Back in the saddle again

Lange Zeit, also seit August 2017 (Longrow peated) habe ich mich nicht mehr ermuntern können etwas zum Thema „Whisky“ zu schreiben.
Nicht natürlich, dass ich nicht weiterhin Whisk(e)y schnuffel, schmatze und auch eifrig davon trinke, aber irgendwie war für mich die Luft raus dies hier im Blog mit anderen Menschen zu teilen.

Es gab einfach zu viel Whisky allerorten: Blogs, Foren, Vlogs und noch dazu viele ambitionierte Menschen, die mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache waren und -gleichzeitig immer öfter dazu als Kontrast- schlicht unverschämte Preise für tendenziell schlechtere und jünger werdende Whiskys dafür schick in Marketingblabla-Blasen verpackt; Spekulation statt Degustation schob und schiebt da fleissig die Preise an und ruiniert manchorts den Spaß am Suff -auch bei den Connaisseurs wie bspw. schon 2016 Oliver Klimek, der sein gerne von mir gelesenes Blog dramming.com damals aufgab.
Hedgefonds und einzelne Menschen spekulieren dem gemeinen Suffkopp den guten alten Schnaps weg, treiben Preise hoch und erzeugen Nachfrageblasen – doch anstatt das feine Gesöff zu trinken stellen sie ihn zur Profitmaximierung irgendwo hin. Arschlöcher!

Nachdem mir selbst mein Bankmensch beim Geldabheben am Counter per *zwinkerzwinker * zuflüsterte: Ja, ja, unsere Zinsen sind momentan nicht existent, aber machen sie es doch so wie ich und spekulieren sie mit Whiskys, einige meiner Flaschen haben ihren Wert bereits um deutlich über 100% erhöht…hechel…“, entgegnete ich ihm: Ich sammle zwangsläufig auch, weil ich schlicht nicht so viel trinken kann, wie ich aus purer Lust an der Materie nachkaufe, zumindest nicht, ohne dass sich meine Leber auf die Größe eines Erdtrabanten aufpumpt. Und das will ich nicht! Aber, ich trinke Whisky und spekuliere nicht damit!“. Dabei konnte ich an seinem ungläubigen Blick sehen, dass er mich für bescheuert hält. Seis drum.

Diesen Trend wollte ich auch nicht weiter unterstützen, indem ich mich dann auch noch positiv zum Thema hier im Blog melde und -wenn auch nur aufs ganz kleiner Flamme- quasi den Influencer für Whisky gebe und den Markt weiter anheize.

Ich habe -auch um mich ein wenig freier an der Schnapsfront bewegen zu können, inzwischen diverse Malternatives verkostet und dabei mit Armagnac, Brandy, Cognac, Grappa, Sherry, Portwein, Rhum und Rum rumhantiert. 😀
Denn, so merkte ich schnell: Andere alkoholische Destillate haben auch hübsche Flaschen und teilweise feinen Inhalt zu bieten. Zum Teil brachten die mir mehr Spaß, als die ganzen 80-85 Punkte Whiskys – den Bereich, den man überproportional antrifft- der letzten Jahre.
Doch leider, so muss ich nun feststellen, sind auch diese Destillate inzwischen zum Teil unter Druck geraten und haben vereinzelt schon beträchtlich angezogen im Preis.

Bleibt die Frage, warum ich jetzt doch wieder was schreibe?
Na, damit die stolz im Suff von mir ins Büchlein gekritzelten Notizen nicht alle für die Lade sind, vermutlich. 😛
Und, weil natürlich jeder der irgendwas in ein Blog schmiert damit letztlich auch die Welt besser machen möchte…Weltfrieden und einen Glückskeks inklusive. Wer wäre ich da, mich davon auszunehmen. *grins*

Außerdem neige ich meistens tatsächlich nicht dazu, mich -oder meine Ergüsse- unbedingt wichtiger zu nehmen, als ich oder sie es sind.
Also dachte ich mir: Drei bis vier Whiskytastingnotesnachleser die eventuell über eine Googleanfrage nach einem gegoogleten Stoff hier landen, machen den Kohl nicht fetter als er ist und sind sicherlich auch nicht der Grund für weiter steigende Preise und schlechter werdende Qualitäten.
Denn: Meine Leser sind schlicht Klasse, statt Masse. 😀

Ich erteilte mir somit selbst, im Vorübergehen, Absolution und kann nun, von tonnenschwerer, moralischer Last befreit, wieder ein wenig Blödbabblerschnapsnotizen ins Netz kippen. Hurra!
Und mal so nebenbei, unter uns Saufkumpanen angemerkt: Spekulanten suchen mit Sicherheit auch nicht im Blödbabbler Blog nach Tastingnotes von Standardflaschen, meiner bevorzugten Beute, die ich mir in den Rachen schütte, und hier laienhaft bebabbele.

In diesem Sinne gibts -auch um die Ernsthaftigkeit des Themas entsprechend zu würdigen- meine kommenden Tastingnotes(über Whiskys aus den Jahren 2016-18) zu Veröffentlichungen des renommierten Whiskyhändlers LIDL. *hüstel*

Mich erschreckt ja wenig in Bezug auf Schnaps und ich habe Menschen nie verstanden, die sich etwas entsagen, weil es nicht in ihre abgesteckten Geschmacksclaims passt.
Ich habe mich ebenso häufig gewundert, wenn Menschen sich nur auf Single Malts, möglichst nur von einer Destillerie(oder Insel) eingeschossen haben und anders bspw. bei Discounter Angeboten nur mit der Nase rümpfend ablehnen.

Markenware, um so mal die ’normalen‘ Whiskys zu bezeichnen ist sicherlich ein verlässlicher Ansatz um auch ’seine‘ Marke zu finden… wenn man das will; mir war das bei nahezu allem in meinem Leben nie wichtig.
Lustigerweise findet gar manch geübter Markentrinker seine Marke bei einer Blindverkostung schlicht nicht heraus…bekommen Discounterabfüllungen oder weniger trendige Marken überraschend oft überraschend gute Bewertungen. Surprise!

Ich halte ja schlicht von diesem ganzen Whisky-Voodoo viel einfach für Selbsttäuschung.
So unterliegen meistens Verkostungen Tagesformen, Gerüchen etc. die immer mit einfließen (können) – bei richtigen Profis und steriler Umgebung mal außen vor.
Aber dieser ganze Semi-Laien-Hobbytrinker Bereich lebt halt davon…und es macht ja auch Spaß – nur, eine Wissenschaft ist es eben nicht.

Ich nehme in der Breite wahr und verenge meinen Horizont nicht künstlich, sodass eben auch ‚billige‘ Discounterware in meinen Gläsern landen kann…und es auch tut…zum Teil mit wirklich schönen und guten Überraschungen. Ganz zu schweigen von einem meist sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
O.k. zugegeben…. und manchmal ist es so wirklich schlimm (und manchmal noch viel schlimmer)als es sich der Snob schon vorher ausmalte und gar nicht erst verkosten wollte.
Aber auch das will ich erschmecken und selbst darüber urteilen und es eben nicht aus Dünkel bereits vorher ausgeschliessen, weil es irgendeine imaginäre ‚Rote Linie‘ überschreitet.

Ich habe auch noch den Ben Bracken 25 Speyside, Ben Bracken 27 und 28, Glenalba 23, 28 und 37 und den Abrachan hier verschlossen stehen.
Und bin wirklich gespannt darauf, wie sich die im Laufe des Jahres schlagen werden.

Kurzer Spoiler: Fast alle der bisher von mir probierten Abfüllungen, die bei LIDL vertrieben wurden, waren für mich in meinen 4+ Fässer Bereichen angesiedelt, Ausnahmen dazu sind die alterslosen BB Islay, Speyside und Highland, die ein wenig drunter liegen.
Um es griffig für die Freunde der 100er Skalierung zu sagen: Die meisten Whiskys landeten bei 82-88 Punkten.
Inhaltliches gibt es die kommenden Tage dazu.

Die Saison ist damit eröffnet, die Jagd nach den Fässern des Genusses kann beginnen.

Ihnen Ihr Blödbabbler, der endlich wieder was schnuffeln kann, fuck Erkältung bye bye.

Hinweis: Ich kaufe meinen Schnaps selbst, mache keine Werbung für irgendeine Firma, muss aber eben manchmal Ross und Reiter nennen, wenn ein Whisky unter einem Trademark wie Ben Bracken oder Glenalba eben bei genau einem Laden verkauft wird.
Bewertungen spiegeln meine persönliche Meinung wider und sind meine persönliche Einschätzung zum Dargebotenen. Sie sind subjektiv, gehässig und meistens unfair. Lebt damit oder sucht euch einen anderen safe space.
Auch mache ich hier keine Therapie für andere Menschen, sondern werte Dinge und Menschen und hin und wieder auch Gruppen (ab), mit denen ich interagiere(n) muss.

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