Kategorie: Musik…zwo…drei…vier

Moon River

So. Nachdem ich mich nun eine ganze Zeit lang aus meiner geplanten Kategorie „Lieder die der Blödbabbler“ mag, verabschiedet hatte, bin ich vor kurzem getriggert worden, wie es neudeutsch so unschön heißt
Und, wann immer ich mit sehr monokausalen Analyseversuchen -oder sind es schlicht Polemiken, wer weiß das schon?- konfrontiert werde, will ich, ganz trotziges Kind, ja eigentlich immer ganz dolle viel von dem haben, was angeblich Kritikpunkt -und also zu verachten ist.

So begab ich mich auf Spurensuche nach bösen, alten und selbstredend weißen Männern die der Hauptgrund seien, warum alles so so scheißig sei, wie es nun mal sei; suhlte ich mich in Unterdrückungsfantasien, spielte mit schwarz-weißen Formen kultureller Aneignung und wurde so gewaltiges Teil der Bewegung „Alter, weißer Mann“. m(

Um mir aber -hedonistisches Arschloch, dass ich nun mal bin, den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen, zog ich es vor, statt mich mit weinerlichem Soziologengejammer zu langweilen, mich stattdessen lieber mit „Frühstück bei Tiffany“ zu vergnügen, einem Film aus der ‚guten alten Zeit‘, als Rassismus noch keiner Erklärung bedurfte und Rassisten sich -im Gegensatz zu heute- auch dazu bekannten Rassisten zu sein. 😉
Wir befinden uns also in der Zeit, bevor die Bürgerrechtsbewegung in den USA – und etwas weniger sklavenhalterisches Denken- in der Gesellschaft sich durchgesetzt haben, zumindest in Teilen, wie man ehrlicherweise zugeben muss, so man die aktuelle Situation in den USA betrachtet. Und da spreche ich nicht nur von Black Lifes Matter. 😉

Nun muss ich gestehen, die Persiflage eines Asiaten – dargeboten durch Mickey Rooney- eher als peinliches Intermezzo und sinnfreien Klamauk im Film wahrgenommen zu haben, denn als offenen Rassismus, aber vermutlich war’s dennoch nicht weit davon entfernt – und aus heutiger Sicht sogar deutlich dran und drüber.
Aber ich muss gestehen, die haben im Film auch wie die Schlote gequalmt, ein Zustand den die meisten meiner Generation noch knapp kennen(und selbst mitgemacht haben), der aber wohl in der Form kaum einem millenial vermittelbar ist. Wer also Entwicklungen vielleicht nicht versteht, weil er nur den aktuellen Zustand sieht und davon ausgehend beschreiben kann, wer Zusammenhänge gesellschaftlichen Denkens und Handelns nicht als Veränderungen und wandelnden Normen begreift, dem muss das alles ganz dolle schlimm vorkommen. Wenn sich das mit mangelndem Humor per se und der schwarzen Form davon im Besonderen rückkoppelt, dann wird es schwer Handeln der Altvorderen zu verstehen, zu analysieren oder gar als Grundlage der eigenen Existenz zu begreifen. Dann erscheint alles, was in der Vergangenheit stattfand, per definitionem als Fehler und die eigene (selbstherrliche) Meinung als gotterreichter Endstand menschlicher Zivilisation.
Aber, so, wie natürlich heute jeder im Dritten Reich ein unfassbar toller Widerstandkämpfer oder -in gewesen wäre, Abstand und historische Abläufe machen es sicher, dies so zu verlautbaren, wären wohl viele davon -mich inklusive eher der klassische Typ „Mitläufer“ geworden. Leider doch mehr Badenweiler Marsch als Bella Ciao. Aber ich schweife ab.

In der verfilmten Romanze des Buchs von Truman Capote, ist das Lied „Moon River“ von Henry Mancini quasi ein musikalischer ‚Roter Faden‘, der sich durch den Film schlängelt.
Ich mag die Fassung von Audrey Hepburn lieber, als die von Sinatra und Satchmo, obwohl ich die beiden -weil auf meiner Küchenplaylist- öfter höre als sie.

Ihnen Ihr Blödbabbler
P.S. Wenn der Blödbabbler nach alten, weißen Männern sucht, findet er stattdessen eine junge und agile Frau…im nächsten Beitrag gibts dafür dann was zum verhassten Sujet.

Gus Backus…

…verstorben. „Brauner Bär und weiße Taube„,“Der Mann im Mond“ oder auch die „Sauerkraut-Polka“ und der Klassiker „Bohnen in die Ohren“ habe ich früher gerne gehört, manches davon ist auch heute noch auf meiner Playlist für die Küche.
Und die Weisheit aus dem schönen Lied „Ich steh’ an der Bar und habe kein Geld“ die sich schon im Titel ausdrückt, ist schlicht erhaben.
Die legendäre Band „The Quixx“ haben einst auch fleißig -neben Hans Albers- den guten Gus Backus gecovert, beides immer wert gehört zu werden.
Ich steh’ an der Bar und habe kein Geld


oder zum Abgesang auf den toten Schlagerhelden vielleicht die etwas fetzigere Fassung vom Onkel Tom. Gute Reise ins Universum.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Wenn schon Clowns…

… dann doch die gefährlichen Clowns von „Der Plan“ und nicht irgendwelche verzogene Wellenreiterscheissbürgerkinder mit hypertrophem Hang zum Egodrama und kindischem Aktionismus.

Vielen Dank an den Leitartikler in der Rundschau heute Morgen, Harry Nutt, der mich durch seine Einleitung an diese geniale Band erinnert hat. 🙂

Ihnen Ihr Blödbabbler

Futter fürs Gemüt

Wenn sich „draußen vor der Tür“ nichts von Borchert findet, sondern nur etwas fröstliges und schmuddeliges abspielt, was sie gemeinhin Wetter nennen, oder genauer, Herbstende, dann wird es Zeit für was schönes und herzerwärmendes.

Die geistig besonders Armen machen dann das, was sie jedes Jahr tun, nämlich sich den runden Hohlraum auf ihren Schultern mit Schunkelpop aus dem Hause Wham zuzukleistern – oder sie hören gleich die Toten Hosen, Deutschlands Pendant zum Thema Belanglosigkeit ganzjährig.

An besonders grauen und tristen Tagen -die ich mein Lebtag eigentlich immer geliebt habe, aber inzwischen vor lauter Asthmahusterei, auch gerne durch richtige trockene Kälte ersetzt hätte- wenn der Körper deutlich eher nach einem Grog (für die Ms.) oder nach einem Rusty nail (2 Teile Laphroaig 10 und 1 Teil Drambuie) schreit, als nach einer Wassermelone, lasse ich gerne mal die Seele baumeln, wie man leichtfertig sagt.

Und auch, wenn man sich -falls man der alten Trinkerregel folgt, die da lautet: Kein Alkohol bevor die Sonne untergegangen ist! bei diesen dunklen Tagen schon mittags einen einschenken könnte, tun wir selbiges natürlich nicht.

Stattdessen unterstützt musikalisches Manna den Tagesablauf und macht ihn schlicht schön.

Gewöhnlich fand ich es immer inspirierend während dieser Jahreszeit alten Tom Waits Stücken oder auch Nick Cave und seinen Bad Seeds zu lauschen.
Auch das wunderbar ‚leidende‘ Saxofon eines Jan Garbarek bspw. in Folk Song verstärkte aufs angenehmste eine latente und herrliche Melancholie.

Was ist dagegen der sinnfreie Kommerzlärm, den uns die Radiosender stattdessen um die Ohren hauen?
Laut, penetrant und aufdringlich wie ein Versicherungsvertreter zum Jahresabschlussende.
Eine Art Zeugen Jehovas der Ätherwellen, nur in bunt und mit Megaphon.
Widerlich klebrig wie ein Leimfänger fürs Gemüt. Bah!

Als ich heute auf der Suche nach passender Musik zur Unterstützung meiner feinen Stimmung war, fielen mir CDs von Eva Cassidy in die Hände, die ich länger – unverzeihlicherweise – nicht gehört hatte.
Eine Frau mit einer wunderschönen Stimme und -wie es die Regel zu sein scheint- leider viel zu früh gestorben.
Heino singt immer noch -und zunehmend erfolgreicher- seine hirnerweichenden Lieder und auch der Mannheimer Kirchenchor und sein Vorbeter Naidoo verheeren uns mit sich und ihrer Art von musikalischer Missionarsstellung.

Eva Cassidy, deren Interpretationen von Liedern anderer Künstler in den meisten Fällen -zumindest in meinen ungeschulten Ohren- schöner klingen, als die Originale (etwas das man sonst gewöhnlich jedem Interpreten von Bob Dylan Liedern nachsagt. :-D), aber ist bereits 1996 an Hautkrebs gestorben.

Ich empfehle bei youtube einfach mal reinzuhören.

Als kleine Auswahl finde ich die alte Sting Nummer „Fields of Gold“


die Vertonung eines Robert Burns Gedichts von 1794 – A Red, Red Rose

und passend zum Ende des Herbstes „Autumn leaves“

Ich hoffe euch gefällt die Stimme genauso gut wie mir, und sie bringt euch schöne, schwere Gefühle als Futter gegen die allgegenwärtige Seifenoper, die vor der Tür sicherlich noch bis zum Jahresende dargeboten wird.

Schönes Wochenende und einen guten Schluck aus dem Bottich der Melancholie wünscht Ihnen Ihr Blödbabbler

Edith Piaf

Heute vor nunmehr 50 Jahren starb die kleine -und doch so große Frau des gelebten Chansons- Edith Piaf.
In seiner schön schnulzigen und leider dämlich clowneseken Art setzte ihr Herman van Veen in den 80er(?) Jahren dennoch ein feines musikalisches Denkmal.


Die Piaf ist bei meinen all-time-favorites, bei jenen, deren Stimme und deren Lieder mich mein Leben lang begleiten und immer wieder berühren, aufmuntern, glücklich machen können.
Und -hier möge der werte Herr wvs ein Auge zudrücken- ich mag auch ihre Version des alten französichen Kampflieds gegen die Aristokratie „Ca ira“, wobei mir allerdings die ’sanscullotische‘ Textfassung noch näher liegt. 😉
Hier noch ein Link zu einer guten und hörbaren Fassung von „Ca ira“ (Achtung liegt auf einem russischen Server), denn die Filmversionen bei youtube kranken alle durchweg an lausigem Ton.

Ihnen Ihr Blödbabbler

3 Videos zur Muße

An grauen NovemberDezembertagen sollte man sich ruhig mal den schönen düsteren Gefühlen hingeben.
Immer nur übermütig, straightforward und hibbelig ist auf Dauer nicht gesund. 😉

Deshalb hält der clevere Mensch hin und wieder inne und macht sich die Technik der Muße wieder urbar.

Für eine angenehme und stimmige Untermalung unseres Jetzt auf seiner Reise der Gedanken sind mir drei alte Klassiker unter die Finger geraten, welche ich deshalb mal wieder als Video verlinke.

Der allseits geschätzte Mr. Tom Waits -einstmals ein veritabler Trunkenbold vor dem Herrn- ist inzwischen ja auch eher trocken, macht aber dennoch auch heute noch wirklich gute Musik.
Davon konnte man sich auf dem aktuellen Album Bad as me gerade erst wieder überzeugen.
Aber als Stimmungsaufheller ist mir augenblicklich altbekanntes Liedgut lieber – Tom Traubert’s Blues aka Waltzing Mathilda vom Rockpalast Auftritt 1977.

Dann, um sich der Endlichkeit seiner unseligen Existenz mal wieder ein wenig bewusster zu werden, bietet sich für die präweihnachtliche Irrsinnszeit sicherlich der alte Bob Dylan Klassiker „Death is not the end“ an.
Allerdings kann ich die näselnde Singerei von Dylan dabei so absolut nicht ab, deshalb die wesentlich ’schönere‘ Fassung von 1995.
Dort bezaubern Nick Cave, Kylie Minogue, Blixa Bargeld und der zahnstummelige Shane MacGowan alle Sinne des Rezipienten.
Am Anfang des Videos ist noch der geniale Ray Cokes zu sehen, der damals wirklich einzige Grund MTV einzuschalten; wenn man von Beavis und Butthead mal absieht. 😀
Und deshalb startet das Video aus Sentimentlitätsgründen eben nicht direkt mit dem Lied.

Und wenn wir schon bei Shane MacGowan sind.
Dieser hat zwar inzwischen auch -nach Art des Pol Pot Paul Potts- neue Zähne erhalten, aber im folgenden Video in dem er uns mit einer Dirty Old Town Fassung beglückt, ist er noch zahnstummelig wie zu seiner besten Zeit zu sehen.

Ihnen ihr müßiggängerischer Blödbabbler

Diamonds and Rust

„My poetry was lousy you said“ hallte es wieder in meinem hohlen Schädel, nachdem ich der deutschen Sprache – mal wieder – in dichtender Weise Gewalt angetan hatte.
Dylans Bob, der alte Schelm, war es wohl, der einst der bezaubernden Joan Baez diese besondere Art von Liebesdienst erwies. Sehr uncharmant und wenig diplomatisch wies er sie auf ihre lyrischen Mängel hin.
Nun ja, zumindest ist es eine Zeile im wunderschönen Liebeslied-Abgesang Diamonds and Rust aus dem Jahre 1975.
Mich erfreut bei diesem Auftritt ihre Mimik, wenn sie den Teil mit der lausigen Dichterei, singt, so ungefähr bei 1:22.
So, und ein wenig maulen muss denn an dieser Stelle auch mal sein.
Denn, eine klanglich bessere Fassung ist dank der Contentmafia in unserem Lande mal wieder nicht verfügbar – außer man nutzt einen Proxy oder tor mit mgeni um USA-Land als Exit Node zu bekommen.


Deshalb und weil es in all seinem Schwarz-Weiß (*grins*) authentischer ist, habe ich mich für die Live Fassung aus dem Jahre 1975 entschieden.


We both know what memories can bring
They bring diamonds and rust

Und nachdem mir dann so viele Erinnerungen aufstießen, fiel mir auch wieder ein, dass ich bereits eine andere Fassung von Diamonds and Rust“ live gehört und gesehen hatte.
Anno in den ganz frühen 80’ern des 20. Jahrhunderts konnte ich Judas Priest bei der Arbeit zuschauen, Rüsselsheim oder Wiesbaden – keine Ahnung mehr, wo es war, allerdings war es ein feines Konzert und ich glaube Saxon gaben damals die Vorgruppe.
Rob Halford war vor dem Konzert mit seinem Moped 😉 durch die Stadt gefahren und die Stimmung war feucht und fröhlich, wie man in gesetzteren Alter heute vermutlich sagen würde.
Damals ging einfach die tierisch die Post – die zudem noch staatlich war – ab; ob sie allerdings Diamonds and Rust gespielt haben, hat mein Gehirn über die Zeit leider ausgeblendet. Wenn dem so war, dann vermutlich so ähnlich, wie auf diesem Video von 1982 in Memphis.