KZ reloaded

Der deutsche ‚Innenminister Seehofer‘ -und während ich dies hier gerade schreibe, klingt es immer noch wie ein bizarrer Witz: Seehofer, Innenminister!, no shit sherlock!, macht auf starken Mann.
Besagter Seehofer fordert die Errichtung von Konzentrationslagern auf deutschem Boden, nennt sie aber euphemistisch Ankerzentren und keinen kümmerts.
Nachdem es mit dem Autobau als Kernkompetenz deutscher Ingenieurskunst nicht mehr weit her zu sein scheint, also ein Besinnen auf die gute alte Zeit?
Inhaltlich kann und muss man übers Thema Migrations- und Flüchtlingsbewegung natürlich diskutieren, Ursachenforschung und Strategien entwickeln, einzig, Konzentrationslager waren historisch und retrospektiv betrachtet noch nie eine gute Idee.

In Deutschland marschierten vor kurzem wieder die Antisemiten um am iranischen Arschlochtag, den der alte Sack Khomeini einst ausrief, um die Vernichtung Israels(und seiner Bewohner) zu fordern, zu ‚feiern‘, die Vernichtung Israels zu fordern und die Presse im Land als ‚jüdische‘ zu denunzieren.
Also ein Event für all das, was sich der gemeine Dummkopf meist in seinem einfach gestrickten Hirn als Weltverschwörung zusammenreimt, nebst ausgedeutetem Opferlamm: dem ewigen Juden.
In diesem Land steht dennoch die PKK auf der Liste der Terrororganisationen und nicht die Hisbollah. Warum versteht wohl auch keiner. Vermutlich hat man mehr Angst vor der ‚Arbeiterpartei‘ mit ihren eher progressiven Zielen, als vor dem religiösen Terror, der weltweit und hier vor Ort seinem Ziel von einer ’schlechteren Welt für Alle‘ täglich näher kommt.

Der türkische Sultan und veritable Hütchenspieler, der Irre vom Bosporus greift stattdessen weiterhin im Nachbarland Städte an, respektiert weder Grenzen noch Widerworte.
Momentan ist der Islamistenbart allerdings etwas weiß von der Kreide die der Sultan gefressen hat, um bei den terrorisierten Kurden in den von seinen Türken zerstörten Städten für seine Ziele zu werben, denn -dies haben beide starken Männer gemein, Seehofer und der Erdogan- es steht der Wahlkampf vor der Tür.

Während unsere Presse die Invasoren der Saudi-Arabischen Kriegstreiber im Jemen gemeinhin als ‚Allianz‘ bezeichnen, die dort die unrechtmäßigen Schiitenrebellen vertreiben, indem sie eine Seite, die angeblich legitime, im Bürgerkrieg unterstützt, nennt man hingegen die Russen ‚Bösewicht‘, da sie in Syrien auf Errufen des dortigen, legitimen Machthabers Assad den IS weggebombt haben.
Zum Glück sind unsere Nachrichten neutral in ihrer Berichterstattung, sonst könnte man fast meinen die Gröhlköppe von Pegida könnten recht haben mit der Lügenpresse.

Doch zurück zum Thema Antisemitismus in Deutschland.
Um sich -falls man sich dessen nicht bewusst ist- mit dem Thema mörderischer Antisemitismus in (West-)Deutschland auseinanderzusetzen, ist ein Dokumentarfilm zum Thema sicherlich ein guter Anfang.
Vor kurzem gabs die Wiederholung(für mich wars allerdings die Premiere) des Films München 1970, der die unheilige Allianz der Antisemiten -von links bis rechts- in Deutschland und seine Opfer zum Ende der 60er und Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zeigt.
Ich gestehe an dieser Stelle, ich bin in meiner Jugend -und Adoleszenz ebenfalls der Ideologie vom ‚antiimperialistischen‘ Kampf, dem Kampf gegen scheinbare Unterdrückung aufgesessen, fand später noch die erste Intifada, den Kampf ‚Steine gegen Schusswaffen‘, wie es so schön dramatisch und politisch korrekt hieß, sympathisierend gegenüber getreten.
Ich habe mir damals, wie viele andere auch, schlicht nicht gedacht, dass das Ziel eben die Auslöschung Israels sei, sondern eine gerechtes Zusammenleben zwischen verschiedenen Menschen.
Da bleibt aus heutiger Sicht nur mit den Scherben zu konstatieren: Der Traum ist aus(Achtung der link geht zu youtube, deine Daten und deine Hoffnungen werden dort von der Datenkrake kommerzialisiert1!11!!)
Ich habe komplett ausgeblendet, wie sich der Terror von rechts und links gegen Juden in Deutschland(und der Welt) gerichtet hat und wie schäbig sich die Bundesrepublik damals verhalten hat; Abschiebungen statt Aburteilen und Einsperren der Mörder.
Aber darin, im Wegsehen und Nichtstun hatte man in der großen Aufarbeitung nach dem Mörderregime und dem Untergang des Tausendjährigen Reichs ja tausendfache Erfahrung sammeln können.
Schlimm und zum Kotzen.

Der Film München 1970 steht noch ein knappes Jahr(8.6.2019) in der Mediathek der ARD und ist jede Minute wert gesehen zu werden.

Ihnen Ihr Blödbabbler

4 Gedanken zu “KZ reloaded

  1. 1970 ist ja nicht sehr weit weg von 1945 – und als alter Sack erinnere ich mich noch sehr gut an diese Zeit, die ja davon geprägt war, dass sich die Vorgeneration nicht um angemessene Aufarbeitung des sogenannten „Dritten Reiches“ bemühte, sondern zuzudecken bestrebt war. Die Studentenproteste der Vorjahre hatten genau diese Feigheit und Zögerlichkeit als Ursache, es ging nicht nur nicht schnell genug, sondern in manchen Bereichen überhaupt nicht – beispielsweise gerade bei der Justiz, die überproportional alte Parteigänger der NSDAP in ihren Reihen hatte. Da wundert es nicht, wenn statt zu strafen abgeschoben wurde, mag doch eine gewisse “Seelenverwandtschaft‘ mit den Tätern unterstellt werden dürfen.

    Was die jeweilige Benennung der Akteure in der Weltpolitik angeht ist es immer die Wahl bestimmter Adjektive als Zusatz zur Namensnennung die das Vorurteil der Redakteure nachweist und dem gemeinen Volk vorgibt wie „man“ darüber zu denken hat.

    Seehofer?
    Da erinnere ich doch einfach daran, dass seinerzeit die rechte Bewegung in Person & Führung des Herrn Hitler München als geeignete Örtlichkeit und fruchtbaren Nährboden für eine Errichtung des Reiches befanden …. und in Nachfolge solcher alten Demagogen fühlen sich die Oberen der CSU bestimmt sauwohl (um ‚mal etwas drastischer zu formulieren).

    Warten Sie mal, Herr bloedbabbler, irgendwann kommt von den CSUlern bestimmt einer auf die Idee man können doch – weil schon vorhanden und sooo kostensparend – die aus Himmler’schen Zeiten bestehenden Lager (!) wieder aufleben lassen …. die AfD wäre bestimmt bereit das Lagerpersonal zu stellen, genug tumbe & stramme Befehlsempfänger hat sie ja in ihren Reihen.

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    1. So weit… … würde ich noch nicht gehen, auch wenn die Seehofers und AfDs dieser Welt einen sehr unangenehmen Weg beschreiten, sind sie dennoch Meilen von dem entfernt, was die Nazis veranstaltet haben. Denk ich an München, dann lieber an die kurze Zeit der Ausrufung des Freistaats mit Toller, Mühsam und Landauer, eine kurze dennoch liebenswertere Episode als der Marsch der braunen Reaktion.

      Zum Thema 68ff. Was mich störte war trotz Weltrevolutionsgefasel – und nötiger Kritik an den Eltern und deren nicht stattgefundenen Aufarbeitung der Nazizeit, dass man nahtlos angeknüpft hat, an den Antisemitismus der Altvorderen. Hier im Gewand von Internationalismus und revolutionärem Pathos dort nationalistisch und rassistisch. Unterm Strich bleibt der Jude Feind, wird angegangen und ermordet.
      Diese Kontinuität im Denken war mir nicht so präsent(oder ich habe sie ausgeblendet), wie mir dankbarerweise die oben verlinkte Dokumentation aufgezeigt hat.
      Wenn eigenes Leben reflektiert wird und man feststellt wo man fehlgegangen ist, schmerzt Erkenntnis oftmals mehr, als sie erhellt.

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    2. “ .. Wenn eigenes Leben reflektiert wird und man feststellt wo man fehlgegangen ist, schmerzt Erkenntnis oftmals mehr, als sie erhellt .. „ – wem sagen Sie das, werter Herr bloedbabbler, das kenne ich genau so ….

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