Kategorie: Lebenswasser

One Scotch, one Bourbon and one beer…

Nachdem ich mich in den letzten Monaten langsam an diverse Whiskys herangetastet habe, will ich hier in Zukunft meine plumpe und ganz subjektive Meinung darlegen, auf das daran die Welt genese. 😀

Da mein Zinken zwar -dank seines Ausmaßes und seiner Größe – eigentlich eine brauchbare Schnuffelumgebung liefern sollte, aber durch solche pain-in-the-ass Geschichten, wie Heuschnupfen und sonstige sinnfreie Allergien nur zu rudimentärer Erforschung der feinsten Geruchsnuancen taugt, schenke ich mir literarische Beschreibungen der Marke „Riecht wie ein Hauch von nasser Unterwäsche an einem Sommertag in der Toscana“ und beschränke mich auf „Vanille oder Rauch“ 😉
Da meine Zunge -vielen Dank an die Medikamentenhersteller für das kleingedruckte Zauberwort „Nebenwirkungen“- ebenfalls nicht mehr unbedingt der feinste Gradmesser ist, um Nuancen sauber aufzusplitten und zu benennen, werde ich auch hierbei nicht von den brauchbaren Hilfsmitteln der Tasting-Wheels Gebrauch machen, sondern mich auf die wichtigste Aussage beschränken – „Schmeckt oder schmeckt nicht!
Hin und wieder werde ich trotzdem mal einen launigen Vergleichskommentar absondern, diese Freiheit nehm‘ ich mir.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass eine solche Besprechung für einen fremden Menschen keine Hilfe ist, aber ich schreibe es schließlich für mich, und mir hilft es sicherlich den Überblick über bereits Verkostetes zu behalten.

Jeden Whisky den ich bespreche, habe ich – meistens mit Wonne getrunken, wenige Ausnahmen bestätigen dennoch auch hier leider die Regel.

Dabei habe ich mir den Anspruch gemein gemacht, das jeder Whisky und jede Whisky-Art es erst einmal verdient hat, getrunken zu werden, bevor man (womöglich schlecht) über sie urteilt.
Das bedeutet, ich werde mich an Bourbons, Ryes, Canadians, Tennesse, Irish und nahezu allem andern im Laufe der Zeit ebenso versuchen, wie an den klassischen Scotchs.

Verschiedene Stimmungen können unterschiedliche Geschmäcker favorisieren, deshalb halte ich von kleinen Probeflaschen – zur ehrlichen Bewertung nicht viel. Manche Whiskys haben mich am Anfang nicht überzeugt, wuchsen mir aber im Laufe ihres Flaschenlebens ans Herz, wieder andere blieben mir fremd, egal was ich mit ihnen anstellte.

Deshalb entspringen meine Eindrücke und Bewertungen immer einer Verkostung von einigen Drams bis hin zu einer Flasche.
Genossen pur, ebenso wie mit einigen spoons Wasser und über einen längeren Zeitraum, bei unterschiedlichster Stimmungslage.

Da ich es auch dieses Jahr wieder nicht in die Forbes Liste der reichsten Arschgeigen des Planeten geschafft habe und mein Interesse in einer möglichst breiten Feldstudie des Geschmacks liegt, spielen die meisten vorgestellten Whiskys in der 30-50 Euro Liga; Ausreißer nach oben oder unten bestätigen dennoch auch hier die Regel.

Ich vergebe – ganz subjektiv und für Außenstehende willkürlich- auf einer 6 er Skala Punkte für die von mir verkosteten Whiskys.
Dargestellt durch durch symbolische Casks für eine grobe Bewertung „Wie lecker war das Stöffchen“, so wie einer Smilies Reihe für das Preis/Leistungsverhältnis.
Desweiteren trenne ich verschiedene Whisky-Arten in der Bewertung: bspw. Single-Malt, Blended oder Bourbon; deren Fässer sind nicht miteinander vergleichbar, sondern lediglich innerhalb ihrer Abteilung.
Meine Punkte stehen für folgende Einschätzung:

  • 6 Perfekt
  • 5 Wunderbar
  • 4 Lecker
  • 3 Gut
  • 2 Brauchbar
  • 1 Widerlich
  • 0 Fußbad

Big Peat Flasche

Den Anfang macht heute ein Blended Malt, der für mich einer wunderbaren Offenbarung gleichkommt – der Big Peat.

In einer -für meinen konservativen Geschmack- gewöhnungsbedürftig-bunten, und comicartigen Buddel kommt dieser Whisky eher robust und pseudo jugendlich daher.
Er hat eine angenehm helle Farbe (ohne E150?) und wurde nicht kühlgefiltert mit angenehmen 46% abgefüllt.
Das Stöffchen ergießt sich leicht glucksend ins Glas.

Über dem Blenders Malt Glas kann meine Nase einen angenehmen (Lagerfeuer-) Rauch wahrnehmen, der klar zeigt, woher die edlen Zutaten dieses Vatted Malt kommen.
Seine Flüssigkeiten stammen allesamt von der Insel Islay und dort von den Destillen: Ardbeg, Caol Ila, Bowmore und Port Ellen.
Wobei mengenmäßig vermutlich die Freunde der Homöopathie beim Tropfen (sic!) von Port Ellen zu ihrem Recht gekommen sein dürften.

Jim Murray mault in seiner Whisky-Bible 2011 darüber, das ihm noch etwas zu viel öliger Caol Ila enthalten ist um den Status einensWeltwhisky des Jahres zu erreichen, aber für meinen untrainierten Geschmack ist die Mischung so wie sie ist, ziemlich rund und lecker.
Ich bin dankbar, dass die extreme Süße die z.B. einen Ardbeg Ten auszeichnet nicht ihr Unwesen in der Flasche treibt, da freunde ich mich gerne mit der spezifischen Öligkeit an.
Durch einen spoon voll Wasser im Dram wird der Big Peat, meiner Meinung nach, sogar noch etwas schlüssiger und passender – wenn das überhaupt möglich ist.

Nachdem unser Schnuffeln bereits dem Mund das Signal „Wasser marsch!“ gegeben hat, befüllen wir ihn endlich mit dem ersten Schluck.
Mit seinem kräftigen und trockenen Antritt, gespeist von intensivem Raucherlebnis, entfaltet Big Peat zuerst auf der Zunge und dann im ganzen Mundraum seine Pracht.
Und dort bleibt sie auch noch für eine geraume Zeit stehen und hinterlässt ein beglückt-seliges Grinsen auf dem Antlitz des Blödbabblers.

Da ich -in all meiner naiven und positiven Weltsicht- davon ausgehen muss, dass es frei nach Skully und Mulder da draußen noch etwas gibt, kann ich diesem beeindruckenden Blended Malt leider nur 5 von 6 möglichen Casks geben.
Denn die Peinlichkeit und Blöße eine Erweiterung meiner Skala – quasi ein A++ wie bei Kühlgerätschaften einführen zu müssen- binde ich mir jedenfalls nicht ans Bein, 😉

Da man die 0,7 Flasche, wenn man ein wenig schaut, für den Kampfpreis von 34.90 Euro bestellen kann, vergebe ich für das Preis-/Leistungsverhältnis 6 Smilies.

Wertung Blended Malt

Big Peat
Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Wer einen rauchigen, nicht allzu süßen Whisky von Islay zu schätzen weiß, der macht mit diesem Blended Malt -bei diesem Preis- sicherlich seinen Tag und eventuell auch seine Nacht.

Tastingvideo vom fantastischen ralfy zum Big Peat

Ihnen Ihr Blödbabbler