Tomatin Legacy (B4)

Als vorletzten NAS Whisky meiner Blödbabbler-NAS-Whisky-Tastingnotes-Woche stelle ich den Tomatin Legacy heute vor.

Ob es da unterschiedliche Fassungen von gibt-bei den massiv unterschiedlichen Einschätzungen zwischen Himmelhoch jauchzend und zu(m) Tode betrübt- entzieht sich meiner Kenntnis.
Als Unterscheidungskriterium habe ich lediglich im Flaschenboden eingeprägt eine B4 und eine B5 in meinen beiden Flaschen gefunden.
Zwei Flaschen? Ja, ich hatte mir eine gekauft (B5) und habe eine weitere von Frau MausD geschenkt bekommen, die ihre Reha damit für mich sinnvoll gestaltete.
Der dortige Whiskyhändler verkaufte ihr den Legacy als einen ‚Spitzenwhisky!‘ – Nun, ja Verkäufer unterliegen halt der gleichen Wahrnehmungstrübung, wie die virtuellen Wixa(keine Beschimpfung, siehe auch „Aba Olle Samma Wixa“ vom Hans Söllner) aus dem Marketing. Der Legacy ist sicherlich vieles, aber ein Spitzenwhisky nun wirklich nicht.

Ich habe bisher von Tomatin den normalen Tomatin 12 und den 18jährigen als Miniatur verkostet, geschlossen stehen hier noch der Legacy(B5), ein Cù Bòcan, der Decades, sowie ein weiterer 12 und ein 18 jähriger im Regal.
Die Menge an Whiskys die ich von einer Destillerie ‚auf Vorrat‘ kaufe ist meist auch ein Hinweis darauf, wie ich eine Destillerie und ihre Erzeugnisse einschätze. 😉
Bisher mochte ich was ich von Tomatin trank und fand die Preise sehr stimmig – etwas das nicht auf jede Destillerie zutrifft.
Tomatin 'Legacy' Flasche
Der Legacy kostete mich knapp 24 € Mitte 2014 und ist inzwischen etwas billiger bzw. zum gleichen Preis zu haben -für mich ein Indiz in welche Richtung des obigen Widerspruchs sich der Tomatin eher bewegt.
Im Gegensatz zu manch anderem NAS-Whisky erfährt man auf den Etiketten wenigstens, dass er in Ex-Bourbon und ’neuen‘ Eichenfässern reifen durfte. Wie lange? Muss man nicht wissen, dafür heißt er ja *tada* Legacy!
Klingt altehrwürdig, wobei sich gerade ITler oft genug über Legacy Dinge im BIOS aufregen – sprechen wir mal über das A20 Gate *hüstel*.

Positiv fällt auf, dass der Legacy immerhin mit 43% Alkohol abgefüllt wurde- für die Freunde von künstlicher Farbe hat man ihn mit E150a beglückt. Ich vermute mal, dass er auch kühlgefiltert ist.
Er steckt in der Tomatin-typischen festen Kartonage und wurde -vermutlich da er der billigste aus der Range ist und man das mit Blendwerk aufwerten wollte- mit edlem Silberton in die Welt geschickt.

Wenn ich meinen Epilog oben lese, stelle ich fest: Irgendwie habe ich die Tage anscheinend zu viel aus der Maul- und Motzquelle getrunken.
Aber kritiklose Kritiken gibts ja zuhauf und da ich – wie der gute ralfy auch- meinen Schnaps selber bezahlen muss, leiste ich mir den Luxus auch über Auswüchse, geschmackliche, marketingspezifische und sonstige Unsitten zu schreiben. Und nun rinn in die Kartoffeln … äh … die Gerste.

Der gefärbte Legacy dunstet aus dem Glas eine schöne Nase, süß und fruchtig, Aprikose und Malz. Hier wurde nicht viel falsch gemacht, sehr ansprechend.

Voller Schnuffelvorfreude einen guten Schluck in den Mund genommen, und siehe da: Er ist zuerst mild und wird dann aber sehr schnell warm, ist wild und brennig.
Honigsüße, fruchtig mit etwas Holzeinfluss. Deutlich junger Stoff der fettige Lippen macht und ein wenig nach verbranntem Karamell schmeckt, also bitterlich.

Der Tomatin Legacy pelzt die Zunge schnell auf und ist insgesamt etwas trocken.
Er bizzelt und prickelt im Mund, was aber bis zum nächsten Schluck wieder vergeht.
Im Mund bleibt etwas marmeladiges haften, was dann zusammen mit sanfter Bitterkeit in einen überraschend langen Abgang reitet.

Tjo, 94.5 Punkte Mr. Murray? Really? Es muss andere Batches geben – denn meine Buddel ist kein Superstar whisky der mir eine reason to live gibt.
Auch das enthusiastische Grinsegesicht von DHL im entsprechenden Video zum Tomatin Legacy deutet ja darauf hin – mal gucken eventuell ist ja die B5 so orgiastisch, dass ich mir auch fast ins Höschen mache beim Verkosten.
Eventuell spielt aber B4 und B5 auf der Flasche auch gar keine Rolle und alles schmeckt gleich. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelheinzchen stieß!

Mein Legacy ist ein brauchbarer bis guter Whisky, dem ich lediglich zwei bis drei Fässer gegeben hätte, aber ich finde die Nase so gut, dass ich mich zu einer gnädigen 3 durchgerungen habe.
Letztlich würde ich das Erbe aber beim nächsten Mal ausschlagen.

Wertung Single Malt
Tomatin ‚Legacy‘

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Tomatin Legacy ist sicherlich ein akzeptabler Einsteigerwhisky, dennoch würde ich die wenigen Euro mehr für den 12 jährigen aber gerne ausgeben – wenn es denn ein Tomatin sein soll. Für ähnlichen Preis(und bei meinem Getränkehändler um die Ecke immer noch) gabs bis vor kurzem noch den Ardmore Traditional Cask, der leider eingestellt zu werden scheint und der von einem ‚Legacy'(sic!) abgelöst wird. Da habe ich bisher nur was vom Herrn AausB zu gehört, aber auch die Ratings in der whisybase verweisen auf einen Qualitätsverlust im direkten Vergleich zum TC. Es scheint sich gefühlt abzuzeichnen: stylischere Verpackungen, ganz dufte toller Name und Marketinggewitter in Ernst Jüngerschen Ausmaßen bedeuten real oftmals eine gleichzeitige Reduzierung an Qualität der Ware „Whisky“.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

3 Gedanken zu “Tomatin Legacy (B4)

  1. Geheimcode? Bei mir steht ein Tomatin Legacy noch ungeöffnet im Regal. Zu der Zeit wo ich noch Kunde beim Herrn LausS war führte dessen Jubelverkostung auf YT zum Kauf dieser Flasche. Sofort habe ich der Flasche einen Besuch abgestattet, um die Botschaft am Flaschenboden zu überprüfen. Bei meiner Abfüllung fand ich dort „B2“ am Boden. Natürlich war ich erleichtert- die schlechten Abfüllungen „B4“ und „B5“ waren beim Bloedbabbeler gelandet und ich darf mich auf einen feinen Whisky freuen. Tja, hätte ich nur nicht den Glengoyne 10 umgedreht. Auch hier eine „B4“ am Flaschenboden. Keine geheimen Botschaften, nur interne Kennzeichnungen des Flaschenhersteller! Der Tomatin Legacy darf noch im Regal verweilen…

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    1. Danke für die… Klarstellung. 🙂

      Ich hatte die -aus Enttäuschung nach dem YT Video von DHL statfindende Diskussion zum Legacy- im Forum stattfindende Diskussion im Kopf, die ich aber leider, zwecks Nachgucken, nicht mehr fand. Sinngemäß gabs da den Hinweis man könne anhand des Flaschenbodens die Batches(?) beim Legacy unterscheiden. Deswegen meine Vermutung mit B4/B5.
      Auf die Idee selbst mal auf anderen Böden nachzugucken kam ich natürlich nicht. 😀
      Ich lass es aber mal als loderndes Fanal meiner Fehlbarkeit so stehen; wer mehr wissen will soll halt ihren Kommentar lesen. 😉

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