Bowmore 100 Degrees Proof

Hoppla, ein weiterer altersloser Geselle fand seinen Weg in mein Glas.
Denn: Wenn der Preis zur gebotenen Qualität stimmt, dann stört mich das auch heute noch nicht.
Nur die garstige Tendenz, gealterte Whiskys durch NAS-Schnellschüsse -zu höherem Preis bei schlechterer Qualität- zu ersetzen und im Markt zu verankern,die stimmt mich traurig.

Von einer meiner Lieblingsdestillerien, Bowmore auf Islay stammt eine wuchtige Abfüllung, die den Alkoholgehalt bereits im Namen trägt – der Bowmore 100 degrees proof.
Wenn Bowmore denn in Amerika läge dann hätten wir hier 50% Alkohol in der Buddel, zum Glück kommt er aber aus dem sonnigen Schottland – da sind es dann eben bei identischer Bezeichnung gleich 7,1% -mithin 57,1%- mehr.
Tante wikipedia weiß dazu altklug anzumerken: 100 britische Proof geben den Wert an, ab dem mit der Flüssigkeit getränktes Schießpulver mit blauer Flamme verbrennt.Kabumm!
Bowmore 100 Degrees Proof Flasche
Also kein Alter aber dafür massig Umdrehung – wir werden sehen obs passt.
Meine Flasche stammte aus dem befreundeten Ausland und kostete mich 41,39 € für den Liter im September 2013.
Wenn man sich heute bei den einschlägigen Onlineversendern umguckt, reicht die preisliche Range von 49,90 bis hin zu 59,90 €.
Er befindet sich in einem stabilen, grauen Pappkarton den man mit Marketinghinweisen(Hui, der stammt aus dem legendären Vault no.1 Lagerhaus m( , wird so gemacht wie schon immer (:-O) und man muss ihn nicht mal mehr anzünden, weil man Bowmore eben glauben darf, dass er proof ist) verziert hat.

Vorweg, der Bowmore 100 proof hat meiner Meinung nach ein paar Fässer mit teuflischem Migrationshintergrund in seine Batches mitbekommen; mithin es schwefelt.

Ich hatte dazu mit der werten ASWhisky eine kurze Korrespondenz.
Da sie selbigen Whisky einem Frager im Forum anempfahl, während ich noch das Gefühl hatte, Frau Blödbabbler hätte Streichhölzer in meine Buddel geworfen um mich zu ärgern, versuchte ich herauszufinden wodurch diese Diskrepanz kommen konnte.

Direkt nach dem Öffnen der Flasche roch es sehr schweflig und auch der erste dram war sehr intensiv im Geschmack durch Luzifers Element beeinflusst.
Während unserer kurzen Korrespondenz traute ich mich einen weiteren dram zu verkosten und siehe da, das vordergründige, alles einnehmende Schwefelaroma war massiv reduziert, hier hatte vermutlich der knappe Monat den die Flasche geöffnet war(nicht offen!) gut getan.

Wie ich sehe hat ASWhisky auch in der whiskybase eine passende Ergänzung zu ihren Notes geschrieben: eine Schwefelnote die in der Nase ähnlich wie die Tanine in Eibe und Wachholder riecht
Deshalb stehen in meinen Notes zum Bowmore 100 auch nicht, wie sonst, die gemittelten und über den ganzen Zeitraum und die ganze Flasche hinweg notierten Eindrücke, sondern nur die, ab jenem Zeitpunkt als der Whisky aus meiner Sicht trinkbar wurde.

Im Aroma ist der Bowmore 100 sanft und mild, überraschend für die Menge an Alkohol die sich darin verbirgt.
Kaum Rauch, eher Karamell und Schießpulver – haben die da etwa vergessen nach dem proof-Verfahren das Schwarzpulver wieder rauszuholen? 😀

Im Mund ist er wuchtig und stark; dunkle, bittere Schokolade und cremig. Er ist warm und harmonisch – der Sherry und der Rauch sind schön miteinander verwoben(nicht wie beim Enigma, neben dem Surf, meiner größte Enttäuschung von Bowmore bisher), bilden eine Einheit. Im Heidekraut stecken aber leider ein paar deutliche Streichholzköpfe, der schweflige Unterton bleibt präsent, aber noch erträglich. Ohne dieses Element wäre der Whisky ein Kracher, so gehts leider ein wenig auf der Leiter nach unten.

Im Abgang hat er ein wenig Schärfe der Marke: Ingwer, leichter Teer klebt auf der Zunge.
Dunkle Creme, bitter – selbstgemachtes mousse au chocolat dominiert. Der Geschmack hält sich lang, allerdings bleibt zu guter Letzt als Schrecken am Ende ein Staub- oder Papiergeschmack. Bäh! Davor aber ist es wirklich klasse.

Ein Whisky der mir mit zunehmender Zeit und verblassenden Schwefelanteilen immer besser gefiel. Ohne Luzifers Beigabe eine klare 5, so leider nur eine schwache 4.
Wenn man sich allerdings anschaut was für einen anderen Whisky -in quasi Fassstärke, der dazu noch rauchig ist,- man für ca. 35 Euro pro 0,7 Liter bekommt, dann landet man schnell bei Finlaggan CS (billiger) oder Peats Beast CS(etwas teurer) oder ähnlichen Produkten. Da finde ich den Bowmore vom PLV her richtig gut.

Wertung Single Malt
Bowmore 100 Degrees Proof

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein guter Whisky mit mächtig Dampf und der Fähigkeit ein paar spoons voller Leitungswasser aufzunehmen. Leider krankt der Bowmore 100 proof daran, dass ein paar Fässer des Teufels Element in den New Make eingeschleppt haben. Wer also mit Schwefelgeschmack ein Problem hat und das -so wie ich- definitiv nicht als Bereicherung des Geschmacks ansieht, der sollte lieber erst mal testen obs denn behagt. Der Rest kann für 50 Euro zuschlagen.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

2 Gedanken zu “Bowmore 100 Degrees Proof

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