Wasser marsch!

In den letzten Tagen via Lokalteil der Frankfurter Rundschau und eines Werbeblättchens auf ein Problem gestoßen worden, dass ich schon mal im Visier hatte, aber dann wieder aus den Augen verloren hatte.
Wir richten unseren Blick auf Menschen, die im Mittelmeer ertrinken -zu Recht, übersehen aber, dass auch immer weniger Menschen in Deutschland schwimmen können und ertrinken.

Während wir in den 80er Jahren, als jedes Dorf mit mehr als 5 Einwohnern sich ein Schwimmbad leisten konnte oder wollte, noch eine Schwimmerquote von knapp 90% bei den zehnjährigen Kindern hatten, können heute wenn man der repräsentativen Forsa Umfrage von 2017 folgt, 59% der Altersgruppe nicht mehr sicher oder gar nicht schwimmen.

Gründe dafür gibt es wohl zuhauf. So ist Schwimmunterricht zwar an Grundschulen vorgeschrieben, einzig, es gibt oftmals keine Schwimmbäder mehr in akzeptabler Reichweite. Es fehlen entsprechende Schwimmlehrkräfte an den Schulen. Scheinbar ist es auch inzwischen wichtiger geworden sich ein Smartphone zum Zeitvertreib anzuschaffen, als die -zugegebenermaßen nicht immer geringen- Eintrittspreise an der Schwimmbadkasse zu lassen und dort seine Bahnen zu ziehen. Spaßbäder für die Spaßgesellschaft, statt funktionaler Schwimmbahnen scheinen auch ein Hinweis auf sich verändernde Freizeitgestaltung zu sein, planschen statt schwimmen, Event statt Ertüchtigung oder gar Schulung von Motorik. Wenn das Ganze dann noch mit einem Elternhaus zusammentrifft, bei dem die Elternteile auch nicht oder nur unzureichend schwimmen können, das Geld zusätzlich knapp ist, oder religiöse Vernebelung des Gehirns regiert, dann ist es schnell Ende Banane fürs Schwimmen lernen der Kinder.

In meiner Jugendzeit waren wir im Sommer jeden Tag am See oder im Schwimmbad, Turmspringen oder vom 1-3 Meter Brett gehörte selbstverständlich dazu, wir tauchten und wir fummelten(also das mit zunehmendem Alter mehr), machten Kämpfe auf den Schultern unserer Freunde sitzend aus und kamen abends müde, abgekämpft und glücklich heim. Ich habe privat-in unserer Grundschule gabs damals noch kein Schwimmen, zumindest erinnere ich mich nicht dran- mit meinem Vater schwimmen geübt, dann die entsprechenden Abzeichen, Frei – und Fahrtenschwimmer gemacht(Seepferdchen war damals schon was für Kleinkinder), die großen Sportabzeichen habe ich mir dann geschenkt, zu viel Arbeit zu wenig Ruhm. Eben gerade gesehen, es gab sogar Totenkopfschwimmabzeichen, das wäre natürlich was gewesen, cool! 😀
Aber in dem Alter fand ich dann Mädels doch bereits spannender, als mir meine Pubertät durch das Wasser zu bahnen.

Heute scheint es für Kinder unwichtig zu sein, schwimmen zu lernen, gibt es doch im Zweifel eine Schwimm-App mit virtuellem Schwimmen in der Tiefsee, wer braucht da noch das kühle Nass?
Eltern, so las ich es aus dem Interview mit einer Bademeisterin, sorry, einer Fachangestellten für Bäderbetriebe, hängen oft an ihren Smartphones und beaufsichtigen die Kinder nicht, die dann- weil meist leider nicht sicher im Schwimmen- in Gefahren geraten können. Wie inzwischen üblich in Deutschland bekommt man dann -bei Hinweis auf ein vorliegendes Fehlverhalten- Frechheiten zu hören oder direkt aufs Maul gehauen. Fehlende Selbstreflexion scheint inzwischen soweit Platz ergriffen zu haben, dass ein eigenes Fehlverhalten nicht mal mehr denkbar erscheint, weswegen man sich damit dann auch nicht näher beschäftigt.
Ausländerfeindlich, wie wir Deutschen ja nun mal sind, stellt diese Frau, die sicher keine Ahnung von der Materie hat auf die Frage:“ Stellen Sie auch fest, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen können?“, trocken fest:Nicht nur Kinder. Vor allem in Familien mit Migrationshintergrund können oft auch die Eltern nicht richtig schwimmen. Trotzdem verlassen sie den Nichtschwimmerbereich und es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen. Viele dieser Kinder tragen außerdem noch einen Burkini. Aber mit so einem Ganzkörperbadeanzug ist das Schwimmen noch schwerer zu erlernen.
Aber was weiß die schon?

Problem: Kinder lernen zu spät, schlecht oder gar nicht schwimmen.
Mögliche Gründe:
Allmächtiges Controlling zwingt Kommunen via Kostenrechnung zur Schließung oder einem Umbau von Schwimmbäder hin zum Faktor Fun.
Zu wenig Lehrer mit Schwimmlehrerschein an den (Grund)schulen, Schwimmbäder oft zu weit entfernt.
Prioritäten der Kinder werden anders gesetzt, Motorik, Muskulatur und Koordinationsfähigkeiten sind verändert zu früher.
Desinteresse der Eltern ihren Kindern schwimmen beizubringen, oder gleich fehlende, eigene Schwimmfertigkeit.
Religiöser Irrsinn und damit verbundene, perverse kindliche Sexualisierung führen zu Schwimmabstinenz, untauglichen Schwimmkleidern und dreisten Forderungen, die ein gezieltes Erlernen des Schwimmens erschweren bzw. unmöglich machen.

Im letzten Jahr 2017 starben mindestens 404 Menschen meist aus: […]Selbstüberschätzung, gesundheitliche(n) Vorschädigungen, Übermut, Leichtsinn und Unkenntnis über mögliche Gefahren […] DLRG
Dies war ein Rückgang zum Vorjahr (537)und vermutlich dem kühlen, regnerischen Wetter geschuldet, dass wir damals einen Sommer nannten. In diesem Jahr, Sonne raus und Menschen ins Wasser, haben wir bereits jetzt 279 ertrunkene Menschen in den ersten 7 Monate, ein Anstieg zum Vorjahresvergleich um 37 (da stehts)
Die meisten ertrunkenen Menschen waren zwischen 70-und 90 Jahren, ich tippe hier mal auf überwiegend ‚gesundheitliche Vorschädigungen‘ oder einer Fehleinschätzung die Realitäten des eigenen Körpers zu akzeptieren.
Eine große Gruppe der Verstorbenen waren Asylbewerber, die wohl des Schwimmens nicht mächtig waren, aber dennoch in Binnengewässer gehen wollten.
Ich denke mit dem Schwimmen ist es ist wie mit dem Impfen. Man sollte eine möglichst hohe Rate innerhalb der Gesellschaft erreichen, sowohl bei Impfungen, als auch bei der Rate des „Sicher“- Schwimmenkönnens.
Das schützt das eigene Leben und erhöht die Chance anderes Leben zu retten, bei denen, die -warum auch immer- nicht schwimmen können und in (Lebens)gefahr geraten.

Fazit: Schwimmbäder sind in akzeptabler Nähe von Schulen zu erhalten, Lehrer zusätzlich zu qualifizieren und Eltern soweit in ihren Rechten zu beschränken, wie es der Europäische Menschenrechtsgerichtshof geurteilt hat.

„Wenn ich übers Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.“
―Berti Vogts

Ihnen Ihr Blödbabbler, Wasserratte a.D.

Peter Gabriel „I go swimming“

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