Gedanken und Salat

In den heutigen Zeiten gäbe es so viel zu schreiben, wenn man denn wollte, aber wer will das schon?


Man könnte sich über die USA oder Stuttgart auslassen, über Polizei und Journalisten – auch gäbe es zu Corona weiterhin genug zu berichten.
Aber all diesen Themen ist gemein, dass sie mich aktuell ziemlich aufregen und es mich unglücklich macht, mich auf dem Niveau der deutschen Medien damit zu beschäftigen.
Bürgerliche Presse und ihre Analysefähigkeit geht nicht über die von bürgerlicher Geschichtsschreibung hinaus, wie sollte sie auch?
Geschichte ist, war und bleibt so die Geschichte von Köpfen (Trump!) – und von marginalen Unterschieden der menschlichen Art, wie Hautfarbe oder Geschlecht.
Dies dann mit der gehörigen moralischen Überheblichkeit des Im-Recht-Seiers sowie dem Brustton des Empörten niedergekritzelt, wird im Allgemeinen in Deutschland für Qualitätsjournalismus gehalten, was mindestens bedauerlich, meist jedoch ein veritabler Quell von Ärgernis ist.


Zum Thema der USA und den dortigen ‚Black Lifes Matter‘ Riots sowie einer allzu schnellen Übertragung auf deutsche Verhältnisse schrieb ich anderswo:
Ich vermute es ist letztlich wohl eher ein Problem der ökomischen Stellung, denn eines der Hautfarbe (wie sich auch in Zeiten von Corona zeigt).
Auch wenn dies -aus ideologischen Gründen- von den beiden Außenseiten des politischen Spektrums gerne anders gesehen wird.
Ob man amerikanische und deutsche Polizei tatsächlich miteinander vergleichen kann oder sollte(ich denke, dass es dramatisch bis zur Verzerrung hinkt), hier beim Thema institutionalisierter Rassismus wage ich anzuzweifeln.
Kurzer Einschub:
Nur, wer den Amerikanischen Traum jemals -jenseits von Propaganda- für bare Münze genommen hat, der wird in Zeiten des hegemonialen Abstiegs verwundert die Augen reiben.
Solange es genug zu verteilen gab(hier wie dort), als man von WTO und anderen Handelsorganisationen profitierte, konnte man das alles noch als identitätsstiftenden Kleister der sozialen Mobilität verkaufen und missbrauchen, heute liegen die Nerven blank, weil immer mehr Teile der Mittelschichten unter die Räder kommen. Zu einer Einschätzung des Verhaltens der USA in der Krise empfiehlt sich hin und wieder ein Blick auf die Thesen von Ulrich Menzel (bspw. hier)


Vor einiger Zeit gabs ja ein merkwürdiges Video jenes Konzerns, der Betrugssoftware als konsequente Umsetzung einer ökologischen Selbstverpflichtung der Industrie in seine Autos verbaut hat. Dort wurde ein schwarzes Männchen von einem weißen Finger geschnipst…was ich ehrlich gesagt nicht wirklich als Aufreger betrachtet habe, aber -so muss man dann ja erfahren- da man selbst nicht schwarz sei, könne man das selbstverständlich auch nicht verstehen. Ist so wie Frausein, also als Mann. Das kann man auch nicht verstehen – außer man definiert sich selbst so, dann ist es o.k., weil Gender gerecht, gelle.
Ich fand das Video also nicht problematisch, bis zu der ‚zufälligen‘ NEGER Buchstabierung am Ende des Clips – da wurde das Ding tatsächlich inakzeptabel und gab dem ganzen Clip rückwirkend einen eindeutigen schlechten Geschmack.


Ansonsten sehe ich das Problem so: Identitätslinke mit ihren PoC Gefasel sind ein Teil des Problems wie es die rechten Rassisten sind, sie sehen alle das Trennende(Sexualität, Hautfarbe, Geschlecht) und nicht das Übergreifende, das Gleiche und Gemeinsame an den Menschen.
Solange dort -also hüben wie drüben, wenn auch aus unterschiedlicher Intention- Schubladendenken propagiert wird, solange werden wir uns mit diesen Themen beschäftigen müssen, anstatt einen Schritt auf der Zivilisationssleiter nach oben zu steigen.
In einem Interview mit Sam Harris -zum Thema ‚Is Cultural Relativism Racist‚- sagt Yasmine Mohammed sinngemäß(bei ca. 5:20): Wenn du den Terminus P(eople)o(f)C(oleur) benutzt, dann ist das Rassentrennung (segregation), denn du unterstellst, hier gibt es Menschen(people) und dort farbige Menschen(PoC).
Und es ist dabei schlicht egal ob man die besten Absichten hat, wie man sie den liberals unterstellen möchte, man manifestiert und zementiert damit gerade die Teilung, die man gerne aufgehoben haben möchte.
Diese Feststellung ändert natürlich nichts daran, dass es in den meisten Gesellschaften dennoch existenten und in den Institutionen sitzende Ungerechtigkeiten gibt, die sich gerne auf Unterscheidungsmerkmale der Menschen beziehen, die von der Mehrheitsgesellschaft (egal welche) abweichen. Zum Teil ist das historisch bedingt, zum Teil zieht eine bestimmte Arbeit bestimmte Menschentypen an.
Aufgabe eines ’neutralen‘ und gerechten, weil alle Menschen gleich behandelnden Staats kann und muss deswegen sein, den Rahmen so zu stecken, dass dies eben nicht der Fall ist…bzw. dass diese Ungleichheiten mit der Zeit abgebaut werden.
Vermutlich sind die USA heute -im direkten Vergleich zur Zeit bis zur Bürgerrechtsbewegung- deutlich weitergekommen, nicht alle Institutionen, nicht alle Staaten gleich, aber es ist sicherlich besser als früher.
Es ist -so denke ich-zum Teil gerade aktuell so heftig und deutlich, weil die Zeiten stetig besser geworden sind. Es ist Ausdruck davon, dass man sich übergreifend um den Tod von Menschen durch Polizeigewalt erregt und eben nicht einfach zur Tagesordnung übergeht.


Heather Heying hat im DarkHorse Podcast #20 etwas zur Rassensituation in den USA verlesen, was sie 14 True Things nennt.
Ein Ausschnitt aus dem Podcast (reduziert auf die 14 genannten Thesen) kann man hier angucken:


oder dort nachlesen.

Es beruhigt mich, dass ihre Ansicht sich mit den von mir geäußerten in weiten Teilen deckt. Gleichwohl sei darauf verwiesen, dass sie als Evolutionsbiologin keine Expertin für gesellschaftliche Zusammenhänge ist. Dennoch fand ich die Punkte interessant und diskussionswürdig.


Den weitaus besten Artikel zum Thema „Rassismus/USA“ fand ich im Lower Class Magazin.
Dort wird imho der sinnvolle und erkenntnisführende Schluss gezogen, dass es bei den Unruhen eben über Hautfarbe hinausgeht, Hautfarbe (und der daraus abgeleitete Rassismus) allein eben kein Kriterium sind mit dem sich eine kapitalistische Gesellschaft (und ihre Verwerfungen und Strukturen) sinnvoll analysieren lässt.
So wie es Frauen in Führungspositionen und Schwarze als Präsident gibt, gilt es sich klar zu machen, dass es zwischen weißen Abgehängten und den meisten Schwarzen eine ähnliche bis identische ökonomische Struktur besteht, zu Recht wird darauf hingewiesen, einen Absatz zitiere ich mal, der es gut auf den Punkt bringt:
Der Integrationsantirassismus ist im liberalen weißen Mainstream genauso beliebt wie er ideologisch Einfluss auf die gesamte antirassistische Bewegung hat. Die ihm zugrunde liegende These ist so einfach wie falsch: Wenn man die Leitungsfunktionen in Wirtschaft, Politik und bürgerlichen Medien „diverser“ gestaltet, überwindet man Rassismus. (LCM)

Ein Ansatz der sich auch in Deutschland immer mehr durchzusetzen scheint, einer, der häufig gut gemeint (human) ist aber meist nur innerhalb des Systems eine stabilisierende Funktion in der neoliberalen Vereinzelung des Einzelnen bewirkt.
Und in der Kritik dieser ideologischen Fehlannahme(die auch bei Heather Heyings Thesen drin ist, obwohl sie nun eher eine klassisch-bürgerliche liberal ist) und einer Rückbesinnung auf die soziale Lage der Betroffenen kommt man dem Kern des Problems deutlich näher, als im anekdotischen Sammeln von Alltagsrassismuserlebnissen, wie es in weiten Teilen der deutschen Presse aktuell geschieht.


Ich fürchte auch, es ist wenig hilfreich hier im Land nach strukturellem Rassismus zu suchen, selbst das sogenannte racial profiling ist imho nicht eindeutig in dieser Richtung zu interpretieren.
Denn, so frage ich mich, ab welcher statistischen Größe wird bspw. aus dem gerne unterstellten Vorurteil „Rassismus bei Polizisten als Triebfeder solchen Handelns“, die Handlung doch auf Basis von Erfahrung legitimiert und so zu einer Richtlinie oder gar sinnvollen Täterverfolgungsstrategie – eben basierend auf der Alltagserfahrung derer, die draußen den Kopf hinhalten?
Überall bei der Polizei Nazis und Rassisten zu vermuten geht sicherlich fehl, hier im Land, wie auch in den USA.


Ein kritischer Blick auf das aktuelle Geschehen steht in der NZZ als Interview mit Glen Loury, ‚Rassismus existiert, aber er erklärt nicht, was hier passiert
Die Feststellung :Ja, Rassismus ist allgegenwärtig, aber als entscheidender Faktor, der den sozialen Aufstieg ermöglicht oder verhindert, hat er im letzten halben Jahrhundert wesentlich an Gewicht verloren., erscheint mir durchaus diskutabel.


Und über allem schwebt in angeblich linker, aber doch zutiefst bürgerlicher Kritik und Lesart stets der ominöse, alte und weiße Mann, der an allem Schuld trägt.

Man könnte mal einen Blick auf den schwarzen Kontinent werfen und sich bspw. diesen Beitrag mit dem Titel „Rassismus ist universal“ durchlesen, und sich erstaunt die Augen reiben…sind ja nicht nur Alte, nicht nur Weiße und nicht nur Männer.
Ich kann diese sinnfreie Kampfzuschreibung aus dem SJW Milieu kaum noch hören, die besagt nämlich Nullkommanix.
Das Gejammer, alles Schlechte komme von alten und weißen Männern in den letzten 3-400 Jahren mag stimmen, aber eben auch ungefähr alles andere auf diesem Planeten, inklusive Kritische Theorie und Marxismus. Erdbeereis auch! 😛

Bürgerliche Staaten haben eine bürgerliche Ordnungsmacht in Form von Polizei und Spitzeldiensten; deren Vertreter sind dazu nötig, Recht und Ordnung, d.i. die Sphäre der Produktion und das Eigentumsrecht sicherzustellen indem die Gewinnmaximierung betrieben und Mehrwert von denen ohne Kapital abgeschöpft wird.

Wenn bestimmte Ethnien nun ökonomisch in der Nahrungskette dort stehen, wo man häufiger mit diesen Stützpfeilern einer hegemonialen und kapitalistischen Produktionsweise zusammenstößt, kommt man schlicht häufiger mit denen in Konflikt.

Das kann in Teilen auch -muss aber nicht- aus anderen Gründen als denen der Ökonomie passieren, bspw. Hautfarbe, Geschlecht oder Gesinnung.
Sklaverei wurde vor langer Zeit in den USA abgeschafft, volle Bürgerrechte hat man inzwischen auch bereits seit über 50 Jahren.
Leider scheinen viele der Ansicht, es sei heute schlechter als vor 100 oder 50 Jahren für die schwarze Bevölkerung in den USA bestellt, dies ist aber wohl -zumindest nach dem was ich so lese-, nicht der Fall.
Also, wenn man von den üblichen Verwerfungen der neoliberalen Verarmung der Habenichtse mal absieht – die betraf aber auch die zum Dank als white trash denunzierten abgestiegenen und abgehängten Arbeiter in den sterbenden Industrien einer welkenden Hegemonialmacht.

Ich denke, indem man die Kritik lediglich auf die Hautfarbe verengt, verstellt es den Blick fürs große Ganze.

Man darf mich da bitte nicht falsch verstehen. Sicherlich gibt es Rassismus in den USA -wie andernorts-, sicher gibt es dort eine quasi militärische Ordnungsstruktur mit einem merkwürdigen Hang zum Machtmissbrauch, der in Folge statistisch überproportional häufig Schwarze im Handlungsumfeld hat. Das kann man ja aus einer Menge Zahlen ablesen.

Ob dies nun aber en gros aus Gründen von white supremacy einzelner Cops geschieht (oder, wie manche sagen aus den Strukturen des Polizeiwesens) oder eben, weil Habenichtse eher dazu neigen Eigentumsrechte zu negieren, kann ich nicht sagen. Aus dem Bauch und meinem marxistisch verseuchten Gehirn heraus tippe aber auf letzteres.


Wir hören viel vom Erbe der europäischen Kolonisation, Denkmäler werden gestürzt und ahistorische Urteile der Nachgeborenen hängen in der Luft.
Ich frage mich dabei immer, ist Kolonisation nur dann schlecht, wenn sie von europäischen Mächten, also alten, weißem Männern, betrieben wird? Oder richtet man den Blick aktuell auch mal nach Afrika und betrachtet sich das dortige chinesische Engagement etwas genauer?
Ehrlich, ich bin kein Freund von Annahmen, die Welt sei `heute besser und weniger blutig, wenn Azteken oder Inkas ihre Macht über die Zeit gerettet hätten – dies scheint mir romantisierender ‚Edler Wilder‚- Kitschkram für die Esoterik-Kommode zu sein.
Auch glaube ich nicht das archaisches Stammesfürstentum die Welt besser gemacht hätte.
Nebenbei sei die Anmerkung erlaubt, dass sich die europäischen Mächte in den letzten 500 Jahren einen deutlich höheren Blutzoll und bodycount im Umgang untereinander erlaubt haben, als man es den Conquistadores (Epidemien mal ausgenommen davon) in Bezug auf die Landeroberungen in Lateinamerika anlasten könnte.

Wenn man also freudestrahlend über alte, weiße Männer pauschalisiert und das für einen legitimen Umgang oder gar eine Form von Analyse hält, sollte man sich gleichzeitig über den „Gutmenschen“ als Klassifizierung durch die rechte Brut nicht aufregen; dieser Begriff tut nämlich das gleiche nur von der anderen Seite her.
Zur Analyse von Themenbereichen eigenen sich beide nicht, sie sind lediglich Provokation und somit Teil eines destruktiven Diskursversuchs – quasi die Metaebene von ad hominem.
Somit sind das lediglich zwei Seiten der gleichen unproduktiven Medaille und abzulehnen.


Meist kommt in einem solchen Argumentationszusammenhang, der Hinweis auf die Notwendigkeit von Feminismus zum Brechen der Vorherrschaft des Patriarchats, also jener Herrschaftsform, die sich alte und weiße Männer gaben um den Rest der Welt zu knechten. Was ungefähr genauso gruselig ist, wie es klingt.
Nebenbei zeigen bspw. Studien aus der Wirtschaftspsychologie, dass es keinen signifikanten Unterschied in der Art des Führens bei Frauen in Führungspositionen zu ihren männlichen Geschlechtsgenossen gibt, sondern sie sich ihrer Schicht und Klassenzugehörigkeit entsprechend verhalten.
Ich empfehle für einen leichten Zugang zum Thema mal bei Prof. Kanning in seinen Youtube- Kanal reinzuschnuppern, bspw. in den Beitrag: „Führen Frauen anders als Männer? „.
Und es sind ebenfalls in weiten Teilen Frauen, die alte überkommene gesellschaftliche Verhaltensmuster reproduzieren, bspw. indem sie Kinder weiter beschneiden lassen – weswegen auch der zukunftsträchtige Weg über die Mutter gehen muss, um solche Teufelskreisläufe zu durchbrechen.
Wer Frauen oder Schwarze nur als Opfer denkt – oder sie alternativ als Superhelden aufbietet, der bewegt sich in einer positiven Rassismusbegrifflichkeit und verstärkt so die Probleme eher noch, als dass er sie löst.
Ich behaupte deswegen einfach mal, es kommt weniger aufs Geschlecht an, als vielmehr auf die Strukturen in denen sich selbiges bewegt. Ist quasi die Analogie zur Hautfarbe.


Argumentationsversuche in diese Mono-Richtung, Geschlecht oder Hautfarbe sind ein ernstes analytisches Problem, und in Konsequenz, Agens einer gesellschaftlichen Zerfaserung, verbunden mit einer einhergehenden Entsolidarisierung.
Sie finden -obwohl progressiv gemeint- nur in der Funktion des hilfreichen Idioten der vorherrschenden Produktionsweise statt.
Statt eines Unten gegen Oben, Ausgebeutete gegen Ausbeuter zersplittert man die eigene Kraft und reibt sich auf in Abgrenzungskriegen bei der Suche nach Klein-und Kleinstopfergruppen und Gendersternchenmystik. Schubladendenken par excellence.


Mein Aufhänger, was gerade bei sich als links verstehenden Gruppen schiefläuft, sind Geschichten wie „Evergreen College“ und die zunehmende Verselbstständigung von autoritärem Gehabe eben auf jener Seite, auf der ich mich selbst stehend sehe: im linken Bereich des politischen Spektrums.
Das ist nun ja nicht neu, ganz sinnvoll haben auf das Problem musikalisch ja schon die Schwarzen Schafe im letzten Jahrtausend hingewiesen.

Das totalitäre Element in den sich immer weiter zerfasernden Kleinstopfergruppen, spielt dem ideellen Gesamtkapitalist prima in die profitmaximierenden Griffel und macht den schmutzigen Job für die neoliberale Agenda sogar noch kostenlos und im Pathos der moralischen Überlegenheit. Man sollte immer dran denken, so wie man mit seinen Gegnern umgeht, der hämische Beifall, wenn man denen ein Ei an die Rübe zimmert oder ein Auto abfackelt, hallt genau berechtigt zurück, wenn es die eigenen Leute trifft.
Nun ist Trump als Soziopath und PotUS natürlich ein gefundenes Fressen und -klar ist es nett, wenn er vor einer leeren Halle steht, aber das ist doch unterm Strich…Kinderkram und eine Art von Umgang in der politischen Sphäre, die man sich überlegen sollte, wenn man sie an sich selbst nicht wiederfinden möchte.
Was ich von Trump als Person halte ist hoffentlich klar. Ich beobachte gespannt, was er als Präsident macht, weil ich daran interessiert bin zu verstehen, wie sich die USA gerade darstellen, als absteigender -oder zumindest vom Abstieg gefährdeten- Hegemon, wie sich eine neue Weltordnung daraus herauskristallisiert. Das Puppenkasperletheater der bürgerlichen Geschichtsbetrachtung interessiert mich dabei wirklich nur auf anekdotischer Ebene um einen Smalltalk für eventuelle Partys in der Nach-Coronazeit zu haben.

Dieser linke Pluralismus (das Sektierertum) hat in der bisherigen Geschichte dazu geführt, dass man sich von einem gemeinsamen Kampf gegen die Ausbeutung und die kapitalistische Produktionsweise hin zu einem geschwächten Zerrbild entwickelt hat. Wenn man sich in Kleinstkriegen selbst bekämpft, bleibt der tatsächliche Gegner freudig erregt als Sieger auf dem Schlachtfeld zurück.
Diese Art der Destruktion scheint linken (aber auch rechten) Gruppen inhärent zu sein, das was ich mal in Bezug auf die (bürgerliche) Französische Revolution und deren Radikalisierungsprozess in etwas anderem Zusammenhang schrieb.
Am Ende gibts dann eben Napoleon statt Marat oder Robespierre, Königtum statt Republik.

Was mich unglücklich macht sind die autoritären Tendenzen, die scheinbar immer öfter Fuß fassen können, das SJW Unwesen, die Denunziationen und Beweis- und Rechtsumkehr die stattfindet, wenn man solchen Leuten nicht entschieden entgegentritt, auch und gerade weil sie die eigene Bewegung damit untergraben und schwächen.

Und mir ist das tatsächlich wumpe, ob dann Rechte es sind die die Freiheit abschaffen wollen, oder jene, die in ihrer identitären Verblendung gefangen, sich selbst als Progressiv wahrnehmende vermeintliche Verbündete.

Es sind auch solche Geschichten, wie eben bei fefe gefunden, die man sich angucken muss.

Nebenbei sollte man beim Thema Kulturindustrie und wer dort aktuell die ideologische Hegemonie in der führenden Hollywoodisierung der Welt trägt, auch im Auge behalten, dass dort tatsächlich absurde Zerrbilder von Kleinstgruppen aufgepumpt werden um in den Serien des Alltags ihre Propaganda zu entfalten. Ganz schlimme wokeness Serien wie die „Watchmen“ bspw. kann ich mir schon gar nicht mehr antun, dass inzwischen in jeder Serie die Führungspersonen weiblich und lesbisch sind, kann man zur Kenntnis nehmen, auch wenn die gerade stattfindende Häufung wohl nicht mal mehr in einer Relation zum tatsächlichen Vorkommen in der Gesellschaft(in den meisten Fällen die us-amerikanische) steht.
Sobald das aber mit dem didaktischen Holzhammer eingeprügelt wird, sträubt sich bei mir immer mehr dagegen und erreicht genau das Gegenteil dessen, was wohl beabsichtigt ist.
Mag sein, dass dies bei jüngeren Menschen noch besser klappt, mich kriegt man damit nicht mehr.

Mir war es in meinem Leben bisher immer egal, welche Hautfarbe (o.k. das habe ich wenig Menschen vorzuweisen mit denen sich meine Wege gekreuzt haben), Geschlecht oder Religion jemand hatte.
Ich habe meine Unterscheidung immer nach dem Kriterium getroffen, ob jemand ein Arschloch ist oder nicht. Und falls es ein Arschloch war, von dem ich was lernen konnte, war mir das auch egal – ich muss ja nicht alles von jedem mögen oder nach meinem Kriterium bewerten. 😉

Nebenbei bin ich der Meinung: Wer Recht und moralisch anständiges, faires Verhalten nur seiner Clique zubilligen mag, aber es Andersdenkenden abspricht ist ein totalitärer Arsch, egal wo er sich selbst politisch und moralisch verlotet.


Da ich ja auch ein gehässiger und böser Mensch bin, brauche ich hin und wieder etwas, was mir auch Spaß macht.
Um also den von den Rechten gekaperten Gutmenschen als Kampfbegriff zu vermeiden bietet es sich vermutlich an, einen chinesischen Begriff zu kultivieren, mit dem ich -dank Großmeister Burks seinem Beitrag– in Kontakt geraten bin: Baizuo
Eventuell deckt der chinesische Spottbegriff Baizuo das Problem der unterschiedlichen und problematischen Diskurswelten im Land aktuell ganz gut ab.
Dieser, so zitiere ich mal: „bezeichne […] Personen, die sich nur für Themen wie Einwanderung, Minderheiten, LGBT und Umwelt interessierten und keine Ahnung von Problemen der realen Welt hätten, und scheinheilige Humanitaristen, die für Frieden und Gleichheit einträten, nur um ihr eigenes Gefühl moralischer Überlegenheit zu befriedigen. Diese seien so sehr von politischer Korrektheit besessen, dass sie dem Multikulturalismus zuliebe rückwärtsgewandte islamische Werte tolerierten, und glaubten an den Wohlfahrtsstaat, der nur Faulenzer und Trittbrettfahrer begünstige. Sie seien ignorante und arrogante Westler, die den Rest der Welt bedauerten und sich für Retter hielten.(ebenda)“
Rumms! Chinesen, man muss sie einfach mögen. 😊


Und, um den Schleier ein wenig zu lüften. Da kann man lesen, wo der Zug hinfahren müßte, sofern man sich vom Schein der Rassismusdebatte lösen und sich dem realen Problem zuwenden mag. We don’t want Black landlords and Black bosses. We want to abolish private property and the capitalist system.
Eigentlich wollte ich dazu ja nix schreiben und nun ist es doch wieder etwas mehr geworden.


EIGENTLICH wollte ich doch nur zwei Bilder posten und berichten, wie gut sich meine Salatabschnitte auf dem Balkon entwickeln, und, dass die Kartoffeln fleißig giftiges Grün angesetzt haben.


Inzwischen stopfe ich keimende Kartoffeln oder keimende Zwiebeln auch einfach in einen Topf.
Bei den Kartoffeln bin ich im Herbst mal gespannt, was da dranhängt – das Zwiebelgrün hingegen schmeckt prima im Salat oder -wenn es blüht- freuen sich die Insekten, zumindest die, die noch da sind.


Zum Abschluss und zum Tag des alten, weißen Mannes ein Lied von Funny van Dannen mit dem Titel: „Lesbische, schwarze Behinderte“.

Einen entspannten Feierabend wünscht Ihnen Ihr Blödbabbler, Unkraut des HErrn!

12 Gedanken zu “Gedanken und Salat

  1. Wie immer ein ordentlicher Stoß um den Schaukelstuhl zum schwingen zu bringen …. und ich nehme nur einen Aspekt heraus, weil es mir nach eigenem Erleben in den USA so vorkommt, als ob man das so nicht stehen lassen sollte wie Sie es beschrieben haben:

    Schwarze stehlen nicht häufiger als andere Rassen weil das in ihnen steckt.

    Die Gesellschaft nach dem Sezessionskrieg war so gestaltet worden wie es der Norden wollte – und wie es zähneknirschend die Südstaatler hinnehmen mussten. Allerdings mit der Absicht, es nie zu einer Umkehr des Machtgefüges kommen zu lassen.

    Ich will hier keine US Geschichte lehren, daher nur der Hinweis, dass es sowohl bei der Eigentümerschaft von Wohneigentum, dem Erwerb ausreichender Schulbildung und daran anschließender Weiterbildung, und dem Zugang zu besser bezahlten Tätigkeiten in Industrie und Bau stumme Grenzen gibt, die durch den unterschwelligen Rassismus aufgebaut werden – und zwar völlig unabhängig von Geld oder gleichartigen schlechten Ausgangsbedingungen (die natürlich in manchen Staaten auch die Weißen haben).

    Wenn es darum geht wer den Job bekommt, selbst auf der untersten Stufe, hat der Schwarze stets das Nachsehen.

    Wenn dann die Sozialhilfe ausläuft und die gleich unterprivilegierten Verwandten nicht mehr helfen können – dann ist der Weg zur Kriminalität geebnet. Dazu kommt noch der Terror einer Polizeitruppe die überproportional Schwarze herauspickt und kujoniert. Dieses Gemisch aus Ausweglosigkeit und Protest gegen die Fehlbehandlung endet schließlich in der Kriminalität.

    Anders gesagt:
    Das System ist darauf ausgelegt, vor allem die jüngeren Schwarzen, 25-35, die früher ‚produktive‘ Sklaven waren, in die Gefängnisse zu stecken und sie dort als Arbeiter auszubeuten. Die verschiedenen Interessengruppen in einer solchen ’slave chain‘ arbeiten effektiv zusammen. Das Ressentiment der armen Weißen, die in der Armee oft von intelligenteren Schwarzen befehligt werden, weil dort Rassismus höchstens punktuell und immer nur bis zu seiner Entdeckung vorhanden ist, kommen später in Polizeiuniform wieder auf die Straßen und dann lassen sie die Sau raus …. dienen so auf andere Art dem System ohne es selbst überhaupt begreifen zu können.

    Ich habe sehr belesene, hoch intelligente Schwarze kennengelernt, die entgegen allen Umständen, teilweise nur durch Förderung Weißer ermöglicht, das geschafft haben, was den meisten ihrer Rassegenossen verschlossen bleibt: den Aufstieg im akademischen ~ und Kapitalgesellschaftbereich.

    Viele davon leben heute nicht mehr in den USA. Das allein sollte ausreichen das Problem dieser Gesellschaft dort zu erkennen. Sie ist im derzeitigen Zustand unfähig Gerechtigkeit herzustellen. Das haben Sie treffend herausgearbeitet.

    So trifft denn auch zu was Sie postulieren und was ich so umformulieren will:
    So lange sich nicht die *Progressiven* in der demokratischen Partei als Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat über die von den ‚corporate sponsors‘ geförderten *Konservativen* hinweg setzen können und eine neue Gesetzgebung für die Masse durchzudrücken schaffen, bleibt es beim allmählichen Niedergang und der Bereicherung Weniger auf Kosten der Restbevölkerung.

    Chinesen und Russen, wahrscheinlich auch die Inder, werden die Lücke schließen, die der US Imperialismus hinterlässt.

    Liken

    1. Hallo Herr wvs, Danke für ihre Ergänzung. 🙂

      Aber, ich muss jetzt, nachdem sie mich gehörig erschreckt haben und ich deswegen meinen Text nochmal nachgelesen habe – und nix mit der von ihnen angenommenen Intention gefunden habe aus dem sie folgendes klarstellen zu müssen meinten :“Schwarze stehlen nicht häufiger als andere Rassen weil das in ihnen steckt.“, nachhaken.

      Glauben sie tatsächlich, ich würde davon ausgehen, es gäbe ein schwarzes Diebstahl-Gen oder ähnliches?
      Glauben sie allen Ernstes, ich würde davon ausgehen, es gäbe Rassen unter den Menschen und dann welche darunter, die bestimmte verbrecherische Eigenschaften hätten?
      Denn so verstehe ich ihren Hinweis.
      Das wäre eine absurde Annahme und tatsächlich -obgleich es keine Rasse gibt- eine mir unterstellte rassistische Annahme, die ich strikt von mir weise.

      Worauf ich im Text hingewiesen habe, und da zitiere ich mal Glenn Loury aus dem oben verlinkten Interview in der NZZ ist zu konstatieren:

      Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum in einen Konflikt mit der Polizei gerät, hängt von der Häufigkeit ab, mit der dieses Individuum sich in einer Art verhält, welche die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zieht. Dieses Benehmen ist nicht gleich über alle Bevölkerungsgruppen verteilt. Afroamerikaner sind im Gefängnis übervertreten, weil sie mehr Taten begehen, für die man mit Gefängnis bestraft werden kann.[…]
      Schwarze machen im Durchschnitt etwa 40 Prozent der Insassen in Gefängnissen und Vollzugsanstalten aus, sie stellen aber nur 15 Prozent der Bevölkerung. Schaut man sich die Statistiken an, gibt es darin keinen Beweis für die These, dass die Übervertretung sich mit rassistischen Vorurteilen der Polizei oder der Gerichte erklärt. Vielmehr geht daraus hervor, dass eine Übervertretung von Schwarzen bei Gesetzesverstössen existiert.

      Mein Hinweis im Text bestand also darin, auf die Wahrscheinlichkeit zu verweisen, mit der (vermutlich) Habenichtse eher klassische Straftaten begehen, die mit Gefängnis geahndet werden, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Das Verfolgen der Taten kann dann, muss aber nicht, durchaus rassistisch motiviert sein.

      Was die Zeit nach dem Bürgerkrieg von 1865 angeht, der Norden brauchte Arbeiter für seine Industrien, der Süden hatte Sklaven und so bot es sich aus Eigennutz an, diese ‚zu befreien‘. Quasi der Wandel vom Feudalrecht hin zum kapitalistischen System in a nutshell. Ob der Kapitalismus dann letztlich deutlich besser für die ehemaligen Sklaven gesorgt hat, steht zu vermuten; Freiheit, selbst die, sich und seine Haut zu Markte tragen zu müssen um nicht zu verhungern, ist vermutlich immer besser, als unfrei und versklavt zu sein.

      Ich hätte vermutet, Indianer, sorry, Ureinwohner, würden noch schlechter gestellt sein bei der Jobsuche als der gemeine Schwarze.
      Wie gesagt, ich will gar nicht bestreiten, dass es (latenten) Rassismus in den USA gibt, behaupte aber dies ist nicht mehr, sondern weniger über die letzten 50-150 Jahre geworden.
      Loury sagt dazu: „Aber das Wesen und die Struktur der Gesetzgebung haben sich in den letzten fünfzig Jahren radikal geändert. Ich bin 72 Jahre alt, und ich weiss, wie es in den fünfziger und sechziger Jahren zuging. Die USA sind ein ganz anderes Land geworden.
      Weisse können heute ihre Stelle verlieren, wenn sie im falschen Ton mit Schwarzen reden. Es gibt auf allen Ebenen der Regierung Institutionen, die sich vollzeitlich mit Aktivitäten gegen Rassismus beschäftigen. An jeder Hochschule gibt es eine einflussreiche Stelle, die sich um Diversität und Inklusion bemüht. Förderungsmassnahmen wie «affirmative action» sind sogar ins Silicon Valley vorgedrungen.“
      Wer immer den Grund für eine aktuelle Situationen nur in Zeiten long before our time sucht oder wer sich via Opferpunkten-Olympiade versucht aufwandsfrei an Pfründen zu laben und moralische Erpressung zu betreiben, der hat meine Skepsis sicher.

      Ich behaupte weiter, Schulen in Gegenden mit Schwarzen sind nicht deswegen schlechter, weil es Schwarze sind die sie besuchen, sondern weil dort geballt die unteren Schichten leben. Hautfarbe (fast) egal, Ökonomie wichtiger.

      Und jetzt schlage ich mal eine böse Brücke nach Deutschland. Wir haben bestimmte Gruppen an Menschen, die einer bestimmten Religion anhängen, gerne auch immer häufiger und religiöser. Die Kinder dieser Gruppen landen in den Schulabschlüssen in weiten Bereichen in den untersten Rängen bei Statistiken, zunehmend gehen sie in Deutschland ohne Schulabschluss ab. Tendenz steigend.
      Wir wissen, dass in Deutschland, wie in wenigen anderen Ländern, ein erfolgreicher Schulabschluss stark mit der ökonomischen Stellung der Eltern korreliert. Das ist ein veritables Problem, eins, dass man im Gefolge der 68’er ein wenig verbessert hatte, aber der backlash hat da längst zugeschlagen.

      ABER…wenn man sich z.B. die Mühe macht und das Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ von Susanne Wiesinger liest, stößt man darin in Bezug auf österreichische ‚Problemschulen‘ auf Passagen wie folgende:

      Die für die jeweilige Klassenstufe vorgesehenen Schulbücher können oft nicht mehr verwendet werden. Viele Kinder haben einen zu geringen Wortschatz und sprechen zu schlecht Deutsch. Die trivialsten Zusammenhänge werden nicht verstanden. Alles muss vereinfacht werden. Viele Inhalte werden aus religiösen Gründen verweigert. Die Kombination von sprachlicher Überforderung und inhaltlicher Ablehnung ist der Super-GAU für jeden Lehrer.

      Religion ist, wenn ich bspw. Trevor Noah zuhöre, in schwarzen Familien immer präsent, Jesus die wichtigste Person, jene, die es eben schon richten wird. Klingt ein wenig wie die islamische Idee, dies Leben sei nur ein notweniges Übel bei dem es sich nicht lohne viel zu investieren, denn wichtig sei nur die Zeit danach. Mit so einem Motivationskiller ist es schwer sich für Bildung, Fortschritt und Karriere zu interessieren. Intellektuelle Lethargie die Folge, deren Loch dann mit mehr Religion gestopft wird.
      Mangelnde Bildung und Armut gepaart mit Religion – Monster die sich gegenseitig füttern und Menschen in Sklaverei halten, hier eben auch die selbstverschuldete.
      Und Loury sagt einen bemerkenswerten Absatz in Bezug auf Erfolgsquoten und Ziele schwarzer Amerikaner.

      Wir stellen fest, dass Immigranten, woher sie auch immer kommen, nicht annähernd so schlechte Erfolgsquoten haben wie gewisse Afroamerikaner. Das zeigt doch, dass ein wesentlicher Grund dafür ist, dass diese Gruppen mit einer anderen Kultur ankamen, andere wertorientierte Erwartungen an das Verhalten ihrer Mitmenschen hegen.

      Wir können sehen, dass amerikanische Colleges ihre Eignungstest fälschen zu Ungunsten von Asiaten raten oder bewusst wegfallen lassen, weil sonst zu wenig Schwarze und nur noch Asiaten dort säßen, das ist dann zu wenig divers. 😉
      Asiaten sind überproportional häufig an Unis vertreten, obwohl ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Jemand der als Flüchtling ins Land kommt, farbig und ohne Wurzel etc. schneidet überproportional gut ab, während schwarze Eingeborene unterdurchschnittlich abschneiden. Rassismus?
      Man könnte sicher eine Diskussionen über Arbeitsethik beginnen, über gruppenspezifische Werte und ihre Kompatibilität in der aktuellen Gesellschaft, auch über Ehrgeiz und Durchhaltevermögen und dem Problem in the ghetto groß zu werden, aber ich vermute dies gilt dann auch in Bezug auf die ganzen china towns oder little italys im Land.
      Wenn wir jetzt davon ausgehen, was man als vernünftiger Mensch machen sollte, dass es keine genetische Disposition für Intelligenz, Strebsamkeit etc. gibt, etwas das einer angedichteten ‚Rasse‘ innewohnt, was bleibt als Erklärungsmuster übrig. Warum schneiden bspw. Menschen, die muslimischen Glaubens sind, in weiten Teilen beim Bildungserwerb so schlecht ab, wie sie es tun? Was hindert Schwarze in den USA daran einen Schulabschluss zu machen und warum kommen Chinesen und Inder global gut voran obwohl sie gewöhnlich sozial und ökonomisch nicht deutlich besser gestellt sind in den aufnehmenden Gesellschaften?
      In Bezug auf die USA und Schwarze eine Möglichkeit -und da kommt dann tatsächlich nochmal die Geschichte ins Spiel- konnte man in der NZZ in einer guten Auflistung sehen, in der bspw. die Kreditvergabe in den 30 Jahren im Rahmen des „New Deal“ als Problem ausgemacht wurde.
      So manifestierte die Kreditvergabe -oder deren Absenz- die damals bereits existierenden Strukturen, die sich bis zum heutigen Tag in weiten Teilen erhalten haben, und sorgt so auch heute noch für einen schlechten Start. Wobei ich jetzt überrascht bin, wie wenig Mobilität anscheinend in der bewussten Gruppe anliegt. Warum bleibt man am Ort des Grauens und der verstellten Zukunft? Meine Vorstellung von Amerika war immer massive Mobilität, aber wahrscheinlich ist das einfach eine Fehleinschätzung von mir.
      Allerdings scheint eben auch ein Wandel innerhalb der schwarzen Gemeinschaft selbst den sich reproduzierenden Strukturen einen gewissen Vorschub zu leisten. Loury sagt dazu

      Ich rede vom Graben in der Bildung, von der höheren Kriminalitätsrate, ich rede von der Zerstörung der schwarzen Familien. Sieben von zehn schwarzen Kindern werden ausserhalb der Ehe geboren. Es ist eine Tatsache, dass eine Familienstruktur, in der eine Mutter, aber kein Vater vorkommt, für das Einüben normativer Praktiken in der Gesellschaft ungesund ist, sozial ungesund, weil es verhaltensauffällige Jugendliche produziert.

      Etwas ähnliches -aber nicht auf den Ehestatus limitiert- schreibt auch eine Studie, die im Beitrag mit dem New Deal in der NZZ verlinkt ist,

      Higher rates of father presence among low-income black households are associated with better outcomes for black boys, but are uncorrelated with the outcomes of black girls and white boys. Black father presence at the neighborhood level predicts black boys’outcomes irrespective of whether their own father is present or not, suggesting that what matters is not parental marital status itself, but rather community-level factors associated with the presence of fathers, such as role-model effects or changes in social norms

      Das Problem letztlich alles nur auf die Zeit um 1619 ff. als Grund zu reduzieren und schlicht: „Rassismus!“ zu rufen erscheint mir auch deswegen einfach zu kurz gedacht.

      Auch vermute ich, dass der sogenannte white trash ebenfalls -nach Auslaufen von Sozialhilfe- problematische Zeiten in Bezug auf Gelderwerb und das tägliche Überleben hat; wenn die Kohle fehlt ist die Hautfarbe eben nicht das erste Kriterium.
      Ebenso, dass die USA ein bizarres Modell von einem durchkapitalisierten, privaten Gefängnissystem eingeführt haben, führt eben genau dazu, dass bauartspezifisch Gefängnisse voll oder übervoll sein müssen.
      Man muss diesen ‚Markt‘ mit Menschenmaterial bedienen, so steigen in Folge die Verurteilungsraten an, weil eben dadurch Mehrwert und Profit des Marktteilnehmers generiert wird.
      Trotzdem ist es -wie in allen bürgerlichen Staaten üblich- natürlich auch so, dass sich die Strafen schon nach der Klassenzugehörigkeit richten.
      Die Habenichtse landen im Knast, die Mittelschicht wird mit Geldstrafen erschreckt und auf Linie gehalten und die Elite lässt ihre Anwälte im schlimmsten Fall einen guten Deal aushandeln.
      Das sehen wir aber eben nicht nur in den USA. In Deutschland sitzen überproportional viele Ausländer im Gefängnis, in einigen Ländern bis zu 50% der Insassen (damit sind Menschen ohne deutschen Pass gemeint), und wenn man mal von Uli ‚Ich-habe-den-Überblick-verloren‘ Hoeneß oder Thomas ‚Karstadt-retten-leicht-gemacht‘ Middlehoff absieht(die ja beide ihre Strafe abgesessen haben und nun wieder nützliche Mitglieder der Gesellschaft sind) sind die meisten Insassen mit deutschem Pass eher aus dem Lumpenproletariat – mithin tippe ich mal hohl aus dem Bauch auf eine ganze Menge Männer, zwischen 20 und 30 Jahren mit ehemals türkischem Pass. Ja, ein Vorurteil, ich weiß, stehe ich aber zu. Wenn ich mal Lust habe, suche ich nach einer passenden Statistik, wobei die eher nicht zu haben sein dürfte, weil deutscher Pass, deutscher Insasse (man kann dann nur über Bande mit der Religion interpolieren).

      Zu ihrem letzten Satz, den ich inhaltlich nicht teile, weil er den Demokraten oder einem Teil von denen, der nie eine Mehrheit bekommt, zu viel ‚Willen fürs Volk‘ zubilligt habe ich in einem ähnlichen Zusammenhang vorhin gerade in einer Diskussion folgendes geschrieben:
      Als ich noch an der UNI war, damals, als die SU starb, waren in der letzten Phase ein paar Leute aus dem ZK der KPdSU zu einer Podiumsdiskussion geladen (wie oft zu dieser Zeit, auch hier im Ort bei der DKP gabs das). Die wurden mal gefragt, wie sie mit der undemokratischen Einparteienherrschaft und der dadurch bestehenden massiven Einschränkung politischer Ideen/Handeln denn umgehen könnten. Einer aus der Gruppe sagte dann trocken, die politische Spanne innerhalb der KPdSU sei bedeutend weiter, als die zwischen Demokraten und Republikanern in den USA. Das ist mir- bei aller Kritik die man dort en detail vermutlich anbringen kann und müsste- im Gedächtnis geblieben. Die letzten Jahrzehnte haben den Unterschied in manchen Bereichen wohl verstärkt, aber die Bandbreite ist nicht so dramatisch wie immer getan wird. Ich tippe immer noch es gibt auch Republikaner, die bspw. nicht ständig Abtreibung ist Mord faseln. Und die aktuelle Politik von Trump ist ja sowieso schwierig einzuschätzen, weil wir es offenkundig auf der Seite der handelnden Personen ausnahmelos mit Soziopathen oder Irren zu tun haben(egal ob das Pence, Bolton und wie die Wechselbälger alle heißen und hießen). Die Politik jedoch versucht -mit den Mitteln von Protektionismus, Wirtschaftsförderung, Sanktionen und Verringerung der militärischen Präsenz- den tendenziellen Untergang der USA als Hegemon der Nachkriegszeit aufzuhalten. Ob das die probaten Mittel sind um dort die Strukturen aufrecht zu erhalten, wird man sehen. Meine Einschätzung ist, dass der Niedergang der USA mit dem langsam kollabierenden postfordistischen Vergesellschaftungsmodell nicht zu stoppen sein wird. Der Aufstieg der USA ist eng verknüpft mit dem Fordismus, dessen Ende hätte (und hat) schon zu deutlichen Problemen der USA führen müssen (wir erinnern uns der Aufstieg Japans / Asiens fiel in diese Phase), was er auch tat. Der Zusammenbruch der SU gab nochmal Aufschwung, der Wechsel zu der heute als Neoliberal bekannten Ökonomie verschaffte den USA noch ein wenig Luft. Im Hintergrund hat sich mit China nun ein aufsteigender Stern langsam daran gemacht den Wechsel einzuleiten, das geht nicht bruchlos und auch nicht gewaltfrei – Hongkong bspw. ist da nur ein kleiner Hinweis darauf.

      P.S. Ich überlege noch über die beiden Grafiken zu Drogen in diesem Beitrag von Ihnen, ob das absolute oder relative Zahlen in Bezug auf die Populationsgrößen darstellen.
      P.P.S. Es gibt ja auch noch einen beeindruckenden Vergleich zwischen Schusswaffentoten in den USA im Vergleich zu dem U.K.

      P.P.S. Ich grüble auch noch, ist es eigentlich auch Rassismus, wenn ein schwarzer Polizist einen schwarzen Täter tötet? Überstrahlt und sticht dann struktureller Polizeirassismus die hautfarbenspezifische Unschuldsvermutung aus?

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      1. PS
        “ .. Ich grüble auch noch, ist es eigentlich auch Rassismus, wenn ein schwarzer Polizist einen schwarzen Täter tötet? Überstrahlt und sticht dann struktureller Polizeirassismus die hautfarbenspezifische Unschuldsvermutung aus? .. „

        Schwarze Polizisten benehmen sich oft schlimmer als weiße Rassisten um zu beweisen, dass sie „dazu gehören“, sich eingliedern … gleiches gab es bei den Kapos in den KZs.

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        1. Laut den Zahlen die ich dazu sehen konnte -allerdings ist die Quelle eher unrein*)- töten schwarze Cops häufiger schwarze Verdächtige; ein Erklärungsversuch liegt darin, dass im Süden mehr Schwarze leben und dort auch mehr schwarze Cops Dienst tun. Bereinigt um diesen Effekt liegen die Hautfarben ungefähr gleich in der Tötungsstatistik.

          Falls es nciht zu viel Mühe macht, fände ich einen Hinweis zu meiner Frage auf die Grafik in ihrem Beitrag hilfreich (der Punkt unter P.S. in meiner vorherigen Antwort).

          *) Der Autor schreibt für unterschiedliche Medien, darunter auch für die rechte Junge Freiheit, aber auch bspw. novo-argumente.

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  2. Es tut mir leid, wenn der Eindruck entstanden ist ich unterstellte Ihnen Rassismus – das war nicht so gemeint und es war eine Folgerung aus dem verlinkten Text wobei ich offenbar ihre damit verfolgte Absicht fehlgedeutet habe.

    Video:
    Punkt 10.White nationalists may also be involved in inciting violence on American streets now – wurde in Frage gestellt. Dazu gibt es (nur ein Beispiel von Vielen, ganz aktuell) folgendes
    http://littlegreenfootballs.com/page/327348_Horrified_and_Disgusted_Beyond

    Sie haben mir mal erklärt was „whataboutism“ ist – und nun lese ich hier, bei uns gäbe es ja auch einen Überhang an bestimmten Herkünften in den Gefängnissen und das verstehe ich so, dass es dann in den USA ja nicht anders und deswegen ganz in Ordnung sei. Wie ich überhaupt – in dem Antwortkommentar noch verschärft – erkenne bzw. zu erkennen glaube, dass Sie den Schwarzen die Schuld an ihrer miserablen Situation wenn nicht komplett so doch teilweise als ‚typisch‘ zuweisen.

    Ich will ‚mal ganz schlicht Erfahrung ins Spiel bringen und so formulieren:
    Nach vielen Jahren in der US Gesellschaft und in Tätigkeiten vom
    – Telefonbuchausträger über
    – Aushilfslehrer über
    – Tutor, über
    – Business Trainer für eine der größten Gesellschaften in den USA (Corning Glass) über
    – ‚Director of European Development‘ in einer Immobilienfirma bis zu einer
    – Lehrtätigkeit an einem der bekanntesten Marketing Institute in der State University of NY
    habe ich beobachtet was ich im Kommentar oben beschrieben habe und das nicht in einem der ‚red states‘, sondern lediglich im Norden.

    Das was ich dort selbst sah kann sich niemand ‚anlesen‘,
    und seien die Quellen auch noch so hoch gelobt.

    Das muss man erlebt und durchgemacht haben. Meine Chefin in der Tutorentätigkeit war schwarz, eine brillante Frau, belesen und firm in US Geschichte mit besten Uni Noten und zwei (masters) Abschlüssen, die ihr allerdings nichts einbrachten als dumme Bemerkungen wie sie das denn geschafft habe und so baute sie einen Tutorendienst für lernschwache Kinder auf – auch das wieder nur ein Beispiel aus vielen die ich kenne.

    Wenn das was dieser Frau angetan wurde nicht systemischer Rassismus war, was ist es dann?

    Noch ein kleiner Hinweis zu den Parteien:
    Die Demokraten in der jetzigen Konstellation unterscheiden sich nur marginal von den Republikanern. Die ‚progressives‘, die sich dadurch definieren, dass sie kein ‚corporate money‘ annehmen, sind noch in kleiner Zahl, können so keine Gesetzgebung wesentlich beeinflussen. Aber warten Sie mal ab, wie das nach der nächsten Wahl aussieht, das wird ein Erdrutsch der die konservativen Amtsinhaber der Demokraten wegfegt und Progressive an ihre Stelle setzt …. auch im Senat, und dann wird die Dynamik einsetzen, dass die Mittelschicht verstehen lernt wie sie seit Jahrzehnten zum Konsum und in die Verschuldung getrieben wurde, dann wird es den Multimillionären mulmig werden wenn es heißt

    „We still know where the pitchforks are!“

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    1. Ich sehe nicht wo Heather Heying das in Frage stellt. Sie -und auch Weinstein- sagen lediglich, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres podcasts haben sie noch keine evidence gesehen, die zeigt, dass white nationalists bei den Gewaltausbrüchen -als false flag, so verstehe ich das- involviert wären, aber sie es eben sein könnten.
      Der Knackpunkt um den es unter Punkt 10. aber geht, ist wohl eher der Teil mit Trump und dem vermeintlichen call to arms.
      Da sind sie doch sicherlich Wissenschaftler genug um die vorsichtigere Aussageform anzuerkennen, oder?

      Sie haben mir mal erklärt was „whataboutism“ ist – und nun lese ich hier, bei uns gäbe es ja auch einen Überhang an bestimmten Herkünften in den Gefängnissen und das verstehe ich so, dass es dann in den USA ja nicht anders und deswegen ganz in Ordnung sei.
      Nicht alles, bei dem man eine Analogie bemüht oder eine ähnliche Situation herbeizieht um einen Punkt zu verdeutlichen ist whataboutism. 😉
      Mein Punkt -bei dem von ihnen angeführten Verweis- war nicht von etwas abzulenken und zu relativieren (denn dies ist die Intention hinter der Begrifflichkeit), sondern stattdessen deutlich zu machen, warum bestimmte Gruppen (nicht nur in den USA) überproportional häufig die Gefängnisse bevölkern.
      Ein klassisches Beispiel für whataboutism wäre z.b.: Ich negiere die Wirksamkeit von Homöopathie jenseits des Placebo-Effekts und mein Gesprächspartner ergänzt: Aber die Pharmaindustrie ist total schlimm, weil da Medikamente Nebenwirkungen haben. Das mag ja so sein, wo eine Wirkung da eine Nebenwirkung, aber es entkräftet nicht die Kritik an der Homöopathie, sondern verlagert das Thema eben auf den Bereich…oh weh…da ist es auch schlimm!
      Ich hoffe, sie sehen den Unterschied zu meinem Verweis.
      Und nebenbei, woraus sie da meine Zustimmung zu diesem von mir schlicht geschilderten Sachverhalt (Gefängnisse werden global überproportional von Unterschichtlern bevölkert) herauslesen, entzieht sich ernsthaft meinem Verständnis. Es wirkt auf mich manchmal fast so -so ich mal böswillige Trollerei ausschließe – als wenn ihnen übergreifendes Textverständnis abhandengekommen wäre und sie deswegen einzelne Sätze aus dem Zusammenhang missinterpretieren wollen; sehr merkwürdig das. *grübel*
      Fairerweise muss ich aber zugeben, da mir dies in letzter Zeit häufiger geschieht, könnte der Fehler auch in meinen Formulierungen liegen, bei denen ich eben nicht jede Selbstverständlichkeit (in meinen Augen) nochmal bewusst reinschreibe, sondern sie schlicht als gesetzt annehme.
      Auch liegt es nicht in meiner Absicht, noch gehe ich davon aus, wie sie schreiben, dass das alles alleine selbstverschuldetes schwarzes Unvermögen sei.
      Was ich hingegen beabsichtige, ist, neben den Offensichtlichkeiten, die ich wohl tatsächlich besser zusätzlich nochmal hätte hinschreiben müssen, den Blick zu erweitern und auch Eigenverantwortung und die Möglichkeit das eigene Leben jenseits einer zugeschriebenen Opferrolle – die sich aus der Hautfarbe ergibt- denkbar zu machen.
      Im krassen Fall behaupte ich: man hat immer zwei Möglichkeiten, niemand wird wirklich gezwungen alte Frauen auf der Straße zu überfallen oder seine Umgebung noch scheissiger zu machen, als sie eh‘ schon ist. Wie bei den Morden an Moslems ist es mit den Morden unter den Schwarzen…die meisten töten sich untereinander, was aber auch klar ist, da sie eben meist die selben Orte bevölkern und miteinander oder gegeneinander leben.
      Natürlich kann kein denkendes Wesen der Meinung sein, es läge an Hautfarben, warum bestimmte Gruppen schlechter abschneiden, als andere, das ist eben nicht gottgegeben, sondern in weiten Teilen Ergebnis eines historischen Prozesses. Aber deswegen habe ich ja den Loury mehrfach zitiert, man darf sich doch nicht so fatalistisch seiner eigenen Möglichkeit berauben, wie es wohl in den Großstädten der USA bei weiten Teilen der schwarzen community stattfindet. Wenn ein Problem falsche oder keine Vorbilder sind, wenn fehlende erziehende Väter den Weg für schwarze Jungen in eine bessere Zukunft verstellen, ist das doch nicht in erster Linie ein rassistisches Problem, sondern eines, das die Menschen selbst angehen müssen. Niemand zwingt die Menschen dort zu 70% Nachwuchs ohne männliches Rollenbild in einer Familie, also ohne Vater in die Welt zu setzen und so die Strukturen wieder und wieder zu reproduzieren. Oder täusche ich mich da so gewaltig?
      Natürlich zählt schwarzes Leben, wie jedes Leben, dies überhaupt schreiben zu müssen, ist doch bereits grotesk.
      So schreibt die NZZ wie ich finde treffend -hier in Bezug auf die BLM Proteste in Deutschland- Der Slogan «Black Lives Matter» ist der Big Mac der Protest-Rhetorik: richtig, aber auch banal und leicht verdaulich.
      Und stellt fest:Wer ihn sich zu eigen macht, will Teil von etwas Grossem sein. Dass eine Gewalttat in den USA mehr Menschen in Deutschland auf die Strasse bringt als die Morde von Halle und Hanau, ist befremdlich.
      Und nein, damit will ich nicht von den USA ablenken, aber da ich in Deutschland lebe, finde ich auch solche Überlegungen durchaus richtig und wichtig, denn die Diskussion läuft ja auch in Deutschland.
      Selbstverständlich, so kann ich nur deutlich sagen, hat die amerikanische Geschichte zu einem ungleichen Zustand geführt, der sich heute so darstellt, wie er es tut, weil sie so verlaufen ist, wie sie es tat. Das ist banal.
      Ebenso selbstverständlich sind die Startvoraussetzungen in den USA nicht gleich, wie auch -dieser Hinweis sei mir erlaubt- in nahezu allen anderen Ländern in denen es ein Klassensystem gibt.
      Was in den meist äußerst universitären und in der Mittelschicht verbreiteten Theorien über „Privilegien“ häufig vergessen wird, ist zunächst, dass sich die Lebensverhältnisse am unteren Ende der sozialen Schichtung einer Gesellschaft immer noch deutlich stärker ähneln, als wenn sie alleine entlang von Diskriminierungsformen betrachtet werden. Die Wohnverhältnisse der weißen und Schwarzen (Sub-)Proletarier in den Trailerparks und Slums, ihre verzweifelten Versuche, irgendwie über die Runden zu kommen, die Wahrscheinlichkeit von Knast und Hunger sind eine konkretere Realität als die abstrakte Gemeinsamkeit zwischen etwa Freddie Gray aus dem Baltimore-Armenviertel und Kenneth Frazier, dem CEO von Merck&Co. – die beide Schwarz und von Rassismus betroffen sind.
      Wer das nicht sehen möchte, wie im Zitat aus dem ursprünglich verlinkten Beitrag im LCM historisch nachgezeichnet und am Beispiel der „Rainbow Coalition“ erläutert, der wird vermutlich bei der Klassifizierung der Hautfarbe, der Religion oder dem Geschlecht/Sexualität als trennendem Alleinstellungsmerkmal hängenbleiben. Jedes davon sicherlich sinnvoll für Individuen und individuelle Freiheit, aber eben schlicht systemimmanent verwertbar und nicht umwälzend oder gar systemsprengend. Wenn man so will platt auf den Punkt gebracht: Der Unterschied zwischen grüner Ideologie und sozialrevolutionärem Umsturz.

      Tja, was kann ich gegen Erfahrung oder individuelle Anekdoten sagen. Aus dem gleichen Grund kann ich auch nichts über das Frausein sagen, oder über Ausbeutung in Fleischfabriken, weil ich dort nicht arbeite. Ich kann nichts zu religiösem Verhalten sagen, weil ich nicht religiös bin. Da ich selbst keine Frauen schlage ist es auch schwierig über häusliche Gewalt die Lanze zu brechen, denn ich kann leider nichts aus eigener Erfahrung beisteuern, sondern nur aus angelesenem Stoff meine Meinung bilden. Das zählt dann eher nicht. Sie sehen worauf ich hinaus will?
      Natürlich sind ihre Erfahrungen wichtig für die Einschätzung, die sie treffen wollen, aber diese als Voraussetzung zum Verständnis einer Situation zu postulieren erscheint mir arg schwierig, geht sie doch mit der Intention einher: Bloedbabbler halt‘s Maul, du hast meine individuelle Erfahrung nicht und kannst deswegen -mit nur theoretischem Halbwissen- sowieso keine valide Aussage zum Thema machen. ☹

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  3. Sie werden sich schon noch wieder vertragen. Spätestens wenn Sie zu meinem Kommentar etwas sagen wollen (oder glauben, dies gar zu müssen):
    Ich bin eine begeisterte Anhängerin der Begründung aus eigener Erfahrung. Ich stelle die eigene Erfahrung über alles. Über alle philosophischen und sozial(istisch)en Theorien, alle empirischen Erhebungen, statistischen Auswertungen und wissenschaftlichen Beweise. Aber die Gegebenheiten, in denen ich dies tue, mögen durchaus von Gesetzmäßigkeiten durchzogen sein, die sich mir nicht unbedingt offenbaren. Entweder weil sie meinen Lebensbereich nicht unmittelbar betreffen oder weil mir schlicht der Gesamtüberblick fehlt.
    Deshalb lasse ich mich grundsätzlich und im Prinzip auch gern belehren. Eine Haltung, die sich jeder zu eigen machen sollte, finde ich. Also, nur mal so im Vorbeigehen gesagt …

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    1. Hallo Frau iGing. Es spricht nie etwas gegen Erfahrung, wenn es um eigenes Handeln geht sind subjektive Eindrücke ein, wenn nicht der wichtige Wegweiser durchs Dickicht des Lebens. Aber, wenn man -zu Recht- den Anspruch hat, mit breiterer Datenlage einen Sachverhalt darzulegen, der eben Allgemeingültigkeit haben kann -oder als Nachweis der Richtigkeit einer These gelten will (hier im Fall: Rassismus ist systemisch für die USA), dann muss man eben die subjektive Ebene verlassen und sich von der Form der Anekdote lösen; darauf wies ich hin mit meiner -zugegebenermaßen spitzen- Formulierung.
      Herr wvs weiß um das Vorgehen, und fordert es -so lange ich mich erinnern kann- konsequent in seinen Beiträgen und auch seinen Kommentaren bei anderen Bloggern ein.
      Wenn eine Studiengruppe unter 100 Teilnehmer hat, ist diese eben nicht relevant genug um hohe Aussagekraft zu besitzen.

      Nur so ist mein Einwand, auf den Hinweis ich könne das nicht nachvollziehen, man müsse das selbst erlebt haben etc., zu verstehen.
      Wenn ein mir belangloser Kommentator dies geschrieben hätte, wäre es mir am Poppes vorbeigerutscht und ich hätte gar nicht reagiert – aber da ich Herrn wvs schätze, fand ich das unter seiner eigenen, richtigen Messlatte angesiedelt.
      Dies hat mich verärgert, auch, weil ich für eine Antwort auf solch einen längeren Kommentar zwischen 1 bis 3 Stunden meiner Lebenszeit investiere um ihm in Teilen gerecht zu werden.
      Da fühle ich mich dann eben schnell veräppelt.

      Außerdem kommentiere ich bei Herrn wvs bereits seit dem Brand in Notre Dame -und seinem Artikel dazu- nicht mehr, weil ich mit dem Vorwurf, ich sei unverschämt, mich dort auch nicht mehr wirklich wohl gefühlt habe etwas zu schreiben; dies hat auch die persönliche Beziehung zu Herrn wvs beendet.
      Auch deswegen verstehe ich sein Handeln durchaus; er fühlte sich offensichtlich beleidigt oder verspottet von meiner Antwort, was zwar beides nicht meine Intention war, aber eben vermutlich so rüberkommen muss.
      Ich verbuche dies nun als bedauerlichen Kollateralschaden, weil ich eben nicht primär für die Galerie schreibe und mich auch deswegen weiter selbst nicht zensieren werde um allen potentiellen Lesern zu gefallen.
      Mein Versuch, Problemstellungen breiter als den gewöhnlichen (linken) Mainstream Ansatz zu besprechen, werde ich beibehalten, auch weil ich inzwischen immer häufiger feststelle, die Welt ist nicht so einfach zu erfassen, wie man es im Überschwang des Abiturs anno tobak mal dachte oder sich selbst vormachte.
      Dazu gehört es dann eben auch, manchmal unangenehme Zustände jenseits des eigenen Weltbilds stoisch zu benennen – leider hin und wieder auch mit dem Blick des politischen Gegners oder durch dessen Brille.

      #Update#
      Da der Herr wvs inzwischen dazu übergegangen ist, seine scheinbare Unfähigkeit von Textverständnis in eine schlichte Verleumdung zu überführen, denke ich mal, ich bin nicht undankbar, seine weiteren Versuche hier nicht mehr lesen zu müssen.
      Schade, aber den von ihm grob geschnitzten Schuh seiner Interpretation ziehe ich mir nicht an. Ende und aus.#

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  4. Ich stimme Ihnen zu, dass der Hauptgrund der derzeitigen Eskalation in den USA primär in der sozialen Frage liegt, sprich Wealth Distribution/Polarisierung, und der bitteren Erkenntnis der Unter- und weiter verarmenden Mittelschichten, dass der Amerikanische Traum eine längst vergangene Metapher ist, die sich für sie so schnell nicht mehr einlösen lassen wird. Diese tiefe Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit füttert die aktuellen Auseinandersetzungen und ist Grund für diese blinde Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Rassismus hat tiefe Wurzeln, und nicht nur dort, manchmal auch nur latent zarte, die auf der jugendlichen Verabreichung von Struwwelpeter-Bildern des kohlpechrabenschwarzen Mohrs („Was kann denn dieser Mohr dafür, dass er so weiß nicht ist, wie ihr?“) und ähnlichem beruhen, welche man sich erst mit Bewusstseinswerdung und Nachdruck aus dem Kopf schrauben musste (eben analog zur indoktrinierten Religion).

    Jedoch, das alles ist nur der leicht verdauliche Vorfilm für den brutalstmöglichen Hauptact, der noch kommen wird, nämlich den der finanziellen Aufarbeitung der Probleme seit 2008, die von allen Beteiligten, insbesondere der Zentralbanken FED und EZB, durch elegantes „kick the can down the road“ nie gelöst aber mit jeder neuen Gelddruckorgie verschlimmert wurde. Ich fürchte mich vor der Zeit, wenn die Inflationsmaschine ins Rollen gekommen sein wird, die 20% der Zombieunternehmen (auch in DE) kippen und insolvent gehen, Arbeitslosigkeit explodiert, Kreditrückzahlungen für Häuser/Autos/Unternehmenskredite faul werden, Banken über Nacht in die Pleite rutschen, illiquide Staaten aus der EU austreten (um sich vom EURO-Korsett zu befreien), die EU auseinanderfliegt und radikale Parteien weiter an Zuspruch gewinnen, weil ein Laib Brot auf einmal 1000 EUR kostet.

    95% der Menschen sind tatsächlich komplett ahnungslos und haben keinen Schimmer, worauf sich die anderen 5% schon seit einiger Zeit vorbereiten. Die meisten werden alles verlieren, ihr Haus, ihre Einlagen auf dem ach so sicheren Sparkonto, ihre Pensionen, ihre Rücklagen für’s Alter. Und zumindest die Boomer werden keine Zeit mehr haben, sich das alles wieder zurück zu erarbeiten. Das Schuldenproblem lässt sich nun mal nicht mit noch mehr Schulden lösen. Und irgendwann, und das wird sehr plötzlich kommen, ist Schicht im Schacht: „Risk happens slowly, then all at once“. Was das für die politische und gesellschaftliche Zukunft Deutschlands, der USA, der Welt bedeutet, kann man nur erahnen.

    P.S. Da Ihnen Political Correctness, Genderisierung und Virtue Signaling auch so auf den Sack die männlichen Eierstöcke gehen wie mir, empfehle ich (vermute fast, Sie kennen die schon) die Twitter-Handles @TitaniaMcGrath und @JarvisDupont. Beides sind Parody Accounts von Andrew Doyle (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Titania_McGrath) und wirklich extrem witzig, naja, wenn man eben kein non-binary, polyracial Ecosexual ist.

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    1. Hallo Herr Neon, was diese Zukunft angeht, mache ich auch lieber die Augen zu.
      Ich überlege ja noch, was passieren wird, wenn durch den Niedergang des Hegemons, USA -und des Dollars, der so praktisch ist, wenn man sich den einfach selbst drucken kann- das Kartenhaus von dieser Seite eingetreten wird. Das macht mir schon Sorge genug. 😉

      Da ich Twitter -bis auf drei Ausnahmen- nicht wirklich verfolge kenne ich die besagten Accounts nicht, werde mir aber die Tage das Ganze mal ansehen, heute hab‘ ich Muttern zu uns geladen und bastele noch am klassischen Sonntagsbraten herum…da ist der kleine Teil Blödbabblergehirn mit anderen Sorgen gefüllt. 😀

      Wohin die Reise der angeblichen identitätspolitisch verstrahlten Befreier gehen kann und wird, kann man inzwischen gut erahnen, wenn man sich Beiträge wie diesen bei den Ruhrbaronen anguckt. Ein Freund von mir sagte kürzlich, wart’s ab, bald werden sie auch Fawlty Towers angehen, und siehe da
      Ich warte jetzt auf die moralinsaure Allianz gegen Monthy Python, gespeist aus Christenmenschen und Identitätslinken, bspw. wegen Verhöhnung von Menschen, die gerne ein Kind wollen, aber keine Mumu haben, weil sie biologisch ein Mann sind bspw. die legendäre Stadionszene aus ‚Leben des Brian‘. So schrieb ich besagtem Freund vorhin: Unsere Gesellschaft ist aus zwei Richtungen unter Beschuss, da die religiösen Mimimis und dort die linken/rechten Identitätsclowns. Beiden ist gemein, dass sie sich die Toleranz zu eigen machen um Denk- und Redeverbote durchzudrücken. Beides ist nicht hinzunehmen.

      Das sind die Kulturkämpfe, die es zu bestreiten gibt.

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