‚A Speyside Distillery 1977 (WD)‘

Der heutig präsentierte Whisky ist der teuerste, den ich mir bisher gekauft habe -und das hatte einen speziellen und traurigen Grund.

Eine gute und langjährige Freundin von mir -Wegbegleiterin über 35 Jahre- verstarb innerhalb von einem sehr kurzen Zeitraum an den Folgen einer erneuten Krebserkrankung; es blieb nicht mal mehr genug Zeit sich zu verabschieden.
Da sie gut wusste, dass ich dem edlen Tropfen nicht abgeneigt bin, aber zu geizig vernünftig bin, für Alkohol dreistellige Beträge auszugeben…Leute, hallo, es bleibt Schnaps…selbst wenn der älter und fassgelagert wurde, bedachte sie mich mit einem kleinen Auftrag in ihrem Testament.


Doch kurz noch was zu Alkohol und Preisen:
Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund dafür 100€ aufwärts bezahlen zu müssen, außer, dass der ominöse Markt auf Spekulanten und gesteigerte Nachfrage in zwei Formen reagiert hat.
Einerseits kommt immer mehr maximal durchschnittlicher Whisky auf den Markt, zu Preisen, die einem die Tränen fürs dargebotene in die Augen treiben… meist jedoch vor Lachen.
Die alten -und seltenen- Abfüllungen hingegen verstauben gerne als Geldanlage getarnt bei irgendwelchen Hedgefonds oder Privatiers im dunklen Kämmerlein, vulgo Lagerhalle und treiben die Preise weiter hoch, da sie des Trinkers Zirkulationssphäre verlassen haben und sich vollständig von ihrem Gebrauchswert entfremdet haben.
Ist mir aber egal, zwingt einen ja noch keiner sich am Rennen um das dickste Portemonnaie für den dünnsten Fusel zu beteiligen, Lemminge sind schon immer abgestürzt.


Nicht egal war mir hingegen, dass besagte Freundin mir einen dreistelligen Betrag hinterließ, mit der Auflage, davon eine teure Flasche Whisky zu kaufen, eine, die ich mir sonst nie kaufen würde und an ihrem Geburtstag((und meinem – wir sind beide am gleichen Tag geborene) mit einem Glas auf sie anzustoßen – woran ich mich bis heute gehalten habe.

Nun leidet Whisky noch nicht stark, aber ein wenig doch schon, wenn er über einen längeren Zeitraum eröffnet ist, sodass ich das Spiel nicht beliebig oft in der Zukunft noch tun werden kann – zumindest nicht, ohne dass der Whisky deutlich an Aroma und Geschmack verliert.
Und ich mag auch nicht mit Plastikfolien und Gasen anfangen…hatte ich erwähnt…ist nur Alkohol. 😉
Nun habe ich jedoch – außer der Reihe- zu einem profanen, dennoch -für den geneigten Eintracht Frankfurt Fan- wichtigen Ereignis mit einem feinen Gläschen des besagten Whiskys gefeiert; Micha hätte das sicherlich-obwohl Kickers Offenbach Fan 😯 – gutgeheißen.

'A Speyside Distillery 1977 (WD) FlascheNun genug der Vorrede und ab in medias res.

Der Whisky ist ein Single Malt Whisky, genauer sogar eine Single Cask Abfüllung, dessen Destillerie unbekannt bleibt und der zu den Eigenabfüllungen von Whisky-Doris zählt und auch eben dort gekauft wurde.
So kündet das Frontetikett, auf dem ein Aquarell von Horst Mantheé mit dem Old Leanach Farmhouse abgebildet ist, lediglich:“Distilled 1977 at a Speyside Distillery“, die Rückseite nennt 10/1977 als Datum der Destillation und 12/2015 als Monat der Abfüllung.
Der Whisky reifte in einem Sherry Butt mit der Nummer 25 und hatte -als man ihn auf Flasche zog- angenehme 47% Vol. Alkohol.
Es wurden aus dem Fass 578(auf der Webseite von Whisky-Doris im Archiv steht noch 577!) Flaschen abgefüllt, meine Flaschennummer behalte ich für mich. 😛
Der damalige Preis belief sich auf 280€, der Whisky ist leider nicht mehr erhältlich.
Vorweg, man sollte diesem Whisky, darauf wurde auf der Webseite damals auch hingewiesen, ein gutes Maß Zeit im Glas geben damit er es sich auch richtig gemütlich machen kann.
Aus der Buddel direkt in den Rachen ist, neben der Höhe des Preises auch geschmacklich nicht sinnvoll – wie bei den meisten Whiskys – dies nur nebenbei bemerkt.
Es gibt da irgendwo die Empfehlung: Eine Minute im Glas pro Jahr im Fass…oder so ähnlich.
Wie man dies dann mit einem fucking NAS Whisky, als No Age Statement nicht Network Attached Storage hält…who knows?
Also, ich habe den „A Speyside Distillery 1977“ definitiv bisher keine 38 Minuten ruhen lassen, eher so was um die 20-25, aber das ist -denke ich- auch akzeptabel. Vielleicht entwickle ich mal die Geduld fast 40 Minuten vor einem Glas zu sitzen und nur zu schnuffeln, bisher ist es mir noch nicht gelungen…shame on me!

Im Glas, wie auch in der Flasche zeigt sich ein schöner, dunkler Whisky der ungefärbt(also kein E150a, aber schon Farbe ausm Fass, logo!) und nicht kühlgefiltert auf seinen Lebenszweck wartet.
Die Nase ist dunkel wie meine Seele, süß und schwer und insgesamt ‚rund‘ in meiner Wahrnehmung.
Es muffelt nach Schokoladenpralinen mit Rosinenmatsch, aber, auch überraschend frisch für 38 Jahre in einem dunklen Fass.
Durch Wasserbeigabe bekommt er eine schmutzige Note, geht in Richtung Fabrikboden mit Zitrusfruchtaroma eins Spülmittels.
Ohne Wasser gefällts mir deutlich besser, da ist die Nase für mich glatt 5 Fässer wert, appetitanregend und süffig – verheißt Spaß.

Im Mund ist er adstringierend, trocken und etwas fettig. Dunkle Schokolade, cremig und süß mit Rosinen…aber, ich hab‘ da ganz wenig und ganz weit hinten auch eine Ahnung von Schwefel der Marke Sylvesterkracher…stört aber nicht und macht auch nichts kaputt, was ja leider nicht immer der Fall ist. Das Mundgefühl ist voll, etwas pfeffrig kommt der alte Geselle daher und auch vom Fassmuff bleibt man nicht ganz verschont(Glenfarclas nicht unähnlich, da habe ich den Muff in bisher jeder Abfüllung gehabt).

Beim Abgang ist die dominante Note Espressobitterkeit, die hält sich auch etwas länger auf der Zunge…da merkt man dann das Alter und das Fass.

Vorweg, ich mag die Eigenabfüllungen von Whisky-Doris.
Ich mochte die Christmas Malts, obwohl es dort durchaus spürbar schwefelte, und auch einiges aus der Nose Art Reihe schmeckte mir – da war bisher keiner dabei, der nicht gut bis sehr gut war.
Nun also der „A Speyside Distillery 1977“.
Ich finde den sehr gelungen und er schmeckt auch prima…und da ich damit ja quasi einen letzten Willen umsetze, finde ich den für den mir wichtigen Anlass sehr gut geeignet.
Ob mir der Whisky allerdings 280€ wert wäre? Definitiv nein, sorry.
Nicht falsch verstehen, der Whisky bekommt von mir satte 5 Fässer, der ist deutlich besser als der Durchschnitt, den man gewöhnlich kauft (und meist auch teuer bezahlt), aber mein persönliches PLV passt trotzdem nicht, man bekommt ja leider fürs hohe Alter nicht unbedingt (und immer)ein mehr an Geschmacksexplosion oder mehr Aroma.
Wenn man sich das klar gemacht hat, wird man vermutlich eher wieder in den Bereich der guten 20-28 jährigen Whiskys übersiedeln – zumindest wenn man keinen Dukatenscheißer sein eigen nennen kann, oder aber man erfreut sich an der Masse an guten Abfüllungen bis 18 Jahre für den kleineren Geldbeutel. Das ist weder ehrenrührig, noch dumm oder ‚anfängerhaft‘ – Geschmäcker sind verschieden und nicht alles was weniger kostet ist automatisch deswegen schlechter. Als Stichwörter seien hier mal Ardbeg Ten, Laphroaig Q.C. oder auch der klassische Lagavulin16 in die Runde geworfen .
Ich habe noch Whiskys hier stehen -und auch bereits getrunken- die waren mit 25 Jahren oder auch 24 für unter Hundert € noch vor 2 Jahren zu haben – so bekam man die grandiose Glenscoma Eigenabfüllung bei Scoma Ben Nevis 1990 bspw. für ‚nur‘ 89€.
Ja, ich weiß der Vergleich hinkt…hier 38Jahre Sherryfass, dort 24 Jahre Bourbonfass, aber was ich damit sagen möchte, ist einfach, es muss nicht immer ein Schielen nach dem Alter sein, oftmals bezahlt man dann einfach deutlich mehr, als es einem mehr an Geschmack zuträglich ist – andere Mütter haben eben auch hin-und wieder jüngere und hübschere Töchter…hüstel.

Die Whiskybase hat hier was zum A Speyside Distillery 1977 (WD).

Wertung Single Malt Whisky
A Speyside Distillery 1977 (WD)
Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der ‚A Speyside Distillery 1977 (WD)‘ ist ein wunderbarer, sehr alter Sherrywhisky, der Spaß macht und denn man entsprechend zelebrieren sollte; mal eben zum Tatort gucken ist da definitiv nicht das richtige Umfeld für. 😉 Was bleibt ist ein damals bereits hoher Preis für Alkohol, wer da ohne mit der Wimpern zu zucken und ohne Kreditaufnahme mit zurechtkommt, der bekommt einen gut gereiften oldfashioned Whisky aus dem Einzelfass mit ansprechendem Geschmack.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

P.S. Neuerdings muss man ja dazuschreiben, dass man sich den Schnaps selbst gekauft hat, keine Werbung betreibt und auch sonst eben kein fucking Influencer oder Marketingfuzzi ist oder von den im Beitrag genannten Shops bestochen wurde…dies sei hiermit getan.
Nebenbei bemerkt: Ihr macht das Internet immer arschiger und kaputter…:-( !

4 Gedanken zu “‚A Speyside Distillery 1977 (WD)‘

  1. Es ist ein Vernügen, diesen Bericht zu lesen, auch wenn der Anlass eigentlich ein trauriger ist. Ich pflege aber zu sagen: solange man sich an jemanden erinnert, ist er nicht wirklich tot. (Der letzte Anlass für den Spruch war der Tod von Paul Badura-Skoda, einem berühmten österreichischen Pianisten.)
    Das Vergnügen besteht darin, dass die Geschmackskomponenten wunderschön beschrieben sind.

    Ich selbst habe nur einmal die Begegnung mit einem Casket Strength Single Malt zu haben.
    Das war der:
    Aberlour a’bunadh Batch 19, (Handetikett war 59,9%) Hat mich damals 60 € gekostet, es muss vor 2007 gewesen sein, denn 2007 habe ich das Autofahren aufgegeben und ich habe den Whisky bei Interspar im Shopping Center gekauft und dort kam ich nur mit dem Auto hin.
    Ich habe ihn noch, ungefähr die halbe Flasche ist noch vorhanden. Denn auch Freunde bekommen ihn nur tropfenweise zum Verkosten.
    Ich habe mir angewöhnt, zu besonderen Gelegenheiten, ein paar Tropfen auf der Zunge zergehen zu lassen. Ich schmecke Natur pur, irgendein Wald in den österreichischen Alpen, Nadeln die zum Boden gerieselt sind. Ich liege auf einer Decke und schnüffle den Waldboden.
    Ich habe ihn auch schon einmal verdünnt, aber ich habe es als Sakrileg empfunden. Für mich ist dieser Whisky wie eine Droge 🙂
    Nachdem ich das fertig geschrieben habe, werde ich mir noch 5 Tropfen gönnen. Es braucht nicht mehr, um das Aroma auszukosten. Und saufen darf ich jetzt eh nicht, weil ich am Samstag ein Konzert gebe.

    Aber Ihr Beitrag hat wunderbare Assoziationen geweckt. Danke!

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    1. Hallo Herr steppenhund, gerne und danke für die Blumen. 🙂

      Ja, mit dem Aberlour A’bunadh macht man fast nie was falsch, hohe Qualität in Fassstärke; Batch #19 von 2007 liegt bei sehr guten 88,x/100 Punkten in der Whiskybase, ein deutliches Zeichen für einen gelungenen Genuss -zumindest bei aktuell 63 Stimmen. Eben mir erschrecken gesehen, das ich gar keinen bisher besprochen habe hier im Blog. 😯
      Zumindest Batch #38 & #48 habe ich geleert und #50 steht noch verschlossen im Regel und harrt seiner Bestimmung.
      50+% Alkohol sollte man auch nur tröpfchenweise auf die Zunge lassen, sonst ist die zügig sediert und man verliert den Geschmackssinn für eine Weile…wobei ich gestehen muss, einige trinke ich auch tatsächlich in voller Drehzahl, weil nicht jedem Wasser gleich gut tut.
      Was ich beim Aberlour A’bunadh gut finde ist, der kostete anno 2007 um die 50€ heute bekommt man die neueren immer noch zwischen 50 und 60 €, was -ja, ja, ohne Alter – zwar ’ne Menge Geld ist, aber man bekommt eben dafür auch was handfestes(Fassstärke) und leckeres.
      Nicht jede ‚Reihe‘ liefert so ordentlich ab, wie es eine meiner Lieblingsdestillen aus „Aberlour“ tut.

      Saufen und Klavierspiel kann gut gehen, dann aber bei solcher Musik, wie sie bspw. Tom Waits anlieferte, muss aber nicht – deswegen: weise Entscheidung. 😀

      Gefällt 1 Person

  2. Noch ein Kommentar: ich bin ja offensichtlich ganz beduselt, um unvollständige Sätze zu schreiben. Ich bitte, den einen vollkommen verwortakelten Nebensatz zu entschuldigen.
    Ich habe mich an den Whisky gemacht, habe allerdings zuerst einmal vollkommen daneben gefasst und bin bei einem Aberfeldy (12 Jajhre) gelandet. Ähnliche Flaschenform.Den Irrtum habe ich erst bemerkt, als er mir so besonders mild vorgekommen ist. Als ich ihn zurückgestellt habe, habe ich erst bemerkt, dass ich die falsche Flasche erwischt hatte.
    Auch meine Bezeichnung war falsch. Es ist ein Aberlour a*bunadh, bath 19, 59,9%. Der ist schon etwas stärker Interessanterweise habe ich mir die Zahlen gemerkt.
    So jetzt genehmige ich mir weitere fünf Tropfen. Die Landschaft, die ich schmecke, ist aber nicht Schottland sondern das Gailtal in Kärnten.
    Und jetzt setze ich mich ans Klavier und spiele Bach, Schubert und Beethoven.Das Leben ist nicht so schlecht…

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