Konsequent?

Eine erheiternde und repräsentative Umfrage zum Thema „Black Friday und Weihnachtsgeschäft:So shoppen die Deutschen im Netz“ gabs vom Branchenverband bitcom.

Der Tenor lautet, ich finde Umwelt voll wichtig, aber entscheide mich doch gerne fürs bewusste Zurückschicken von -zu meiner bequemen Auswahl- bestelltem Zeug, gerne Klamotten oder Latschen, bemängele aber den Verpackungsmüll.
62% denken, dass der innerstädtische Handel vom Onlinehandel gekillt wird – entscheiden aber zu 81%, dass der Preis das wichtige Kriterium ist und kaufen nicht in der Innenstadt. 😀
Klingt für mich in weiten Teilen nach einer wasch-mich-aber-mach-mir-den-Pelz-nicht-nass Dysfunktionalität.
Deswegen irritiert es mich auch nicht, dass sich Frauen dabei geringfügig vor den Männern befinden. 😛
So ähnlich wie es mich inzwischen auch nicht mehr irritiert, wenn bspw. Abiturienten nach dem Schulabschluss zwar keine Ahnung haben, was sie mal machen wollen…am besten was mit Medien!…und das Klima schützen…aber dann fast alle -Scheiß-mal-auf-Mama-Erde unbedingt zum Ausspannen nach Australien fliegen wollen… wenn das die kleine Greta wüsste!

Ich gebe einfach mal zu: Ich bin ein Fan vom Internet und seinen Möglichkeiten dort einzukaufen.
Entgegenkommt mir dabei: Ich mag die meisten Menschen nicht, Versicherungsvertreter und Verkäufertypen sind mir die veritable Hölle auf Erden…und nebenbei, wann gabs den letzten Verkäufer, der zu einem Produkt mehr zu sagen hatte, als das, was ich als mündiger Konsument schon wusste bzw. was auf der Verpackung stand?
Also zumindest in Waren-und Kaufhäuser scheint mir diese Spezies schon lange ausgestorben.
Apropos Kaufhäuser – wann hat es denn begonnen, dass man mit Kaufhäusern und deren Betreibern Mitleid zu haben hat?
Kaufhäuser haben doch den florierenden kleinen Einzelhandel in der Geschichte gekillt, eben weil sie billiger(in großen Mengen) einkaufen, verkaufen und ein breites Sortiment anbieten konnten oder sich häufig über Warengruppen quersubventionierten, was der Kleinkrämer um die Ecke eben nicht konnte – wer erinnert sich noch an die Tante Emma Läden seiner Kindheit?

Und diese Entwicklung ist ja -zumindest wenn man die (finanzielle) Existenz des Kleinkrämers ausblendet- ja eine positive.
Es gab mehr, häufig bessere Auswahl und in der Anfangszeit auch kompetente Verkäufer(eventuell der vorherige Kleinkrämer?).

Nun beschlossen die intellektuellen Größen um Baader und die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin schon zu Ende der 60er Jahre, Kaufhäuser anzuzünden um -auch damals schon fleißiges Relativieren von Zusammenhängen in der Linken- auf brennende Menschen in Vietnam hinzuweisen.
In Analogie zum guten, alten Brecht, der einst fragte:„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“, formulierte Fritz Teufel stattdessen: Es ist immer noch besser, ein Warenhaus anzuzünden, als ein Warenhaus zu betreiben.. Tja, was war das? Antimodernes Denken, verfehlte Marxlektüre oder doch nur der Versuch statt zu arbeiten lieber ein witziges Bonmot abzusondern?
Egal, Warenhäuser waren ein wichtiger Schritt bei der konsequenten Allokation von Waren hin zu den Konsumenten.
Denn, der Kapitalismus krankt ja bekanntlich daran, dass es nahezu blindwütige Produzenten gibt, die Waren produzieren, von denen sie nicht wissen, wer sie kauft und wie viele davon über den ‚Markt‘ abzusetzen sein werden.


Deswegen die Berufsgruppe der Werber, deren Wegfall -neben obigen Versicherungsvertretern und Gebrauchtwagenhändlern- die Menschheit mit einem Schlag aus dem Reich der Dummheit ins grelle Licht des Wahrhaftigen führen könnte. 😀


Zumindest wars mal so…und wer auf seinem Weg durch die Republik mal an den Massen an unverkauften Autos einer ehemals deutschen Marke, die inzwischen in Frankreich beheimatet ist, vorbeigefahren ist, weiß vielleicht was ich meine.
Man produziert für einen ominösen Markt ohne die Anzahl der Marktteilnehmer tatsächlich zu kennen, das Los des Kapitalisten ist schon ein hartes. 😉

Auch deswegen betrachte ich den Absatz von Waren via Internet prinzipiell positiv, es erscheint mir -auch ökologisch- sinnvoller, wenn nur ein Auto Waren ausliefert, als wenn jeder seinen Privat-PKW dazu benutzt um in der großen Stadt eine Handvoll Schrauben zu kaufen.
Auch wäre ja eine Will-haben-wer-bietet-an-wer-produziert Steuerung übers Internet sicherlich denkbar.
Planwirtschaft – nur halt in funktionierend.
Läuft ja gesellschaftlich inzwischen alles drauf zu.
Die Verdichtungen beim Kapital, die Monopolisierungsprozesse global entwickeln sich ja, wie bei Marx nachzulesen; die Voraussetzungen für eine bessere Gesellschaft auf Basis einer entwickelten Wirtschaft, einer funktionellen Distribution der Waren nähert sich immer weiter an.
Man sollte sich auf jeden Fall hingegen Gedanken machen, ob es eine wirklich gute Idee ist, die Umkleidekabine nebst zu probierender Ware in die Individualhaushalte zu verlegen, ähnlich wie die Lagerteilehaltung inzwischen in weiten Teilen auch ausgelagert und mobil auf unseren Straßen in LKWs stattfindet – statt wie ehedem in Lagerhallen.

Es gab ja bis vor kurzem einen japanischen Anbieter von Kleidung der nähte -nachdem Menschen sich dort einen kostenlosen Suit bestellen konnten, mithilfe dessen sie sich vermessen konnten- Kleidung Maß genau(so die Werbung, war dann aber doch nicht ganz so…aber immerhin). Das Konzept ging nicht auf, aber die Idee dahinter finde ich klasse.
Nachdem jeder Vollhonk inzwischen meint, eine Selbstoptimierung betreiben zu müssen – fängt beim Fitnesstrackerband an, geht dann über Analbleaching direkt zur chirurgischen Schamlippenkorrektur über- wäre es doch nett seine Maße direkt zu haben und dann nur den gewünschten und passenden Artikel zu bestellen, statt zwanzig unterschiedlich großer Derivate von Größe 38, in der Hoffnung eins davon falle aus wie eine 54 damit es dann passt.

Ich bestelle gerne im Internet, weil es den kleinen und gut sortierten Laden mit Computergeraffel um die Ecke schon lange nicht mehr gibt, der Türke meines Vertrauens im Heimatort macht nur noch Enterprise Netzwerktechnik, also Firmen, nicht Raumschiffe – und der Kulttürke in Frankfurt -die Insider wissen, wen ich meine- hat auch in den 90er Jahren die Flügel gestreckt – Internet ist da genau mein Ort.
Katzentreppen, Whisky, Männerklamotten und Erwachsenenspielzeug…alles mit einem Klick zu haben…in unseren Innenstädten regiert hingegen die Ketteneinheitsöde, ich könnte jetzt die üblichen Verdächtigen nennen, aber jeder weiß sicherlich wen und was ich meine -Billigklamotten, Billigschuhe, vegane Nahrung für die gesundheitsbewusste Ökofrau und mindestens ein großer Ankersupermarkt runden das Bild ab, Baumarkt und Bettenlager inklusive.
Dort einzukaufen macht es sicherlich nicht besser, als bei einem Händler des Vertrauens im Internet einzukaufen – sintemalen die Klamotten eh‘ alle von den gleichen drei Kindsfrauen in Bangladesh zusammengeklöppelt werden.

Black Friday statt Black Summer!
Ihnen Ihr Blödbabbler

13 Gedanken zu “Konsequent?

    1. Mein lieber Herr Lo, sie sehen mich verwirrt.
      Ich grüble über ihren Beitrag…Schwarzer Freitag in Schwatzen…sagt mir garnichts…oder aber ich bin momentan noch träger in der Hirnschüssel, als gewöhnlich -helfen sie mir bitte auf den Sprung. 😀
      #Update Ahh, ich denke nun hab ichs‘. 🙂 #

      Gefällt 1 Person

  1. Die Amerikaner hatten es sich zum Kriegsende als Ziel gesetzt Europa nach ihrem Wirtschaftsverständnis zu reformieren …. dazu diente u.a. das Marketing. Betrachten wir die Situation heute so muss festgestellt werden:
    Der Plan ging auf, lediglich ein kleines gallisches Dorf die Franzosen wehrten sich. Bis Macron kam recht erfolgreich.

    Wo früher ‚am deutschen Wesen‘ die Welt genesen sollte tut sie es heute ‚am Amerikanischen Wesen‘ – und es tut mir leid es so formulieren zu müssen:

    Ich bin mir nicht sicher, ob die vorige Version vielleicht doch besser gewesen wäre.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Herr wvs.
      Sie gehen aber nicht wirklich davon aus, Reklame, Werbung und Marketing seinen erst mit den Amerikanern in -bspw. Deutschland- gängige Methoden zum Absatz von Waren geworden, oder?
      Wenn ich die -zwischen den von ihnen skizzierten beiden Beispielen- Wahl hätte, zwischen einer faschistischen Diktatur oder einer Demokratie, wüsste ich schon wofür ich mich entscheiden würde…ich denke sie sicherlich auch. 😉
      Unter der Haube beider werkelt zwar eine Maschine „Kapitalismus“, aber das eine ist doch deutlich verträglicher für die Menschen, als das andere – ich denke da gibts auch keine zwei Meinungen zu, außer bei denen, die heute gerne die gute, alte Zeit wiederhaben wollen, egal ob Willy2 oder Adolf, Hauptsache Glanz und Gloria.

      Liken

      1. Ich ging davon aus, dass die US Version des Marketing erheblich aggressiver ist als das, was wir hier bis zum Ende des II. Weltkrieges hatten. Während hier Produkte angepriesen wurden die tatsächlich dem täglichen Bedürfnis der Menschen entsprachen – lediglich mit geringfügigen Unterschieden – wurden durch das US Marketing Bedürfnisse erfunden, die man angeblich erfüllen musste, Slogan „Do as the Johnsens do!“

        Gibt es tatsächlich „Freiheit“ in dem was wir hier als Demokratie haben? Erfüllt dieser Staat noch die Kriterien „demokratische Republik“? Wenn wir uns umsehen sind es doch eine Handvoll Politiker – gesponsert durch Großkapital – die den Kurs bestimmen. Selbst Bundespräsidenten stürzen in einem solchen System wenn sie dem Establishment gefährlich werden weil sie sich erlauben ‚out of the box‘ zu denken.

        Halten Sie dieses Konglomerat aus Kirchen-Kapital-Politik wirklich noch für ‚demokratisch‘? Und wie weit geht die „Freiheit“, wenn es nicht einmal möglich ist bei einer staatlichen Stelle einen Verantwortlichen ausfindig zu machen, weil der Bürger nie die Person finden kann die etwas ‚verantwortet‘, weil man höchstens auf Gremien stößt, in denen die Einzelpersonen für nichts mehr gerade stehen wollen – und auch systembedingt nicht müssen!

        Ich darf Vieles sagen, aber nur, weil ich unbedeutend für die öffentliche Meinungsbildung bin – denken Sie einmal weiter, was da passieren würde wenn ich anstatt 50 Lesenden am Tag vielleicht 50.000 erreichen könnte. Das Beispiel Rezo zeigt doch, wie beispielsweise Frau Kramp-Karrenbauer darüber denkt und was sie – sicher nur noch jenseits der Öffentlichkeit, im Hintergrund wahrscheinlich umso heftiger, vorbereitet um solche Kritik zukünftig im Vorfeld auszumerzen. Da braucht es doch nur ein paar trenchbecoatete Herren – die nicht weiter darüber reden woher sie kommen und in wessen Auftrag sie unterwegs sind – die klar machen, dass eine solche Kritik gar nicht gern gesehen wird und man ja nie wisse wer einem da so im Dunkeln hinterher läuft … etc., Sie verstehen.

        Anders gesagt: Wie weit entfernt sind wir davon, dass der Herr Innenminister nicht nur Ausländer in Abschiebehaft nimmt, sondern auch Kritiker der immer mehr an Unterstützung verlierenden rechtslastigen Regierungskoalition einbuchten ließe? Kennen Sie einen Journalisten der da Protest schreien würde und seine wohlbestallte Position im System riskieren wollte?
        Ist es nicht bezeichnend, dass bestiimmte ‚kritische‘ Journalisten im Verlagswesen nie wieder einen Job bekommen wenn sie es gewagt haben den Großen ans Bein zu pinkeln [Hint: Sie lesen bei einem davon und linken ab und an auch zu ihm]?

        Liken

        1. Das mit dem aggressiver könnte sein, da habe ich keine ausreichende Vergleichsmöglichkeit, aber in folgender Dissertation mit dem Thema:“Deutsche Kultur“ und Werbung: Studien zur Geschichte der Wirtschaftswerbung von 1918 bis 1945„finden sich im Anhang schöne Beispiele von Werbung der Weimarer Zeit bis hin zum Ende der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland – auch dort schon sex sells etc. Ebenso sind dort schon bspw. subtile Verführung mit dem Gasboiler fürs elegante Heimin der Werbung integriert…ich tippe mal die damals bereits bekannten Arbeiten zur Psychologie der Massen, bzw. Massenpsychologie fanden auch schon Beachtung bei der Gestaltung der Warenwerbung.

          Ich teile ihren Kulturpessimismus und die Staatsverdrossenheit nicht gänzlich.
          Leider haben wir tatsächlich seit vielen Jahren die Tendenz einer Entdemokratisierung in weiten Bereichen unseres Staates zu bedauern, Stichwort: Sicherheit schlägt Freiheit, mit eben einem Verlust an bürgerlichen Freiheiten. Ich kritisiere diesen Staat seit Schulzeiten, aber nicht weil der so richtig Scheiße ist, sondern, weil er kontinuierlich verbessert und freier werden sollte, heute, wo wir vor der rauchenden Trümmern sitzen, bleibt nur der Versuch wenigstens das noch zu sichern, was bisher erreicht wurde.
          Der Staat ist unter Druck geraten durch jene, die ihn eigentlich führen sollen und -als Abfallprodukt davon- inzwischen auch durch rechte Gesinnungstäter, die weite Teile davon gleich ganz abschaffen wollen.
          Trotzdem ist das, was wir hier haben sicherlich besser, als es bspw. Menschen in der Türkei, Saudi Arabien oder Venezuela vorfinden…das sollte man bei aller berechtigter Kritik en détail nicht vergessen oder kleinreden.
          Wir haben auch in weiten Teilen einen viel freieren Staat, als sie -und auch ich- ihn noch zu unseren Kindertagen vorfanden – nur sie oder ich -als heterosexuelle, alte und natürlich weiße Männer profitieren da nicht so ganz dolle dran…trotzdem ist es freilich eine massive Errungenschaft in Sachen Freiheit, homosexuelle Männer nicht mehr deswegen einzusperren(§175), Frauen nicht mehr als Eigentum und sexuelles Spielzeug des Haushaltsvorstands anzusehen und ähnliches und so fort.
          Sie glauben allen Ernstes, sie würden an ihrer Meinungsfreiheit und kritischen Haltung von staatlichen Organen gehindert, sobald sie mehr Reichweite hätten? O.k., würde ich nicht zu 100% ausschließen können, das sowas auch passieren kann – der Regel- oder gar Normalfall ist es wohl aber nicht.
          Ich fürchte bei dieser Einschätzung gehen ihnen die Gäule ein wenig durch – aber sie könnten sich ja bspw. politisch an eine Partei binden und / oder eine gründen und gucken ob der Schlapphut zweimal klingelt.
          Kritiker und –um das böse Wort zu verwenden- Nestbeschmutzer und Whistleblower werden zwar gerne genommen um Transparenz zu heucheln, mögen tut die aber keiner, man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter. Deswegen verwundert es mich nicht, wenn es da Vorbehalte gibt, gut finden tue ich es aber selbstredend nicht.

          Wie oben bereits gesagt, es liegt sicher einiges im Argen in Staat und Gesellschaft, aber ich denke den Unterschied zu einer terroristischen Staatsform kann man sich noch klarmachen.
          Das -ich sag‘ mal platt- der ideologische Überbau inzwischen mit den Strukturen der Produktionssphäre und den dortigen Kräfteverhältnissen nicht mehr sauber und dauerhaft in Einklang zu bringen sein wird, ist ja auch Teil und Ausdruck des Klassenkampfs.
          Findet ja eben nicht losgelöst im Feuilleton statt, auch wenn das die Feuilletonisten so sehen, sondern im echten Leben. 😉
          Solange uns die Komiker wenigstens noch vertreten ist Polen noch nicht verloren, innerer Reichsparteitag hin oder her. 😀

          Gefällt 1 Person

  2. Mit dem Herrn Böhmermann hatte ich lange Zeit meine Probleme …. aber dies Video ist ein Glanzstück. Was fehlt ist seine Verbreitung allerorten. Und ich wünschte mir, es gäbe eine Fortsezung zu CSU und CDU (Reihenfolge absichtlich!) usw. ….

    Liken

    1. Noch als Ergänzung:
      Meine These, dass wir nicht mehr in einer Demokratie [= Das Volk wählt seine Vertreter ins Parlament und die handeln im besten Interesse dieser Menschen] leben ist doch das, was der Herr Böhmermann vorträgt.
      Wie viele Mitbürger (& ich auch) denken steckt da nicht verblümt sondern ganz offen drin – und was passiert trotz der vielen Meinungen die diese Probleme sehen und Abhilfe wollen?
      NICHTS!
      Ich habe von mehreren Seiten der Politik immer nur gehört „Hartz hat sich bewährt, und die begleitende Gesetzgebung ebenso“. Gelohnt für wen? Nicht diejenigen, die die SPD vorgibt immer noch zu vertreten.

      Liken

      1. PS
        Sie haben allerdings Recht festzustellen, dass es fast überall auf der Welt schlimmere Bedingungen gibt als bei uns …. und da schrieben Sie einmal etwas von ‚whataboutism‘ ;c)

        Liken

        1. Es ging mir bei meinen Verweisen nicht darum von bestehenden Problemen abzulenken, was ja eine der, wenn nicht die Idee hinter dem whataboutism ist, sondern im Gegenteil darauf zu verweisen, dass wir -bei aller berechtigten Kritik an den herrschenden Um.- und Zuständen in Deutschland eben noch eine (demokratische) Herrschaftsform haben, die es wert ist verteidigt zu werden.
          Das formelhafte und seine Institutionen sicheren schon immer bürgerlichen Besitzstand und sind somit konservativ verlotet, Demokratie ist eine bürgerliche Herrschaftsform. Deswegen habe ich das auch immer kritisiert, weil ich denke, man muss über diesen Zustand hinaus…momentan hilft uns das konservative konstituierende Element noch, uns gegen das komplette Rollback abzusichern…man denke an die Gesetze, die in den letzten Jahren(wenn nicht gar Jahrzehnten) vom BVG kassiert wurden, weil sie nicht grundgesetzkonform waren oder sind.
          Sollte also der Hinweis darauf, dass der aktuelle Zustand, für den man -wenn man nicht idealtypisch, also fundamentalistisch argumentieren will-eine Relation zum Darstellen benötigt, whataboutism sein, dann hat sich die Begrifflichkeit imho inhaltlich entleert und ist reine Kampfbegrifflichkeit geworden.
          Deswegen sag ich mal so: Falls sie in meinem Beitrag whataboutism ausmachen zu glauben, bedeutet dies entweder, ich habe die Begrifflichkeit falsch verstanden, die Begrifflichkeit ist inzwischen anders konnotiert oder sie wollen mich schlicht provozieren necken. Punkt Eins muss ich überprüfen, Punkt zwei und drei sind belanglos. 😛

          Liken

      2. Zum Verhalten der SPD habe ich über die Jahre ja einiges geschrieben – auch, dass es sich dabei eben aus meiner Sicht nicht um das Problem von ein paar Egoisten handelt(natürlich in einigen Teilen doch), sondern Ausdruck einer sich wandelnden Gesellschaft und genauer der darunterliegenden Verwertungsmuster handelt. Der Sozialdemokratie ist ihr (revolutionäres) Subjekt abhandengekommen, weil sich der Kapitalismus eine neue Wirtschaftsform gab als der Wechsel vom Fordismus zum Postfordismus bei gleichzeitigem Wechsel der hegemonialen Ideologie hin zum Neoliberalismus stattfand. Ist immer ein wenig so, wie wenn jemand davon ausgeht, es hätte keine Nazis gegeben, wenn Hitler nicht existent gewesen wäre. Personengeschichte statt Geschichte der historischen Abläufe ist zwar ein nettes Beiwerk um am bürgerlichen Lagerfeuer Geschichten aus der Gruft zu lauschen, aber richtiger wirds dadurch meist nicht.
        Spannend im Zusammenhang könnte das aktuelle Buch von Butterwegge: Die zerrissene Republik. Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland sein – ich vermute da finden sich viele Absätze die sich mit den ihren(und meinen) decken.

        Liken

    2. Der Inhalt -falls es sich dabei nicht um einen Gag handelt- stammt ja gerade nicht von Böhmermann, sondern aus der SPD selbst…Böhmermann macht nur das Video zum Text – so habe ich das zumindest verstanden. Ich halte die Person Böhmermann für deutlich überschätzt, schon seit den seligen Tagen als er mit der noch überforderteren Charlotte Roche eine Talkshow simulieren durfte. Dennoch legt er den Finger immer öfter recht treffend in offene Wunden der Gesellschaft – sein Team scheint also den richtigen Blick zu haben, auch das ist natürlich ehrenwert.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.