Qualitätsjournalismus reloaded

Ich überlege immer mal wieder, ob man einer Sache wirklich dienlich ist, wenn man sie im Sinne einer Ideologie marktschreierisch darbietet und glaube inzwischen: Eher nicht!
Ein Artikel der sich mit der hohen Mordrate in Südafrika beschäftigt, titelt mit Rohe Gewalt am Kap
„Femizid in Südafrika: Alle drei Stunden wird eine Frau getötet(FR)„.

Und das ist erschreckend, schlimm und ganz furchtbar, ohne Frage und Relativierung.

Wenn ich aber dann den Beitrag komplett lese und dort zwischen den ganzen Widerlichkeiten, die man Frauen in Südafrika antut, lesen muss:
Mit mehr als 20 000 Morden wird hier Jahr für Jahr die Bevölkerung einer Kleinstadt ausradiert. Die meisten Ermordeten sind übrigens Männer, „nur“ jedes fünfte Opfer ist eine Frau, frage ich mich natürlich, ob ich die Fragestellung nur nicht verstanden habe – oder ob da stattdessen eine Agenda sprachlich, emotional und moralisch bedient wird, die die Leserschaft der Frankfurter Rundschau so lesen will von ihrer Zeitung.
80% der Todesopfer in Südafrika sind also Männer und man titelt stattdessen „Femizid in Südafrika“? Ernsthaft?
Insgesamt führt man, auch dies wohl gängige Lesart inzwischen in den Zirkel der Erleuchteten, die aktuellen Probleme auf wenige Punkte zurück, bei denen der wichtigste wohl lautet: „Jahrhundertelang führten die europäischen Siedler unzählige Kriege gegen die einheimische Bevölkerung – als deren Widerstand gebrochen war, schrieben sie das Unrecht in den Rassentrennungsgesetzen fest, die sie wiederum gewaltsam durchsetzen ließen.[…] (ebenda)“

Ich fürchte mit solchen Erklärungsansätzen ist analytisch ähnlich viel zu gewinnen, wie mit einer rassistischen Begründung, nämlich kein Blumentopf.

Ihnen Ihr Blödbabbler

9 Gedanken zu “Qualitätsjournalismus reloaded

  1. „Frue*er“™ war es so:
    Es fand eine Darstellung der Ursachen für die aktuell hohe Zahl der Morde statt, fein aufgedrieselt und mit Statistik belegt. Heute reicht es ganz wenig tatsächliche Information und ganz viel Pseudowissen hinzuschreiben, weil die meisten Lesenden es von facebook & Co nicht anders gewohnt sind und so recht neugierig auf das, was dahinter stecken könnte schon erst recht nicht …. das stört beim *chillen*.

    Ich hatte ja schon zuvor die Frage gestellt (und erinnere nicht mehr was die Antwort war):
    Warum tun Sie sich das immer noch an und bezahlen den Schrott?

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    1. Ich habe noch den verlinkten Artikel gelesen und da war mein Kommentar wohl etwas voreilig.

      Es wurden dort schon Gründe angegeben, warum die Mordrate in Südafrika so hoch ist:
      *Zitat*
      – Südafrika sei auf einer „Kultur der Gewalt“ gegründet.

      – Die Polizei, der eine Mehrheit der Bevölkerung schon zu Apartheidzeiten nicht vertrauen konnte, scheint angesichts der Verbrechensflut aufgegeben und sich auf das Eintreiben von Schmiergeldern verlegt zu haben.

      – Die Aussicht, niemals bestraft zu werden, sei neben den geschichtlichen und sozialen Ursachen der dritte wichtige Grund für die zum Himmel schreiende Verbrechensrate
      */Zitat*

      Was bleibt ist natürlich die irreführende Überschrift wenn die Relation Männer:Frauen sich wie 80:20 verhält – wobei der Typus der Verbrechen wohl durchaus verschieden zu sein scheint.

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      1. Das habe ich ja auch nicht abgestritten; lediglich beginnt die Argumentationskette eben mal wieder beim weißen Mann, der damals…also vor Jahrhunderten… die Grundlage für heutige Gewalt gelegt hat, dies halte ich weiterhin nicht für eine zielführende Analyse um aktuelle Handlungsweisen zu erklären. Das taugt aus meiner Sicht nur zu einer pauschalen Schuldzuweisung.

        Ebenso finde ich die Begrifflichkeit „Kultur der Gewalt“ fragwürdig, was ist das? Wie leitet die sich ab, warum kann man da nichts gegen tun?
        Massive ökonomische Ungleichheit und Armut wird erwähnt,.
        Da das Problem des Femizids jedoch auch beim weißen Bevölkerungsanteil ausfindig gemacht -der, so lehne ich mich mal aus dem Fenster, vermutlich deutlich besser gestellt sein dürfte, als die Majorität der Schwarzen, stellt sich hier die Frage, woran es noch liegen könnte. Religion? Wir haben 80% Christen im Land, wenn nicht mal das Gewalt Einhalt gebieten kann, weiß ich auch nicht, angeblich kommt doch eine gesunde und moralische Gesellschaft nur dank Religion zustande. 😉
        Wir haben wohl ein ineffizientes und dennoch /relativ) teures Bildungssystem, dass- wie eigentlich in fast allen Ländern dieser Erde- Kinder von finanziell schlechter gestellten vulgo armen und / oder ungebildeten Menschen weiter von den anderen entfernt, statt den Graben zu verringern. Nun ist aber die Mordrate nicht in jedem Land deswegen so hoch, wie in Südafrika im Allgemeinen oder Kapstadt im Besonderen.
        Wenn man sich allerdings bspw. Länder wie Venezuela oder auch noch Brasilien anschaut, dann stellt man fest, dass diese zum Teil fast doppelt so hohe Mordraten haben, oder nahezu gleiche wie Südafrika. All diesen Ländern ist gemein, dass es extreme Ungleichheit gibt, was ja auch Johannes Dieterich anführt. In Bezug auf den Femizid würde ich ja noch archaische, patriarchale Denkmuster vermuten, ob man dies allerdings aussprechen kann ohne sich direkt als Rassist zu outen, weiß ich nicht. Deswegen zitiere ich mal Nina Hagen aus African Reggae:Was soll ich denn aber in Africa als Frau, als Frau
        Wenn der schwarze Mann die schwarze Frau kastriert
        …und daran hat sich scheinbar nicht viel geändert seit 1980.
        Nebenbei sei auch auf die gewählten Idioten an der Spitze des Landes verwiesen, die mit ihrem Leugnen des HI Virus katastrophalen Schaden fürs Land generiert haben, vielleicht sollte man da mal die alten, schwarzen Männer als Problem ausdeuten…oder die mörderische Ex-Frau von Mandela, die Killer Winnie. Oder man fragt sich halt doch, wie man eine Gesellschaft insgesamt weniger ungleich bekommt und erntet dann die Früchte einer nachlassenden Gewaltbereitschaft und weniger Fremdenhass und Mord und Totschlag. Das gilt für Südafrika genauso wie für Deutschland.

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    2. Hallo Herr wvs, zuerst eine Antwort zu ihrer letzten Frage.
      Ich schrieb hier mal kurz was als Einleitung dazu, die Gründe haben sich seit damals nicht verändert. Ich erinnere mich auch noch an ihre Frage, finde aber meine Antwort dazu nicht mehr…vermutlich klangen sie ähnlich wie:Heute im Lokalteil der FR, der Aufmacher, Lehrer gesteht Sex mit Mädchen von Stefan Behr, dem -unter anderem- genialen Gerichtsreporter der FR. Neben Stephan Hebel einer der beiden guten Gründe die Rundschau noch zu lesen..
      Ich würde dem Journalisten „Johannes Dieterich“ nun nicht gerade unterstellen wollen, er habe von seiner Umgebung keine Ahnung, lebt und arbeitet der gute Mann doch schon seit Jahrzehnten in Johannesburg. Ich fürchte vielmehr, dass die heutige Sicht, in der wenigstens einmal das Ganze aus der Sicht der Frau, immer als Opfer gedacht, zu formulieren ist, kam ihm in die Quere – vermutlich gibts dazu von Bascha Mika eine Direktive die die Rundschau auf diese Linie bürstet. 😉

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  2. Das erinnert an die seinerzeitigen, gleichermaßen flachsinnigen Schlagzeilen über »In Österreich gibt es die meisten weiblichen Mordopfer« [siehe ►]
    De facto ist also der Anteil an ermordeten Frauen gegenüber Männern in Südafrika mit 20% niedriger als in sämtlichen europäischen Ländern, und müsste die FR-Schlagzeile vielmehr lauten „Femizid in Europa“:

    (oder, vice versa: „In Südafrika gibt es die wenigsten weiblichen Mordopfer“)

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    1. Hallo Herr nömix, wenn’s um die reinen Zahlen geht sicherlich; Danke für die Grafik und den Link zu ihrem Beispiel anno 2018. 🙂

      Ich bin aber eben beim Googlen noch auf einen anderen Sachverhalt gestoßen, der sich mit der Begrifflichkeit „Femizid“ näher befasst.
      Demnach ist ein Femizid [d]ie vorsätzliche Tötung einer Frau aufgrund eines angeblichen Verstoßes gegen die Rollenvorstellungen von Männern und Frauen, die sich aus Traditionen und sozialen Normen ergeben. Das grenzüberschreitende Verhalten hängt demnach vom sozialen Umfeld ab, in dem das Verbrechen stattfindet(da stehts).. Es geht also zumindest vordergründig bei der Überschrift nicht nur um Mord -und Totschlag allgemein, sondern um den verengten Begriff auf …sagen wir mal sowas wie den sogenannten „Ehrenmord“ oder die sprachlich verharmlosende ‚Beziehungstat‘.
      Das scheint mir aber im Artikel -oder ist ohne genauere Daten schwer nachzuvollziehen- gerade nicht der Falls zu sein(außer beim Beispiel des Ex-Freundes, wo man es annehmen könnte). Wenn es aber um eine Aufzählung von Frauen als (Mord-) Opfer geht, könnte man tatsächlich nachfragen: „Ist nicht jeder Mord“ gleich zu sühnen, spielt das Geschlecht tatsächlich die primäre Funktion dabei?
      Nach den Zahlen eindeutig ist, die Täter sind in überwältigender Zahl Männer, meistens junge Männer, (telepolis) die Opfer in überwältigender Zahl Männer und dann -mit deutlichem Abstand- Frauen.
      Was folgt daraus?
      Rechtfertigt es die Begrifflichkeit „Femizid“, dessen Anlehnung an den Genozid ja sprach-ideologisch wohl nicht von ungefähr kommt, um einen Sachverhalt noch stärker zu akzentuieren und zu dramatisieren, im von der Definition losgelösten Bereich zu benutzen?
      Oder lenkt genau dieses Vorgehen nicht gerade ab vom allgemeinen Problem der Gewaltausübung in Gesellschaften, wenn man es denn ’nur‘ auf diese Thematik verengt?
      Letztlich ging‘s mir mit dem Beitrag nur um die Diskrepanz zwischen der Artikelüberschrift, die sich meiner Betrachtung -und wie ich den Eindruck habe, auch einiger Kommentatoren nach- eben nicht sauber in Deckung zum Inhalt bringen lässt. Ich werde aber zukünftig ein wachsames Auge auf die Statistiken haben, versprochen. 😉

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