Diktatur? Ich geb‘ dir gleich Diktatur!

„Falls die Menschen sich nicht an die Abstands- und Hygienemaßnahmen hielten, sei aber schon im Juli eine zweite Welle möglich.“, so der Vize-Präsident des RKI, Prof. Dr. Lars Schaade.
Eine neue deutsche Welle(NDW) also, nur leider mit noch merkwürdigerem Unterton als wir sie aus den 80ern noch kennen.

Ich denke, man muss kein Fachmann sein, um diese kommende Welle aus dem aktuellen Verhalten der Mitbürger (Abstandhalten ist nur was für Pussys!) und den sich füllenden Sammelpunkten für inhaltlich leere Konsumhüllen – in den Shoppingtempeln unserer Innenstädten und den wiedereröffneten Malls – zu prophezeien.
Ich freue mich, falls ich mich da täuschen sollte, bin aber skeptisch.

Nachdem sich einige tausend, der üblichen Dumpfhirne am Wochenende zusammengerottet haben und ihre Hohlheit medienwirksam -sicherlich hier und da auch zusammen mit Virenlast- in die Luft geblasen haben, sehe ich es so, wie Jörg Schneider im Kommentar „Corona-Krise 2020: Die Herdendummheit wächst rapide“ in der FR.

Und ja, ich glaube, dass unter den Demonstranten auch nicht wenige waren, die sich finanziell bedroht fühlen oder es tatsächlich sind. Trotzdem muss man sich deswegen nciht wie ein Arsch verhalten.
Es gab mal für die USA die Aussage, 40% der Amerikaner hätten keine Reserve für eine dringende Ausgabe über 400 Dollar.
Falls wir ähnliches für Deutschland annehmen wollen -wobei ich mal gelernt habe, man sollte einen Laden so planen, dass man zur Not ein Jahr ohne Einkommen stemmen kann- steht es vermutlich bei einigen nicht zum Besten.
Wobei Kurzarbeit, kurzfristige Darlehen der KfW oder das geschenkte Geld in Höhe von max. 9.000 oder 10.000€ wenigstens einen Monat überbrücken können sollte.

Bei den Kleinen. Bei den Großen ist es immer wieder lustig zu sehen, wie bspw. Adidas Staatshilfen bekommt, obwohl der Konzern 2019 2 Milliarden Euro an Gewinn zu verzeichnen hatte und damit auch fleißig Aktienrückkäufe seit 2016 betreibt(die jetzt, wie die Dividende wegen Corona ruhen).

Man sollte also nicht den Fehler machen, den man schon bei der AfD gemacht hat und alle Teilnehmer dort als homogene Masse an Nazis -analog als Aluhüte- ansehen, sondern berechtigte oder rationale Argumente abwägen und diskutieren – sonst zieht sich der nicht komplett verblödetet Teil auch schnell den Schutz aus Alupapier über die Rübe, vulgo radikalisiert sich gegen wichtige Elemente dieser demokratischen Gesellschaft.

Der Rest jedoch ist der übliche Bodensatz an Dumpfnasen, der jeder Meinung bei youtube, facebook oder instagram folgen mag, die nur wirr genug gegen die Vernunft hetzt, Hauptsache es ist kein Experte, der sowas vielleicht studiert und zur Profession erhoben haben mag. 2 Stunden youtube Video ersetzen leider immer noch keinen Studiengang und erreichen leider auch selten ein höheres Niveau als ein Schulabbrecher an der örtlichen Clownsakademie.

Wo sich Menschen theatralisch zu Widerstandkämpfern erklären, weil sie keine Maske tragen wollen und so mit geringen Einschränkungen zugunsten der Gesundheit der Allgemeinheit nicht einverstanden sind, sieht man eher jenen Teil Mensch, welcher auch schon den Sinn von Impfungen nicht einschätzen konnte (ich kenne hier keinen mit Kinderlähmung, braucht man also nicht den Scheiß!), oder der mit Hilfe eines Feng-shui Könners sein Bett quer zu den Wasseradern und Erdstrahlen aufstellen ließ.

Antimoderne Menschen, den Aberglauben kultivierend beim Nachmittagstee mit der Yogagruppe „Mütter gegen faschistische Restaurants, die das Windelwechseln auf dem Essenstisch nicht erlauben wollen“.
Das Antimodere ist ebenso konstituierendes Element der AfD, wie anderer (proto-) faschistischer Vereinigungen die einer absurden plakativen „Früher-war-alles-besser“ Ideologie anhängen.
Da trifft sich dann -ideologisch in der Schnittmenge- die grünalternative Akademiker-Pilates-Mama vom Prenzlauer Berg, die alles nur natürlich und biologisch will(und nicht diese Chemie!) – weil früher gings ja auch ohne die böse Pharmaindustrie und das Impfdiktat- und der rechtsextreme Mittelständler, der sich bedroht fühlt von internationaler Arbeitsteilung und denen, die nach seiner Ansicht undeutsch sind, und der träumend zurück möchte zu einer Zeit in der der deutsche Kasernenton maßgebend war.
Geeint in ihrer Kritik am status quo der demokratischen Republik, deren diktatorische Maßnahmen sie angeblich in ihren Rechten beschneiden würde.

Das Netz ist voll mit dem Müll, den dieses Arschpack absondern darf, so voll, dass sogar das Internet selbst meint kotzen zu müssen.
Es finden Demonstrationen statt, bei denen die Teilnehmer bewusst die geltenden Rechte brechen und von der Polizei ermahnt werden…that’s it.
Nix mit Festnahmen oder Strafzetteln wegen des Verstoßes…die Polizei begleitet deeskalierend und lässt sich bewerfen, bespucken und betatschen.
Davon träumt jeder, der mal auf einer Demo war, die bspw. gegen das Finanzsystem und seine Auswüchse oder gegen unterirdische Bahnhöfe ging.
Da war die Staatsmacht deutlich robuster in ihrer Ausdrucksform, aber das waren vermutlich auch „die Feinde“ und nicht der nette Corona-Leugner von Nebenan.

Also, trotz einer im Land stehenden Pandemie ist es allen Spinnern erlaubt zu demonstrieren. Ihre Scheiße erzählen sie sowieso permanent im Netz und sobald man ihnen ein Mikrofon hinhält; draußen sind sie auch und wenn sie wollen dürfen sie im Baumarkt Holz für den Sargbau der Eltern kaufen, und Sonntags Hostien fressen bis die Marienstatue anfängt zu bluten in der Kirche.
Das war selbst während der Zeit des sogenannten lockdowns nicht deutlich anders.
Und diese Irren erzählen was von Diktatur, während man parallell dazu gläubig alle Infos der Russen und Chinesen für bare Münze und eine glaubwürdige Gegenöffentlichkeit nimmt, vermutlich, weil keiner der Hirnies überhaupt eine Ahnung hat, was Staatspresse und eine Diktatur tatsächlich bedeuten.

Ich habe mir gestern die 13. Folge vom darkhorse podcast mit Bret Weinstein und Heather Heying angeguckt, spannend darin war die Überlegung über die Räume, die das Virus gerade bekommt um sich weiter auszubreiten und zu ‚verbessern‘. „Exploring spaces“, mit der Erhöhnung der Möglichkeit einer Entstehung von -im darwinschen Sinne- besser angepassten Version des Virus. Sie diskutieren darüber, dass das ‚dauerhafte Bleiben‘ des Virus (quasi saisonales Corona) uns in Zukunft wesentlich mehr kosten wird, als bspw. aktuell eine deutlich restriktivere und längere Form eines lockdowns.
Etwas, was bspw. den Lautsprechern des Kapitals, wie Herrn Lindner vermutlich nie klar sein dürfte, da sie -ebenso wie die aktuelle Form des Kapitalismus- lediglich für kurzfristige Profitmaximierung stehen…ihre Reichweite der Vorausplanung nur noch in Quartalen zu existieren scheint. Kleingeistige Controller einer verspielten Zukunftsplanung.

Zum Abschluss noch das Bildchen, was mir im Netz vorhin entgegensprang – auch wenn ich Titanic Analogien nicht treffend finde (hier übersteigerter Fortschrittsglaube, da eine ’natürliche‘ Form von RNA) fand ich dieses trotzdem erheiternd.

Ihnen Ihr Blödbabbler

P.S. Wie der Herr Schockwellenreiter es sieht, so geht es mir auch; seit dem Abgang von Herrn Lieb bei den Nachdenkseiten haben sich diese zu einem Hort der Gegenaufklärung gemausert, Querfrontgesabbel und Russlandfantasien treten dort immer deutlich vor – deswegen fliegen die bei mir jetzt auch aus den Linkempfehlungen raus.

6 Gedanken zu “Diktatur? Ich geb‘ dir gleich Diktatur!

    1. Hallo Herr Lo, wenn das Pack sich ja wenigstens nur unter seinesgleichen bewegen würde, wäre mir das alles ja herzlich egal – so wie es mir Wumpe ist ob sich jemand gegen Tetanus impfen lässt…persönliche Risikoabschätzung ist dabei akzeptabel…nicht hingegen bei Dingen die andere in Mitleidenschaft ziehen (können).
      Die geblöckte Herdenimmunität ist ja -wie vieles andere im Zusammenhang mit dem neuen SarsCov2 Virus- eben noch nicht bekannt, weswegen es zwar schön ist darauf zu hoffen und aus dem Verhalten von anderen Viren eine solche abzuleiten, aber gesichert ist da mal gar nix.
      Kann also sein, dass morgen wieder alle daran erkranken(unwahrscheinlich), oder in einem Monat (immer noch sehr unwahrscheinlich) oder in einem halben Jahr(deutlich wahrscheinlicher). Nun so zu tun, als sei die Krankheit die aus einer Infektion kommt banal, ist ein schwerer Denkfehler.
      Aber mit Denken habens die dem kollektiven Wahn verfallenen scheinbar eh‘ nicht, weswegen man sie nur auslachen und dem Gespött preisgeben kann. Diskussionen sind sinnfrei.

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  1. Es sind aber eben nicht nur die „üblichen Dumpfhirne, Spinner und Irre“ jene Menschen die sich, wie Sie schreiben, „theatralisch zu Widerstandkämpfern erklären, weil sie keine Maske tragen wollen und so mit geringen Einschränkungen zugunsten der Gesundheit der Allgemeinheit nicht einverstanden sind“ – sondern auch solche die sich sonstmals gern als große Geister zu gerieren pflegen, aber gerade in der Corona-Situation durch ihr „theatralisch widerständlerisches“ Gehabe ihren tatsächlichen Kleingeist offenbaren [►].

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    1. Hallo Herr nömix.
      Wir sehen ja an vielen Fronten wie sich scheinbar normale Menschen unter Druck wie Idioten gebären können. Theatermenschen sind ja nun -je nach Art der von Ihnen imaginierten (revolutionären) Funktion von Theater- im Selbstbild oftmals progressive und antistaatliche Akteure, auch wenn sie ihrer Arbeit nur dank der staatlichen Subventionen überhaupt nachgehen können.
      Eine lustige bürgerliche Eigenart, indem die Klassen, die mit der üblichen Form von Theater und Oper eher nix anfangen können, via Steuern, dem Bürgertum die Eintrittspreise niedrig und diese Orte am Leben halten.
      Nun sind Akademiker nicht gegen den Hang zur Doofheit oder das Faible zur Verschwörungstheorie immun, auch wenn man das gerne vermutet. Zum einen erlangt man eben nur in einem sehr begrenzten Bereich eine Expertise, was bedeutet, jemand kann in seinem Fach eine Koryphäe sein, aber gleich nebendran ist er genauso schlecht wie der Rest der Gesellschaft oder sogar schlechter.
      Es gibt ja von Hans Rosling die berühmten 13. Fragen zum Einschätzen wie die Welt momentan aussieht, wenn er diese Tests mit Menschen gemacht hat, deren Job in den abgefragten Bereichen liegen, lagen die Ergebnisse zum Teil unter denen der Affen-Referenzgruppe. 😉
      Auch der gebildete Akademiker, gerne aus dem Bereich der Kulturwissenschaft, neigt vermutlich gerne mal zur alternativen Gedankenwelt, Kreativität macht da vielleicht auch hin und wieder anfällig für die Empfänglichkeit von kruden Vermutungen, Hauptsache jenseits des verhassten Mainstreams.
      Was den von Ihnen Zitierten angeht, so zeigt sich imho nur, dass man trotz oder wegen seiner Gesinnung eben durchaus auch irrlichtern kann, selbst wenn mir prinzipiell die Idee von republikanischem Widerstand durchaus zusagt. Nur eben im aktuellen Zusammenhang -und in der Mimimi-Rhetorik des Kunstschaffenden- ist das eben, wie Claus Leggewie zu Recht schreibt:[…] eine Usurpation des Widerstandsrechts, eine Art „Fake-Ziviler-Ungehorsam“. Die Voraussetzungen, um zivilen Ungehorsam zu reklamieren, sind überhaupt nicht gegeben, schon gar nicht das Recht auf Widerstand nach Artikel 20.4 Grundgesetz, mit dem die radikale Rechte schon seit Langem operiert. (zitiert nach Gwup Beitrag).

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  2. “ .. lagen die Ergebnisse zum Teil unter denen der Affen-Referenzgruppe .. „ – kein Wunder, wenn man sieht wie in den letzten Jahrzehnten die Abi-Wahlfächer erweitert wurden (Kunst, Religion, Theater) und intellektuell fordernde Fächer abgewählt werden können – man bekommt was man wollte: Dummköpfe mit Abi light!
    „Gebildete Akademiker“ wurden/werden doch aus diesen Zeitgenossen nie, sie werden so lange problemlos ‚mitlaufen‘, bis ihnen bewusst wird, was sie doch für Einfaltspinsel sind, an ihre herausgehobene gesellschaftliche Stellung zu glauben!
    Und dann fangen sie aus Rache an sich mit solchen Mätzchen zu profilieren ….

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    1. Hallo Herr wvs, es ging bei dem Test von Rosling nicht um deutsche Abiturienten (wenngleich auch immer wieder Schüler damit konfrontiert werden, bspw. von meinem Freund dem Herrn HausD, Doktor der Biologi, Politologe und Lehrer). Der würde übrigens bestreiten, dass die Schüler heute dümmer sind, als ‚früher’…aber das ist nicht mein Kampf.

      Die, die sich beim Schätzen verhauen sind gestandene Männer mit unterschiedlichsten Professionen, so schreibt Rosling im einleitenden Teil von Factfulness:

      I had a defining moment in January 2015, at the World Economic Forum in the small and fashionable Swiss town of Davos. One thousand of the world’s most powerful and influential political and business leaders, entrepreneurs, researchers, activists, journalists, and even many high-ranking UN officials had queued for seats at the forum’s main session on socioeconomic and sustainable development, featuring me, and Bill and Melinda Gates. Scanning the room as I stepped onto the stage, I noticed several heads of state and a former secretary-general of the UN. I saw heads of UN organizations, leaders of major multinational companies, and journalists I recognized from TV.

      I was about to ask the audience three fact questions—about poverty, population growth, and vaccination rates—and I was quite nervous. If my audience did know the answers to my questions, then none of the rest of my slides, revealing with a flourish how wrong they were, and what they should have answered, would work.

      I shouldn’t have worried. This top international audience who would spend the next few days explaining the world to each other did indeed know more than the general public about poverty. A stunning 61 percent of them got it right. But on the other two questions, about future population growth and the availability of basic primary health care, they still did worse than the chimps. Here were people who had access to all the latest data and to advisers who could continuously update them. Their ignorance could not possibly be down to an outdated worldview. Yet even they were getting the basic facts about the world wrong.

      After Davos, things crystallized.

      Solche Leute , die eben quasi an den Trögen der Information sitzen, schätzen trotzdem die Lage der Welt deutlich falscher ein, eben zum Teil schlechter als die statistische, random Gruppe die er chimpanzees nennt.

      Man könnte auch mit Drosten ergänzen, wie in seinem letzten podcast:

      Ich bin Virologe und würde mich nie zu einem bakteriologischen Thema äußern. Und das ist ja für den normalen Zuschauer fast dasselbe, Viren und Bakterien, für einen Wissenschaftler aber nicht. Es geht sogar viel weiter. Ich würde mich auch nicht trauen,
      mich innerhalb der Virologie in dieser Breite und in dieser Meinungsstärke zu einem anderen Virus als dem Virus, an dem ich hier arbeite, zu äußern. […]
      Und was ich höre, zum Teil auch von scheinbaren Fachleuten, die sind sicherlich auch
      Fachleute auf ihrem eigenen Forschungsgebiet oder waren es, während sie noch berufstätig waren, das entbehrt jeder Grundlage. Das sind Allgemeinplätze, die nicht über eine oberflächliche Kenntnis von Studenten-Lehrbuchwissen hinausgehen. Und mit dieser Wissensbasis posaunt man dann Videos in die Öffentlichkeit und stärkt den gefährlichen Verschwörungstheoretikern, die auch zum Teil politische Agenden haben, den Rücken. Das ist unverantwortlich.

      Damit ist dann aus meiner Sicht alles gesagt zu den selbsternannten Spezialisten, vom Lungenarzt zum Rapper, die uns mit ihren Erkenntnissen via tweets und youtube die Welt erklären wollen. Sie sind -wenigstens in diesem Bereich- schlicht Idioten!

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