Glenalba 22y (2016)

Nachdem ich nun das Pflichtprogramm des Discounter Einsteigerwhiskys hinter mich gebracht habe, Glen Orchy 5 years, Ben Bracken Speyside, Highland und Islay liegen hinter mir, kann ich mich nun wuschig den gereifteren Semestern zwischen 22 und 30 Jahren zuwenden. Mein Acronym zur guten alten American PieMILF‚ – nenne ich dann wohl schlicht ‚WILD'(Whiskys I’d like (to) drink) *grins*.
O.k. let’s runnin‘ WILD mit dem Glenalba 22 Jahre Sherry Cask Finish aus dem Jahre anno 2016(Vorweihnachtsgeschäft).
Glenalba 22 (2016) Flasche
Der Glenalba 22 ist ein Blended Scotch Whisky, der mit 40% Alkohol und -wie leider immer noch üblich- Zuckerkulör der E150a Variante von Clydesdale für Lidl 2016 abgefüllt wurde.
Die Flasche versteckt sich hinter einer Pappdose die in weiß-grün gestaltet wurde und bei der die Farbwahl und Größe der Schrift meinen Augen beim Versuch sie baräugig zu entziffern nicht wirklich gut tut.
Wer sich diese Schikane ausgedacht hat, sollte mit einer Karotte so lange verprügelt werden bis er Vitamin A spuckt.
Man hat sich bemüht Transparenz auf dem Label darzustellen, ob das allerdings mehr war als ein Marketinggag bezweifle ich mal. So finden wir den Hinweis auf ein Batch: JS/322, ein Lot#0745C, was aber zumindest -Spoiler Alarm!- bei den von mir erstandenen 4 Flaschen immer dieselbe Angabe war – und soweit ich das im Internet verfolgt habe- auch bei allen anderen.
War also wohl ein echt fettes Batch, aber wir mündigen Trinker freuen uns ja bereits über kleinste Anzeichen von Information auf dem Label.
Wie es sich für einen Blended Whisky gehört, wurden hier Single Malts mit Grain Whisky vermischt, von denen der jüngste mindestens 22 Jahre alt sein musste.
Danach ging es nochmal für eine unbestimmte Zeit ins Sherryfass zum sogenannten finish. Warum?
Nun, vermutlich waren die Fässer in denen die Ursprungsdestillate reiften nicht allesamt der absolute Bringer, also eher Brot-und Butter Fässer(nicht buchstäblich!) der Kategorie 2nd, 3rd, oder noch öfter befüllt und ausgelutscht statt Premiumware. Die können zwar noch während der Reifung helfen das Raue des Rohbrandes abzumildern, aber geben selbst meist außer Bitterstoffen(Tanninen) nicht mehr viel her -und manchmal nicht mal mehr das. 😉
Um also in einen eher unterkomplexen Whisky ein wenig Geschmacknuancen zu bekommen(und damit besser und vor allem teurer verkaufen zu können), nutzt man dafür neuere Fässer, die eben kurz(meist ist es leider eben nicht mehr lang) mit Sherry, Portwein oder einer anderen Leckerei befüllt waren, und bei denen sich ins Fass ein paar Liter der Substanz gesogen haben, die es nun an den darin gefüllten Whisky abgibt.
Denn: direkte Zugabe von Sherry in den Whisky ist böse, indirekte hingegen ist ein cleverer Trick um sein Zeug an den Mann zu bringen, Glenmorangie sei Dank!
Und nur damit das nicht falsch ankommt: Es gibt wirklich richtig gute gefinishte Whiskys da draußen und ein indirektes Panschverfahren ist also nicht pauschal zu verurteilen.
Kommt es doch primär aufs Ergebnis an und nicht (nur) aufs Abarbeiten der Dogmatik der SWA. Compass Box Freunde wissen was ich meine. 😉
So kann es auch eine spaßige Versuchung sein, sich mal seinen Whisky daheim mit einem Tropfen Sherry oder Port oder Heringssud oder was weiß ich zu ‚veredeln‘, ein wenig mit Aromen und Geschmäckern zu spielen.
Noch ein paar Eckdaten habe ich anzubieten, dann gehts los mit meinen Eindrücken zum Glenalba 22 Jahre.
Die Whiskys wurden 1993 destilliert -wo auch immer, und von wem auch immer- und 2016 abgefüllt.
Meine Flasche kaufte ich zum Jahresende 2016 für den sensationellen Preis von 24.99€.
So wie es ausschaut gab es 2015 schon einmal den gleichen(?), es finden sich zumindest in der Whiskybase zwei Beiträge dazu.
Meine Flaschen haben alle den Bottlecode L28164, der wohl den 2016er Flaschen zueigen ist.

Was hat der Glenalba 22 anzubieten?
In der Nase sammeln sich Kakaonoten, frischer Sherry(nicht die dumpfe und schwere Variante), Karamell und überraschend helle Früchte -Aprikose/Pfirsich- und eine süße Note.
Klasse Näschen.

Im Mund ist es fettig und seidig, deutlich Sherry dabei ein leichtes bisschen säuerlich und adstringierend. Er ist cremig und ein kleines bisschen bitter und bizzelt auch etwas auf der Zunge. Für die 40% Alkohol hat er einen kräftigen Antritt und schmeckt fast singlemaltig, wobei eine crispy Note vom Grain(?) spürbar ist.
Der ist auch im Mund ein leckerer Geselle.

Im Abgang haben wir dann etwas Holz, immer noch Sherry und eine chinesische süß-sauer Variante, insgesamt ein wenig weinig. Er macht fühlbar fettige Lippen und eignet sich so natürlich auch zur täglichen Gesichtspflege als echtes Naturprodukt. Im Schlund brennt er dann leicht, was den Gesamteindruck aber nicht wirklich trübt.

Seufz. Der Glenalba 22 ist ein wirklich leckerer Blended Whisky, und ich verstehe mal wieder die eher niedrige 80er Wertung dazu in der Base nicht.
Wenn ich aber dort sehe, dass auch der Old Perth SC dort sogar noch unter 80 angesiedelt ist, wird vielleicht ein Schuh draus, den ich mir aber nicht anziehen werde. 😀

Die Whiskybase hat hier was zum Glenalba 22 Cd (2016).

Wertung Blended Whisky
Glenalba 22 (2016)
Geschmack:
Preis-/Leistungsverhältnis:

Fazit: Der Glenalba 22 Jahre (2016) ist ein wirklich toller Blend, abwechslungsreich, lecker und süffig mit einem nahezu unschlagbaren Preisleistungsverhältnis. In der gleichen Preisklasse spielt bspw. ein Old Perth Sherry Cask, der aber keine 22 Jahre auf dem Buckel -dafür aber 3% mehr Alk- hat. Ich habe es oben bereits erwähnt, ich habe mir damals 4 Flaschen davon hingestellt, weil ich den für knapp 25€ einen absoluten Knaller fand. Sein Nachfolger(der ein komplett anderer Whisky sein kann, remember, Handelsname) ist ein 23jähriger(gleiche Flasche, gleiches Label) der dann aber eben auch gleich 39.90€ kostet und deswegen den Weg (bisher) nicht zu mir gefunden hat.

Ihnen Ihr Blödbabbler

Rating-Info
6 Perfekt – 5 Wunderbar – 4 Lecker – 3 Gut – 2 Brauchbar – 1 Widerlich – 0 Fußbad

2 Gedanken zu “Glenalba 22y (2016)

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