Bunnahabhain Cruach-Mhòna

Diese Woche scheint sich zu einer Woche der alterslosen Whisky-Notizen zu entwickeln.
Entgegen ralfys Vorsatz in 2015 keinen NAS Single Malt Whisky vorzustellen, was ich begrüße, habe ich noch ein paar aus meinem Notizbüchlein abzuarbeiten.
Danach – ich schwör‘ dich, Alder- kommen wieder länger gereifte Whiskys, oder eben solche, bei denen die Destille oder der Abfüller -wie beim Glenferkel 8 Jahre- wenigstens eine Altersangabe, statt eines blumigen Marketingfurzes, auf dem Etikett angibt.

Von Bunnahabhain habe ich bisher den 12 jährigen, den Darach Ùr, eine Signatory Vintage Abfüllung von 1997, sowie einen 22 jährigen von 1991 von Best dram im Glas gehabt.
Die waren alle durch die Bank mindestens gut, vor allem dann, wenn das matschige, dunkel Faulfrüchtegeschmäckle nicht dominiert. Dann waren sie sogar lecker.

Meine Flasche stammte aus 2013 und kostete um die 44 Euro für den Liter im befreundeten Ausland.
Augenblicklich legt man für eine Literflasche des Bunnahabhain Cruach-Mhòna zwischen 64,90 und 69,90 hin – für einen Liter zwar, aber eben ohne Altersangabe ein durchaus stolzer Preis.
Könnte daran liegen, dass er eventuell nicht mehr in der aktuellen Range von Bunnahabhain ist, oder eben, dass die Preis für Whisky absurd gestiegen sind und weiterhin steigen.
Seis drum.
Bunnahabhain Cruach-Mhòna Flasche
Der Bunnahabhain Cruach-Mhòna kommt in der Bunna-typischen, maritimen, grünglasigen old style-Rumbuddel daher, die aufgrund ihrer Glasdicke ein beachtliches Eigengewicht mitbringt( Menschen, die als Kind Dioptrie bedingte Glasbausteine auf dem Nasenrücken hatten, wissen was ich meine).
Angenehm fällt auf: der Whisky wurde in natürlicher Farbe, nicht kühlgefiltert und mit anständigen 50% abgefüllt.

Ich mag die Seefahrer-Buddel und die anthrazitfarbige Tube sieht edel aus, auch wenn ich gewöhnlich auf sowas ja nicht so viel Wert lege.
Wir erfahren von den Labels und der Tube, dass Cruach-Mhòna mal wieder ganz anders ausgesprochen, denn geschrieben wird -nämlich: Cru-ach-Vhona.
Auch, dass es so viel wie Torfhaufen bedeutet.
Schön, dass man immer wieder was lernt.
Doch ich meine, statt des dollen Namens, der mit sterbender Sprache versucht dickhosig zu wirken, hätte mir allerdings ein Aufdruck: Bunnahabhain, 6,7,8 Jahre deutlich besser behagt.
Information statt Marketingphrasen, Transparenz statt nebulösen Sprachwolken.
Aber mit so was muss man vermutlich irgendwann klarkommen in den argen Zeiten der HerrschaftDiktatur durch Controller & Marketinghalblinge.
Wenn man den massiven Einsatz von Whisky-newspeak wenigstens nur auf die Isle of Jura Whiskys beschränkte, quasi zu Ehren von Orwells dortiger Schreibleistung, hätte es noch was legitimes.
So jedoch ist es einfach Dummenfang und Konsumentenverarsche.

In der Nase ist der Cru-ach-Vhona grasig, ein wenig duftet es wie Heu und muffelt stark süßlich Richtung Honig. Der Rauch ist sehr dezent -und nicht aufdringlich- eingebunden.

Im Mund hat er deutlich mehr des süßen Honigs zu bieten. Dabei ist allerdings eine seltsame thymianartige Note präsent und ein Hauch Verwesung.
Der Rauch, der deutlich schmeckbar ist, wirkt eher wie ein Lagerfeuer aus nassem Holz, denn als die trockene Kaminvariante – oder auch so, wie man sich abgestandenes Torfwasser im Mund vorstellt.
Er trocknet die Zunge schnell aus und ist warm und pfeffrig, auch nach der Verdünnung mit Wasser.
Das Mundgefühl, welches er anbietet ist pelzig und staubig, obwohl er eigentlich eher sanft und fast schon -für 50%- wässrig daher kommt.

Im Abgang ist er mentholig, dabei immer noch warm, süß und trocken.
Er bizzelt die Zunge auf und was ich wirklich nicht mag: er macht ein schleimiges Mundgefühl, das noch Minuten danach anhält. Bah!

Die Eindrücke zum Cruach-Mhòna klingen jetzt eher negativ, was diesem Whisky aber nicht ganz gerecht wird.
Er hat durchaus seine Qualitäten, ist insgesamt rund und schmeckt -auch durch die Thymiannote- interessant.
Allerdings habe ich damit das Problem, dass mir bei einem zweiten dram am Abend vom Cruach-Mhòna ständig verwackelte Bilder, von verwesendem Getier in moorigem Gebiet, durchs Kopfkino sausen – sein schleimiger Geschmack rundet das Bild dabei kongenial unangenehm ab.
Einer jener Whiskys, bei denen ich es deshalb bei einem dram -meist zum Abschluss der Nacht- belasse.

Wertung Single Malt
Bunnahabhain Cruach-Mhòna

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein interessanter Whisky, der mir allerdings nicht wirklich gefällt. Ich finde den -inzwischen aufgerufenen Preis- deutlich zu hoch im Verhältnis zum Gebotenen. Hier stimmt in meinen Augen der bang for your bucks Faktor definitiv nicht. Wer den Connemara peated oder den Superstition mag, die haben auch so eine komische Note nach verwesendem Aas mit drin, kann hier auch zuschlagen wenn ihn der Preis nicht schreckt. Der Rest der auf der Suche nach einem rauchigen Islay Whisky ist, findet dafür sicherlich eine würdige Alternative zu diesem Bunna. /

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

6 Gedanken zu “Bunnahabhain Cruach-Mhòna

  1. Schade, das mit dem Thymian klang wirklich interessant, aber immerhin hab ich ein neues Wort für meinen aktiven Wortschatz. Merketinghalbling.
    🙂
    Sehr schön. In der Suchmaschine meines Vertrauens fand ich zu diesem Begriff einen Treffer, zu Ihrem Artikel.
    Noch schöner.
    Lernt immer wieder gerne schöne Worte
    AausB

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    1. Na, ganz toll, da hab ich mich selbst in die Ecke gestellt. 😦
      Das mit der Suchmaschine passt aber auch korrekt geschrieben – allerdings jetzt zwei Treffer auf Ihre Seite.

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