Ben Bracken ‚Speyside‘ (2017)

Und weiter gehts im Discountertasting mit dem ersten Single Malt aus dem dreistimmigen Einsteigerwhisky-Portfolio von Lidl, dem Ben Bracken’Speyside‘.
Ben Bracken Speyside (2017) Flasche
Im Gegensatz zum Glen Orchy 5 years hat man dem Ben Bracken Speyside, wie auch seinen Brüdern im Geiste -dem Highland und Islay- eine Papptube gegönnt, vermutlich um ihn vom ganz billigen Stoff etwas abzuheben.
Das Trio bekam unterschiedliche Tubenfarben verpasst, so dass man hopefully gleich sieht wozu man greift.
Der Speysider ist mit einer dunkelroten, Highland mit blau und Islay mit grün versehen worden.
Als Marketingclown hätte ich vermutlich Islay die Farbe blau und den Highlands grün zugeordnet, aber was weiß ich schon?

Destilliert, gereift und abgefüllt wurde der alterslose und somit vermutlich drei Jahre und einen Tag alte Whisky in Schottland, was – soweit ich die Regulatorien der SWA noch im Kopf habe, seit 2012 auch die einzige Möglichkeit ist damit man das Wort „Scotch“ vorne draufschreiben darf.
Es ist also redundanter Käse zum Blenden.
Um dem Käufer die Möglichkeit zu geben, bereits zu erahnen -wenn er ihn kauft-, was ihn letztlich trifft, so er später den Whisky im Schnabel hat, stehen auf der Tube vorne in englischer Zunge geschmackliche und schnufflige Eindrücke drauf, ausführlicher wirds dann sogar auf der Rückseite des Mondes.
Auf dem Etikett der Flasche hat man den Text dann für den typischen Lidlkäufer(Klischee, Klischee!) ins Deutsche übersetzt.

Abgefüllt wurde der Whisky -bei der vermutlich angestrebten Käuferschicht- wie nicht anders zu erwarten war mit 40% Alkohol und einer guten Schippe E150a – damit der kleine Racker schön orange im Dunkeln leuchtet und man sich auch als blöder Mensch vorstellen kann, er wäre länger im Fass gewesen.
Sinnfreie Aktion zwar, aber vermutlich nötig-ob fehlender Reifung und einer dadurch zu erwartenden Farblosigkeit- um dem Käufer farblich wenigstens ein Gefühl von Whisky anzubieten.
Alternativ könnte man dafür auch einfach grüne Flaschen nehmen. 😉
Meine Flaschen der drei Einsteiger Ben Bracken habe ich im Jahr 2017 für 17.99€ gekauft, was sie auch heute noch kosten.
Wie immer bei Handelsnamen -hier Ben Bracken- weiß man nicht, was drin ist. Was heute noch gut oder schlecht schmeckt kann morgen bei anderer Grundsubstanz, -destillerie, Fassreifung etc. schon genau das Gegenteil sein.
Oder um mal die gute alte Raumpatrouille Orion kurz abgeändert zu missbrauchen:Was heute noch wie ein Märchen klingt schmeckt, kann morgen [schon grausige] Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.“ 😀

Meckerkastenmodus on.
Mir ist der Sinn dieser Abfüllungen ehrlich gesagt nicht völlig klar.
So hat man mit dem Glen Orchy 5 years bereits einen guten Blended Malt im Programm der ziemlich genau die Hälfte kostet und der dem gemeinen Einsteiger genug bietet, warum sollte man sich also für einen alterscamouflierenden Single Malt entscheiden und dafür das doppelte bezahlen, falls man nicht eine deutliche Geschmacksteigerung bekommt?
Die Whisky-Cola Fraktion hält sich bereits schadlos mit Trademark-Blends und braucht keinen alterslosen Single Malt zum Pimpen ihres Zuckerwassers, zumal der dafür wichtige Teil: die alkoholischen Umdrehungen, als Hauptattribut des Wirkungstrinkens mit 40% eben auch nur am untersten Limit liegen.
Preislich konkurriert man also mit solch merkwürdigen Abfüllungen, wie einem Ardmore Legacy, einem Speyburn Bradan Orach oder meinetwegen auch noch einem Glen Moray peated, port, chardonnay oder 12wenn man ihn denn in Luxemburg an der Tanke für kleines Geld mit in den Tank kippt).
Dies sollte man stets im Hinterkopf behalten, denn selbst ‚die‘ typischen Einsteigerklassiker Glenfiddich 12 oder Glenlivet 12 kosten ja inzwischen um die 30€.
Der faire Vergleichsmaßstab ist also hier am deutlich untersten Ende des Marktes zu sehen und nicht bei den edelsten Vertretern der Zunft.

Und los geht die Luzie:
Im Glas muffelt der Ben Bracken Speyside NAS so, wie ich mir einen typischen Speysider vorstelle: leicht in der Nase, Zitrus-und Aprikosennote. Süß, lecker, malzig, frisch und clean mit einem Hauch Würze.
Der Anfang ist vielversprechend, aber leider kenne ich schon einige Speysider, die auch schön aufmachen und dann fade, flach und öde weitermachen…mal sehn…

Der erste Schluck im Mund ist anfangs schön weich, dann greift überraschend eine Holznote(?) ein und bringt leichten Nuss- oder Nougatnotengeschmack ins Spiel.
Trotz der schlappen 40% setzt fast zeitgleich Speichelfluss ein. Angenehme karamellige Süße im Mund, etwas Malz ebenso bei gleichzeitiger schwacher und nicht leckerer Bitternote(3 oder 4th. Fill Casks? Hier könnte denn auch einer der Gründe für die Zugabe von farbverändernden Substanzen liegen.)
Der Gesamteindruck des Ben Bracken Speyside im Mund ist allerdings primär wässrig und das gar nicht unangenehme seidige Element sitzt lediglich planlos obendrauf.
Oh weh! Da fehlts leider an vielen Stellen um das ganze stimmiger und komplexer zu machen, es bleibt ein erschreckend eindimensionales und freudloses Ergebnis.
Da ist in meinen Augen selbst der Glen Orchy 5 years ein stimmigeres Kaliber.

So schnell wie der Whiskys den Schlund runter ist, so schnell verschwinden auch die wenigen -durchaus angenehmen- Geschmackeindrücke im Mund; zurück bleibt ein bitteres Element(leider nicht cremiger Espresso oder ähnliches, schon gar nicht der auf dem Label genannte coffee latte), nur einfach schale Bitterkeit und deutliche, fast pfeffrige Wärme. Hier rächt sich eventuell fehlende Reifungszeit, der Ben Bracken wirkt etwas bissig und sprittig.

Schade! Die Nase gefiel mir sehr gut, der Geschmack war o.k., nixs dolles, aber o.k., leider reißt der Abgang so ziemlich alles im Weggehen mit dem Arsch ein.

Die Whiskybase hat hier was zum Ben Bracken Speyside (2017).

Wertung Single Malt
Ben Bracken Speyside (2017)

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Ben Bracken Speyside ist kein wirklich schlechter Whisky, man erahnt was sich der Zusammenmischer dabei gedacht haben könnte, einzig, es fehlt leider an vielen Stellen ein stimmiger Geschmackseindruck um daraus einen Whisky zu machen, der sowohl schmeckt und Spaß bringt.
Wer die oben im Text genannten Legacy, Bradan oder Glen Moray bereits im Glas hatte, kann sich hier auf ähnliches einstellen und wird wissen, was ich meine. Beim Ben Bracken ist es an mancher Stelle besser, dafür an anderer schlechter im Geschmack, insgesamt aber -wie bei den vorgenannten- leider kein rundes und befriedigendes Ergebnis für mich.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

5 Gedanken zu “Ben Bracken ‚Speyside‘ (2017)

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