Schlagwort: Fair Trade

Fair Trade? Nö!

In letzter Zeit gabs mal wieder Nachrichten von Captain Obvious.

Das ‘faire‘ Handeln, zertifiziert mit diversen Siegeln, hat ein Problem.
So kommt zwar beim Kapitalisten vor Ort, vulgo dem Kleinbauern(oder den dortigen Genossenschaften) wohl tatsächlich mehr Geld dadurch an(was gut ist), einzig -und wie immer wenn es gilt Arbeitskraft auszubeuten- bei den hiesigen Landarbeitern (die beim dortigen Kleinbauern beschäftigt sind) eben nicht(was schlecht ist).
Surprise, surprise!
Die Auswertungen ergaben: „Die Fairtrade-Zertifizierung erhöht die Löhne bei den Mitgliedern der Genossenschaften und verringert ihre Armut“, berichten die Forscher. Wenn sich Kleinbauern einer solchen Kooperative anschließen, profitieren sie demnach tatsächlich vom fairen Handel. Anders sieht dies allerdings für die Angestellten dieser Kleinbauern aus: Bei den Landarbeitern kommt von den sozialen Vorzügen des Fairtrade so gut wie nichts mehr an. Ausgerechnet die Ärmsten in der Kette der Lebensmittelproduktion haben demnach bisher nur wenig von Fairtrade und Co.(zitiert von hier)
Das Abstract zur Studie mit dem Titel: „Effects of Fairtrade on the livelihoods of poor rural workers“ findet sich hier.
Eventuell hilft es dem gemeinen europäischen Moralisten ja schon, die Landarbeiter mit in sein abendliches Gebet einzuschließen; hilft denen vor Ort natürlich nicht, aber das eigene Gewissen wäre wieder mehr im Gleichgewicht, gelle.

Der zweite Fall betraf in gleicher Hinsicht die Arbeiter-und innen auf Teeplantagen in Indien, wie die Studie mit dem Titel: „TEEEXPORTE VON DARJEELING NACH DEUTSCHLAND – Edle Tees für Hungerlöhne“, der Rosa Luxemburg Stiftung aufzeigt.
Letztlich ähnlich gelagert, zeigt die Studie jedoch auch wie problematisch es ist, wenn vermeintliche Siegel und Zertifizierungen ihre Standards absenken bzw. selbige vor Ort nicht kontrolliert und eingehalten werden.
Dass dann bei denen, die vor Ort die schwere und harte Arbeit machen (nahezu alles Frauen als Pflückerinnen) nur ein verschwindend geringer Teil des Geldes landet, den die Händler in Deutschland als Endpreis aufrufen, erstaunt mich nicht wirklich, so funktioniert Kapitalismus.
Und, dass dies auch bei den fair zertifizierten Erzeugern der Fall ist, zeigt ja bereits obige erwähnte Studie in meinem Beitrag.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch auf das eigentliche broken Siegel MSC das dem eigenen Anspruch ehemaliger Zeiten auch nicht gerecht wird.

So bleibt letztlich für den gemeinen deutschen Michel oder die Micheliese nur der Glaube an vermeintliche Guttaten die man gerne mit einem höheren Preis im großen Spiel des moralischen Ablasshandels bezahlt, echte Effekte sind leider -zumindest bei den Ärmsten- nicht in Sicht.

Ich rätsele jetzt gerade wo ich meine nächste Teebestellung aufgebe, denn bisher hab ich meist was von den Teeprojekten beim Gschwendner bestellt, nun bin ich mir da nicht mehr so sicher; wobei der Stoff meist aus Nepal kam oder eben leckerer chinesischer Lapsang Souchong oder Puh Erh war.
Nur, siehts da wirklich besser aus auf den Plantagen?

Ihnen Ihr Blödbabbler