Der nächste…

…Geburtstagsglückwunsch ist heute fällig und trifft die inzwischen 90 jährige Catarina Valente.

Ein Star aus jener Zeit, als man noch Fernsehen in schwarz-weiß genoß, für einen Wechsel des Senders aufstehen musste, und Konrad Adenauer in den Augen mancher tatsächlich ein großer Mann war.
Als Kind meiner Klasse, habe ich deutsche Schlager der 50 und 60er Jahre (und in geringem Maße auch der 70er) aus dem Elternhaus mitbekommen.
Mein Vater sang beim Autofahren gerne mal Quando, Quando vor sich hin, und, auf dem Plattenteller drehten sich Singles von Freddy Quinn, für Muttern Peter Alexander oder Udo Jürgens. Und immer lief irgendwo Heino.
Man rauchte noch zwanglos in der Wohnung (die gelbe Farbe der Vorhänge kann man sich heute kaum noch vorstellen), Aschenbecher waren immer randvoll und auch im Auto wurden Kinder damals weder irgendwo in Kaltschaumgestellen festgeschnallt, noch vor dem Rauch der kippenfressenden Erwachsenen sonderlich geschützt. Der höchste Gipfel an Kinderschutz hieß damals, ein Autofenster kurz herunterzukurbeln, meist erst kurz bevor oder kurz nachdem sich das Kind auf der Rückbank erbrochen hatte.
Müllmänner bekamen damals zu Weihnachten gerne mal ein paar Stangen Reval (ohne) oder auch die legendären Rot-Händle die ich später selber beide eine Zeit lang geraucht habe, bis sie dann von Gauloises (ohne) oder Gitanes Maïs abgelöst wurden, die beide zu Schulzeiten einen etwas intellektuelleren und auch virileren touch hatten – rauchen war ja immer auch posen. Machen wir uns nichts vor.

Die Sehnsuchtslieder der 50er Jahre, Hafen, Meer, fremde Länder erfüllten ihren Zweck; der Kleinbürger träumte von der weiten Welt und Abenteuern – ohne es sich schon leisten zu können,während er buckelnd das Land wieder aufbaute, das die Väter kurz zuvor noch gröhlend durch ihren mörderischen Irrsinn mit in Brand gesteckt hatten.
So reaktionär das Ganze also auch ist, so nett finde ich die Lieder heute noch zum Entspannten anhören.
Auch steckt in vielen Schlagern der 50er Jahre noch gute Musik, jazziger, als bsp. in den Discoschlagern der 70er – Jazz mag ich, Disco eher nicht (wobei es auch Ausnahmen gibt).
Und ich denke: lieber sollen Menschen von der weiten Welt und anderen Ländern träumen, als dort wieder im Gleichschritt Tod und Verderben zu bringen. Und aktuell in Corona Zeiten bleibt ja in großen Teilen auch nur der Traum von Ferne. Mich hat es eh‘ nie herausgezogen, hatte immer das Gefühl hier im Land alles zu haben, was ich will – warum dann noch Geld für eine Fernreise und eine meist schlechtere Unterbringung ausgeben?

Spätestens ab der Pubertät sang ich dann nicht mehr mit Vatern bei der Autofahrt alte Schlager, sondern zog via Walkmen (anfangs und später noch via Ghettoblaster-to-go) mit Heavy-Metal oder Hardrock und den punkigen Vorgängern der NDW durch den Ort. Später, während des Studiums war ich -heute merke ich zu selten- bei meinen Eltern und habe mit Vatern im Hobbykeller gezecht, geredet und Musik dabei gehört.
Da lief dann Hans Albers, den wir beide Klasse fanden, oder ich führte ihn in ein paar Punk Coverversionen alter Lieder ein, von Slime Wir lieben die Stürme oder schwäbelnd auch von Normahl.

Aus solcher Zeit -und auch meiner Sozialisation- stammt vermutlich das faible heute weiterhin auch noch alte Schlager zu hören (das, was aktuell als Schlager daherkommt, ist mir hingegen ein veritables Brechmittel).
Old fashioned, irgendwie. Old style sicher auch. Neumodische Kleinhirne verwenden vermutlich lieber retro.

Aber wir brühen ja auch Kaffee schon seit langer Zeit in einem Porzellankaffeefilter jener Marke, die auch den passenden Filter dazu erfand.
Vor kurzem fiel mir leider, weil ich Hirnie mir das kochende Wasser beim Überbrühen, statt in den Filter über meine Flossen gekippt habe – und darauf mit einer eher hektischen Bewegung und veitstanzartigen Zuckungen reagierte- unser alter Filter zu Boden und zerbrach in garstig viele Scherben.
Die Mrs. entfernte netterweise the mess, da sie zu deutlich mehr Gründlichkeit dabei neigt, als ich es tue – einzig und vielleicht trotzdem fand mein Fuß des Nachts unfreiwillig noch einen Splitter und wollte sich kaum wieder davon trennen.
Zum Glück haben uns die bärtchentragenden Sensibelchen, die sich heute für echte Männer halten, weil sie das Wort „Barber“ größtenteils buchstabieren können und sich parfümiertes Öl in den Gesichtswuchs massieren lassen, den Trend des Kaffee-selber-zu-überbrühens wieder modisch gemacht, so dass ich ohne Probleme einen hübschen Ersatz derselben Firma -nur in Rot (die Mrs. wollte das)- erstehen konnte. Wenigstens sind die also mal zu einer Sache gut.

Als Lied des Tages, auch, weil ich das feine Lied ‚Tipi tipi tipso, col calipso‘ bereits beim Spiel der deutschen Pfandflaschen gegen Mexiko hier im Blog hatte, greife ich stattdessen auf das naseweise und düsterere Lied ‚Spiel noch einmal für mich, Habanero‘ zurück. Auch, weil das bestimmt als eine Form von cultural appropriation (Italienerin besingt  kubanische Zustände) von irgendwelchen Jammerhirnies gesehen werden kann, alleine dewegen lohnt es sich.

Ihnen Ihr Blödbabbler, devoter Kaffeeüberbrüher des HErrn der Mrs.

 

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