The Great War

Vor kurzem wurde ich durch einen Freund auf ein interessantes youtube Projekt aufmerksam gemacht:The Great War.

Man hat sich dort als Ziel gesetzt wöchentlich über das, was vor 100 Jahren während des Ersten Weltkriegs geschah, zu berichten.
Das Format geht stark in Richtung der klassischen Kriegsbetrachtung auch die stimmige Darbietung(Landkarte, Schreibtisch), ergibt aber -auch gerade dadurch -eine Dichte, die man sonst beim bloße Metazahlen abhaken nicht erreicht.
Man geht dabei fast auf Schützengrabenhöhe und verfolgt kritisch Truppenbewegungen und geplante Offensiven, begleitet durch sich leider oft wiederholende Fotos und eher schlichte Animationen.

Der Mann der durch das wöchentliche Programm führt heißt Indiana „Indy“ Neidell(nannten wir den Hund nicht immer ‚Indy‘?) und macht seinen Job mehr als gut. Die hemdsärmelige Art und sein Augenzwinkern geben dem ganzen Schauspiel auch das notwendige Quäntchen Unterhaltungswert, den man neben Fakten eben auch benötigt um Leute „dran zu halten“.

Leider habe ich von diesem Projekt nicht bereits 2014 Kenntnis erhalten.
Nun gucke ich also die ersten Jahre im Galopp weg um möglichst bald à jour zu sein.

Wer sich nur ein wenig für den Irrsinn des ersten großen Weltenbrands interessiert und der englischen Sprache mächtig ist(leider haben die polnische und die deutsche Fassung nicht so lange durchgehalten) wird hier gut bedient.
Besonders die komplette Unfähigkeit der meisten Generäle und deren ebenso große Gnadenlosigkeit mit den Befehligten wird Woche für Woche deutlich und stößt immer wieder gehörig ab.

Kriegstreiber wie der österreichische Franz Conrad von Hötzendorf, deren Namen heute wohl nur noch den wenigstens Mitbürgern geläufig sein dürften, dessen Rolle und Schuld, sowie die Österreich-Ungarns am Beginn des Ersten Weltkrieg werden schonungslos dargestellt. Diesen Verbrecher z.B. hatte ich so nicht mehr auf dem Radar, bzw. es so auch nicht gelernt.
Aber es sind ja auch mit Christopher Clarks „Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ ein paar Korrekturen in die historische Betrachtung eingezogen, die man inhaltlich eher vor der Fischer-Kontroverse vermutet hätte. Da diese, seine Forschungen aber neueren Datums sind, sollte man sie zumindest zur Kenntnis genommen haben.

Ich wurde hingegen klar nach der Fischerschen Diktion in der Schule unterrichtet und sehe da auch immer noch eher meine politische Heimat in den Schlüssen Fischers, die eben gerade „kein Hineinschlittern“ in den Krieg sehen, sondern den Ausbruch des Krieges als Ergebnis überwiegend deutschen Handelns einschätzen.
Ist ähnlich wie beim Historikerstreit, da stehe ich auch auf der Seite des Siegers, Habermas hatte recht und Nolte lieferte lediglich die Blaupause für Argumentationsmuster der neuen und alten Rechten. Das aber nur als Standortbestimmung um meine Position nicht zu camouflieren.

Wenn man sich die Verbrecher in Uniformen und deren Handeln anguckt sind es immer die gleichen Muster.
Egal ob sie die Hälfte ihrer Soldaten fahrlässig in Sommeruniformen und im bergigen Winterland bei strammen Märschen gen Russland erfrieren -und dann den anderen, geschwächten Rest vor Ort- durch russische Artellerie verrecken lässt, wie der osmanische Idiot Enver Pascha, oder man seine Truppen vor Gallipoli ohne Ziel und Plan dafür aber skrupellos gegen die MGs der Osmanen anrennen lässt, es zeigen sich immer wieder aufs Neue Charakterzüge und Handlungen von übelster Dummheit und Inkompetenz und Menschenverachtung der Generalitäten.

Da wir augenblicklich ja bereits wieder von vielen Seiten für ‚Dumm‘ verkauft werden, der russische Popanz ideologisch wieder errichtet wurde und man inzwischen Kriege wieder für Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel zu halten scheint, ist dies sicherlich eine erhellende Serie, deren Einzelfolgen auch in gut verdaulichen -dennoch schwer im Magen liegenden- Häppchen von ca. 10 Minuten serviert werden.

Mein Videotipp lautet: The Great War

Ihnen Ihr Blödbabbler

5 Gedanken zu “The Great War

  1. Lieber Herr bloedbabbler,
    ich bewundere immer wieder ihren jugendlichen Optimismus was die Verbreitung von Wissen und Fakten in dieser unserer Bevölkerung angeht …. youtube schauen die noch Jüngeren, und die sind mit Schminktipps, Klamottenauswahl, Musi/Lärm und pinken Einhörnern so beschäftigt, dass für Krieg kein Platz mehr ist ….

    *edit*
    Ich vergaß die Kochvideos, die sind die wahren Renner ….

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    1. Ich finde ja,… … dass die Beschäftigung mit Schminke durchaus sinnvoller ist, als die mit Krieg. :-p

      Oder anders formuliert: solange die Gören sich Hyaluronsäure und Quinoasamenpaste ins Gesicht schmieren, marschieren sie wenigstens nicht unter Wagnerklängen nach Polen ein. 😉

      Nur weil ich es wichtig finde, das man seine Geschichte kennen sollte um daraus zu lernen, muss dieser Maßstab ja nicht an andere angelegt werden.
      Dennoch wäre es schön, wenn als Maxime meiner Mitmenschen auch der Klassiker von George de Santayana:Those who cannot remember the past are condemned to repeat it, der für mich seit Jugendjahren Richtlinie ist, eine Form von Gültigkeit besäße. Und zwar jenseits eines dumpfen Revanchismus; also nicht so wörtlich genommen, wie ein Hitler aus der Vergangenheit gelernt hatte und schnelle Panzertruppen und ‚Blitzkrieg‘ statt Stillstand und Schützengrabenkampf auffahren ließ um diesmal den Krieg zu gewinnen und Geschichte umzukehren.

      Ich gebe zu, ich bin ein wenig unmodern oder nicht up-to-date(kein Twitter, Pinterest, Snapchat oder facebook und Konsorten), so stellt sich mir die Frage: Was genau schauen denn die Älteren? Und wie ist Alter in diesem Beispiel definiert? In der Art wie meine Mutter über 60 jährige Männer von „Junger Mann“ spricht? Oder meinen sie Kinder und Teenager?

      Rosa Einhörner sind klasse, jawoll! 😀

      Kochvideos sind eventuell lehrreich? Vielleicht nicht für sie oder für mich- für sie nicht, weil sie es können und für mich nicht, weil eh‘ Hopfen und Malz verloren sind, Video hin oder her. 😀

      Aber man kann und sollte auch nicht immer nur schwere Kost aufsaugen wollen, das Hirn braucht auch Phasen voller Muße, Entspannung und Bespaßung. Wer sich die ganze Zeit nur Holocaust -Dokumentationen, Dramen oder „Das Wort zum Sonntag“ anguckt, der wird sicherlich mit der Zeit ein unglücklicher Mensch. Wer sich meist nur bespaßt, auch dies ein Extrem, der wird oder bleibt hingegen ein Idiot. Und da ich meist nicht weiß, ob jemand schon seine Portion „Drama“ am Tag hatte wenn er sich ein Koch-, Schmink-, oder Bastelvideo anguckt, halte ich mich da zurück, immer das Beste von meinen Mitmenschen hoffend, wohl wissend dabei, das die meisten doch Idioten sind und ewig bleiben werden. 😀

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    2. Wenn es denn eine „Entweder-Oder“ Frage ist tendiere ich ebenfalls zu Schminktipps ….

      Wenn es weiterhin eine Frage der Geschichtskenntnis ist die hilft die derzeitigen Ereignisse einzuordnen plädiere ich für mehr Geschichtsunterricht anstatt hohlen Geschwätzes bei facebook, whatsapp, pinterest oder snapchat ….

      Wenn es um ’schwere Kost‘ geht stimme ich Ihnen zu, dass man nicht Montags bis Sonntags „Tatort“ ansehen kann ohne Schaden zu nehmen – was übrigens ebenso auf Gedrucktes zutrifft, wo in gleicher Weise nur über die Extreme berichtet wird.

      Kochvideos schaue ich nicht so häufig, das stimmt, weil ich das grundsätzlich schon im zarten Alter von 17 Jahren am Schulherd gelernt habe. Ich gebe allerdings gern zu, dass ich im Zweifelsfall (sofern mein altes, selbst geschriebenes Kochprotokollheft es nicht hergibt) Zutatenlisten und Hinweise zur Fehlervermeidung aus dem Internetangebot hole.
      Unübertroffen sind immer noch die traditionellen KRAUTWICKEL („from scratch“, wie es so schön neumodern heißt), die in dem vorgenannten Protokollheft stehen.

      Das Klientel allerdings, das sich das allgemein zugängliche Programm reinzieht und die ’sozialen‘ Medien benutzt hat sowieso keinen blassen Schimmer von sinnvoller Gestaltung der Freizeit.

      [Zur Definition von Alter: bis 35 „jugendlich“, danach bis 50 „erwachsen/jung“, und danach „gereift“. ;c)]

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    3. Hallo Herr wvs,… …sie wissen doch, ich kann nur schwarz-weiß…eigentlich sogar nur schwarz, wenn ich es mir überlege. 😀

      „Schminken statt Marschieren!“, klingt aber dennoch eher nach Tuntenkarneval denn nach einem nachhaltigen Konzept zur jugendlichen Geist-Ertüchtigung.

      Geschichtskenntnisse sind nachgerade der Schlüssel zur Erkenntnis der politischen Gegenwart, da stattdessen lieber in Facebook Gruppen intellektuellen Hirnstau zu akkumulieren scheint mir hingegen nicht förderlich für gesellschaftliche Realitätsabgleiche. Oder eben paradigmatisch!

      Tatort ist der ARD das, was Big Bang Theory für Pro7 darstellt. Dauerprogramm in Endlosschleife ohne Anspruch, quasi Kraftfutter für den Trog des Senderviehs.
      Nebenbei erfüllt der Tatort wichtige Funktionen, er erhält ein konstantes Kriminalitätsbedrohungsszenario aufrecht und ist oftmals thematisch sehr aktuell.
      So denkt dann der eher schlichtere Tatortseher, es gäbe eine beständig wachsende Bedrohungsproblematik -trotz gegenläufiger Zahlen und Fakten.
      Da ist man dann gleich viel öfter und auch mit echter Freude dabei, laut „Ja!“ zu sagen, sobald uns Maßnahmen zur Einschränkung unserer Bürgerrechte mal wieder als notwendig und alternativlos verkauft werden um bspw. der wachsenden Bedrohung durch Schwarzfahrer, Ladendiebe oder den Terroristen von Nebenan Herr zu werden.

      Hjam, Krautwickel sind was feines, ich nenne sie allerdings Kohlrouladen.
      Kochrezepte, wie sie meist bei den einschlägigen Portalen stehen enthalten mir zu oft bizarre Zutaten: Maggi oder Schmelzkäse, gerne auch Brühwürfel und ähnliches. Warum sollte ich, so frage ich mich dann immer, was Frisches ohne Konservierung und hohen industriellen Verarbeitungsstandard kochen, wenn ich mir über diese Hintertür doch wieder eine ganze Latte Zusatzstoffe und künstliche Ingredienzen reinpacken. Rätsel über Rätsel. Die Titanic hatte das recht zutreffend 2013 dargestellt. 😀

      Zu ihrer Altersdefinition: Ich dachte mir sowas schon. :-p

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