Tage im November

Aufregende Zeiten.
Gerechtigkeitswoche in der ARD, oder halt das was sich Klein Erna darunter vorstellt, ausgewogenes Palavern und ideologisierter Mainstream der gutmenschlichen Art.
Hantieren mit 21% gender pay gap auf Basis von kruden Apfel und Birnen Durchschnittswerten um zu zeigen wie schlimm und ungerecht der gemeine weiße Mann ist.
Kein Hinweis darauf, warum und wie tatsächliche Lohnunterschiede entstehen, sondern lediglich der Versuch Geschlechterkampf statt Klassenkampf zu thematisieren. Brav und sowas von grüne Tünche, man möchte einfach an fast jeder Stelle rufen:“It’s the economy, stupid“, oder eben „It’s not a bug, it’s a feature“.
Im Beitrag über Gerechtigkeit im Bild der Religionen offenbarte sich mir mal wieder, dass die Buddhisten sogar noch arschiger sind, als die anderen.
„Selber schuld an deinem Unglück“- Glückskeksphrasen deckten sich sehr schön mit der hegemonialen Ideologie in Europa, neoliberal oder buddhistisch gibt sich da im verantwortlichen Subjekt erst mal wenig.
Schuld ist immer subjektiv, Strukturen kommen nicht vor. Gerechtigkeit nur soweit von Interesse wie man seine Seminare anbieten und verkloppen kann, puuh, da hatte ja sogar der alte Calvin mehr auf der Pfanne.

Aber beim Thema Glückskeks kommt man ja unweigerlich diese Tage zu Friedrich Merz, dem Ritter vom Schwarzen Stein.
Wenige Informationen hingegen in der Presse, wieso ein Friedrich Merz offensichtlich von interessierten Kreisen des Finanzkapitals gehypet wird, sogar im Idioten-TED im Videotext bei einem Privatsender rangiert er mit mehreren tausend Stimmen vor der Konkurrenz…gefälschtes und manipuliertes zum Frühstück?
Friedrich ‚Bierdeckel‘ Merz, gestandener Neoliberaler und Marktradikaler im Geiste der Initiative Neue (A)Soziale Marktwirtschaft und von Oswald Metzgerschen Ideologie Ausmaßen(wobei der ja scheinbar jetzt bei den Neurechten um Tichy gelandet ist und seinen Abstieg damit selbst in die Hand genommen hat, brav) stapft als politischer Wiedergänger an die Machtzentren der CDU, gepampert von all denen, denen die AfD zu sozialistisch und unkontrollierbar erscheint.
Wirtschaftspolitisch verströmt er das das Hautgout der entfesselten Märktemetaphern, also eigentlich just dem Inhalt den die AfD sich ebenfalls -wie alle Parteien im Bundestag, außer der Linken- zu Eigen gemacht hat.

Und siehe oh Herr, der Druck wirkt.
Denn schon fühlt sich auch Frau Kramp-Karrenbauer genötigt Steuersenkungen für ‚Leistungsträger‘ – dabei meint sie nicht die, die das Land hier am Laufen halten, die, die der Gesellschaft Reichtum bringen, sondern jene, die unter der Progressionslast und den 25% Kapitalertragssteuer noch meinen stöhnen zu müssen und uns alle dann in Relation mehr kosten, als sie jemals erbringen, zu fordern. Ach so, und natürlich zum Erhalt des Wettbewerbs eine weitere Senkung von Unternehmenssteuern im großen globalen Steuersenkungszirkus fürs Kapital.
Ich warte noch auf das „Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen, wir sitzen alle im selben Boot“ Gedöns, um den Arbeitern zu erklären, wieso sie ein paar Runden Lohnzuwächse fasten müssen; wird aber auch bald soweit sein, der ökonomische Horizont verdüstert sich bereits zunehmend.
Und da man ja nicht mehr in Innovation und Forschung und Technik, geschweige denn in qualifizierte Bildung in der Breite investiert, sondern lieber Betrug als Firmen policy über politische Bande spielt, wird der Aufprall entsprechend hart. Und wie immer wird dann an Lohnkosten angesetzt und der Mohr muss solange zum Brunnen gehen bis er bricht.

Also mal ehrlich, wenn das nicht richtig gut greift um verlorengegangenes Vertrauen in die Parteien -hier am Beispiel der CDU- zu bekommen, tjo, dann weiß ich auch nicht.
Die SPD war alternativ im intellektuellen Dschungelcamp, wie es alle abgehalfterten Möchtegern-Promis vulgo Volksparteien trifft. Das mit der Zietlow ist aber amüsanter. Denn statt Kakerlaken zum Dessert gabs hier nur Frau Nahles und der Mob tobte. ‚Hartz IV hinter sich lassen‘, klang für mich, mit der SPD inzwischen eigenen Art, eher wie eine dumpfe Drohung zukünftig noch garstigeres umzusetzen…man wird sehen, wie man das mit Leben füllen mag und mit wem.

Bei den Linken und in der Presse mobbte man wieder gegen Frau Wagenknecht, weil sie es gewagt hat, die stumpfsinnige open border Fantastereien als das zu bezeichnen, was sie sind: definitiv nicht mehrheitsfähig und ein veritables Problem für die Gesellschaft.
Nur um es mal gesagt zu haben: Links zu sein, muss nicht in erster Linie bedeuten dumm und ignorant zu sein, auch wenn man diesen Eindruck schnell bekommen mag, wenn man sich anhört, was von der Spitze der Linkenpartei gewöhnlich kommt.

Wagenknechts ablehnende Kritik mit Hinweis auf die Grenzen einer ‚offenen Grenzpolitik‘ in Zeiten in denen lediglich nationale Sicherungssysteme bestehen, ist ja durchaus legitim.
Der Hinweis dass es Gründe geben kann den UN Migrationspakt abzulehnen, weil der eher als Instrument verstanden werden kann, Nachschub zur ‚Industriellen Reservearmee‘ bereitzustellen fürs Kapital kann sogar als linke Forderung verstanden werden. Wenn man nicht stattdessen den guten Migranten(in Kontrast zum bösen Migranten der AfD Welt) in geistlosem positiven Rassismus als Dreh-und Angelpunkt linker Politik verstehen und aufbauen will, sondern ökonomisch denkt und kritisiert, ist das sogar folgerichtig. Der böswillige Hinweis auf Frau Wagenknechts nationale Beschränktheit und die ‚Übernahme‘ von AfD Forderungen verkennt zweierlei:
Erstens ist Frau Wagenknecht, ebenso wie die Partei „Die Linke“ sozialdemokratisch, das heißt reformistisch ausgerichtet, bedeutet, sie steht für Reform statt Revolution, denn sonst wäre sie verboten, also die Partei nicht die Frau. 😉

Das Problem mit dem wir konfrontiert sind, ist ein Nationales, solange es um Nationalstaaten geht, es ist eine schöne Vision international zu denken, das Kapital und viele Bereiche des Akademikerbürgertums tun dies, doch solange im Land der Gegensatz von Kapital und Arbeit nicht thematisiert ist, die vertikalen und horizontalen Ausbeutungsverhältnisse angegangen werden, solange kann auch kein übergreifendes Projekt funktionieren. Noch nicht, aber wenn es mit dem Tempo der Durchkapitalisierung der Welt weitergeht, ist es vielleicht noch im 21. Jhd machbar.
Bis dahin ist es nur konsequent sich Gedanken um die Menschen vor Ort und ihre Abhängigkeitsverhältnisse zu machen, auch wenn dazu protektionistische Maßnahmen und die Konzentration und Priorisierung auf das Nationale zu tätigen sind.
Zweitens ist nicht jede Forderung falsch, weil sie vom Falschen kommt. Die Gründe und Begründungen der AfD sind in weiten Teilen definitiv falsch, deswegen Elitenkritik und Kritik an bestehenden Verhältnissen aber eben nicht unbedingt.
Auch der Trend aus den USA wissenschaftliches ‚Erbe‘ ablehnen zu wollen, wenn die Person durchs Raster der aktuellen pc-GeStaPo fällt, geht in diese Richtung. Wissenschaftliche Erkenntnis, wunderbare Musik oder Kritik an herrschenden Verhältnissen wird doch nicht automatisch schlecht und falsch, weil der Wissenschaftler nach blickverengten(oder auch tatsächlichen) Kriterien ein Sexist oder Kinderschänder oder Linkshänder war. Die Person mag dann zwar zu verachten sein, zu verurteilen und abzulehnen, aber doch nicht das was geschaffen wurde.

Auch die verzweifelten Versuche ein Menschenrecht auf Migration zu konstruieren um eine open border Fantasie zu realisieren wird dadurch nicht statthafter.
Gesellschaften, solange sie nationalstaatlich organisiert sind, haben nur eine begrenzte Fähigkeit zu integrieren, bevor es zu Aufruhr, Rebellion und Diktatur kommt.
Darauf hinzuweisen, dass es total super ist international zu denken und Utopien aufzustellen ist gut, wenn man sich aber damit blendet führt das ins Chaos…und wie beim Fußball der alte Spruch von Garry Linneker:“Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.“ lange Zeit galt, heißt es augenblicklich im Land:….und am Ende gewinnt die AfD. Wer das nicht will, muss die Augen öffnen und hingucken warum da ein Zulauf stattfindet und nicht stumpf: „Hoch die Internationale Solidarität“ gröhlen.

Beim Thema ‚Gröhlen‘ kommt man ja wohl auch nicht um die Junge Union herum, quasi den geistig behinderten kleinen Zögling der Altpartei.
Kleidungs- und Charismamäßig gewöhnlich auf dem Niveau der Wachturmverteilenden Jehovas angesiedelt, mit ähnlicher Penetranz im Dummschwätzen gesegnet, versucht man sich mit Gleichgesinnten schon zu jungen Jahren den Weg ins gemachte Bettchen der Parlaments zu sichern.
Und wie man so schön sagt, wer eine Reise macht, der kann was erzählen, außer er ist dauerbesoffen und leidet danach an Amnesie.
Aber nun nehme ich mal die Junge Union, genauer die aus Hessen stammenden Sangesgenossen in Schutz. Nur weil sie -wie sonst das Pack im Fußballstadion „Sieg!“- ihre Parteizugehörigkeit in einer Berliner Kneipe rausgröhlen, den Schwuchteln sprachlich mal zeigen was sie von Ihnen halten (Nichts, offensichtlich. Was da wohl der Herr Kandidat Spahn zu zusagen hat?) und dann am 9. November das Westerwaldlied anstimmen sollte man nicht zu streng mit ihnen verfahren. Also es war das Westerwaldlied, auch wenn das die Truppen der Nazis gesungen haben, es war nicht das Horst Wessel Lied(Text vermutlich zu schwer) oder das sicher noch doll viel stimmungsvollere „Panzer, sie rollen in Afrika vor!“, mit dem sie provozierten. Ich fand ehrlich gesagt auch den Hinweis der Frau, ich zitiere mal Sie seien durch „dominantes weißes männliches Verhalten“ aufgefallen, erzählte die Berlinerin. (da stehts), wenigstens befremdlich.
Also das speziell „Weiße“ an ihrem Verhalten war? Herrenmenschentum, dass man nur in Verbindung mit Weiß zu denken vermag, ist ebenso rassistisch wie lange Schwänze nur bei Negern Schwarzen zu vermuten.
Aber egal, die Frau beruft sich auf jüdische Wurzel und hat tagsüber getrauert, da ist es sicherlich gut, am Abend dann in einer Kneipe den Tag im Zeichen der Trauer ausklingen zu lassen.
Nun hat es mit dem 9.11 in Deutschland halt so seine Probleme im Land, liegen doch diverse Gedenken an – Novemberrevolution, Reichskristallnacht und Mauerfall ’89 z.B. oder auch der Hitler-Ludendorff-Putsch(nebenbei ein Ereignis das zweierlei zeigte: Die Weimarer Republik war nicht völlig hilflos und große Unterstützung der Gesellschaft gabs auch nicht – Ideen sind eben nur dann fruchtbar, wenn die Zeit und somit die Strukturen stimmen).
Ob nun die schlichten Geister der CDU den Mauerfall feierten, ihre eigene Unzulänglichkeit nach der heutigen Art und Mode rausposaunten oder sie halt einfach so machten, wie sie es im Westerwald gewöhnt sind, weiß ich nicht.
Aber ich muss gestehen: eine Kneipe als Ort zur stillen Einkehr und Trauer zu wählen halte ich für den falschen Ort, oder wenn, dann muss ich mit Störungen rechnen(Betrunkene, Femenaktivistinnen oder andere Nervensägen).
Männern hingegen, die sich wie Arschlöcher benehmen scheinbar verbal nicht daran zu hindern bzw. über Personal hindern zu lassen(das sicherlich Hausrecht hat) und stattdessen ein Video zu drehen käme mir jetzt nicht so direkt in den Sinn. Aber ich bin ja auch nur ein Blödbabbler, der lieber „Wir marschieren!“ von der E.A.V. gesungen hätte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.