preise allerdings dreistellig werden, dann schüttele ich den Kopf und mir lieber einen dram vom Deanston VO ins Glas oder trinke einen alten, gereiften für den dreistelligen Preis.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Ein Gedanke zu “Deanston 'Virgin Oak'

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