Kategorie: Lebenswasser

Black Bottle

Ein Blended Whisky der mich ziemlich überrascht hat, leider meistens unangenehm und nachhaltig irritierend.

Die Black Bottle wird von nahezu jedem gelobt, egal ob es sich dabei um den Bibelschreiber Jim Murray, der diesem Whisky -auch in seiner 2011 Ausgabe- noch 91 Punkt (Brilliant) gab oder Ian Buxton der ihn in seinem Buch „101 Whiskies to Try Before You Die“ als einen „good everyday standby“ Whisky aufführt, handelt.

Beworben vom Händler damit, das er sich aus Flüssigkeiten aller klassischen Islay Destillen plus (dem unvermeidlichen) Grain Whisky zusammensetzt und dadurch ein stark rauchiger und junger Racker sein soll, legte ich mir eine der erlesen hässlichen, aber dabei hoch funktionalen Flaschen in der 1 Liter Größe zu.
Meine Erwartungshaltung war groß als ich die Flasche öffnete und den Islay Saft ins Blenders Malt Glas rinnen ließ.
So wurde dem Blend ein bisschen Zeit zur Entfaltung gegönnt und dann -voller Vorfreude- sachte an seinen Ausdünstungen geschnuffelt.
Arrgghh!
Die Nase trifft wuchtig ein mächtiger Schwung Alkoholdunst erst dann lässt sich ganz sachte dahinter etwas Rauch erahnen.
Definitely not quite what I expected, Holmes.
Selbst ein billiger Blended Whisky wie Teacher’s Highland Cream hat da -gezeugt in den Trögen von Ardmore- mehr Rauchigkeit in seiner Schnuffelwolke zu bieten.

Schade! Aber meine eigene Schuld, denn der Hersteller schreibt inzwischen auch nichts mehr von „starkem Rauch“, wie es noch in den meisten Beschreibungen zu finden ist, sondern „Fresh and fruity with hints of peat“, wobei er leider nicht zu viel versprochen hat.
Anbieter wie http://whisky.de sollten ihre Beschreibungen adäquat umschreiben und der Realität anpassen oder die Kommentare ihrer Kunden auch veröffentlichen.
Egal.
Wir sind ja nicht hauptsächlich zum Gesichtsgurken benetzen mit diesem Whisky in Kommunikation getreten, sondern um zu erschmecken, was in der Hexenküche von Burn Stewart Distillers zusammen gemischt wurde.

Die Black Bottle mit ihren 40% entfaltet ein (honig-)süßes, warmes Aroma auf der Zunge, ist dabei leicht rauchig und leider unangenehm aggressiv sprittig dominant.
Der Rauchgeschmack geht meiner Meinung nach in die Richtung eines leichten geräucherten Schinkens, bleibt aber immer hinter den anderen Eindrücken zurück.
Sein Abgang ist trocken, grasig mit ein wenig Nelke und einer leicht bitteren Hinterlassenschaft.
Er macht, wie es der werte Mittrinker Herr AausB treffend sagte:“Eine pelzige Zunge„, definitiv nicht das, was man haben möchte, wenn man einen dram verköstigt.

Was mich allerdings an diesem Whisky am meisten irritiert hat, war seine Eigenschaft, das er bei geraden Verköstigungssitzungen (2, 4, 6 tes probieren) durchaus trinkbar war, fast ein feiner Begleiter des Abends.
Dann entpuppte er sich als ein Whisky, dem die meisten der oben genannten Unarten abgingen oder bei dem sie nicht so dominant waren.
Ein gar merkwürdiges Phänomen.
Ich habe immer noch keine Ahnung was das war oder ist noch woran das gelegen haben könnte.
Anfänglich hatte ich die Blenders Malt Gläser -im Vergleich- zu den normalen Nosing-Gläsern in Verdacht, diese These erwies sich allerdings als nicht haltbar.
Nach dem zweiten Aufeinandertreffen, vermutete ich das sich durch das Öffnen der Flasche die unangenehm hohe Sprittigkeit und der Alkohol ein wenig verflüchtigt hätten – doch beim dritten Mal war es wieder wie beim ersten Mal.
Der arme Herr AausB war mitleidender Zeuge und Opfer zugleich.
So wiederholte sich das guter-Whisky-böser-Whisky-Spiel, bis ich vor wenigen Tagen die leere Flasche dem Glascontainer meines Vertrauens anvertraute.
Zurück bleibt ein Rätsel dessen Lösung sich mir nicht erschließt.
Help wanted.
Das Whiskys -je nach Stimmung, vorheriger Nahrungsaufnahme und vielen andern Umständen nie ganz gleich schmecken ist mir klar, aber solch eine Diskrepanz wie beim Verzehr der Black Bottle ist mir bisher noch noch nicht untergekommen.

Die Black Bottle ist -wenn man ein wenig schaut- für um die 26 Euro den Liter zu haben, sie kommt nackelisch ohne Umverpackung in einer ulkig-grünen Flasche mit einem Schraubverschluss daher.

Wertung Blended Whisky
Black Bottle

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein sicherlich überschätzter Blend, wenn man etwas rauchiges erwartet, der riech- und schmeckbare Anteil davon ist leider viel zu gering. Die Islay Begrifflichkeit eher irreführend. Es kann ein brauchbarer bis guter Whisky sein, wenn man einen geraden Tastingtag erwischt. 😀 Denn dann kann er fast schon süffig sein, ist mir aber letztlich im Vergleich zu den Standard-Einstiegs-Blends Teacher’s oder auch Ballantine’s Finest definitiv zu teuer -man erhält bei selbigen die doppelte Menge Schnaps und auch mehr Spaß beim Trinken.

Es kann aber auch sein, das sich die Black Bottle einfach in den letzten Jahren verändert hat, im Tasting Video von ralfy aus dem Jahre 2009 hat die Flasche ein anderes Etikett und der Whisky wird noch als peaty bezeichnet.
Klingt wie die Versprechung und nicht wie das was es wirklich gab. 😉

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Glenfarclas 105

Aus einer der wenigen unabhängigen Destillen –Glenfarclas– und im Familienbesitz stammt dieser in Fassstärke abgefüllte Single Malt von J&G Grant.
Glenfarclas 105 Flasche

Er kommt mit satten 60% -inzwischen in 10 jähriger Abfüllung- daher und wird von einer schwarz-grauen Tube mit rot-weißer Aufschrift geschützt.

Diese Abfüllung kommt kühlgefiltert daher und ohne einen Schuss E150.

Beim Schnuffeltest mit der vollen Breitseite von 60% sticht der Alkohol vordergründig in das Riechorgan und betäubt diesen Sinn kurzfristig und konsequent.
Einen Moment später, nachdem der Sinn rebootet hat, erscheint dahinter süßes Karamell und etwas anderes eher unangenehmes -ich würde es am ehesten als einen Anflug von Schwefel bezeichnen.

Die 60% machen einen wässrigen Mund, der Whisky tritt voll und honigsüß an, bei gleichzeitigem matschig-reifem Obstgeschmack, dem unvermeidlichen Sherry geschuldet.
Sein Abgang ist trocken, lang und warm.
Der Mund hallt noch minutenlang nach Sherry nach, die Süße ist hingegen schnell verschwunden.
Mit den unverdünnten 60% die aus der Flasche fließen, ist dieser Whisky allerdings eher, sobald man mehr als ein paar Tropfen davon die Zunge benetzen lässt, ein Zungen-Sedativum der erfolgreichen Art.
Deutlich leckerer wird er durch die Zugabe von reichlich (meine favorisierte Mischung sind 6 spoons auf einen Dram) Wasser, denn das treibt ihm den aggressiven Grund-Ton schnell aus.
Sowohl in der Nase, als auch auf der Zunge verliert er seine Wuchtigkeit und das macht ihn effektiv bekömmlicher und feiner.
Neue Geschmacks- oder Geruchseindrücke habe ich durch meine Panscherei allerdings nicht bekommen, alles wurde nur etwas runder und weicher.
Letztlich schiebt aber genau das dann den Glenfarclas von 3 auf 4 casks in meiner Bewertung hoch.

Für einen Einstieg in die Welt der Cask-Strenght-Whiskys ist der Glenfarclas 105 sicherlich eine gute Wahl – auch aufgrund seines feinen Preis-/ Leistungsverhältnisses.
Man erhält die Literflasche Glenfarclas 105 bereits für um die 35 Euro.
Wenn man sich vorstellt, dass er dann durch verdünnen entsprechend gestreckt und verlängert wird, ein klasse Preis für diese Qualität.
Die Möglichkeit sich seine wuchtigen 60% selbst auf Lieblingsgeschmack-und stärke herunter zu verdünnen -unabhängig von einer Destillen-Vorgabe seinen Tagesdram zu gestalten- ist ein nettes Feature.
Denn mal ehrlich, wie oft haben wir uns schon bei einem, 40% Whisky gedacht, schade, den hätte ich gerne mal mit 43 oder 46% geschmeckt, etwas voller und aromareicher, bevor er für den Massenmarkt hingerichtet wurde.

Wertung Single Malt
Glenfarclas 105

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Ein wuchtiger Mundwärmer der den Spaß des D-I-Y Verdünnens mitbringt. Blind geeignet für den Einstieg in die Welt der Fassstärke, allerdings sollte man Sherryeinfluß im Whisky nicht abgeneigt sein.

Ein Tastingvideo von ralfy habe ich zum Glenfarclas 105 nicht gefunden, dafür eines mit einem Interview mit George Grant von der Glenfarclas-Destille.

Eine Besprechung zum Glenfarclas 105 gibt es von Horst Lüning von http://whisky.de.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Bunnahabhain 12

Von der Insel Islay stammt dieser Single Malt, aus einer Destille deren Sortiment originär eher islay atypisch nichtrauchige Whiskys feilbot.
Ein nicht rauchiger Kandidat ist auch der ’neue‘ 12 jährige, den Bunnahabhain mit 46,3% nicht kühlgefiltert und ohne das leidige Zuckercoleur E150 abfüllt.
Brav.
Die dunkelgrüne Buddel mit Steuermann auf dem Etikett läßt ahnen, in welche Richtung sich das zu erwartende Erlebnis entwickeln könnte.
Eine maritime Geschmacksnote, Seetang oder ähnliches vielleicht?
Das Nosing Glas wird glucksend befüllt -in Ermangelung eines Eichstriches- beseelt mit dem festen Willen, pi mal Daumen, einen anständigen Dram zu verzapfen.
Gesägt tun getan.

Dem Whisky wird nun ein wenig seine Ruhe gelassen, während der Blödbabbler seine Äuglein in das beiliegende Infoheftchen gräbt – Whisky ist etwas für alle Sinne 🙂

Während der Whisky sich mit der Umgebung vertraut macht und allmählich anpasst, rächt es sich das der Bunna nur in einer blöden Faltschachtel daherkommt, da man ihn so nicht einfach mit dem Metalldeckel seiner Dose abdecken kann.
Kurzfristig tut es dann aber auch leihweise der Deckel einer Flasche Bowmore.
Ich denke mal nicht, dass das dramatische Auswirkungen auf den Whiskygeschmack im Glas haben wird. 😀
Nachdem mich die Lektüre des Beilagenheftchens nicht wesentlich weiser gemacht hat, erhoffe ich mir vom ersten Nasenzug schon mehr Erkenntnisgewinn.
Glücklicherweise bin ich ja primär nicht zum Lesen hier!

Dem Glas entsteigt ein salzig und ganz schwach rauchiges, sowie leicht nach Madeira muffelndes Aroma.
Nicht unangenehm, aber irgendwie nicht ganz das, was ich mir von diesem Whisky erhofft hatte.
Der Geschmack der sich in meiner Mundhöhle entfaltet, ist intensiv, salzig, leicht süß und entwickelt im Abgang die Geschmacksnote faule überreife Pflaume.
Es schmeckt -warum auch immer- irgendwie nach Madeira, und klebt nahezu eine ganze Zeit lang am Gaumensegel, klar ist ja auch ein alter Seebärenwhisky. *grins*

Die in nahezu allen Tastingnotes zu diesem Whisky angesprochene Frische findet auf meiner Zunge nicht statt, eher würde ich von einem leicht dumpfen fast schon tumben Geschmackserlebnis sprechen.
Klingt komisch, aber nach ungefähr der Hälfte der Flasche (im laufe der Zeit, nicht an diesem Abend 😀 ) habe ich angefangen diese sehr eigenartige Geschmacksrichtung zu mögen.

Selbst Ms. Blödbabblerin, die in Bezug auf Whisky eine angenehm säkuläre Einstellung hat, „Schmeckt!“ oder „Schmeckt nicht!“ hat sich bei diesem kleinen Racker letztlich schwergetan.
Anfänglich mochte sie ihn gar nicht, am Ende dann trank sie freiwillig davon und forderte ihn auch schon mal an. 🙂
Dieser Whisky wird sicherlich nicht in meine Top 10 kommen, aber ich kann mir vorstellen, damit noch ein paar Versuche zu starten, denn der eigentümliche Geschmack ist mir bisher noch bei keinem anderen Whisky so untergekommen.
Der Whisky ist gewöhnlich für 32-36 Euro in der 0,7 Liter Flasche erhältlich, meinem Gefühl nach ein paar Euro zu viel, wenn man ihn für 30 sieht kann man unbedenklich zugreifen, so man auch einmal in das oben beschriebenen Erlebnis eintauchen möchte.

Lustigerweise hat mein Lieblings-Whisky-Tasting-Video-Ersteller ralfy den Bunnahanhain 12 als seinen Whisky des Jahres 2010 gewürdigt in einem sehr sehenswerten Bunnahabhain 12 – Whisky of the year 2010 Jahresenddreh.
Und hier ist seine vorherige Besprechung des Bunnahabhain12 ein paar Monate vorher zu betrachten.

Wertung Single Malt
Bunnahabhain 12

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Geschmackserlebnis der ungewöhnlichen Art, ein gering rauchiger und süßlicher Islay-Whisky mit (über-)reifem dunklen Früchten im langen Abgang. Für Abenteurer und Fans.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Ardmore Traditional Cask

Der Ardmore Traditional Cask ist ein rauchiger Speysider Highlander, der in kleinen Quarter Casks zu Ende reifen darf, wie beispielsweise auch der Laphroaig Quarter Cask, den ich demnächst besprechen werde.
Ardmore füllt diesen Whisky dankbarerweise nicht kühlgefiltert und mit den obligaten 46% ab, verzichtet aber leider immer noch nicht darauf E150 beizumischen, Schade.
Wer öfter in Supermärkten an Spirituosen Reaglen vorbeischlendert, wird dort sicherlich schon mal auf einen Blended Scotch namens Teacher’s Highland Cream gestoßen sein.
Sein Leading Malt oder, wie es die Marketingabteilung von Ardmore zu nennen pflegt, der Finger Print; darin stammt aus der Ardmore Destille.
Teacher’s Highland Cream wird demnächst hier auch mit ein paar Zeilen gewürdigt werden.

Aber zurück zum heutigen Whisky, dem Ardmore Traditional Cask.
Dessen elegant wirkende 0,7 Liter Flasche mit ihrem Adlermotiv-Prägungs-Stil wird vor bösen Sonnenstrahlen und den gierigen Blicken der Nachbarn durch eine dekorativ-informative Pappdose geschützt.
Das Stöffchen ist für einen durchaus gerechtfertigten Preis von 25-28 Euro eigentlich überall zu erhalten, sogar in den von mir geliebten 1 Liter Abfüllungen, dann allerdings für 37+ Euros.

Nachdem der Ardmore sich schlank ins Blenders Malt Glas gebettet hat, schiebe ich meinen Zinken zum „First Contact“ heran.
Der Schnuffeltest offenbart einen Hauch von Vanille und wenig Rauch, dezent, nicht mit der inseltypischen „Hoppla-jetzt-komm-ich“ Attitude, sondern, eher in einer vornehmen Art von klassischem Understatement.
Ein sehr schöner Start, der mich glatt vergessen lässt, mir ein Glas mit Wasser und spoon bereit zustellen. Verdammt!
Blöderweise habe ich das dann bei jedem Versuch vergessen, bis die Flasche reif genug war für den Altglas-Container. 😀
Einer der wenigen Whiskys die ich bisher getrunken habe, ohne das ernste Verlangen zu haben ‚mehr rauskitzeln‘ oder ‚etwas abzuschwächen‘ zu wollen. Seltsam.
Schon die ersten Tropfen, die die Zunge benetzen zeigen was gespielt wird – ein ehrliches Stück in Malz unterstützt von sanftem Rauch und Vanille.
Der Rauch unterstützt und verstärkt die Süße und rundet das Gesamtbild positiv ab.
Die 46% fallen nicht unangenehm auf, der Whisky macht einen leicht warmen Mund, unterlässt es sinnvollerweise aber sprittig und aggressiv daherzukommen.
Leider verfliegen das angenehme Mundgefühl und seine Geschmacksanhängsel aber eher schnell und hinterlassen dabei den Mund ein wenig trocken.
Aber, wenn nicht zum Durstlöschen, wozu gibt es sonst Wasser? Na? Also! Kein Jammern deswegen, sondern nur eine Feststellung.

Was bleibt?

Ein durchaus leckerer Whisky in meinen Augen recht harmonisch, mit einem kleinen Süße-Überhang, an dem man sicherlich noch ein wenig feilen könnte und sollte.
Eventuell verschwindet dieser Einschlag bereits, wenn man sich das leidige Zuckercouleur schenkt und den Whisky ohne Farbstoff ausliefert – ich zahle dann auch gerne etwas mehr für weniger 😉

Wertung Single Malt
Ardmore Traditional Cask

Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Wer einen vornehm-rauchigen Speysider Highlander für alle Gelegenheiten mag trifft mit dem Ardmore Traditional Cask sicherlich eine gute Wahl.

Leider gibt es von ralfy kein Video zum Ardmore, deshalb hier das Tasting Video von Horst Lüning von whisky24.de.

Ihnen Ihr Blödbabbler

One Scotch, one Bourbon and one beer…

Nachdem ich mich in den letzten Monaten langsam an diverse Whiskys herangetastet habe, will ich hier in Zukunft meine plumpe und ganz subjektive Meinung darlegen, auf das daran die Welt genese. 😀

Da mein Zinken zwar -dank seines Ausmaßes und seiner Größe – eigentlich eine brauchbare Schnuffelumgebung liefern sollte, aber durch solche pain-in-the-ass Geschichten, wie Heuschnupfen und sonstige sinnfreie Allergien nur zu rudimentärer Erforschung der feinsten Geruchsnuancen taugt, schenke ich mir literarische Beschreibungen der Marke „Riecht wie ein Hauch von nasser Unterwäsche an einem Sommertag in der Toscana“ und beschränke mich auf „Vanille oder Rauch“ 😉
Da meine Zunge -vielen Dank an die Medikamentenhersteller für das kleingedruckte Zauberwort „Nebenwirkungen“- ebenfalls nicht mehr unbedingt der feinste Gradmesser ist, um Nuancen sauber aufzusplitten und zu benennen, werde ich auch hierbei nicht von den brauchbaren Hilfsmitteln der Tasting-Wheels Gebrauch machen, sondern mich auf die wichtigste Aussage beschränken – „Schmeckt oder schmeckt nicht!
Hin und wieder werde ich trotzdem mal einen launigen Vergleichskommentar absondern, diese Freiheit nehm‘ ich mir.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass eine solche Besprechung für einen fremden Menschen keine Hilfe ist, aber ich schreibe es schließlich für mich, und mir hilft es sicherlich den Überblick über bereits Verkostetes zu behalten.

Jeden Whisky den ich bespreche, habe ich – meistens mit Wonne getrunken, wenige Ausnahmen bestätigen dennoch auch hier leider die Regel.

Dabei habe ich mir den Anspruch gemein gemacht, das jeder Whisky und jede Whisky-Art es erst einmal verdient hat, getrunken zu werden, bevor man (womöglich schlecht) über sie urteilt.
Das bedeutet, ich werde mich an Bourbons, Ryes, Canadians, Tennesse, Irish und nahezu allem andern im Laufe der Zeit ebenso versuchen, wie an den klassischen Scotchs.

Verschiedene Stimmungen können unterschiedliche Geschmäcker favorisieren, deshalb halte ich von kleinen Probeflaschen – zur ehrlichen Bewertung nicht viel. Manche Whiskys haben mich am Anfang nicht überzeugt, wuchsen mir aber im Laufe ihres Flaschenlebens ans Herz, wieder andere blieben mir fremd, egal was ich mit ihnen anstellte.

Deshalb entspringen meine Eindrücke und Bewertungen immer einer Verkostung von einigen Drams bis hin zu einer Flasche.
Genossen pur, ebenso wie mit einigen spoons Wasser und über einen längeren Zeitraum, bei unterschiedlichster Stimmungslage.

Da ich es auch dieses Jahr wieder nicht in die Forbes Liste der reichsten Arschgeigen des Planeten geschafft habe und mein Interesse in einer möglichst breiten Feldstudie des Geschmacks liegt, spielen die meisten vorgestellten Whiskys in der 30-50 Euro Liga; Ausreißer nach oben oder unten bestätigen dennoch auch hier die Regel.

Ich vergebe – ganz subjektiv und für Außenstehende willkürlich- auf einer 6 er Skala Punkte für die von mir verkosteten Whiskys.
Dargestellt durch durch symbolische Casks für eine grobe Bewertung „Wie lecker war das Stöffchen“, so wie einer Smilies Reihe für das Preis/Leistungsverhältnis.
Desweiteren trenne ich verschiedene Whisky-Arten in der Bewertung: bspw. Single-Malt, Blended oder Bourbon; deren Fässer sind nicht miteinander vergleichbar, sondern lediglich innerhalb ihrer Abteilung.
Meine Punkte stehen für folgende Einschätzung:

  • 6 Perfekt
  • 5 Wunderbar
  • 4 Lecker
  • 3 Gut
  • 2 Brauchbar
  • 1 Widerlich
  • 0 Fußbad

Big Peat Flasche

Den Anfang macht heute ein Blended Malt, der für mich einer wunderbaren Offenbarung gleichkommt – der Big Peat.

In einer -für meinen konservativen Geschmack- gewöhnungsbedürftig-bunten, und comicartigen Buddel kommt dieser Whisky eher robust und pseudo jugendlich daher.
Er hat eine angenehm helle Farbe (ohne E150?) und wurde nicht kühlgefiltert mit angenehmen 46% abgefüllt.
Das Stöffchen ergießt sich leicht glucksend ins Glas.

Über dem Blenders Malt Glas kann meine Nase einen angenehmen (Lagerfeuer-) Rauch wahrnehmen, der klar zeigt, woher die edlen Zutaten dieses Vatted Malt kommen.
Seine Flüssigkeiten stammen allesamt von der Insel Islay und dort von den Destillen: Ardbeg, Caol Ila, Bowmore und Port Ellen.
Wobei mengenmäßig vermutlich die Freunde der Homöopathie beim Tropfen (sic!) von Port Ellen zu ihrem Recht gekommen sein dürften.

Jim Murray mault in seiner Whisky-Bible 2011 darüber, das ihm noch etwas zu viel öliger Caol Ila enthalten ist um den Status einensWeltwhisky des Jahres zu erreichen, aber für meinen untrainierten Geschmack ist die Mischung so wie sie ist, ziemlich rund und lecker.
Ich bin dankbar, dass die extreme Süße die z.B. einen Ardbeg Ten auszeichnet nicht ihr Unwesen in der Flasche treibt, da freunde ich mich gerne mit der spezifischen Öligkeit an.
Durch einen spoon voll Wasser im Dram wird der Big Peat, meiner Meinung nach, sogar noch etwas schlüssiger und passender – wenn das überhaupt möglich ist.

Nachdem unser Schnuffeln bereits dem Mund das Signal „Wasser marsch!“ gegeben hat, befüllen wir ihn endlich mit dem ersten Schluck.
Mit seinem kräftigen und trockenen Antritt, gespeist von intensivem Raucherlebnis, entfaltet Big Peat zuerst auf der Zunge und dann im ganzen Mundraum seine Pracht.
Und dort bleibt sie auch noch für eine geraume Zeit stehen und hinterlässt ein beglückt-seliges Grinsen auf dem Antlitz des Blödbabblers.

Da ich -in all meiner naiven und positiven Weltsicht- davon ausgehen muss, dass es frei nach Skully und Mulder da draußen noch etwas gibt, kann ich diesem beeindruckenden Blended Malt leider nur 5 von 6 möglichen Casks geben.
Denn die Peinlichkeit und Blöße eine Erweiterung meiner Skala – quasi ein A++ wie bei Kühlgerätschaften einführen zu müssen- binde ich mir jedenfalls nicht ans Bein, 😉

Da man die 0,7 Flasche, wenn man ein wenig schaut, für den Kampfpreis von 34.90 Euro bestellen kann, vergebe ich für das Preis-/Leistungsverhältnis 6 Smilies.

Wertung Blended Malt

Big Peat
Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Wer einen rauchigen, nicht allzu süßen Whisky von Islay zu schätzen weiß, der macht mit diesem Blended Malt -bei diesem Preis- sicherlich seinen Tag und eventuell auch seine Nacht.

Tastingvideo vom fantastischen ralfy zum Big Peat

Ihnen Ihr Blödbabbler