Schlagwort: Whisky

‚A Speyside Distillery 1977 (WD)‘

Der heutig präsentierte Whisky ist der teuerste, den ich mir bisher gekauft habe -und das hatte einen speziellen und traurigen Grund.

Eine gute und langjährige Freundin von mir -Wegbegleiterin über 35 Jahre- verstarb innerhalb von einem sehr kurzen Zeitraum an den Folgen einer erneuten Krebserkrankung; es blieb nicht mal mehr genug Zeit sich zu verabschieden.
Da sie gut wusste, dass ich dem edlen Tropfen nicht abgeneigt bin, aber zu geizig vernünftig bin, für Alkohol dreistellige Beträge auszugeben…Leute, hallo, es bleibt Schnaps…selbst wenn der älter und fassgelagert wurde, bedachte sie mich mit einem kleinen Auftrag in ihrem Testament.


Doch kurz noch was zu Alkohol und Preisen:
Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund dafür 100€ aufwärts bezahlen zu müssen, außer, dass der ominöse Markt auf Spekulanten und gesteigerte Nachfrage in zwei Formen reagiert hat.
Einerseits kommt immer mehr maximal durchschnittlicher Whisky auf den Markt, zu Preisen, die einem die Tränen fürs dargebotene in die Augen treiben… meist jedoch vor Lachen.
Die alten -und seltenen- Abfüllungen hingegen verstauben gerne als Geldanlage getarnt bei irgendwelchen Hedgefonds oder Privatiers im dunklen Kämmerlein, vulgo Lagerhalle und treiben die Preise weiter hoch, da sie des Trinkers Zirkulationssphäre verlassen haben und sich vollständig von ihrem Gebrauchswert entfremdet haben.
Ist mir aber egal, zwingt einen ja noch keiner sich am Rennen um das dickste Portemonnaie für den dünnsten Fusel zu beteiligen, Lemminge sind schon immer abgestürzt.


Nicht egal war mir hingegen, dass besagte Freundin mir einen dreistelligen Betrag hinterließ, mit der Auflage, davon eine teure Flasche Whisky zu kaufen, eine, die ich mir sonst nie kaufen würde und an ihrem Geburtstag((und meinem – wir sind beide am gleichen Tag geborene) mit einem Glas auf sie anzustoßen – woran ich mich bis heute gehalten habe.

Nun leidet Whisky noch nicht stark, aber ein wenig doch schon, wenn er über einen längeren Zeitraum eröffnet ist, sodass ich das Spiel nicht beliebig oft in der Zukunft noch tun werden kann – zumindest nicht, ohne dass der Whisky deutlich an Aroma und Geschmack verliert.
Und ich mag auch nicht mit Plastikfolien und Gasen anfangen…hatte ich erwähnt…ist nur Alkohol. 😉
Nun habe ich jedoch – außer der Reihe- zu einem profanen, dennoch -für den geneigten Eintracht Frankfurt Fan- wichtigen Ereignis mit einem feinen Gläschen des besagten Whiskys gefeiert; Micha hätte das sicherlich-obwohl Kickers Offenbach Fan 😯 – gutgeheißen.

'A Speyside Distillery 1977 (WD) FlascheNun genug der Vorrede und ab in medias res.

Der Whisky ist ein Single Malt Whisky, genauer sogar eine Single Cask Abfüllung, dessen Destillerie unbekannt bleibt und der zu den Eigenabfüllungen von Whisky-Doris zählt und auch eben dort gekauft wurde.
So kündet das Frontetikett, auf dem ein Aquarell von Horst Mantheé mit dem Old Leanach Farmhouse abgebildet ist, lediglich:“Distilled 1977 at a Speyside Distillery“, die Rückseite nennt 10/1977 als Datum der Destillation und 12/2015 als Monat der Abfüllung.
Der Whisky reifte in einem Sherry Butt mit der Nummer 25 und hatte -als man ihn auf Flasche zog- angenehme 47% Vol. Alkohol.
Es wurden aus dem Fass 578(auf der Webseite von Whisky-Doris im Archiv steht noch 577!) Flaschen abgefüllt, meine Flaschennummer behalte ich für mich. 😛
Der damalige Preis belief sich auf 280€, der Whisky ist leider nicht mehr erhältlich.
Vorweg, man sollte diesem Whisky, darauf wurde auf der Webseite damals auch hingewiesen, ein gutes Maß Zeit im Glas geben damit er es sich auch richtig gemütlich machen kann.
Aus der Buddel direkt in den Rachen ist, neben der Höhe des Preises auch geschmacklich nicht sinnvoll – wie bei den meisten Whiskys – dies nur nebenbei bemerkt.
Es gibt da irgendwo die Empfehlung: Eine Minute im Glas pro Jahr im Fass…oder so ähnlich.
Wie man dies dann mit einem fucking NAS Whisky, als No Age Statement nicht Network Attached Storage hält…who knows?
Also, ich habe den „A Speyside Distillery 1977“ definitiv bisher keine 38 Minuten ruhen lassen, eher so was um die 20-25, aber das ist -denke ich- auch akzeptabel. Vielleicht entwickle ich mal die Geduld fast 40 Minuten vor einem Glas zu sitzen und nur zu schnuffeln, bisher ist es mir noch nicht gelungen…shame on me!

Im Glas, wie auch in der Flasche zeigt sich ein schöner, dunkler Whisky der ungefärbt(also kein E150a, aber schon Farbe ausm Fass, logo!) und nicht kühlgefiltert auf seinen Lebenszweck wartet.
Die Nase ist dunkel wie meine Seele, süß und schwer und insgesamt ‚rund‘ in meiner Wahrnehmung.
Es muffelt nach Schokoladenpralinen mit Rosinenmatsch, aber, auch überraschend frisch für 38 Jahre in einem dunklen Fass.
Durch Wasserbeigabe bekommt er eine schmutzige Note, geht in Richtung Fabrikboden mit Zitrusfruchtaroma eins Spülmittels.
Ohne Wasser gefällts mir deutlich besser, da ist die Nase für mich glatt 5 Fässer wert, appetitanregend und süffig – verheißt Spaß.

Im Mund ist er adstringierend, trocken und etwas fettig. Dunkle Schokolade, cremig und süß mit Rosinen…aber, ich hab‘ da ganz wenig und ganz weit hinten auch eine Ahnung von Schwefel der Marke Sylvesterkracher…stört aber nicht und macht auch nichts kaputt, was ja leider nicht immer der Fall ist. Das Mundgefühl ist voll, etwas pfeffrig kommt der alte Geselle daher und auch vom Fassmuff bleibt man nicht ganz verschont(Glenfarclas nicht unähnlich, da habe ich den Muff in bisher jeder Abfüllung gehabt).

Beim Abgang ist die dominante Note Espressobitterkeit, die hält sich auch etwas länger auf der Zunge…da merkt man dann das Alter und das Fass.

Vorweg, ich mag die Eigenabfüllungen von Whisky-Doris.
Ich mochte die Christmas Malts, obwohl es dort durchaus spürbar schwefelte, und auch einiges aus der Nose Art Reihe schmeckte mir – da war bisher keiner dabei, der nicht gut bis sehr gut war.
Nun also der „A Speyside Distillery 1977“.
Ich finde den sehr gelungen und er schmeckt auch prima…und da ich damit ja quasi einen letzten Willen umsetze, finde ich den für den mir wichtigen Anlass sehr gut geeignet.
Ob mir der Whisky allerdings 280€ wert wäre? Definitiv nein, sorry.
Nicht falsch verstehen, der Whisky bekommt von mir satte 5 Fässer, der ist deutlich besser als der Durchschnitt, den man gewöhnlich kauft (und meist auch teuer bezahlt), aber mein persönliches PLV passt trotzdem nicht, man bekommt ja leider fürs hohe Alter nicht unbedingt (und immer)ein mehr an Geschmacksexplosion oder mehr Aroma.
Wenn man sich das klar gemacht hat, wird man vermutlich eher wieder in den Bereich der guten 20-28 jährigen Whiskys übersiedeln – zumindest wenn man keinen Dukatenscheißer sein eigen nennen kann, oder aber man erfreut sich an der Masse an guten Abfüllungen bis 18 Jahre für den kleineren Geldbeutel. Das ist weder ehrenrührig, noch dumm oder ‚anfängerhaft‘ – Geschmäcker sind verschieden und nicht alles was weniger kostet ist automatisch deswegen schlechter. Als Stichwörter seien hier mal Ardbeg Ten, Laphroaig Q.C. oder auch der klassische Lagavulin16 in die Runde geworfen .
Ich habe noch Whiskys hier stehen -und auch bereits getrunken- die waren mit 25 Jahren oder auch 24 für unter Hundert € noch vor 2 Jahren zu haben – so bekam man die grandiose Glenscoma Eigenabfüllung bei Scoma Ben Nevis 1990 bspw. für ‚nur‘ 89€.
Ja, ich weiß der Vergleich hinkt…hier 38Jahre Sherryfass, dort 24 Jahre Bourbonfass, aber was ich damit sagen möchte, ist einfach, es muss nicht immer ein Schielen nach dem Alter sein, oftmals bezahlt man dann einfach deutlich mehr, als es einem mehr an Geschmack zuträglich ist – andere Mütter haben eben auch hin-und wieder jüngere und hübschere Töchter…hüstel.

Die Whiskybase hat hier was zum A Speyside Distillery 1977 (WD).

Wertung Single Malt Whisky
A Speyside Distillery 1977 (WD)
Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der ‚A Speyside Distillery 1977 (WD)‘ ist ein wunderbarer, sehr alter Sherrywhisky, der Spaß macht und denn man entsprechend zelebrieren sollte; mal eben zum Tatort gucken ist da definitiv nicht das richtige Umfeld für. 😉 Was bleibt ist ein damals bereits hoher Preis für Alkohol, wer da ohne mit der Wimpern zu zucken und ohne Kreditaufnahme mit zurechtkommt, der bekommt einen gut gereiften oldfashioned Whisky aus dem Einzelfass mit ansprechendem Geschmack.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

P.S. Neuerdings muss man ja dazuschreiben, dass man sich den Schnaps selbst gekauft hat, keine Werbung betreibt und auch sonst eben kein fucking Influencer oder Marketingfuzzi ist oder von den im Beitrag genannten Shops bestochen wurde…dies sei hiermit getan.
Nebenbei bemerkt: Ihr macht das Internet immer arschiger und kaputter…:-( !

Weltmännertag

Letztes Jahr dank eines Comics von Frau Dr. Nadja Hermann aka erzählmirnix erstmalig darauf gestoßen, dass es sowas gibt.

Und wie so oft bei den Comics von erzählmirnix ist man danach schlauer und muss selbst keinen Text mehr zum Thema verfassen.


Wo wir aber auch beim Thema „Lebenserwartung“ sind, sei auf eine positive Entwicklung verwiesen, die im Reich des Bösen beim Teufel Putin stattgefunden hat.
So hat sich die Lebenserwartung zwischen 1994 bis 2016 bei den männlichen Russen von 57 Jahren auf nunmehr knapp 68 Jahren verlängert, russische Frauen sterben im Durchschnitt mit 78 Jahren, wobei insgesamt deutliche Unterschiede im russischen Reich zu betrachten sind.
Gesunkener Alkoholkonsum wird da gerne als signifikante Verbesserung angeführt, die den Männern inzwischen zu einem geringen Teil erlaubt in Rente zu gehen und noch die erste Zahlung zu erhalten.
Nebenbei sei kurz auf den durchschnittlichen Alkoholkonsum hingewiesen, der bei ‚den‘ Russen inzwischen bei 11,7 in Deutschland hingegen bspw. bei 13,4 Liter reinem Alkohol pro Kopf liegt.
Und, wenn ich schon beim Thema Alkohol bin: Gestern habe ich mir zum Anlass des feinen Sieges der Frankfurter Eintracht gegen die Bayern aus München ein gutes Gläschen alten Whisky gegönnt, den ich vermutlich morgen mit einer Notiz hier im Blog vorstellen werde.
Es war der ‚1977er A Speyside Destillery aus der Abfüllung 12/2015‘, von der Whisky-Doris, mein definitiv teuerster Whisky im Schrank.

Und an dieser Stelle ein kurzer Hinweis an meine Mitgeschlechtsgenossen: Schiebt eure fetten Ärschen mal vom Sofa hoch, geht zum Doktor und lasst mal die große Hafenrundfahrt präventiv machen – ihr wollte doch sicher alle später noch mit Enkeln, Kindern oder Frauen spielen.
Krankheiten sind kacke, aber manche kann man tatsächlich gut bekämpfen, wenn man nicht wartet bis einem das Blut aus dem Arsch oder sonstigen Ritzen läuft.

Noch einen gepflegten Weltmännertag,
Ihnen Ihr Blödbabbler

P.S. Mein originaler Text war sensationell, leider habe ich statt Strg+C wieder mal danebengehauen und es hat mir im Browser den gesamten Text bis auf den ersten Buchstaben gelöscht…sehen sie mir also bitte nach, dass der Nachklapp deutlich seichter und ärmlicher daherkommt, als geplant. 😉

Glen Orchy 5 years

Ich beginne mein Lidlwhisky-Tastingreihe mit dem billigsten Whisky, den ich mir dort geholt habe – dem Glen Orchy 5 years, Blended Malt.

Wie es sich für einen Whisky in der untersten Einsteigerklasse gehört kommt er ohne Pappmaché -oder Don Blechig ummantelnde Ritterrüstung- nackt wie der Kaiser daher; sein Drehverschluss hingegen ist aus billigem Blech.
Das bedeutet zweierlei: er kann durch den Korken kein G’schmäckle bekommen und man sollte ihn nicht zu lange angebrochen herumstehen lassen, vulgo zügig entleeren, weil er sonst verdunstet. :-O

Wie bei einem Whisky -für Menschen gedacht, die sich sonst eher Gin oder Doppelherzkorn ins Haus holen und bei Whisky deswegen dunkle Farbe erwarten- üblich, wurde er mit Zuckerkulör E150a dummenschick gemacht um was-auch-immer vorzutäuschen, und ist seine Abfüllung mit 40% Alkohol genau an der Untergrenze dessen, was sich noch legal Whisky schimpfen darf.
Doch genug gemault, denn dieser Whisky hat auch Vorteile: einige die offensichtlich sind, wie ein sehr guter und niedriger Preis oder ein informatives Label, andere, die man erst findet, wenn man den Zinken ins Glas gehalten hat oder der Tropfen im Mund aufgeschlagen wurde, dazu gleich mehr.
Glen Orchy 5 Flasche
Was gefällt mir?
Auf dem Label ist eine Altersangabe, es ist also kein NAS -und man scheut sich auch nicht ’nur‘ 5 Jahre draufzuschreiben-, 5 sind immerhin 2 mehr als das Minimum fordert, damit man es überhaupt erst legal Whisky nennen darf.

Eine niedrige, einstellige Altersangabe ist bei einigen Single Malts inzwischen scheinbar schon fast trendy geworden, zumindest sehe ich immer mehr davon, einzig dafür kosten diese dann mit ihren 5+ Jahren im Fass meist auch so viel Schotter, wie noch vor wenigen Jahren die 18 bis 20 Jahre im Fass gereiften.
Nun ja.

Mit dem Glen Orchy habe ich einen Blended Malt vor mir, also ein Amalgam aus Malts verschiedener Destillerien – bei völliger Absenz von Grainwhisky, denn sonst wäre es ein Blended Whisky. /Klugscheissmodus off

Im speziellen Fall wurden laut ‚Inhaltangabe‘ auf dem Rückenlabel Whiskys aus den Regionen Highland, Lowland, Campbeltown und Islay verwendet und nachträglich, also vermutlich nachdem sie gevatted wurden, in Sherryfässern einem finish unterzogen. Meist ein Zeichen dafür, dass der Ausgangsstoff nicht so intensiv gereift war, die Fässer eher schon einer mehrfachen Verwendung anheimgefallen sind. Aber wir sprechen ja auch von einem Einsteiger – und nicht von einem Premiumschnaps.
Als wichtiger Hinweis gilt zu bedenken, Whisky ist ein Naturprodukt(mal mehr, mal weniger) und unterliegt geschmacklichen und qualitativen Schwankungen. Das ist bei Originalabfüllungen der Fall, bei Handelsmarken aber oftmals noch deutlich stärker auffällig, da sich deren Zusammensetzung je nach bestem Liefervertrag etc. ja von jetzt auf gleich ändern kann. Danach ist es im schlimmsten Fall zwar der gleiche Name, aber eigentlich ein komplett anderes Produkt; beim nächsten Mal kann das Zeug komplett anders schmecken, weil nicht klar ist, welche Whiskys in welcher Zusammensetzung vermählt wurden.

Wie die meisten (der Lidl) Whiskys hat auch der Glen Orchy 5 natürlich eine Auszeichnung bekommen, hier ist es der IWSC 2014 in Silber.
Das mit den Auszeichnungen bei Whiskys ist ein wenig so, wie mit den Eisernen Kreuzen 2.Klasse gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, es war schon schwer keins zu bekommen.
Aber besser als nix isses vermutlich doch, wenn auch nicht viel. 😉

Die Flaschenform ist eigenwillig und erinnert entfernt an die typischen Glenfiddich Prismen, nur deutlich weniger elegant, dafür liegt sie gut in der Hand…eventuell das Kriterium der Wahl?
Der normale Preis für den Glen Orchy 5 Jahre im Onlineshop scheint 9.99€ zu sein, ich habe meinen im Jahre 2017 für knappe 7.20€ erstanden…irgendein Gutschein geht ja immer. 😀

Damit ist nun der Umschweife und der Bürokratie genüge getan und ich kann was zum Geschmack und Aroma schreiben.

Nachdem der Glen Orchy sich ins Glas gemacht hat, wohlweislich jedem Tropfen Wasser ausweichend, erlaubt er mir an seinem ungebadeten Zustand teil zu haben.
Der Eindruck seines Aromas ist sehr schwach und flüchtig, wenn überhaupt riecht man die Speyside(Apfel, helle Frucht) hervor, obwohl die ja offiziell gar nicht vertreten ist, aber als Teil der Highlands natürlich doch irgendwie blabla… alles sehr luftig, auch ein wenig malzig und eine etwas komische Parfümnote ist ebenfalls präsent; von Islay hingegen gibts kein verbranntes Torf on board.
Sehr unspektakulär insgesamt, aber auch akzeptabel und gefällig.
Zumindest keine garstige Fehlnote in Form von Schwefel, wie sie inzwischen nach meiner Meinung den einst leckeren und feinen Teacher‘s Highland Cream komplett übernommen hat.
Und das ist mir schon mal viel wert.
(Notiz an mich: SM-Modus anwerfen und ein Re-Tasting vom Teacher‘s machen, damit meine alte Wertung heute niemanden blind dazu verleitet zuzuschlagen).

Im Mund findet -nach dem Schnuffelauftakt nicht völlig überraschend- ein seidiges, leichtes und fast flaches Erlebnis statt, sanfte Würze, Honig und Holz mit insgesamt gefälliger leichter Wärmebildung.
Er bittert kaum auf und bleibt insgesamt ein easy-going Whisky.
Eher was zum Schlucken denn zum Degoustieren, aber dafür ist er im Glas ein guter und ehrlicher Geselle.

Im Nachklapp staubt er dann etwas, aber sehr wenig und noch gut im Rahmen um den Gesamteindruck nicht zu verderben.
Die Wärme saugt sich am Gaumen fest, seidig und süß ummantelt.
Und dann, mit einem Wimpernschlag ist der Geschmack auch schon weg; heißer Anwärter für die Sprintstrecke „Abgang“, eventuell reicht‘s da dann sogar fürs Gold, wer weiß?

Also, was bleibt?
Ein Whisky, der mir Spaß gemacht hat und -trommelwirbel- den ich mir gerade für 6.40€ nochmal nachbestellt habe, ich sagte doch, irgendein Gutschein geht immer! 😀
Wer für einen Whisky unter 10€ hingegen erwartet, dass er sich mit einem Macallen 25 Jahre messen kann, der ist hier definitiv fehl am Platze und sollte sich da auch nicht verirren.
Wer sonst Queen Margot, Bradan Orach oder gar Bushmills Blend trinkt, der wird hier aus meiner Sicht mehr Spaß finden.
Wer für kleines Geld Whisky auch mal trinken mag, bei der Pokerrunde oder im Sommer am Grill, der wird sicherlich nichts falsch machen.
Ein feiner und billiger Blended Malt.

In der Whiskybase gibts dazu: Glen Orchy 5

Wertung Blended Malt
Glen Orchy 5

Geschmack:

Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Glen Orchy 5 years ist ein leckeres und süffiges Kerlchen mit einem guten bis sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Meine Gesamtnote liegt mit 4 Fässern über der Summe der Einzelteile(2-3/3/3-4), weil ich den Spaßfaktor on top draufgehauen habe. Die meisten ’normalen‘ Käufer werden den vermutlich, wie einen Ballantine’s Finest oder einen Tullamore Dew in eine Cola reinkippen, aus meiner Sicht ein Fehler, weil der eben wie die beiden genannten auch so gut trinkbar ist.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

Back in the saddle again

Lange Zeit, also seit August 2017 (Longrow peated) habe ich mich nicht mehr ermuntern können etwas zum Thema „Whisky“ zu schreiben.
Nicht natürlich, dass ich nicht weiterhin Whisk(e)y schnuffel, schmatze und auch eifrig davon trinke, aber irgendwie war für mich die Luft raus dies hier im Blog mit anderen Menschen zu teilen.

Es gab einfach zu viel Whisky allerorten: Blogs, Foren, Vlogs und noch dazu viele ambitionierte Menschen, die mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache waren und -gleichzeitig immer öfter dazu als Kontrast- schlicht unverschämte Preise für tendenziell schlechtere und jünger werdende Whiskys dafür schick in Marketingblabla-Blasen verpackt; Spekulation statt Degustation schob und schiebt da fleissig die Preise an und ruiniert manchorts den Spaß am Suff -auch bei den Connaisseurs wie bspw. schon 2016 Oliver Klimek, der sein gerne von mir gelesenes Blog dramming.com damals aufgab.
Hedgefonds und einzelne Menschen spekulieren dem gemeinen Suffkopp den guten alten Schnaps weg, treiben Preise hoch und erzeugen Nachfrageblasen – doch anstatt das feine Gesöff zu trinken stellen sie ihn zur Profitmaximierung irgendwo hin. Arschlöcher!

Nachdem mir selbst mein Bankmensch beim Geldabheben am Counter per *zwinkerzwinker * zuflüsterte: Ja, ja, unsere Zinsen sind momentan nicht existent, aber machen sie es doch so wie ich und spekulieren sie mit Whiskys, einige meiner Flaschen haben ihren Wert bereits um deutlich über 100% erhöht…hechel…“, entgegnete ich ihm: Ich sammle zwangsläufig auch, weil ich schlicht nicht so viel trinken kann, wie ich aus purer Lust an der Materie nachkaufe, zumindest nicht, ohne dass sich meine Leber auf die Größe eines Erdtrabanten aufpumpt. Und das will ich nicht! Aber, ich trinke Whisky und spekuliere nicht damit!“. Dabei konnte ich an seinem ungläubigen Blick sehen, dass er mich für bescheuert hält. Seis drum.

Diesen Trend wollte ich auch nicht weiter unterstützen, indem ich mich dann auch noch positiv zum Thema hier im Blog melde und -wenn auch nur aufs ganz kleiner Flamme- quasi den Influencer für Whisky gebe und den Markt weiter anheize.

Ich habe -auch um mich ein wenig freier an der Schnapsfront bewegen zu können, inzwischen diverse Malternatives verkostet und dabei mit Armagnac, Brandy, Cognac, Grappa, Sherry, Portwein, Rhum und Rum rumhantiert. 😀
Denn, so merkte ich schnell: Andere alkoholische Destillate haben auch hübsche Flaschen und teilweise feinen Inhalt zu bieten. Zum Teil brachten die mir mehr Spaß, als die ganzen 80-85 Punkte Whiskys – den Bereich, den man überproportional antrifft- der letzten Jahre.
Doch leider, so muss ich nun feststellen, sind auch diese Destillate inzwischen zum Teil unter Druck geraten und haben vereinzelt schon beträchtlich angezogen im Preis.

Bleibt die Frage, warum ich jetzt doch wieder was schreibe?
Na, damit die stolz im Suff von mir ins Büchlein gekritzelten Notizen nicht alle für die Lade sind, vermutlich. 😛
Und, weil natürlich jeder der irgendwas in ein Blog schmiert damit letztlich auch die Welt besser machen möchte…Weltfrieden und einen Glückskeks inklusive. Wer wäre ich da, mich davon auszunehmen. *grins*

Außerdem neige ich meistens tatsächlich nicht dazu, mich -oder meine Ergüsse- unbedingt wichtiger zu nehmen, als ich oder sie es sind.
Also dachte ich mir: Drei bis vier Whiskytastingnotesnachleser die eventuell über eine Googleanfrage nach einem gegoogleten Stoff hier landen, machen den Kohl nicht fetter als er ist und sind sicherlich auch nicht der Grund für weiter steigende Preise und schlechter werdende Qualitäten.
Denn: Meine Leser sind schlicht Klasse, statt Masse. 😀

Ich erteilte mir somit selbst, im Vorübergehen, Absolution und kann nun, von tonnenschwerer, moralischer Last befreit, wieder ein wenig Blödbabblerschnapsnotizen ins Netz kippen. Hurra!
Und mal so nebenbei, unter uns Saufkumpanen angemerkt: Spekulanten suchen mit Sicherheit auch nicht im Blödbabbler Blog nach Tastingnotes von Standardflaschen, meiner bevorzugten Beute, die ich mir in den Rachen schütte, und hier laienhaft bebabbele.

In diesem Sinne gibts -auch um die Ernsthaftigkeit des Themas entsprechend zu würdigen- meine kommenden Tastingnotes(über Whiskys aus den Jahren 2016-18) zu Veröffentlichungen des renommierten Whiskyhändlers LIDL. *hüstel*

Mich erschreckt ja wenig in Bezug auf Schnaps und ich habe Menschen nie verstanden, die sich etwas entsagen, weil es nicht in ihre abgesteckten Geschmacksclaims passt.
Ich habe mich ebenso häufig gewundert, wenn Menschen sich nur auf Single Malts, möglichst nur von einer Destillerie(oder Insel) eingeschossen haben und anders bspw. bei Discounter Angeboten nur mit der Nase rümpfend ablehnen.

Markenware, um so mal die ’normalen‘ Whiskys zu bezeichnen ist sicherlich ein verlässlicher Ansatz um auch ’seine‘ Marke zu finden… wenn man das will; mir war das bei nahezu allem in meinem Leben nie wichtig.
Lustigerweise findet gar manch geübter Markentrinker seine Marke bei einer Blindverkostung schlicht nicht heraus…bekommen Discounterabfüllungen oder weniger trendige Marken überraschend oft überraschend gute Bewertungen. Surprise!

Ich halte ja schlicht von diesem ganzen Whisky-Voodoo viel einfach für Selbsttäuschung.
So unterliegen meistens Verkostungen Tagesformen, Gerüchen etc. die immer mit einfließen (können) – bei richtigen Profis und steriler Umgebung mal außen vor.
Aber dieser ganze Semi-Laien-Hobbytrinker Bereich lebt halt davon…und es macht ja auch Spaß – nur, eine Wissenschaft ist es eben nicht.

Ich nehme in der Breite wahr und verenge meinen Horizont nicht künstlich, sodass eben auch ‚billige‘ Discounterware in meinen Gläsern landen kann…und es auch tut…zum Teil mit wirklich schönen und guten Überraschungen. Ganz zu schweigen von einem meist sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
O.k. zugegeben…. und manchmal ist es so wirklich schlimm (und manchmal noch viel schlimmer)als es sich der Snob schon vorher ausmalte und gar nicht erst verkosten wollte.
Aber auch das will ich erschmecken und selbst darüber urteilen und es eben nicht aus Dünkel bereits vorher ausgeschliessen, weil es irgendeine imaginäre ‚Rote Linie‘ überschreitet.

Ich habe auch noch den Ben Bracken 25 Speyside, Ben Bracken 27 und 28, Glenalba 23, 28 und 37 und den Abrachan hier verschlossen stehen.
Und bin wirklich gespannt darauf, wie sich die im Laufe des Jahres schlagen werden.

Kurzer Spoiler: Fast alle der bisher von mir probierten Abfüllungen, die bei LIDL vertrieben wurden, waren für mich in meinen 4+ Fässer Bereichen angesiedelt, Ausnahmen dazu sind die alterslosen BB Islay, Speyside und Highland, die ein wenig drunter liegen.
Um es griffig für die Freunde der 100er Skalierung zu sagen: Die meisten Whiskys landeten bei 82-88 Punkten.
Inhaltliches gibt es die kommenden Tage dazu.

Die Saison ist damit eröffnet, die Jagd nach den Fässern des Genusses kann beginnen.

Ihnen Ihr Blödbabbler, der endlich wieder was schnuffeln kann, fuck Erkältung bye bye.

Hinweis: Ich kaufe meinen Schnaps selbst, mache keine Werbung für irgendeine Firma, muss aber eben manchmal Ross und Reiter nennen, wenn ein Whisky unter einem Trademark wie Ben Bracken oder Glenalba eben bei genau einem Laden verkauft wird.
Bewertungen spiegeln meine persönliche Meinung wider und sind meine persönliche Einschätzung zum Dargebotenen. Sie sind subjektiv, gehässig und meistens unfair. Lebt damit oder sucht euch einen anderen safe space.
Auch mache ich hier keine Therapie für andere Menschen, sondern werte Dinge und Menschen und hin und wieder auch Gruppen (ab), mit denen ich interagiere(n) muss.