Antireligiöse Hetze

Und wer sich immer wieder fragt, warum die Rechten weiter Zulauf und Zuspruch bekommen, der kann sich ja mal mit den Reaktionen der sogenannten Partei „Die Linke“ oder mit einer der sozialliberalen Kommentatorinnen in der Frankfurter Rundschau beschäftigen.

Das richtungsweisende, weil das Neutralitätsgebot des Staates stützende Urteil zum Kopftuchverbot im Rechtsreferendariat, wird dort wie üblich kritisiert, mit dem in der sozialliberalen Blase reflexhaften und hanebüchenem Vorwurf: Diskriminierung von Muslimen. Och menno! 😦

Es interessiert mal wieder nicht, wie Necla Kelek bereits 2010 sagte:. „[Sie] keine andere Kultur [kenne], die die Frauen so sehr diskriminiert. Frauen hätten nach dem Welt- und Menschenbild, das die Männer als ihre Religion produzierten, keine Rechte. (Text dazu in der Springerschen WELT)
Der Fehler liegt nach dieser Sichtweise wohl eher im System der Demokratie oder hier spezieller, am System alter weißer Männer in Roten Roben(auch wenns paritätisch besetzt ist im 2 Senat…egal, das Feindbild klappt auch so). 😉 die sich erdreisten anders zu urteilen, als es sich die Journalistin, die auf twitter auch gerne mal Ajatollah Khola Maryam Hübsch verlinkt, deren Tenor zur Verteidigung des Islams gewöhnlich, „[…] das hat nichts mit dem Islam zu tun“, lautet, zumindest immer dann, wenn ich mal genötigt war, ihr zuzuhören in irgendeiner Talkshow…häufiger noch zur IS Hochzeit, vorstellen kann.

Mit solch einer Einstellung hat man dann -zumindest aus meiner Sichtweise heraus- den ersten großen Fehler begangen, der den Linken früher oder später auf den Fuß fällt und den rechtsradikalen AfDlern weiter Zulauf bescheren wird – man tut so, als gäbe es nur Faktoren der Unterdrückung der Frau von Seiten der gerne als rassistisch und xenophob angenommenen Mehrheitsgesellschaft, was definitiv nicht der Fall ist. Probleme im Zusammenleben entstehen nicht, weil die Mehrheiten auf Seiten der Ureinwohner und der Migranten das forcieren, sondern, weil sich besonders aggressive und laute Teile davon, zu Sprechern der Empörung und der Parallelgesellschaften gemacht haben – ob das nun die Pegidas, AfDs oder weite Teile der nationaltürkischen Ditib oder sonstige religiöse Stellvertreterstaaten sind, die hier im Land ihr religiöses Süppchen kochen.

Aber zurück zur zweiten, eingangs genannten Empörten.

So schreibt die Linke Christine Buchholz allen Ernstes: […] Das heutige Urteil bedaure ich, ihm liegen diskriminierende Annahmen zugrunde. Denn: Die religiöse Neutralität des Staates wird durch die Neutralität der Institution gewährleistet. Die religiöse und weltanschauliche Vielfalt der Beschäftigten steht mit der Neutralität der Institution in keinem Widerspruch. Jetzt ist es an den Bundesländern, die diskriminierenden Kopftuchverbote aufzuheben! (da gehts zur Presseerklärung)
Die religiöse und weltanschauliche Vielfalt der Beschäftigten widerspricht nicht der Neutralität des Staates.
Es ist aus meiner Sicht tatsächlich schwierig jemandem die grundgesetzlich festgelegte Neutralität abzunehmen, wenn dieser durch seine Erscheinung schon signalisiert, er sei nicht ganz bei Trost. Dies in der Freizeit zu tun, also Kopftuch, Kippa, Kreuz etc. zu tragen, steht jedem frei, es in der auf Neutralität verpflichteten Institution zu tun, aber eben nicht. Diesen Unterschied versteht scheinbar keine der beiden Damen.
Noch mal in a nutshell:
Indem sich bspw. der Richter durch seine Kleidung erkennbar, der Macht eines Höheren Wesens unterwirft und dies durch eben jene nach außen kommuniziert -und dabei ist nicht der Hobbsche Leviathan als Souverän gemeint-, sondern ein wie auch immer gearteter Schöpfergott, ist eben diese Institution an sich nicht mehr als neutral -also allgemeingültig und über den Partikularinteressen stehend- anzusehen, sondern nimmt Schaden.
In Bezug auf das Christentum erscheint es Frau Buchholz auch klar und deutlich, so weißt sie in ihrer Erklärung völlig zu Recht auf den unsäglichen Zustand von Kruzifixen im Gerichtssaal hin -auch Vereidigen auf Bibel und Konsorten ist aus meiner Sicht ein Stoß gegen den Neutralitätsgedanken- aber mal ehrlich, die Konsequenz kann doch dann eben nicht lauten deswegen mehr religiöse Symbole(gerne auch aufgeladene politische, wie das -außer bei dem reaktionärsten Teil der Vertreter der muslimischen Religion eben nicht vorgeschriebene-Kopftuch) in die neutralen Institutionen des Staates vorzulassen.

Unter dem vermeintlich richtigen Kampf für Frauenrechte und Meinungsfreiheit wird einmal mehr den patriarchalischen Strukturen eines politischen Islams der Bart nach Strich und Faden gekämmt, und dabei gerade jene Frauen, die versuchen sich von der Doktrin des Kopftuchs und der Unterdrückung zu lösen, mal wieder schändlich im Stich gelassen. Eigentlich eine klassische SPD Volte.

So schreibt man zwar wohlfeil:DIE LINKE steht für die Selbstbestimmung von Frauen und gegen jeden Zwang – das Kopftuch zu tragen oder es abzulehnen.“, ignoriert und vernachlässigt aber die -sonst gerne bei der rassistischen Mehrheitsgesellschaft eingeforderten- strukturellen Herrschaftsverhältnisse, die es eben nicht zu einer individuellen Entscheidung werden lassen.
Solange diese jedoch bestehen, ist es eben keine freie Entscheidung von Kindern, Mädchen und Frauen, sondern Ausdruck von männlichen Herrschaftsverhältnissen die religiös instrumentalisiert werden und legitimiert werden.

Dies erkennen auch die meisten der ‚alten‘ Feministinnen, bspw. Alice Schwarzer, die neuen identitätsfixierten Dritte-Welle-Feministinnen sehen das Problem aber wohl einzig beim alten und weißen, denn beim braunen Mann, denn dieser ist der Lesart nach scheinbar nur als Opfer der Gesellschaft anzusehen.
Also Schuldsuche nicht bei jenem, der seine Frau zur Verhüllung zwingt und ihr elementare Menschenrechte religiös legitimiert abspricht, sondern bei denen, die sich aus Neutralitätsgründen gegen religiöse Kleidung im Gerichtssaal aussprechen.
In solch einer Sicht- und Betrachtungsweise muss dann natürlich ein solches Gerichtsurteil folgerichtig als diskriminierend angesehen werden.

Warum sich eine Partei, die sich links nennt, tatsächlich glaubt mit Religion einen ernsthaften Ansatz gefunden zu haben, der auch nur die geringste Relevanz für ein soziales Morgen oder ein friedliches Miteinander anzubieten hätte, ist mir ein völliges Rätsel; aber klarer Grund für mich, warum die Linke seit einiger Zeit meine Wahlschaf-Stimme nicht mehr bekommt, weder vor Ort, noch im Land, noch im Bund und auch nicht in Europa.

Der olle Charly hatte da schon durchaus recht:Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Wer aber wie bspw. Marx21, dem besagte Frau Buchholz scheinbar zugehörig ist, postuliert:Gerade im Kontext des zunehmenden Rassismus gegen Muslime müssen wir erkennen, dass Religionskritik als Kritik des Islams eine reaktionäre Rolle spielt. Es geht nicht darum, dass Linke ihre Kritik an jeder Religiosität einschränken oder gar zurücknehmen sollten. Es geht vielmehr darum, das Recht religiös-kultureller Minderheiten wie der Muslime oder der Juden auf freie Ausübung ihres Glaubens uneingeschränkt zu verteidigen. Marx21, der überlässt auch die Kritik an überkommenen Körper und Seele verletzenden Riten denen, die das tatsächlich für ein faschistoides Menschenbild urbar machen wollen.
Wer Kritik an Religion leider nur im Zusammenhang mit Rassismus zu deuten weiß, der muss vermutlich zu solchen Schlüssen kommen. Da nützen auch die Hinweise auf unterschiedliche Strukturen für die Menschen in Saudi-Arabien und Deutschland leider nichts, denn er besagt nur, dort ist der Islam böse, weil er böses tut, hier ist der aber ganz anders, nämlich verfolgt, unterdrückt und voll dufte. m(

Wer das Menschenrecht „Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit)“ nicht im Konflikt sieht mit dem deutlich früher genannten und definitiv elementareren „Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit)“ und dem Recht auf körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz (Art. 2(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit) oder der EU Charta(Art.3(1) Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit), der muss vermutlich so argumentieren, opfert dann aber eben Kinder und deren Gesundheit den religiotischen Dogmen ihrer Eltern.
Links hingegen erscheint mir anders.

Ihnen Ihr Blödbabbler, Hoffnungsfroh und Opiumlos.

3 Gedanken zu “Antireligiöse Hetze

  1. Wie elegant Sie Salz in die Wunde streuen um es dann noch mehrmals tiefer hinein zu drücken …. „Die Linke“ muss sich nun irgendwann entscheiden ob sie sich auch im Hinblick auf Religion ‚den Gepflogenheiten‘ anpassen will – aber wie ich Ihnen ja früher schon ‚mal andeutete hat mein Schriftwechsel mit einem Vertreter im Zentralkommitee Vorstand der Partei die höchst verstörende Antwort ergeben man trete für das uneingeschränkte Recht auf Religionsausübung ein. Da fehlt nur noch sowas wie das „Basta!“ vom Hochverräter Altkanzler Schröder.

    So stehe ich nun da und weiß nicht mehr wem ich meinen Stimme geben soll – wahrscheinlich wird es die „Spaßpartei“, der dortige Vorsitzende Martin Sonneborn gefällt mir schon deswegen, weil er die EU Bonzen mit wöchentlich erscheinenden Videos ärgert. Letzte Woche mit diesem Video → https://youtu.be/l2o87VAwFi4

    Jedenfalls ist die Entscheidung des BVG die einzig richtige gewesen- ansonsten hätte man vermuten müssen es gehe bald wie in USA auch bei uns so zu, dass die Judikative ein lächerliches Anhängsel der Legislative ist anstatt diese in Schranken zu halten ….

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    1. Hallo Herr wvs, ich nehme mal den Teil mit dem Salz als Kompliment, ich hoffe ich liege damit richtig. 😀
      Mir geht es wie Ihnen, der Vorsatz Spaß bei der „PARTEI“ lenkt leider oft davon ab, dass Sonneborn imho in der Vergangenheit einer der wenigen war, der Klartext geredet hat, bspw. wenn es um Menschenrechte und deren kreative Auslegung durch den Irren vom Bosporus oder auch das undemokratische von-der-Leyen Ding (und die kuriosen Politiker die da mit involviert sind) in der EU ging.
      Auch deswegen finde ich da meine Stimme recht gut aufgehoben, zumindest aktuell besser als bei einer Linken, die mit Religioten kuschelt.

      Der erschreckende Teil ist ja bereits seit Jahren, dass uns die konservativen Juristen vor den Politikern gleich welcher couleur bewahren indem sie einiges an Gesetzen gekippt haben, mit der uns die Volksvertreter weiter die Bürgerrechte beschneiden wollten und wollen.
      Schlimm, wenn einem da Juristen helfen müssen, weil die tatsächlich Verantwortlichen allzu oft Politik gegen den eigentlichen Souverän machen und ihn unter Dauerverdacht stellen.

      P.S. Ich habe die von Ihnen angegebenen Typos bereinigt und ihren Beitrag entsorgt, hoffe das war ihn Ihrem Sinne.

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