Kinder haben keine Religion…

…es sind Eltern, die sie ihnen zufüttern.

Es ist tatsächlich manchmal ein Kreuz mit dem vorauseilenden Irrsinn bei Teilen der sich als liberal denkenden Journalisten und den Blätter in denen sie schreiben, spätestens und immer dann wenn es um vermeintlich kulturelles Anderssein oder gar Religion geht.
Statt sich mit durchaus nachvollziehbaren Verbot von Kinderkopftüchern auseinanderzusetzen, segelt man -oder im Fall der FR, Frau– lieber auf dem Ticket der konservativsten Auslegung einer Religion und deren Spaltzpilzfunktion für eine westliche und hoffentlich aufgeklärte Gesellschaft.

Statt sich mit der Forderung von Terres des Femmes und dem Gutachten zur Legalität eines Kopftuchverbots für Kinder unter 14 Jahren an deutschen Schulen auseinanderzusetzen, verurteilt man das Ansinnen lieber als ‚Irrweg der Populistinnen‘.
Kann man machen, ist aber ungefähr ähnlich treffsicher, wie weiland der Hoeness Uli beim verschossenen Elfmeter bei der EM 1976, in Belgrad.

Es scheint auch, Achtung Anekdote, dass sich besagte Frau Rüssmann lange nicht an Grundschulen im Rhein-Main Gebiet umgesehen hat, wenn sie behauptet: Dabei sind Kopftuchtragende Schülerinnen unter 14 ein Randphänomen, die Mehrheit auch der gläubigen Muslime hat damit nichts im Sinn.
Man sollte nicht immer nur auf absolute Zahlen gucken, sondern auch deutlich wahrnehmbare Tendenzen betrachten und die sind -zumindest hier im Kaff- sichtbar ansteigend und zunehmend.
Ich vermute mal, beim Kritisieren von rechten Gedankengut und potentiellen Gefahren für die freie und offene Gesellschaft klappt das mit der detaillierten Wahrnehmung noch, nur hier, beim patriarchalischen, zwanghaften und religiös induzierten Blödsinn hat sich Frau ein Stück Scheuklappe angeeignet, frau will ja keine islamophobe Rassistin sein.

Statt also klare Kante gegen das frühe Prägen von Kindern auf ein Kleidungsstück zu beziehen, dass eben gerade in Ländern in denen -egal welcher Form und Spielart des Islam herrscht- gerade nicht freiwillig getragen wird, geht man lieber den Weg des „wer das kritisiert oder gar verbieten will, ist mindestens ein Populist, wenn nicht gar ‚islamophob oder gar Rassist“-Gedankenspiel ein.

Es hilft dann auch nichts, darauf hinzuweisen, dass Religion keine Rasse ist, Rasse, als Kriterium in der Biologie sowieso nicht mehr als relevantes Kriterium in Bezug auf Menschen gilt, da wird dann alles zu einem Amalgam der Dummheit zusammengerührt, aber moralisch könnte es passen. *Seufz*
Und das schlimme daran ist, es wird auch noch aus guten Willen, aus Nachsicht und Empathie angerührt – einzig, wie man es dreht und wendet, es bleibt intellektuelle Wichse die letztlich nur die Stiefel derer poliert, die sie ins Genick der Frauen -im Namen irgendeiner eingebildeten Gottheit- stellen. Schade. Und auch weder frauen- noch allgemein menschenfreundlich.

Ich verstehe immer öfter jene, die darauf hinweisen, nicht das vermeintlich Fremde sollte normsetzend in einer aufnehmenden Gesellschaft sein, sondern das alteingesessene – zumindest dann, wenn es um Werte geht, die sich aus der Aufklärung ableiten lassen.

Es ist schon schlimm und absurd genug, dass an öffentlichen Schulen Kindern etwas vom ‚Schöpfer‘ erzählt wird, während bspw. die Evolution hoffen muss, überhaupt gelehrt zu werden.
Man kann auch immer wieder darauf hinweisen, dass Frauen in einigen islamisch beherrschten Ländern versuchen den dort staatlich etablierten Zwang zur Verschleierung abzulegen und man ihnen als westliche, linksliberale Bionadefrau durch seine vorauseilende Absolution vor Ort krass und brutal in den Rücken fällt; es wird dennoch nicht als legitime Kritik an religiösen Zwängen und patriarchalischen Herrschaftsformen wahrgenommen.

Vor kurzem gabs im Iran dazu Gefängnisstrafen von 16 und 23 Jahren für zwei Frauen die sich gegen den Kopftuchzwang engagiert haben.

Ich weise deswegen hiermit nochmal auf die Petition von Terres des Femme hin, das sogenannte ‚Kinderkopftuch‘ verbieten zu lassen und empfehle, wenn man denn etwas von Petitionen hält, dort zu zeichnen.

Was mich aber -und das ist bei dem Thema an sich schon der Tenor- tatsächlich traurig stimmt, ist der jämmerliche Zustand im Onlinebereich aktueller Medien, indem man mittels Kommentarsperren bei Artikeln die sich mit dieser Thematik beschäftigen, eine Diskussion unterbindet.

Klar, vermutlich übernehmen sonst Unmengen der irren rechten Spinner dort das Szepter, oder -was leider auch sein kann- man verweigert schlicht die Diskussion in Bereichen, die sich kritisch mit Themen auseinandersetzen, die die religiöse Deutungshoheit hinterfragen könnten, weil sie fälschlich als kulturell gleichwertig interpretiert wird, was aber definitiv nicht der Fall ist.
Religion und deren Handlungsvorgaben sind ein überkommener Versuch das unerklärliche zu erklären, Menschen im 21. Jahrhundert nehmen dazu Wissenschaft und freies Denken.
Wenn ich nun beginne solche Themen zu tabuisieren, indem ich Kritik nur dem Kommentator selbst zubillige, dann füttere ich die Verschwörungsidioten genauso, wie die daran angeflanschten rechten Xenophobiker, jene Narren, die immer und überall eine gegen sie gerichtete Aktion vermuten.
Und -das sei wenigstens nochmal klar gemacht- stütze durch meine Apologetik ebenfalls die konservativsten Teile einer reaktionären Ideologie die immer weiter ihre Gewaltform etabliert, verrate damit alle Muslime, die davon und dadurch immer öfter und stärker unter Druck der Extremisten geraten.

Fuckin‘ Appeasement vom Feinsten – vermutlich mit ähnlichem Erfolg wie der historischen Variante. Ich bin mal auf den tipping point gespannt und ob’s dann wieder keiner gewesen sein will.

Ihnen Ihr Blödbabbler, Hetzer gegen Kinderkopftücher!

6 Gedanken zu “Kinder haben keine Religion…

  1. „.. Ich verstehe immer öfter jene, die darauf hinweisen, nicht das vermeintlich Fremde sollte normsetzend in einer aufnehmenden Gesellschaft sein, sondern das alteingesessene – zumindest dann, wenn es um Werte geht, die sich aus der Aufklärung ableiten lassen ..“

    Das ist eine Grundannahme, die bedauerlicherweise in all den Diskussionen untergeht und zwar nicht so en passant, sondern gewollt. Insbesondere findet man das bei den Grünen und neuerdings – sehr bedauerlich – verstärkt bei der Linken.

    Nun bin ich bald so weit, dass ich eine eigene Partei gründen muss um meinen eigenen Appell zu befolgen, man solle wählen gehen ….

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    1. Hallo Herr wvs,
      ich muss gestehen, ich empfinde das Wählen inzwischen auch als deutlich schwieriger, als noch vor einiger Zeit.
      Ich kann mit der aktuellen Linie der Linken immer weniger anfangen, auch das Herausmobben von Frau Wagenknecht und der Trend zu einer open border und Befindlichkeitspartei stößt mich eher ab.

      Frau Wagenknechts Aussage im Interview:Die Linke muss klären, für wen sie in erster Linie Politik macht: Für die gut ausgebildete, gehobene Mittelschicht in den Metropolen oder für diejenigen, die um ihr bisschen Wohlstand immer härter kämpfen müssen? Wenn wir Menschen jenseits des hippen Großstadtmilieus erreichen wollen, müssen wir ihre Sicht der Dinge ernst nehmen, statt sie zu belehren, wie sie zu reden und zu denken haben., trifft die Problematik recht gut. Linke Politik ist nicht primär Politik um Sprache, Gendersternchen und safe spaces, sondern sollte sich an einer ökonomischen Kritik der bestehenden Verhältnisse ausrichten.
      Alles andere ist politisches Reiki, esoterischer Humbug feinster Güte.
      Falls man sich fragt, was eventuell schief läuft, kann man hier mal einen Blick riskieren – ich erbreche mich bereits kurz nach dem Update.

      Machen sie doch mal eine Partei auf, vielleicht wähle ich dann ja wieder lieber. 😉

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      1. Wenn ich nicht schon ein alter Knochen wäre …. würde ich glatt den ÖKOfreak geben und in diese Dreier WG einziehen …. so nah kommt man sonst nicht an drei schnuckelige Mädels ran ….

        Ernsthaft:
        Das Mail-Abo von Frau Wagenknecht habe ich am letzten Sonntag abgemeldet. Nicht wegen Fr. W.’s Einlassungen und Argumenten, sondern weil sie es nicht mehr schaffen wird die Parteilinie gerade zu biegen. Ich an ihrer Stelle würde dicht machen und den Rest wurschteln lassen. Verorgt ist sie doch bestimmt.
        Die Zeichen stehen sowieso auf *Sturm*, weltweit, im übertragenen Sinne. Auch wenn der Kriegstreiber Bolton jetzt weg ist – es stehen genug andere Schlange …. und wie es danach aussieht?

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      2. Ihnen ist aber wohl bewusst, dass alleine das von Ihnen gewählte Wort „schnuckelig“ in Verbindung mit „Mädel“ bei dieser Sorte Mitmensch inzwischen bereits ausreicht um sie sexueller Übergriffigkeit, wenn nicht schlimmerem zu bezichtigen. Und als alter weißer Mann als Adressat endet das dann in Anklagen und Wehklagen, will man nicht wirklich haben. 😉

        Ich bin mal gespannt, Frau Wagenknecht war ja für die meiste liberale Presse ein rotes Tuch, ich denke da an die anklagende Form mit der Markus Decker in der FR seine Ideologie da gerne angebracht hat, von daher vermute ich, sie war gefährlich für diese Klientel. Nachdem jetzt die ‚linken Identitären‘ ihre Linie als Konsens durchgebracht haben, steht einem weiteren Abstieg der Partei „Die Linke“ durch die Enttäuschung vieler Anhänger einer echten linken Partei nichts mehr im Wege. Wer kulturelles Relativieren und Religion ernsthaft als links verkaufen will, der will als dumm verkaufen und das klappt immer nur eine bestimmte Zeit. Diese Zeit ist für die Linke vorbei.
        Vielleicht könnte man sich mit der SPD zusammentun und sich neu als SED/Sektion West formieren, damit es wenigsten nicht mit der 5% Hürde schief geht und beide in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

        Ich bin auch mal gespannt wie es weitergeht.
        Momentan scheinen die Kampflinien global ja zwischen Autoritären und Liberalen zu verlaufen, wobei die Autoritären im Trend liegen.

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    1. Ich komme da ja von der alten Schule her, die Änderungen in der Herrschaftsform mit Veränderungen im Kräfteverhältnis der Klassen untereinander und innerhalb verlotet. Es ist ja in der Geschichte nicht neu, dass sich in sogenannten ‚unsicheren‘ Zeiten starke Männer mit autoritärem Herrschaftsapparat an der Spitze von Staaten finden lassen, Bonapartismus wäre hier ein Stichwort, in brutalster Form Faschismus.
      Wenn wir uns angucken, was sich momentan als Krise des Kapitalismus abzeichnet und sich bspw. in Kritik am Mantra des „Ewigen Wachstums“ in der Klimadebatte wiederfindet, so stehen dramatische Änderungen für Akkumulationsstrategien der Kapitalisten an. Wir stehen vor der Aufgabe, das gesamte System das auf Ausbeutung beruht, global, individuell so zu ändern, dass der Planet im 6. Massensterben vielleicht noch innehält.
      Unsichere Zeiten erfordern zur Sicherung der Produktionssphäre diktatorische und repressive Mittel, zumindest war das in der Vergangenheit so. Das geht auch für eine kurze Zeit meist gut, dann wird gewöhnlich alles schlechter – mal abwarten wie lange die Chinesen mit ihrer Art der kapitalistischen Produktion und der autoritären Herrschaftsform noch erfolgreich sein werden. Vielleicht ist das ja die Blaupause für die Zukunft. Gewöhnlich geht aber mit steigendem Wohlstand der Wille nach politischer Partizipation und mehr Freiheiten einher, wodurch früher oder später Unruhe und Aufruhr, schlicht Klassenkämpfe sichtbar werden. Allerdings haben wir inzwischen dank des technischen Fortschritts (und des menschlichen Rückschritts in Sachen Freiheit) mit digitalen Medien dramatische Tools der externen Überwachung sowie des verinnerlichten Selbstzwangs etabliert gesehen, der Hang zum Totalitären scheint da tendenziell weiter zu steigen, was es historisch neu macht.
      Bonapartismus, Protofaschismus und Faschismus haben wir noch nicht in Deutschland an der Macht.
      Immerhin, ganz so weit sind wir noch nicht; zum einen ist die Arbeiterklasse als historisches Subjekt in Europa nahezu inexistent, deren organisierten Reste zu schwach um eine Bedrohung fürs Kapital darzustellen, so dass man dort den Schulterschluss mit der terroristischen Rechten noch nicht sucht -zum anderen erwachen tatsächlich einige Liberale(damit meine ich nicht die FDP, sondern Liberale, als sich den Idealen der Aufklärung und einer freien Gesellschaft verpflichteten Menschen) und verteidigen die Errungenschaften der Freiheit.
      Ich denke der Kampf ist noch nicht entschieden und muss entschieden gegen jene geführt werden, die Freiheit abschaffen wollen, egal ob auf der ’neuen‘ Linken oder der klassischen Rechten.

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