Zitat des Tages

„Feminismus muss die Klassenfrage mit stellen, wenn er wirklich möchte, dass Menschen gleich behandelt werden. Sonst profitieren nur weiße, wohlhabende Frauen. Und dann wäre es kein Feminismus, sondern Yoga-Unterricht in Berlin-Mitte.“(Sophie Passmann im Interview in der FR 2019.03.14)

6 Gedanken zu “Zitat des Tages

  1. „.. Feminismus muss die Klassenfrage mit stellen ..“ – darüber grüble ich schon seit ich es zuerst gelesen habe. Ich verstehe nicht was damit gemeint ist. „Die Klassenfrage stellen“ – drunter kann ich mir etwas vorstellen, es ist das „mit“, das mir Probleme macht.

    Können Sie mir da bitte helfen?

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    1. Soweit ich das verstanden habe, meint die Interviewte damit, es ist hanebüchener Unfug sich auf eine Geschlechterkritik in Form von Feminismus zu begrenzen um gesellschaftliche Missstände anzuprangern; feministische Kritik muss hingegen eingebettet sein in eine Kritik des Kapitalismus und der Beachtung der herrschenden Klassengegensätze.
      Ich würde es zwar genau andersherum sehen, aber freue mich trotzdem, wenn jemand sich nicht nur auf Penis und Patriarchat begrenzen mag um die Gegenwart zu erklären, sondern die darunterliegenden Klassengegensätze der kapitalistischen Produktionsweise wenigstens in die Analyse mit einbezieht.
      Oder war ihre Frage eher semantischer Natur?

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      1. Nein, die Frage war eine „Verständnisfrage“ weil ich das „mit“ nicht einordnen konnte – jetzt allerdings, danke, ist es deutlich geworden.

        Ich war ja schon immer der Überzeugung, dass Frauen mit Frauen viel kritischer umgehen als Männer mit Männern. Zwar sieht es bei letzteren schlimmer aus, ist aber kurz und dann vergessen ….

        Es handelt sich demnach um eine Aussage zu Partikularinteressen, die nicht den Blick auf das größere Problem verstellen sollten? Diese Frau Passmann strotzt vor Selbstbewußtsein, ich habe mal nachgelesen welchen Hintergrund sie hat und rätsle immer noch auf was sich das aufbaut – jedenfalls ist sie ein Interessantes Beispiel für eine Frau ihrer Generation ….

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        1. Ich halte den Geschlechterkrieg tatsächlich für zweitrangig, bin aber ja auch ein alter, weißer und deswegen mehrfach priviligierter Mann. Mich hat das nie interessiert, auch weil ich mir einbilde mit meinen Möglichkeiten im persönlichen Umfeld nicht direkt zu unterdrücken und das Megachauviarschloch zu sein…Sexist ja, aber eben kein Chauvi. Ich lege allerdings- und da bin ich gnadenlos ungerecht- an beide Geschlechter…’Diverse‘ habe ich keine in meinem Umfeld…die gleichen Maßstäbe an…und ich habe es bereits oft formuliert…mir sind Frauen als Umgang meist deutlich lieber, als Kerle. Ich sage gewöhnlich was ich für richtig oder falsch halte…ob da eine Person mit ‚Mumu‘ oder ‚Schniedel‘ sitzt, ist mit da für den Erkenntnisgewinn oder die zu erteilende Lektion egal.
          Ich verstehe auch, dass es ein Problem in unserer Gesellschaft gibt, wenn Mädchen häufiger mit besseren Noten die Schule und die Ausbildung durchlaufen und dann im Arbeitsmarkt dennoch meistens -wenn auch nur knapp über dem statistischen Rauschen- finanziell schlechter gestellt werden. Ich halte ein Argumentieren mit dem Apfel-Birnen-Scheiße-Gender-Pay-Gap von 21% für genau das, eine Dummheit, die die Ernsthaftigkeit für tatsächliche strukturelle Probleme verstellt und sie an Glaubwürdigkeit einbüßen lässt.
          Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, ob die Forderung:“Wir wollen alles…Kinder, Karriere und das Recht zur Party“, eben alle gleichzeitig erreichbar sind bzw. ob die Gesellschaft dafür letztlich zahlen soll. Meine Einstellung zum Nachwuchs habe ich bereits mehrfach hier im Blog kommuniziert, ich halte die Subventionierung – definitiv spätestens jenseits von max. 2 Kindern für einen Farce…und ich verstehe auch, warum Arbeitgeber davor zurückschrecken, Menschen mit ausgeprägtem Religionsgehabe -oder hoher Wahrscheinlichkeit durch Fertilitätsfehlzeiten arbeitsfern zu werden, einstellen zu wollen… Business vs. Vermeintliches Recht auf Alles.
          Wir haben in den staatlichen Bereichen via TVÖD sicherlich eine gleiche Bezahlung unabhängig von primären Geschlechtsorganen…bei google im Konzern scheint es ja so zu sein, dass Frauen bei gleicher Stelle besser bezahlt werden…bei meinen eigenen Einblicken in die Gehaltsstruktur von deutschen mittelständischen und Dax Unternehmen habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass dort Entgeltzahlungen nach dem Geschlecht an der Tagesordnung sind, Stellen deutlich unterschiedlich dotiert werden ja nach ‚Gender‘.
          Das sich Politik hauptsächlich mit Vorstands –und Aufsichtsratsgehältern bei dieser Thematik beschäftigt –und entsprechende Gesetze erlässt- ist ein Hinweis darauf, wieso es für den Rest der Menschen nahezu irrelevant ist. Der Nachweis, dass es eine andere Unternehmenspolitik durch Frauen gäbe, widerlegt in seinem Vlog „15 Minuten Wirtschaftspsychologie (für Personaler)“ Prof. Kanning von der Hochschule Osnabrück gut im Beitrag „Führen Frauen anders als Männer?“.
          Und ja, da sich Frauen an die patriarchalischen Strukturen eines Schweinesystems anpassen müssen um Karriere zu machen, sind sie –um erfolgreich zu sein- eben genau solche Schweine wie die mit dem Penis zwischen den Beinen. Und auch Eichmann hat nur seinen Job getan und war letztlich ein Opfer der Umstände(und bevor die Empörungswelle losgeht,Nein, ich vergleiche Feministinnen nicht mit Nazi, sondern weise auf ähnliche Argumentationsmuster hin, bei denen Täter sich immer gerne zu Opfern machen). Fuckoff!

          Was wir in realiter haben, ist tatsächlich die Frage, ob unterschiedliche Berufe so unterschiedlich bezahlt werden müssen, wie sie es werden. Doch dies tangiert -via Wertschöpfungsketten- eben eher die Ökonomie und nicht primär das Verständnis von Geschlechterverhältnissen. Warum nun Frauen häufiger in sozialen Berufen aufschlagen, in denen deutlich weniger gezahlt wird und Männer eben nicht, darf man ja heute nicht mit biologischen, vielleicht sogar spezifisch evolutionären Entwicklungen deuten -monokausale Ansätze taugen ja auch gewöhnlich noch nicht mal zur Erklärung, warum die Eintracht momentan einen ‚Lauf‘ hat- sondern muss einem Viktimisierungsmuster folgen, gerne auch in der Geschmacksrichtung „Patriarchale Unterdrückung“…Männer sind Schweine…!

          Was nun das Interview mit Frau Passmann angeht…mir ist ihr Werdegang erstmal egal, ich bin da nicht so Leistungs-oder straight forward-Richtung-Karriere fixiert, dass mich das tatsächlich interessieren sollte.
          Denn, im Umkehrschluss bedeutet es ja sonst: nur Menschen mit einer bestimmten Form der Daseinswerdung dürften sich zu etwas äußern…und könnten Recht haben -das halte ich für falsch. Wir hatten anno irgendwann…als wir an der Uni streikten…und es keinen außerhalb des Campus interessierte…ein Plenum bei dem ein Streik-Mensch unfassbar langweilig und veritabel dröge eine schnarchnasige Rede hielt…inhaltlich zwar größtenteils gut und treffend, aber eben unsagbar langweilig, und zusätzlich auch noch von einem hässlichen und wenig charismatischen Menschen dargeboten, als sehr zügig Murren unter den Kommilitonen anfing, äußerte sich ein Plenumsteilnehmer in meiner Nähe und sagte sinngemäß: „Wenn nur noch gutaussehende, charismatische und begnadete Redner was sagen dürfen, haben wir schon verloren…“, was wir verloren hätten, sagte er damals nicht.
          Aber heute glaube ich er hatte Recht.
          Trotzdem ging ich lieber mit den Jungs und Mädels ins KOZ zum Kaffee trinken…langweilig und hässlich waren damals keine guten Gründe sich eine Rede anzuhören. Vielleicht sind wir da heute schon weiter…

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  2. So nach und nach kommt in mir der Zweifel hoch was mein Studium angeht – wenn ich so höre was Sie da an *Umfeld* hatten. Meine Kommilitoninnen waren diese ’nerdigen‘, unnahbaren Fragezeichen, die schon meterweit vor sich einen unsichtbaren Schild trugen „Noli me tangere!“, während sie Insekten und anderes Getier durchaus nicht fürchteten.

    OK, das ist Vergangenheit.

    Was die Geschlechtergleichheit angeht bin ich insoweit vorbelastet, als in biologischen Systemen die Verschiedenheit begründet werden kann, wobei zu betonen ist: Es gibt deswegen nirgendwo in der Fachliteratur eine „Wertung“ der Geschlechter – interessant übrigens, dass es viel öfter drei Geschlechter als zwei, wie beim Menschen, gibt.

    Hinsichtlich der Verschiedenheit der Bezahlung wäre es doch sehr leicht Standards festzulegen wenn es gelänge, einen ausgeglichenen Kriterienkatalog zu etablieren. Und genau da fängt es an komplex zu werden.

    Die Probleme ergeben sich aus unterschiedlicher Erfahrung, Einzelkenntnissen und Spezialgebieten. Solche Abweichungen von der Norm können für eine Tätigkeit sehr bedeutsam sein, weswegen eine allgemeine Bezeichnung völlig nichtssagend sein muss! Eine „Frau Dr. Diplom-Chemikerin“ ist eben nicht gleich dem „Herrn Dr. Diplom-Chemiker“ wenn sie organische Chemie als Schwerpunkt hat und er auf anorganische Chemie spezialisiert ist. Für Laien sieht das dann möglicherweise wie Diskriminierung aus, obwohl es objektiv betrachtet nicht so ist.

    Da wir Beide erwachsen sind werden wir es wohl überleben wenn wir erkennen:
    Es gibt mehr Ungerechtigkeit als Gerechtigkeit auf der Welt, Böse wird nicht immer bestraft – Gut nicht immer belohnt …!

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    1. Nun ja, das nähere und private Studienumfeld war ein menschlich feines; das oben beschriebene nun eher eine Randerscheinungen, die sich auf die Zeit des Aufruhrs und der Revolte verdichtete. 😀
      Kritik an Geschlechterungleichheit ist ja ein spezifisch gesellschaftliches -zum Teil hochideologisches- Thema. Da wird zumeist -und aus meiner Sicht zu Unrecht- eine biologische Variante ausgeblendet, die Verhaltensweisen bestimmen könnte oder kann, differierende Präferenzen lediglich erziehungs – und/oder unterdrückungsdeterminiert gedacht. Evolutionäres Erbe wird als ‚biologistisch‘ verworfen, stattdessen versucht man sich am Pippi-Langstrumpf-Syndrom als Erklärungsansatz…nebenbei kann dann auch nicht sein, was nicht sein darf. Wissenschaft geht anders!

      In diesem Rahmen wäre gegebenenfalls mal zu hinterfragen, wieso Gender-Marketing so prima funktioniert…echt nur deswegen, weil Männer das eben genau so wollen, und heimlich still und leise die Fäden im Hintergrund ziehen, um Frauen in rosafarbene Klamotten zu zwingen? Ich zweifle.
      Im Beitrag „Frauen verdienen weniger als Männer, immer noch“ beim hpd zum EPD gibt es einen interessanten Kommentar von Lars Temme zum Thema, der sich auch mit Kriterien beschäftigt.

      Die Welt ist gar nicht so schlimm…die Tendenz hin zu einem besseren Leben für die Menschheit als Gesamtes wird im Großen und Ganzen immer besser, aber natürlich nicht unbedingt für jeden Einzelnen. 😉

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