Singleton of Dufftown 12

Heute mal (wieder) ein vermutlich in Kürze ebenfalls aussterbender ‚Supermarkt’whisky aus den Trögen der Dufftown Destillerie in –na, wo wohl?- Dufftown.
Der Singleton of Dufftown 12 Jahre ist in Resten bei einigen Onlineversendern noch zu absurd teuren Preisen, also irgendwas um die 33-35 Euro pro Buddel zu haben(hoppla die DHL Gattin hat ihn sogar noch für 29,90). :-O
Meine Flasche vom Singleton erstand ich -als sie im Angebot im hiesigen Supermarkt war- für knapp unter 22 Euro vor einem guten Jahr, sonst kostete sie dort so um die 24 Euro.
Der Duden weiß über das deutsche duff zu berichten, es stünde für matt und glanzlos.
Im Englischen steht es synonym für useless, poor, unsatisfactory und ich bilde mir ein, mal gelesen zu haben, auch für Fusel.
Nun, das legt zumindest die Messlatte nicht künstlich hoch.
Singleton of Dufftown 12 Flasche
Mir gefiel die flundrig-flache und grüne Flaschenform ausnehmend gut, auch, da sie durch keinerlei Verpackung vor meinen kritischen Augen geschützt war. Also nahm ich sie mit, obwohl ich die 71 Punkte und die Bemerkung der Singleton 12 sei ‚finess-free‚ von Murray noch im Kopf hatte. Ein Whisky, schlechter bewertet als das Grauen im blauen Blechgewand , erweckte durchaus mein krankes Interesse.

Nach dem ersten Öffnen und Verkosten musste ich bleich erkennen, der werte Herr Murray hatte eine nicht komplett an den Haaren herbeigezogene Kritik geäußert.
Auch, wenn ich es im Vergleich zum Brackwasser aus den Gestaden vom Loch Lomond sicherlich nicht schlechter fand, hielt sich meine Begeisterung darüber dennoch in sehr engen Grenzen.

Eine Flasche gedacht zur Ehrung der Ahnen: Die kann man eigentlich nur offen stehen lassen, um den wirren Geist -sich über die Monate und Jahre, hin zu den Altvorderen- verflüchtigen zu lassen.
Doch, alter Knausersack der ich nun mal bin, habe ich sie dennoch wieder brav verkorkt und in die hinterste Ecke im Barfach gestellt – zum Hanky Bannister, dem Mellow Corn und dem Heaven Hill.

Ungefähr ein halbes Jahr nach diesem Trauerspiel fiel mein Blick beim Umsortieren des Fachs – es musste Platz geschaffen werden für ein paar ältere Flaschen von van Wees ohne Umverpackung- auf des Dufftowns Singleton, und in einem Anfall von galoppierendem Masochismus beschloss ich es erneut zu wagen einen dram davon zu kosten.

In der Nase offenbarte sich ein schwach blumiger und malziger Ton, süß und nach einiger Zeit im Glas mit einem Karamellaroma.
Gar nicht so schlecht. Nix dolles, aber auch nicht mehr so schlimm wie befürchtet.

Im Mund ist er süß und (milch)schokoladig, pelzt aber bereits in diesem frühen Stadium die Zunge auf. Das passiert mir sonst eigentlich erst beim Abgang und ist nicht so schön.
Er hat eine (hier eine Gemeinsamkeit zum Monster vom Loch Lomond) grasige Note ist aber auch frisch und mentholig im Mund.
Über allem liegt ein hölzerner Malz- und ein irgendwie muffiger, leicht fauler Sherryton. Hoppla. Klingt alles nicht doll, ist es auch nicht wirklich, aber deutlich besser, als ich es nach der Ersteröffnung in Erinnerung hatte.

Im Abgang tritt der Singleton leider noch mal aus, die Zunge trocknet aus und pelzt weiter auf, wie ein Tribble in der Balz.
Er ist deutlich warm, fast schon bissig und brennig. Dafür behält er aber eine schöne Süße bei.

Nun, nachdem ich schon bei Menschen nichts vom verlogenenen Ritual halte, von Verstorbenen nur Gutes zu reden, fange ich bei einem sterbenden Whisyks erst gar nicht damit an.
Der Singleton of Dufftown 12 ist in meinen Augen ein trinkbarer Whisky, etwas garstig und nicht sonderlich verlockend, eher reizlos – dennoch durchaus trinkbar.
Er wird trinkbar, nachdem er eine Weile in der geöffneten Flaschen und in die Ecke gestellt verbracht hat.
Mit ein wenig Wasser wird er sogar zu einem brauchbaren Sommer/Herbstwhisky.
Für ähnliches Geld schmeckten mir der Speyburn 10, auch der (aussterbende) Glenlivet 12 oder als Vertreter eines NAS Whiskys der Tullibardine Aged oak deutlich besser.

So wie es den Anschein hat, sind inzwischen an die Stelle des zwölfjährigen Singleton in den Supermarktregalen seine alterslosen Erben, wie der Spey Cascade oder der Tailfire getreten.
Eine Flasche vom Spey Cascade habe ich mir beim letzten Weihnachtsangebot im Supermarkt vor Ort für 19,90 trotz des durchwachsenen Ergebnisses vom Zwölfjährigen mal eingepackt, weil ich eben nur begrenzt lernfähig bin.
Aber: Spontankäufe erfreuen eben hin und wieder die Seele, unabhängig vom gruseligen Ergebnis das einen möglicherweise sicherlich erwartet. 😀

Eine Miniatur des Singleton of Dufftown 12, die ich als ‚Dankeschön‘ in einer Whiskybestellung dabei hatte, habe ich dem Herrn AausB aufgenötigt.
Damit auch er noch in den Genuss kommen kann, diesen Whisky zu verkosten, bevor es irgendwann mal was gescheites aus dieser Destillerie gibt. diese Möglichkeit nicht mehr gibt.

Wertung Single Malt
Singleton of Dufftown 12

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Singleton 12 aus dem Hause Dufftown ist in meinen Augen nicht so schlimm, wie ihn der werte Herr Murray macht(71 Punkte), aber leider auch nicht deutlich besser. Er ist tatsächlich trinkbar, richtiger Spaß kommt dabei -zumindest bei mir- aber nicht auf. Für die aktuell aufgerufenen Preise (30-33 Euro) fände ich vermutlich immer einen Whisky, der mir deutlich mehr behagt, selbst wenn dieser dann kein Alter trüge.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Ein Gedanke zu “Singleton of Dufftown 12

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